Star Trek: Discovery 1x15

Star Trek: Discovery 1x15

Mit der Folge Will You Take My Hand? beendet die US-Serie Star Trek: Discovery ihre erste Staffel. Die Discovery begibt sich zum klingonischen Heimatplaneten, um eine kriegsentscheidende Wendung herbeizuführen - kann die Sternenflotte ihren Prinzipien treu bleiben?

Michael Burnham und Sarek in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access
Michael Burnham und Sarek in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access
© ichael Burnham und Sarek in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access

Michael Burnham

Fangen wir mit der Hauptfigur der Serie an. Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) hat sicher die größte charakterliche Reise hingelegt. Im Auftakt noch die Nummer eins unter Philippa Georgiou (Michelle Yeoh), führten ihre Entscheidungen dazu, dass sie verurteilt und inhaftiert und obendrein als Hauptverantwortliche für den Krieg mit den Klingonen deklariert wurde (auch wenn man da als Zuschauer anderer Ansicht sein kann). Von Gabriel Lorca (Jason Isaacs) erhielt sie eine zweite Chance an Bord der Discovery (die Gründe dafür wurden uns später erläutert), musste ganz unten anfangen und konnte sich schließlich wieder zu einer Figur aufschwingen, der die Besatzung vertraut.

In Will You Take My Hand? ist sie es nun, die die aktuelle Mission infrage stellt und mit einer neuen Meuterei droht, sollte die Sternenflotte (hier durch Admiral Cornwell (Jayne Brook) repräsentiert) sich des Mittels bedienen, welches Imperatorin Georgiou im Sinn hat und erst spät in der Folge von Tilly (Mary Wiseman) entdeckt wird. „A year ago, I stood alone. I believed that our survival was more important than our principles. I was wrong. Do we need a mutiny today to prove who we are?

Dieser Schlüsselmoment der Episode ist sehr gelungen. Obwohl es sich quasi um eine Wiederholung aus den Auftaktfolgen handelt, hat sich Michaels Blickwinkel um 180 Grad gedreht. Dass sie richtig liegt, zeigt auch die Unterstützung der Crew - hier wird auf Föderationswerte gepocht. Cornwell hat keine andere Wahl und muss entsprechend auf die Situation reagieren. Ein toller Moment, der in dieser Form noch vor ein paar Episoden nicht denkbar gewesen wäre (man stelle sich nur einmal vor, Lorca hätte noch das Kommando und die Crew wäre noch dort, wo sie vor ihrer Reise ins Spiegeluniversum war).

Auf den alternativen Plan, den Michael schließlich durchführt, kommen wir gleich noch zu sprechen. Aber rein figurentechnisch wurde Burnhams Reise zu einem recht gelungenen (Staffel-)Abschluss gebracht. Inklusive vollständiger Rehabilitation am Ende. Wobei es schnitttechnisch nicht so toll war, ihre finale Ansprache zu unterbrechen - eine Rede wirkt oft besser, wenn sie ohne Unterbrechungen daherkommt.

Kleinere Anmerkungen: Die vollständige Geschichte darüber, wie Burnhams Eltern ums Leben kamen, lässt ihre Entscheidung noch einmal stärker wirken. Des Weiteren gab es noch einige Dialoge mit ihren Zieheltern Sarek (James Frain) und Amanda Grayson (Mia Kirshner), die sich ebenfalls als gelungen bezeichnen lassen. Für Michael ist der Weg jetzt frei zu neuen Abenteuern und nach dem Cliffhanger des Staffelfinales dürfen wir gespannt darauf sein, ob wir ein weiteres „Familienmitglied“ in der zweiten Staffel kennenlernen werden (muss eigentlich, oder?) - Spock.

Sarek und Saru in „Star Trek: Discovery“
Sarek und Saru in „Star Trek: Discovery“ - © CBS All Access

Saru

Saru (Doug Jones) kommt zwar nicht mit auf die Außenmission, erhält aber trotzdem ein paar sehr schöne Szenen. Das Zwiegespräch mit Georgiou, seine Unterstützung im Schlüsselmoment der Episode bis hin zur Auszeichnung am Ende, die er sich wahrlich verdient hat. Auch bei ihm lässt sich - wenn auch in etwas kleinerem Ausmaß - eine sehr gelungene Entwicklung ausmachen. Anfangs noch eher „Sensor für Gefahrenmomente“, gelingt es ihm im Staffelverlauf, Qualitäten als Führungsperson zu gewinnen, was mit Blick auf seine Spezies außergewöhnlich sein dürfte. Weshalb er da am Ende keine Beförderung zum Captain (der Discovery) erhält, ist allerdings nicht nachvollziehbar. Stattdessen soll ein neuer Captain auf Vulkan aufgelesen werden. Bummer!

