Star Trek: Discovery 1x12

Star Trek: Discovery 1x12

In der Folge Vaulting Ambition geht die US-Serie Star Trek: Discovery in die Vollen. Den Zuschauer erwarten unzählige charakterliche Offenbarungen und ein Wechselbad der Gefühle. Schockmomente sind da genauso inklusive wie eine berührende Abschiedsszene - ganz zu schweigen von den schönen Bildern.

Jason Isaacs in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access
Jason Isaacs in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access
© ason Isaacs in „Star Trek: Discovery“ (c) CBS All Access

Das Internet hatte (wieder) recht

Fangen wir mit der Überraschung am Ende an. Gabriel Lorca (Jason Isaacs) stand schon länger im Verdacht, eigentlich aus dem Spiegeluniversum zu stammen. Seine teils rabiate und rücksichtslose Vorgehensweise war bereits ein erstes Indiz und anhand einiger Rückblenden bekommen wir weitere Hinweise präsentiert, mit denen sich der Braten riechen ließ. Zu guter Letzt sorgte natürlich seine Eingabe vor dem letzten Sprung mit dem Sporenantrieb in Into the Forest I Go für den Verdacht, er könne aus dem Spiegeluniversum stammen.

Dieser Verdacht wird jetzt bestätigt und nach allem, was uns Imperatorin Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) über Lorca berichtet, wird auch sein kurioses Interesse an Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) erklärt. Es gibt überhaupt eine ganze Reihe von Antworten auf Fragen, die sich zuvor gestellt haben. Beispielsweise (nur eine von vielen), weshalb er Harry Mudd (Rainn Wilson) auf dem klingonischen Schiff zurückließ - was den Prinzipien der Sternenflotte widersprach.

Aber das ist noch nicht alles. Vielmehr wird uns veranschaulicht, dass Lorcas Motive tatsächlich niederer Natur sind. Am deutlichsten natürlich am Ende, als er Captain Maddox (Dwain Murphy) überwältigt hat und im Anschluss den Namen von dessen Schwester nennt. Wer hier die Hoffnung hatte, Spiegel-Lorca hätte vielleicht doch gutartige Motive, wird eines Besseren belehrt. Und gerade das macht die weitere Entwicklung so spannend. Wie wird Burnham (und der Rest der Crew der Discovery) mit diesen neuen Informationen umgehen? Gibt es überhaupt eine Zukunft für (Spiegel-)Lorca in der Serie? Und was ist mit dem „echten“ Lorca passiert?

Es ließe sich zwar leicht monieren, dass die Offenbarung bezüglich Lorca vorhersehbar war. Aber war sie das (in der Form) wirklich? Und wer vermag schon zu sagen, wie sich dieser charakterliche Wendepunkt auf die weiteren Episoden auswirkt?

Jason Isaacs in „Star Trek: Discovery“
Jason Isaacs in „Star Trek: Discovery“ - © CBS All Access

Michael und Philippa

Für Michael wird es diese Woche mehr als einmal sehr brenzlig. Sonequa Martin-Green lässt sich an dieser Stelle für ihre Darstellung nur loben, veranschaulicht sie uns doch einmal mehr mit ihrer Mimik, was in Michael vorgeht, während sie Georgiou gegenübersteht. Auf der anderen Seite hat Michelle Yeoh sichtlich Spaß an ihrer bösen Rolle und somit sind schon einmal die Grundvoraussetzungen für spannende verbale Auseinandersetzungen gegeben.

Michael hat hier letzten Endes auch keine andere Wahl, als ihre wahre Herkunft preiszugeben. Als Folge davon präsentiert uns Georgiou, wie im Spiegeluniversum Geheimnisse bewahrt werden - womit ein paar Stellen in ihrer Crew wohl neu besetzt werden können. Und wie übel war bitte die Offenbarung, was die beiden da gerade essen? Zuvor hatte Michael schon Saru (Doug Jones) verschwiegen, dass seine Spiegelversion ein Sklave ist. Diese Woche darf sie einen Kelpianer zum Essen auswählen und verköstigen - wie will sie da Saru jemals wieder unter die Augen treten? Die Sitten und Gebräuche im Spiegeluniversum erreichen hier einen neuen Grad an Geschmacklosigkeit und reiben uns direkt unter die Nase, dass dem Treiben des terranischen Imperiums Einhalt geboten werden muss.

