Space Force 1x01

© teve Carell und John Malkovich in Space Force (c) Netflix
Als Donald Trump im Sommer 2018 ein präsidiales Dekret zur Schaffung einer sechsten Teilstreitkraft des amerikanischen Militärs ankündigte und damit bei vielen Star-Wars-Fantasien beflügelte, witterten die Funktionäre bei Netflix instinktiv Parodiepotential. Prompt bot man Steve Carell - der sich klar zur Crème de la Crème der komödiantischen Schauspielzunft zählen darf - eine Serie an, bei der bis dato nur der Titel feststand: Space Force, also wie die neue Weltraumtruppe. Carell willigte ein und holte auch Greg Daniels mit an Bord, mit dem er bereits die US-Mockumentary The Office produziert hatte.
Das Duo schrieb das erste Drehbuch zur Science-Fiction- beziehungsweise zur Science-Fact-Comedy. Während der „Paddington“-Regisseur Paul King die Pilotepisode der 10-teiligen Auftaktstaffel inszenieren durfte und damit auch das aufwändige Produktionsdesign prägte. Das Resultat können die Netflix-Abonnenten seit heute selbst bewerten. Neben Carell im Cast: John Malkovich (The New Pope), Lisa Kudrow (Friends), Ben Schwartz (Parks and Recreation), Noah Emmerich (The Americans), Jimmy O. Yang (Silicon Valley), Tawny Newsome (Brockmire) und Youngster Diana Silvers („Ma“).
Worum geht's?
Held der Geschichte ist General Mark R. Naird (Carell), der seit kurzem vier Sterne auf der Schulter trägt. Nun darf er endlich an denselben Tisch wie der US-Verteidigungsminister (Dan Bakkedahl), die Navy-Admiralin (Jane Lynch) und der oberste Marine-Kommandant (Patrick Warburton). Doch dummerweise sitzt auch sein Erzfeind General Kick Grabaston (Emmerich) an jenem Tisch. Das unangenehme Möchtegern-Alphamännchen bekleidet Marks persönlichen Traumposten als Chef der Air Force. Dass dieser mit der Space Force aber bald schon seine eigene Teilstreitkraft aufbauen soll, ahnt da noch niemand...
Zunächst überwiegt der Stolz, den auch seine Tochter Erin (Silvers) und seine Frau Maggie (Kudrow) verspüren. Die Nairds wirken wie die perfekte Bilderbuchfamilie. Nur die Tatsache, dass Maggie eine Schwerverbrecherin ist und 40 Jahre im Gefängnis verbüßen muss, überschattet diesen Ersteindruck. Als Mark schließlich ins Niemandsland Colorado beordert wird, um dort für Amerikas Sicherheit im Weltall zu sorgen, halten sie trotzdem zusammen. Selbst, wenn Erin ihren Vater hin und wieder mit den typischen Teenie-Querelen piesackt, indem sie beispielsweise einen russischen Spion datet. Und seine Frau ihm ständig in den Ohren liegt, dass sie lieber eine offene Ehe führen würde, damit sie hinter Gittern nicht so einsam ist.
Dass es Mark privat nicht leicht hat, ist ein wichtiges Gegengewicht für den Charakter, der ansonsten vollkommen unausstehlich für uns wäre. Beruflich ist der neue Anführer der Space Force nämlich ein sagenhafter Stümper - was man aufgrund des Carell-Castings wohl nicht anders erwarten konnte. Bei der Figur handelt es sich um die Karikatur eines Generals, dem man selbst Spontaneität zuerst befehlen müsste. Besonders bedauernswert ist jedoch Marks Einstellung zur Wissenschaft. So ignoriert er am Ende der Auftaktfolge The Launch kurzerhand den Rat der beiden klügsten Köpfe in seiner Truppe - Dr. Adrian Mallory (Malkovich) und Dr. Chen Kaifang (Yang) - und vertraut stattdessen einem Typen namens Eddie (Chris Gethard), um allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz den ersten Satelliten noch fristgerecht ins All zu schicken.