Andererseits bietet ein neuer Vorgesetzter (sollte die Discovery Vulkan noch erreichen - schließlich kann bis dahin alles Mögliche passieren) auch wieder neue Möglichkeiten und der Fokus der Reihe lag bislang ohnehin nicht auf dem jeweiligen Captain. Georgiou, Lorca und schließlich Mirror-Georgiou waren zwar wichtig und vor allem Lorca ließe sich dennoch als eine Hauptfigur der Staffel bezeichnen. Aber mit Blick darauf, dass die ersten beiden nicht überlebten und die Imperatorin als Captain erwartungsgemäß nicht lange aktiv war, ist es vielleicht besser für Saru, wenn er in der zweiten Staffel nicht auf dem Stuhl des Schiffskommandanten sitzt.

Ash Tyler

Jetzt wird es etwas komplizierter. Der Werdegang von Ash (Shazad Latif) ist wohl einer der holprigsten im Staffelverlauf und entsprechend verhält sich diese Figur auch im Staffelfinale. Zwar wird uns jetzt klar, worauf die Geschichte mit Voq hinauslaufen sollte - denn Ashs Fähigkeit, sich Voqs Erinnerungen bedienen zu können, ist ein unabdinglicher Faktor zum Erfolg der Außenmission (weshalb er auch mitkommen muss). Aber andererseits bleibt er ein Mysterium, womöglich sogar nur ein Gimmick der Staffel, was nach Belieben eingesetzt wird.

Zunächst einmal stellt sich nach dieser Folge die Frage, weshalb L'Rell (Mary Chieffo) ihre Prozedur von vor zwei Wochen nicht sofort (direkt nach der Umwandlung von Voq zu Tyler) mit umgekehrter Intention durchgeführt und Tylers Willen (oder Seele oder was auch immer) in die ewigen Jagdgründe geschickt hat. Vielleicht wurde da etwas erklärt (nötig zur Tarnung oder damit Voq nicht detektiert wird oder weiß der Kuckuck), aber wenn man sich Ash diese Woche so anschaut - spricht fließend klingonisch, weiß alles, was Voq wusste et cetera -, hätte Voq doch als Ash Tyler ähnlich innerhalb der Föderation auftreten können. Oder übersehe ich da etwas? Dann seine Beziehung zu Burnham. Da wurde letzte Woche eigentlich alles Nötige zwischen den beiden gesagt. Wenn man an dem Verhältnis was kitten will, geht das nur über einen längeren Zeitraum. Da war ein überzeugender Einsatz von Ash bei der Mission nur ein erster Schritt. Dennoch wirkt der Abschied zwischen den beiden sehr intim und der Bruch schon nahezu überwunden. Wer will einem das denn jetzt abkaufen? Die Szene wurde zwar von beiden Darstellern gut gespielt, aber überzeugend war sie leider nicht.

Außerdem entscheidet sich Ash dazu, L'Rell bei ihrer weiteren Reise zu begleiten. Schön und gut, als eine Art Botschafter (oder Fackelträger - das Lieblingswort dieser Folge) ergibt das sogar halbwegs Sinn. Aber nach allem, was sie ihm angetan hat? Und meinte Tilly nicht letzte Woche noch, dass es wichtig wäre, Ash auf den rechten Pfad zu bringen, ihm quasi einen Neuanfang zu bescheren, damit er sich in die richtige Richtung entwickeln kann? Joa, werfen wir das mal über Bord und stecken ihn mit seiner Peinigerin und deren Ideologie zusammen. Wird schon schiefgehen.

Unterm Strich wie gesagt mindestens sehr holprig und am Ende leider nicht überzeugend. Sollte Tyler in der zweiten Staffel zurückkehren (was sich anbietet), denn bitte besser durchdacht und mit nachvollziehbarerem Verhalten.

Captain Georgiou in „Star Trek Discovery“
Captain Georgiou in „Star Trek Discovery“ - © CBS All Access

Philippa Georgiou

Man konnte sich letzte Woche zu Recht ärgern, als die Imperatorin auf den Captain's Chair gesetzt wurde. Die Offenbarung über die eigentliche Mission kommt mit Blick auf das terranische Imperium auch wohl kaum überraschend daher. Dennoch muss ich zugeben, dass mir Michelle Yeoh in ihrer Rolle ausgezeichnet gefallen hat. Angefangen mit ihrem Auftreten auf der Brücke, bei welchem sie sich tatsächlich spiegelbildlich zur echten Philippa Georgiou verhält, über ihren Einsatz während der Außenmission (einfach köstlich), bis hin zum Ende, welches weitere Auftritte zulässt.

Kleinere Stirnrunzeleien waren zwar auch dabei, beispielsweise, dass unsere Crew so einfach schluckt, dass es sich hier um die „echte“ Philippa handeln soll, obwohl doch einige Mitglieder bei der großen Schlacht dabei waren und man doch gerade erst aus dem Spiegeluniversum zurückkam. Da hätte ihr Verhalten schon auffallen müssen. Aber dennoch schön umgesetzt. Und irgendwie hätte ich schon Lust, mir ein Spin-off zu den weiteren Abenteuern der Imperatorin anzuschauen. Wobei es natürlich denkbar ist, dass wir ihr auch so in der zweiten Staffel über den Weg laufen werden. Vielleicht zusammen mit Harry Mudd (Rainn Wilson)? Könnte ein amüsantes Team-up ergeben.