Aber wie will man das bewerkstelligen? Sollte sich die weitere Handlung jedenfalls in diese Richtung entwickeln, steht unserer Crew eine äußerst schwierige Aufgabe bevor, ganz zu schweigen von der Lorca-Situation. Die momentane Prämisse ist aber weiterhin die Suche nach einem Rückweg und was die Möglichkeit des Weges der USS Defiant angeht, bekommt Michael von Philippa eine Absage erteilt - aus verständlichen Gründen. Ihr bleibt nur, auf den Handel der Imperatorin einzugehen: Sporenantrieb gegen Michaels Freiheit. Was eine ganz neue Palette von Problemen eröffnet, denn der Antrieb in den Händen des Imperiums dürfte die Machtverhältnisse im Spiegeluniversum noch weiter kippen, als es jetzt schon der Fall ist. Das heißt natürlich, sofern sich der Antrieb überhaupt wieder in Betrieb nehmen lässt, womit wir zur nächsten Baustelle kommen.

Michelle Yeoh und Sonequa Martin-Green in „Star Trek: Discovery“
Michelle Yeoh und Sonequa Martin-Green in „Star Trek: Discovery“ - © CBS All Access

Paul Stamets

Paul (Anthony Rapp) liegt noch immer im Koma und muss diese Woche einen Weg zurück in die Realität finden. Geistig im Sporen-Netzwerk gefangen trifft er dort auf sein Alter Ego aus dem Spiegeluniversum, welches sein Schicksal teilt. Wobei seine Spiegelversion auf den ersten Blick einen eher freundlichen Eindruck macht und neben einigen Erklärungen (offensichtlich hatte Mirror-Stamets schon vorher seine Fühler nach Paul ausgestreckt) auch Hilfe anbietet. Aber diesem Braten sollten wir sicher nicht trauen, gilt für ihn wie für unseren Paul doch nur, einen Ausweg zu finden. Insofern dürfen wir das Erwachen von Mirror-Paul als böses Omen betrachten, welches einen weiteren Handlungsstrang mit sich bringen wird. Mal schauen, was von der Seite noch kommen wird.

Unser Paul trifft derweil auf Dr. Culber (Wilson Cruz) und bekommt in den berührendsten Szenen dieser Episode die Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Oder fast jedenfalls, denn: „It's never goodbye. Isn't that, what you've been trying to teach all of us? Nothing in here is truly ever gone. I believe in you, Paul. I love you.“ Obendrein erhält Paul durch Hugh schließlich den entscheidenden Hinweis, wie er aufwachen kann - ein (vorerst?) bittersüßer Abschied.

Zurück in der (Spiegel-)Realität wartet anschließend das nächste Problem auf unseren Sporenfreund. Denn die Experimente seiner Spiegelversion haben dazu geführt, dass das Sporennetzwerk zerfällt. Vielleicht erwartet uns jetzt die Erklärung, weshalb in den „Star Trek“-Serien, die weiter in der Zukunft spielen, noch nie der Sporenantrieb erwähnt wurde? Stamets und Tilly (Mary Wiseman) werden sicher versuchen, das Problem zu lösen, aber die Aussicht auf Erfolg scheint marginal zu sein - was natürlich auch mit Blick auf den Deal zwischen Michael und der Imperatorin Böses erahnen lässt.

