Star Trek: Discovery 1x14

Star Trek: Discovery 1x14

In der Folge The War without, the War within der US-Serie Star Trek: Discovery wird das Tempo gedrosselt. Unsere Crew erhält hohen Besuch und muss sich auf die neue Situation einstellen, die nicht sehr rosig aussieht. Ungewöhnliche Lösungen sind gefragt.

Sarek ist zu Besuch in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access
Sarek ist zu Besuch in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access
© arek ist zu Besuch in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access

Krieg

Dass die Klingonen in den letzten neun Monaten nicht untätig waren, ließ sich bereits dem Cliffhanger der letzten Woche entnehmen. Die ersten Berichte der Neuankömmlinge an Bord der Discovery - unter anderem Admiral Cornwell (Jayne Brook) und Sarek (James Frain) - klingen zunächst nicht ganz so düster. Aber spätestens mit der Ankunft bei Sternenbasis 1, die vom klingonischen Haus D'Ghor eingenommen wurde, wird klar, dass die Föderation am Verlieren ist. Die Klingonen planen sogar schon Angriffe auf die Erde.

Wie konnte sich das Blatt derart schnell wenden? Eine Antwort ist nur schwer zu finden. Wären die 24 klingonischen Häuser tatsächlich vereint und würden gemeinsam koordinierte Angriffe durchführen, ließe sich die Lage sicher irgendwie akzeptieren. Aber uns wird verklickert, dass die Häuser vielmehr im Wettbewerb agieren und jedes Haus für sich handelt, um am Ende ein möglichst großes Stück vom Föderationskuchen abzubekommen. Ein Konkurrenzkampf also, der rein prinzipiell auch diverse Häuser aufeinandertreffen lassen sollte - was komischerweise aber nicht passiert. Da lässt sich schon mit der Stirn runzeln, wenn die Sternenflotte, die aus weit mehr Spezies besteht als das klingonische Imperium, derart an die Wand gedrängt wurde und nicht in der Lage ist, die wichtigen Sternenbasen zu verteidigen - Tarnvorrichtung der Klingonen hin oder her.

Aber gut, wir müssen die neue Lage wohl akzeptieren, auch wenn sie nicht so recht einleuchten will. Gefragt ist nun eine Gegentaktik und hier kommt die Imperatorin Georgiou (Michelle Yeoh) ins Spiel, die sich im Spiegeluniversum bekanntlich gegen eine ganze Reihe von Spezies durchsetzen konnte - worunter auch die Klingonen fallen. Aus taktischer Sicht hat es durchaus Sinn, Georgiou zu befragen und einen riskanten Plan in die Wege zu leiten, der den klingonischen Heimatplaneten zum Ziel hat. Aber warum um Himmels Willen wird ihr das Kommando über die Discovery gegeben? Nicht nur, dass unsere Figuren bereits einen Einblick in die Vorgehensweise des terranischen Imperiums (und speziell von Georgiou) bekommen haben, auch deutet sich bereits jetzt an, dass der Plan einen weit radikaleren Ansatz nach sich zieht, als allen Beteiligten lieb sein dürfte. Logisch wäre es gewesen, Georgiou in beratender Funktion zu behalten und Saru (Doug Jones) die Position des Captains permanent zu überlassen. Aber nein, jetzt wird das Kommando über das momentan (aufgrund des Antriebs) wichtigste Schiff der Sternenflotte mal eben einer unberechenbaren Figur übertragen, die so ganz nebenbei noch andere, sehr üble Pläne haben könnte - offensichtlich hat man von Lorca (Jason Isaacs) nichts gelernt.

Saru in „Star Trek: Discovery“
Saru in „Star Trek: Discovery“ - © CBS All Access

Saru

Für Saru steht hier eine sehr bittere Episode an. Schon vor dem Vorspann erfährt er, wie es den Kelpianern im Spiegeluniversum erging, was Burnham (Sonequa Martin-Green) ihm verschwiegen hatte. Im Folgenverlauf darf er sich dann erneut beweisen - zwar übernimmt Cornwell das Kommando, aber es ist Saru, der beim Anblick der Sternenbasis einen klaren Kopf behält und den Befehl zur Flucht gibt. Wer hier die besseren Führungsqualitäten hat, dürfte wohl klar sein.

Und was ist die Belohnung? Er wird auf den zweiten Platz verwiesen und bekommt einen Captain vorgesetzt, der ihm sicher hungrige Blicke zuwerfen wird. Das passt vorne und hinten nicht. Konsequent daran ist höchstens die Inkompetenz von Admiral Cornwell, die bislang im Serienverlauf keinerlei Erfolge verbuchen konnte. Wir erinnern uns kurz: Spiegel-Lorca konnte sie über lange Zeit täuschen, ohne dass sie etwas von seiner veränderten Persönlichkeit bemerkte. Sie geriet bei einer diplomatischen Mission in klingonische Gefangenschaft und wäre dort fast draufgegangen. Und jetzt friert sie beim Anblick der übernommenen Sternenbasis ein und ernennt die terranische Imperatorin zum Captain. Uff.