Sylvia Tilly

Sylvia Tilly ist diese Woche wieder für ein paar der amüsanteren Momente zuständig. Ob bei der Verköstigung lokaler Spezialitäten oder später beim Drogenkonsum in der Stube der namenlosen Figur von Clint Howard (Fun Fact: Howard spielte bereits in der ersten Serie mit - als Balok in The Carbomite Maneuver (1x10)). Da ließ sich gut schmunzeln.

Wobei sie aber längst nicht mehr die naive Figur vom Anfang der Staffel ist. Sie ist im Verlauf der Serie deutlich gereift und zu einem wichtigen Mitglied der Besatzung geworden. Entsprechend gibt es auch im Finale genügend Dialoge zwischen ihr und den anderen Figuren, die nicht auf Humor abzielen. Und sie ist es dann auch, die schließlich entdeckt, welche Fracht sie da transportieren soll und die anderen vor Georgious Plan warnt. Überhaupt konnte sie schon mehrfach zum Erfolg diverser Missionen beitragen, hatte sich bereits die Anerkennung von Saru verdient und erhält im Finale schließlich den Rang eines Fähnrichs. Schöne Entwicklung, von der wir hoffentlich noch mehr in Staffel zwei zu sehen bekommen (ihre weitere Ausbildung wird doch wohl an Bord der Discovery stattfinden, oder?)

Michael Burnham in „Star Trek: Discovery“
Michael Burnham in „Star Trek: Discovery“ - © CBS All Access

L'Rell

Hier kommt jetzt der Brocken, der einem das Finale ein wenig madig macht und den Eindruck erweckt, dass die Autoren noch zwei bis drei Episoden für einen runden Abschluss benötigt hätten. Die Rede ist natürlich von der Alternative, die Burnham da anstelle der Hydrobombe präsentiert und die direkt L'Rell involviert. Zwar können wir in etwa den Kniff verstehen, L'Rell die Kontrolle über die Bombe zu geben. Aber was hält die Klingonin, die diese Woche erst wieder verprügelt wurde, Voq auslöschen musste und ihren Aufenthalt an Bord der Discovery aus schwedischen Gardinen betrachten durfte, noch gleich davon ab, weiter auf Krieg zu setzen? Mit der Kontrolle über die Bombe (wie beweist sie den anderen Klingonen überhaupt, dass die echt ist?) mag sie jetzt zwar in der Lage sein, die 24 Häuser zu vereinen und T'Kuvmas (Chris Obi) Weg fortzusetzen. Aber weshalb sollte sie auf Krieg mit der Föderation verzichten, wo der doch schon fast gewonnen ist? Zumal sie doch immer wieder betonte, dass nichts und niemand den Krieg aufhalten wird...

Um hier ein gekonntes Ende und eine gelungene Wendung zu präsentieren, wäre jedenfalls noch einiges notwendig gewesen. So aber wirkt die Auflösung überhastet und zu sehr aus dem Hut gezaubert. Schade. Ähnliches lässt sich übrigens vom Sporenantrieb berichten, der laut Stamets (Anthony Rapp) erst mal auf Eis liegt, bis man ein nichtmenschliches Interface gefunden hat (was vermutlich nie passiert). Einfach mal mit einem Nebensatz - okay, ab jetzt wieder Warp. Apropos Paul. Der bekommt im Finale leider nicht sehr viel zu tun. Ein cooler Spruch nach dem gelungenen Sprung und am Ende eine Auszeichnung für ihn - inklusive einer posthumen Ehrung für Culber (Wilson Cruz).

Cliffhanger

Nachdem der Krieg unverhofft schnell und ohne Zeitreisen oder sonstige außergewöhnlichen Gimmicks beendet wurde - das aktuelle Kapitel also abgeschlossen wird - fliegt die Discovery mit Warp also ins nächste Abenteuer. Mit Zwischenstopp auf Vulkan. Doch halt, da kommt ein Notruf herein... von der Enterprise! In der zweiten Staffel werden wir somit auf Captain Pike treffen und sollten auch Spock zu sehen bekommen. Einen Blick auf die Darsteller bekommen wir noch nicht, aber neugierig macht das Ende schon. Und für etwas Nostalgie gibt es im Abspann noch die passende Musik dazu. Unsereins ist jedenfalls gespannt auf das zweite Kapitel.

Fazit

Für die meisten Figuren ein gelungener Abschluss des ersten Kapitels der Reihe, welches bemerkenswerterweise keine Todesfälle bei unseren Figuren zu verbuchen hat. Der Krieg mit den Klingonen wurde allerdings viel zu rasch und mit Blick auf L'Rells Figur auch viel zu unglaubwürdig beendet. Im Vergleich zum Rest der Staffel will der Abgang jedenfalls nicht so ganz munden, auch wenn der Cliffhanger wiederum Lust auf mehr macht. Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.

Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 12. Februar 2018
Episode
Staffel 1, Episode 15
(Star Trek: Discovery 1x15)
Deutscher Titel der Episode
Nimm meine Hand
Titel der Episode im Original
Will You Take My Hand?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 11. Februar 2018 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. Februar 2018
Regisseur
Akiva Goldsman

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x15

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