Star Trek: Discovery 1x13

© ichelle Yeoh in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access
„My species is bred to sense the coming of death. I do not sense it today. I am surrounded by a team I trust - the finest a captain could ever hope to command. Discovery is no longer Lorca's, she's ours. And today will be her maiden voyage.“ - Saru (Doug Jones).
Irgendwo zwischen Wow und Au
What's Past Is Prologue lässt dem Zuschauer erst am Ende der Episode eine kurze Verschnaufpause. Es passiert so unglaublich viel in dieser Folge und in einem so hohen Tempo, dass es schier unglaublich erscheint, wie schnell der Handlungsstrang im Spiegeluniversum (mitsamt Gabriel Lorca (Jason Isaacs) jetzt abgefrühstückt wurde. Obendrein erwartet uns selbstredend der nächste Cliffhanger, der es aussehen lässt, als wäre unsere Crew nun vom Regen in der Traufe gelandet.
Auf den Rezensenten hinterlässt das Gesamtbild eher gemischte Gefühle. Extrem positiv lässt sich ein Großteil der Handlung an Bord der Discovery um Saru betrachten. Seine Ansprache, die in der Tat eines Captains würdig war, schweißt die Mannschaft zusammen und animiert alle dazu, aus einem Untergangsszenario mit heiler Haut rauszukommen, auch wenn die Chancen das eigentlich nicht zulassen. Hier gefällt dann auch die große Portion Verrücktheit und Exposition mitsamt aller Erklärungen, so abstrus sie auch klingen mögen. Ganz zu schweigen davon, dass zahlreiche Randfiguren öfter mal im Rampenlicht stehen dürfen und dieses nicht nur Tilly (Mary Wiseman) und Stamets (Anthony Rapp) vorbehalten ist - obwohl die beiden selbstredend die Schlüsselprobleme lösen dürfen.
An Bord der ISS Charon hingegen wurde es mit dem Tempo und den Wendungen diese Woche übertrieben. Wobei per se sicher nichts gegen ein bestimmtes Level an Verrücktheit einzuwenden ist und der Spaßfaktor trotzdem hoch bleibt. Die Krux liegt vielmehr bei den Figuren, die ihre Ambivalenz zu schnell ablegen oder gar direkt die Fronten wechseln, ohne auf Stimmigkeit mit den bisherigen Episoden Wert zu legen. Obendrein werden noch zahlreiche Spiegelcharaktere aufgenommen und direkt wieder fallengelassen, was schade ist, und der Erklärbär möchte hier gerade noch so gefallen.
Captain Gabriel Lorca
Die große Offenbarung von letzter Woche war von langer Hand vorbereitet. Je nach Aufmerksamkeitsgrad des Zuschauers ließ sich absehen (oder auch nicht), dass mit Lorca etwas nicht stimmt - da war es spannend oder auch überraschend zu erfahren, dass er ursprünglich aus dem Spiegeluniversum stammt. Vor allem aber war es stimmig mit Blick auf die Figur, die sich nie so recht einordnen ließ.

Diese Woche bekommen wir nun das wahre Gesicht Lorcas zu sehen. Seine niederen Absichten, sich zum neuen Imperator aufzuschwingen, bleiben mit Blick auf die Enthüllungen von letzter Woche auch nachvollziehbar. Das Tempo allerdings, mit dem er seine alte Besatzung aus den Folterkammern holt und seinen Aufstand gegen Georgiou (Michelle Yeoh) durchzieht, ist viel zu schnell. Im Handumdrehen und nur mit kleineren Problemen gelingt es unserem Captain, das Schiff zu übernehmen. Dieser Umstand ließe sich noch verkraften und kleinere Problemchen leicht wegdiskutieren - immerhin kommt Mirror-Stamets mit einer effektiven Biowaffe daher und wie man die Effekte der Agoniekammern beseitigt, ist uns nach letzter Woche auch klar (obwohl ein Jahr und mehr als zweihundert Tage schon ein anderer Brocken ist).
Was aber tatsächlich stört, ist Lorcas Überheblichkeit, nachdem er die Kontrolle hat. Er verlässt sich viel zu sehr darauf, dass Michael (Sonequa Martin-Green) sich auf seiner Seite wiederfinden wird - was letzten Endes seinen Untergang bewirkt. Und das passt nicht. Von jetzt auf gleich legt Lorca sämtliche Ambivalenz und Vorsicht nieder. So spaßig es auch sein mag, Isaacs Darstellung des bösen Imperators beizuwohnen, passt diese (neue) Einstellung nicht zu der Figur, die mehr als anderthalb (!) Jahre erfolgreich vorgab, ein Sternenflottenkapitän zu sein. Klar, seiner eigenen (frisch befreiten) Besatzung muss er sicher nichts vormachen. Unserer Crew und Michael aber schon, denn er sollte wissen, wie es um die Föderationswerte steht und dass niemand von seinem (kürzlich noch aktuellem) Gefolge bei seinem neuen Weg mitmachen wird. Mit mehr Zeit und Finesse hätte sich hier was Überzeugendes herausholen lassen - sei es auch nur der Vorwand, dem terranischen Regime ein Ende setzen zu wollen. Aber Lorca unternimmt nicht einmal den Versuch, sich für unsere Figuren zu verstellen und das ist schlicht verschenktes Potential.