Derweil auf der Krankenstation

Für Ash Tyler (Shazad Latif) nimmt die Tortur vorerst kein Ende. So recht einleuchten mag die Verschmelzung von Voq und Tyler trotz der Erklärungen von L'Rell (Mary Chieffo) auch noch immer nicht (oder doch? Vielleicht kann mir ja jemand in den Kommentaren erklären, wie das letzten Endes funktioniert haben soll). Sicher ist aber wohl, dass beide Persönlichkeiten in Ashs/Voqs Körper gefangen sind und nur die Klingonin in der Lage ist, Abhilfe zu verschaffen.

Hier darf Saru glänzen, der diese Woche die Aufgabe hat, L'Rell zur Kooperation zu bewegen. Nach einem ersten erfolglosen Appell greift er zu einer Methode, die man dem Kelpianer kaum zugetraut hätte und konfrontiert L'Rell direkt mit dem schreienden Voq/Tyler, der im Begriff ist, sich die Haut vom Körper zu kratzen. Obendrein darf Saru noch einen gelungenen verbalen Konter auf ihre Worte geben: „You have sealed this being's hellish fate. Human versus Klingon in one body. That is war.“ Wirklich faszinierend, was aus dem sonst eher ängstlichen Saru mittlerweile geworden ist.

Doug Jones, Anthony Rapp und Mary Wiseman in „Star Trek: Discovery“
Doug Jones, Anthony Rapp und Mary Wiseman in „Star Trek: Discovery“ - © CBS All Access

Während dieser „WtF“-Moment noch nachklingt, willigt L'Rell schließlich ein, den Qualen ein Ende zu bereiten. Das Ergebnis der Prozedur (und dem Schrei von L'Rell nach zu urteilen) dürfte uns Ash wiedergebracht und Voqs Bewusstsein in die ewigen Jagdgründe geschickt haben. Somit wird sich Tyler demnächst damit auseinandersetzen müssen, dass er Culber getötet hat und Ähnliches auch bei Michael probierte. Die Charaktere in Star Trek: Discovery haben es einfach nicht leicht.

Sonstige Gedanken

  • Die Special Effects sind mal wieder eine Wucht. Der Thronsaal, die ISS Charon und das Sporennetzwerk sind bildhübsch und suchen ihresgleichen. Nebenbei gibt es diese Woche auch diverse blutige Effekte zu verbuchen, die ihre Wirkung nicht verfehlen.
  • Auffällig ist, dass neben einigen Offenbarungen und Erklärungen eine ganze Reihe neuer potentieller Handlungsstränge eröffnet wird. Vorerst können wir sicher nicht mit einer Rückkehr der Discovery ins „echte“ Universum rechnen - bleiben wir etwa bis zum Ende der Staffel im Spiegeluniversum?
  • Apropos Rückkehr. Trotz aller Widrigkeiten müsste Lorca doch einen Weg zurück kennen. Immerhin hat er vorher schon einmal die Universen gewechselt. Vielleicht die Lösung, die uns erwartet?
  • Und last but not least: Was hat Lorca jetzt eigentlich vor? Eine Rückkehr ins andere Universum steht wohl außer Frage. Aber wie sein Plan jetzt aussieht, bleibt noch offen.

Fazit

Awesome. In vielen Teilen vielleicht etwas zu comichaft, aber gerade das passt hervorragend ins Spiegeluniversum. Trotz einiger Vorhersehbarkeiten werden zahlreiche „WtF“-Momente geliefert, neue Handlungsstränge eröffnet und ältere (weitestgehend) brauchbar erklärt. Obendrein gibt es bei Paul noch einige sehr berührende Momente zu verbuchen. Ich bin mit der Folge jedenfalls vollauf zufrieden und vergebe die volle Punktzahl - fünf von fünf Sternen.

Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 22. Januar 2018

Star Trek: Discovery 1x12 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 12
(Star Trek: Discovery 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Blindes Verlangen
Titel der Episode im Original
Vaulting Ambition
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. Januar 2018 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. Januar 2018
Autoren
Jordon Nardino, Jordon Nardino
Regisseur
Hanelle M. Culpepper

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x12

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