Doch Marks erster großer Erfolg ist nur eine kleine Zwischenetappe, zumal die Chinesen den Coup sowieso bald sabotieren. Das eigentliche Ziel der ersten Space Force-Staffel lautet: „Boots on the moon“ beziehungsweise „Boobs on the moon“, wenn man den Tweet des Präsidenten wörtlich liest. Namentlich genannt wird Trump übrigens nie, aber allzu subtil ist die Netflix-Serie in ihrer politischen Kritik natürlich nicht - wie auch die AOC-Parodie Anabela Ysidro-Campos (Ginger Gonzaga) zeigt. Die junge Kongressabgeordnete verhilft der holprig startenden Cringe-Comedy in Folge drei zu ihrer ersten großen Glanzstunde, als Mark in Washington erklären muss, was seine außerirdische Streitkraft den Steuerzahlern bringen soll. Überzeugen kann er dabei erst, als sein anfänglicher Gegenspieler Dr. Mallory ihm rhetorische Rückendeckung gibt.
Zwar handelt es sich hierbei um den ältesten TV-Trick der Welt, zwei ungleiche Charaktere ausnahmsweise mal am selben Strang ziehen zu lassen und so eine unwahrscheinliche und damit umso rührendere Freundschaft vorzugaukeln, doch Carell und Malkovich sind selbstverständlich gut genug, um die Sache souverän über die Bühne zu bringen. Wann immer die beiden aufeinandertreffen, funktioniert Space Force am besten. Wobei auch die junge Pilotin Angela Ali (Newsome) in fast jeder Szene und Konstellation brilliert. Eher anstregend wirkt derweil Marks Social-Media-Spezialist Scarapiducci (Schwartz).
In vielerlei Hinsicht erinnert Netflix' Space Force an die im Januar gestartete HBO-Comedy Avenue 5. Beide Geschichten drehen sich ums Thema Raumfahrt, beide haben überaus profilierte Produzenten im Hintergrund, beide glänzen mit sichtlich teuren Produktionswerten und beide können namhafte Hauptdarsteller vorweisen. Aber haben eben auch leider beide schwache Skripte und sorgen viel zu selten für echte Lacher. Der Vorteil der neueren Serie liegt wohl aber darin, dass sie mehr Freiheiten hat, weil sie nicht ausschließlich im Weltall, sondern hauptsächlich auf der Erde spielt. Das hat zur Folge, dass Mark in einer Folge mal an einer simulierten Mondmission teilnimmt und in der nächsten eine Luftgewehrschlacht mit der Air Force anzettelt. Und manchmal muss er nur verhindern, dass ein Affenastronaut seinen Hundekollegen auffrisst...
Fazit
Wenn so viel Talent und Geld zusammenkommt wie bei Space Force, kann das Resultat eigentlich nur Enttäuschung heißen. Und tatsächlich scheint die neue Netflix-Comedy ihr Potential nicht so ganz auszuschöpfen. Vor allem an der Hauptfigur von Carell kann man sich stören, die weder sonderlich sympathisch ist noch glaubwürdig im Rang eines Viersternegenerals. Mehr Spaß macht da schon Malkovich als Dr.-Strangelove-Verschnitt. Der idealistische und gleichzeitig von einfältigen Militärmanieren frustrierte Wissenschaftler vermag sogar den General in den gemeinsamen Szenen gut aussehen zu lassen. Und wenn beide alle drei, vier Episoden mal auf denselben Ast kommen, kann es einem irgendwie das Herz erweichen.
In ihrem Heimatland bekommt die Serie interessanterweise ziemlich schwache Kritiken, was vermutlich nicht zuletzt auch daran liegen könnte, dass die Menschen in den USA inzwischen kaum noch lachen können über Trump und sein Regime. Zumal Space Force rein satirisch nicht gerade mit dem Florett ficht, sondern eher mit der Axt. Besonders clever ist der Humor dieser neuen Comedy jedenfalls nicht. Aber wenigstens sorgt sie für ausreichend Abwechslung, starke Schauspieler und schicke Schauwerte. Alles in allem ein sehr annehmbarer Binge fürs Wochenende.
Hier abschließend der Trailer zur Netflix-Comedy Space Force: Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 29. Mai 2020Space Force 1x01 Trailer
(Space Force 1x01)
Schauspieler in der Episode Space Force 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?