Ansonsten sei angemerkt, dass seine Erklärung dazu, wie er in unserem Universum gelandet ist, recht adäquat erzählt wurde (Transportervorfall während eines Ionensturms - natürlich). Den echten Lorca dürfen wir uns aber wohl ähnlich abschminken wie die Spiegelversion von Burnham. Und auch größere Einblicke in Landry (Rekha Sharma), die sich kaum von ihrer Spiegelversion im echten Universum zu unterscheiden scheint, werden uns wohl vorenthalten werden. Dazu ist die Todesrate diese Woche auch deutlich zu hoch. Was da an möglichem Potential schlummerte, geht verloren - was übrigens auch für Mirror-Stamets gilt.
Michael Burnham
Michael Burnham ist diese Woche charakterlich ähnlich problembehaftet wie Lorca. Wobei hier aber zumindest gefällt, dass sie ihrer bisherigen Linie doch treuer bleibt als der Captain. Es überrascht jedenfalls nicht, dass sie ihre (Sternenflotten-)Werte nicht vernachlässigt, die eben von der Föderation geprägt wurden. Ja, sie hat da in den letzten Folgen einiges in Kauf nehmen müssen (nicht nur, was die terranische Küche angeht), was vielleicht Grund zum Zweifeln mit sich bringt. Aber unterm Strich hat sie sich gut geschlagen und - ähnlich wie der „alte“ Lorca bei uns - ihre Einstellung gut genug überdecken können. So weit, so gut.
Aber: Michael begeht hier trotzdem einige Fehler auf charakterlicher Basis (auch wenn uns das Drehbuch da was anderes vermitteln möchte). Der schwerwiegendste ist schlicht, dass sie Philippa ein dermaßen großes Vertrauen entgegenbringt. Kurz zur Erinnerung: Die Imperatorin wollte sie letzte Woche noch töten und hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie sie sich überhaupt zur Imperatorin aufschwingen konnte, wie sie denkt und so weiter. Selbst mit Michaels Blick auf unsere Georgiou will es jedenfalls nicht ins Bild passen, dass es hier zu einem Team-up kommt und Michael am Ende sogar die Imperatorin vor dem sicheren Tod bewahrt. Ja, sie möchte Philippa nicht ein zweites Mal verlieren, aber es ist eben nicht die alte Philippa. Das wird sich bestimmt noch rächen, die Dame mitgenommen zu haben - was zu einer weiteren Wiederholung für Burnham führen wird.

Wiederholung insofern, dass Michaels Freunde und Führungsvorbilder stets mit Enttäuschungen daherkommen. So hatte Sarek (James Frain) damals Spock vorgezogen, die echte Philippa ist Michaels Rat bezüglich der Klingonen nicht gefolgt, was überhaupt erst zur ersten Meuterei innerhalb der Sternenflotte und zu Michaels Verurteilung geführt hatte. Von Gabriel, der ihr anfangs noch wohlgesonnen schien, hat sie nun die unmissverständliche wahre Orientierung erfahren. Und dann wäre da noch Ash (Shazad Latif), der sich diese Woche nicht blicken lässt, aber ihr gerade erst einen Beinahetodesschlag versetzt hat. Der Punkt ist, dass gerade Michael sich ihre Verbündeten sehr vorsichtig auswählen sollte, sie aber aufgrund eines vertrauten Gesichts fallen lässt und sich stattdessen als Retterin einer von Grund auf bösen Persönlichkeit erweist. Nicht stimmig. Es sei denn natürlich, sie möchte die gleichen Fehler immer wieder aufs Neue begehen.
Aber bevor der schwarze Peter an die Wand gemalt wird, sollten wir vielleicht noch abwarten, wie sich Mirror-Philippa nach ihrer Rettung in unserer Welt schlägt. Vielleicht hat es ja doch Vorteile, wenn man im Krieg gegen die Klingonen (die in den letzten neun Monaten nicht untätig waren) eine terranische Anführerin an der Seite hat.
An Bord der Discovery
Für den kommandierenden Offizier (und jetzt zukünftigen Captain?) Saru gibt es eine ganze Reihe an Hiobsbotschaften zu verarbeiten. Michael muss gerettet werden, das Sporen-Netzwerk liegt im Sterben, was sämtliche Universen bedroht und den Rückweg zunächst versperrt, und nach Lorcas Machtübernahme sieht man sich noch einem neuen Gegner gegenüber.