Ash Tyler

So schön es auch sein mag, dass die Crew auf der Brücke auch diese Woche wieder aktiver sein darf und wir mehrere kleine Szenen mit Keyla (Emily Coutts), Airiam (Sara Mitich), Joann (Oyin Oladejo) und anderen bekommen, so überraschend ist die Akzeptanz, die Ash (Shazad Latif) in der Kantine entgegengebracht wird. Erinnern wir uns mal kurz daran, wie die Crew auf Michael Burnham reagierte, als sie frisch an Bord kam. Damals dauerte es wesentlich länger und Burnham musste sich erst beweisen, ehe Tilly (Mary Wiseman) weniger skeptisch auf ihre neue Zimmerkollegin zutrat. Ash hingegen hat Culber (Wilson Cruz) - einen Kollegen und Mitglied der Mannschaft - getötet, wollte Michael umbringen und der Erfolg von L'Rells (Mary Chieffo) Operation ist noch nicht wirklich bewiesen (schließlich versteht niemand so recht, was nun mit dem Bewusstsein von Ash/Voq genau passiert ist, auch wenn scheinbar alles gut über die Bühne ging).

Gut und schön, die Logik dahinter, dass Voq für die üblen Taten verantwortlich ist, will schon einleuchten. Aber wie schnell Tilly die Skepsis ablegt und den ersten Schritt macht - dem auch gleich alle folgen -, ist klar übereilt. Ein wenig glaubwürdiger ist Pauls Reaktion auf Ash, denn hier wird klar, dass die beiden für lange Zeit nicht miteinander auskommen werden. Dennoch agiert Paul viel zu ruhig und besonnen auf Ash (auch wenn es unter der Oberfläche brodeln mag). Wo ein Wutausbruch hätte erfolgen müssen, werden Stamets Emotionen unterdrückt - das mag als professionell ausgelegt sein, im Sinne von „nicht die Beherrschung verlieren und so“. Aber stimmig ist das für jemanden, der seinen Lebensgefährten verloren hat, sicher nicht.

„Star Trek: Discovery“
„Star Trek: Discovery“ - © CBS All Access

Besser zu gefallen wussten da die Szenen mit Ash und Michael. Hier kochten auf beiden Seiten tatsächlich die Emotionen hoch und mit dem Ausgang kann man durchaus zufrieden sein. Alles andere (wenn beispielsweise Michael direkt dem Rat von Sarek gefolgt wäre) hätte keinen Sinn ergeben. Vielleicht kann die Zeit hier auf lange Sicht wieder zu einer Annäherung führen, aber der Punkt ist eben, dass Zeit benötigt wird - und zwar auf beiden Seiten -, um die vergangenen Ereignisse zu verarbeiten.

Unterm Strich hätte die Ash-Situation anders angegangen werden müssen. Dass er eine zweite Chance erhält, liegt mit Blick auf das Bewusstseins-Kuddelmuddel auf der Hand. Aber, ohne dass er sich beweist, darf man ihm im Grunde genommen nicht vertrauen.

Sonstiges

  • Ein neuer Sporenvorrat wird benötigt und Paul kann hier blitzschnell einen Weg finden. Zu schnell für meinen Geschmack. Kurz auf die Uhr geschaut, ist nächste Woche Staffelfinale und der Sporenantrieb wird dringend benötigt. Insofern kommt die Lösung direkt aus dem Hut gezaubert, weil keine Zeit mehr bleibt. Hätte man anders lösen müssen (Föderationsreserven oder so was - hätte Sinn, weil der Antrieb ohnehin auf andere Schiffe ausgeweitet werden sollte).
  • Apropos Sporenantrieb. Wie lange wird der noch verfügbar sein? Ewig sicher nicht, weil der Kanon was dagegen hat. Ich bin gespannt, was letzten Endes dazu führen wird, dass der Antrieb zu den Akten gelegt wird - aber damit können die Macher sich ruhig noch etwas Zeit lassen.
  • Ach ja, Kanon. Der Trip der Discovery ins Spiegeluniversum wird geheim gehalten, damit niemand auf die Idee kommt, dort nach Spiegelbildern von geliebten Verstorbenen zu suchen. Kann ich mit leben. Etwas schade war hingegen die Erwähnung, dass die Mirror-Discovery vernichtet wurde. Ich hätte gerne noch einmal Captain Killy gesehen. Aussichten auf weitere Auftritte von Jason Isaacs als „echter“ Gabriel Lorca wurden nebenbei auch aus dem Fenster geworfen, wobei hier aber zumindest noch eine kleine Chance bestehen könnte.
  • Ob L'Rell noch eine größere Rolle spielen wird? Irgendwie spult die immer die gleichen Dialoge ab (der Krieg wird nie enden und so weiter), ohne eine echte Hilfe zu sein und nach der Ash/Voq-Operation darf ihre weitere Nützlichkeit angezweifelt werden.
  • Als gelungen lässt sich das Gespräch zwischen Georgiou und Sarek über Michael bezeichnen. Von dieser Sorte hätte es gerne mehr Szenen geben können.

Fazit

Uff. Eine etwas ruhigere Episode vor dem Staffelfinale ließ sich sicher erwarten, aber was hier an figurentechnischen Entscheidungen abgeliefert wird, ist größtenteils Mist. Schade. Ich bin zwar trotzdem gespannt auf das Finale nächste Woche, aber meiner Begeisterung wurde durch The War without doch ein deutlicher Dämpfer erteilt. Von mir gibt es diese Woche zwei von fünf Sternen.

Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 5. Februar 2018
Episode
Staffel 1, Episode 14
(Star Trek: Discovery 1x14)
Deutscher Titel der Episode
Flucht nach vorn
Titel der Episode im Original
The War Without, the War Within
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. Februar 2018 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 5. Februar 2018
Autoren
Lisa Randolph, Lisa Randolph
Regisseur
David Solomon

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x14

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