Was das Sporen-Netzwerk angeht, hätte die Gefahr vielleicht nicht ganz so hoch angesetzt werden müssen, aber es passt schon gut zum Rest des Geschehens. Wenn uns jedenfalls Feuergefechte, Zweikämpfe und obendrein noch eine Luke, die einen Gegner direkt in den Feuerkugel-Kern der Charon befördern kann, erwarten, dann darf auch schon mal das gesamte Leben der Universen auf dem Spiel stehen. Musste bei dem Geschehen eigentlich noch jemand an Flash Gordon denken? Die Zweikampfszenen waren sicher ein bisschen eine Hommage an die Originalreihe, in der auch öfter mal geprügelt wurde. Als Lorca seine Besatzung rettet, weckte das Assoziationen zu Space Seed (die Folge, in der ein gewisser Khan erstmals auftaucht) und überhaupt lassen sich gewiss zahlreiche bewusste oder unbewusste Referenzen ganz anderer Natur finden. Aber für mich war das alles schon recht „Flash Gordig“. Da fehlte am Ende nur noch ein Schnitt samt Nahaufnahme, die einen Ring zeigt, mit dem Lorca zurückkehren könnte (und nur, damit wir uns nicht missverstehen - abgesehen von den charakterlichen Mängeln hat mir das alles sehr gefallen).
Aber zurück zur Discovery. Dieser Plan, mit dem Stamets und Tilly schließlich um die Ecke kommen, lieferte wohl einen der verrücktesten Trips, die man sich nur vorstellen kann. Ich kann und will auch gar nicht drüber nachdenken, inwiefern da irgendetwas glaubwürdig gewesen sein mag. Das Crazyness-Level lag irgendwo bei der Surfszene von Escape from LA (bitte verlinken: https://www.youtube.com/watch?v=2_E9ebt1a_s), unsere Crew musste alles auf eine Karte setzen und durch die riskante Aktion (die optisch wieder sehr schön aussah) wurden alle Probleme mit einem Schlag gelöst - jedenfalls die im Spiegeluniversum. Hatte was von einem großen Finale, auch wenn natürlich noch zwei Episoden ausstehen.
Figurentechnisch ist unsere Crew nun wieder stärker zusammengeschweißt worden. Saru gibt in der Tat einen erstklassigen Captain ab. Auf Tilly dürfte demnächst eine Beförderung warten (und vielleicht noch eine Folgeerscheinung von diesem grünen Etwas, was auf ihr gelandet ist?) und Paul wird vermutlich bei Benutzung des Antriebs noch öfter auf Culber (Wilson Cruz) treffen, der auch hier wieder aushelfen durfte. Zudem lässt sich annehmen, dass auch die anderen Besatzungsmitglieder (von der Brücke) demnächst größere Rollen in den Episoden haben werden, denn die bekommen hier auffällig mehr zu tun als sonst.

Und jetzt?
Nun ist die Discovery also wieder zurück im echten Universum, hat aber ihr Ziel um schicksalhafte neun Monate verfehlt. Die Klingonen haben die Oberhand gewonnen, die Sternenflotte antwortet nicht und somit befinden sich unsere Helden nun mittendrin im feindlichen Territorium. Wie das Blatt jetzt wieder gewendet werden soll, bleibt offen.
Aber Moment, wir haben noch den Sporenantrieb, der sicher einen Teil zur Lösung des neuen Problems beitragen wird. Die Frage ist nur, in welcher Form. Zeitreisen drängen sich hier geradezu auf, aber zunächst wird man sicher herausfinden wollen, was in den letzten neun Monaten überhaupt passiert ist - und dann präsentiert sich womöglich eine ganz andere Lösung. Und sollte da draußen nicht noch immer die Spiegelversion der Discovery herumfliegen? Es lässt sich jedenfalls in viele Richtungen spekulieren, wobei mir eine mögliche Zeitreisethematik „zu einfach“ wäre.
Fazit
Die Folge fällt schon recht stark aus dem üblichen Schema (sofern man hier überhaupt von einem Schema sprechen kann) heraus. Figurentechnisch bereiten Lorca und Burnham einige Bauchschmerzen, während auf der anderen Seite an Bord der Discovery mit den Charakteren gepunktet werden kann. Handlungstechnisch hätte das Tempo deutlich heruntergeschraubt werden müssen, um nachvollziehbarer von A nach B zu kommen. Allerdings ist der Unterhaltungsfaktor gerade aufgrund des Tempos enorm hoch. Der Abschluss der Handlung im Spiegeluniversum ist daher nicht einfach zu beurteilen und wird sicher (wieder) die Gemüter spalten. Ich würde 3,75 Sternchen springen lassen und runde auf vier von fünf Sternen auf.
Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 30. Januar 2018Star Trek: Discovery 1x13 Trailer
(Star Trek: Discovery 1x13)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?