Sort of Staffel 1 Episodenguide: Alle Folgen im Überblick!

Sort of Staffel 1

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Review zu Sort of Staffel 1

Serienschöpfer:in Bilal Baig machte sich 2018 mit dem Theaterstück „Acha Bacha“ einen Namen, in dem es um eine pakistanisch-kanadische Person geht, deren nichtkonforme Geschlechtsidentität mit ihrem muslimischen Umfeld aneinandergerät. Die manchmal als Comedy, manchmal als Dramedy bezeichnete Serie Sort of von CBC ist keine direkte Adaption des Stoffes, es lassen sich aber einige thematische Überschneidungen feststellen, die wohl jeweils von der Biografie Baigs und ihrem* Umfeld inspiriert wurden.

Kleine Anmerkung: Da uns im Deutschen das neutrale Pronomen they/them fehlt, um über nichtbinräe Personen zu sprechen, machen wir es, wie wir es aus dem akademischen Kontext und einigen queeren Magazinen kennen, indem wir sie*/ihr* mit dem Gendersternchen versehen. Andere Optionen wären zum Beispiel, er:sie und sein:ihr zu verwenden.

Baig übernimmt bei dieser Gelegenheit auch die Hauptrolle und trägt damit dazu bei, dass die Serie so gut funktioniert. Hauptfigur Sabi ist nämlich ein deadpan-Schwergewicht, das längst mit ihrer* nichtbinären Identität im Reinen ist, aber nicht besonders viel von ihrem* Umfeld erwartet. Gewohnten Mikroaggressionen oder Beleidigungen begegnet sie* deshalb stets mit abgebrühtem Humor und knochentrockenen Comebacks. Man weiß, wie der Hase läuft...

Umso verlockender wirkt auf die Nanny, deren Schützlinge die Kinder einer sympathischen, aber teilweise abgehobenen Yuppie-Familie sind, das Angebot von Bestie Seven (Amanda Cordner), zusammen nach Berlin zu ziehen. Eine weitere Story, die unsere Hauptstadt als queeres Mekka imaginiert, in dem quasi automatisch die LGBTQ-Selbsterfüllung stattfindet. Im Gegensatz zu anderen Filmen und Serien, in denen dieses Versprechen ohne doppelten Boden erfüllt wird, gibt es aus diesem schönen Traum jedoch ein jähes Erwachen, wie sich später zeigt...

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Als queerer Mann lebt der Autor dieser Zeilen auch sehr gerne in Berlin, aber die Masse an verklärten Berlin-Storys aus dem Ausland, die es in den letzten Jahren so gab, ist aus ortsansässiger Sicht schon etwas aberwitzig. Wir haben hier unsere Momente, aber der Film-Trailer zu „Berlin, I Love You“, zum Beispiel, hätte mir vor drei Jahren fast ein Aneurysma beschert.

CBC
CBC - © CBC

Sabi schlägt die Einladung aber ohnehin aus, denn Bessy (Grace Lynn Kung), die Mutter der Familie, erleidet einen schweren Fahrradunfall und liegt jetzt im Koma. Ehemann Paul (Gary Powell) ist komplett aufgeschmissen und weiß nicht, wie er mit seinen Kindern umgehen soll in dieser Situation, so dass Sabi letztlich nicht glaubt, sie jetzt im Stich lassen zu können. Und das, obwohl ihr* kurz vor dem Unfall schon die Kündigung ausgesprochen wurde...

Im Gegensatz zur Netflix-Serie Feel Good, in der Mae Martins Serienfigur erst entdeckt, nichtbinär zu sein, ist Sabi wie gesagt schon mit sich im Reinen, doch dann ist da noch ihre strenge pakistanische Mutter Raffo (Ellora Patnaik), die zwar von Sabis Queerness ahnt, sie* aber noch nie in Frauenkleidung gesehen hat. Das ändert sich zu Anfang der Serie auch ganz schnell, so dass die besten Teile der ersten Staffel von der erneuten Annäherung zwischen Mutter und Kind handeln.

Der größere Teil der Serie konzentriert sich aber gar nicht so sehr auf Sabis Genderidentität, sondern vielmehr auf das Nanny-Drama. Henry (Aden Bedard) ist ein ruhiger Junge, der den Kopf meist in einem Videospiel hat. Bei der langsam in die Pubertät kommenden Violet (Kaya Kanashiro), die zu Sabi und Seven aufsieht und mit dem Koma ihrer Mutter in eine rebellische Phase kommt, sieht es schon schwieriger aus. Das größte Problem ist aber deren Vater Paul, der in dieser Situation ein einziges Wrack ist und oft Sachen sagt und tut, die besser gemeint als gemacht oder gedacht sind. Er ist aber alles andere als das heteronormative Hindernis, das die queeren Charaktere überkommen müssen, sondern eine Hauptfigur mit Tiefe, die ihren eigenen Ballast hat... Besonders, wenn er schließlich von einer Affäre seiner komatösen Frau erfährt.

Viel mehr ihr Fett weg bekommen hingegen Nebenfiguren, die Serienschöpfer:in Baig vermutlich auf Leuten und wahren Begegnungen aus der queeren Szene basieren ließ. Das wird besonders deutlich, wenn sie* nach einer weiteren Barkraft in ihrem* Zweitjob im queeren Barbuchladen sucht, in dem eine Bewerberin sehr viel aus ihrem Gender-Studies-Studium erzählen kann, aber noch nie ein Bier gezapft hat und they/them-Pronomen nur mal so aus einer Laune heraus für sich selbst ausprobieren möchte, wenn sie schon hier ist.

Besonders herausstechend ist die Episode Sort of a Party, in der Sabi auf eine Sexparty von Seven eingeladen wird und diese im besten Moment verlassen muss, weil Paul sich gerade mit dem suizidalen Liebhaber seiner Frau auseinandersetzen muss und nicht aufzufinden ist. Aber auch die letzten beiden Episoden haben es in sich, in denen Sabi nach einem aufreibenden Erlebnis und dem Outing vor dem Rest der Familie spurlos verschwindet. Hier wird trotz aller Komik noch mal daran erinnert, dass Trans*-Personen (zu denen nichtbinäre Leute in den meisten Fällen gezählt werden) und besonders jene of color (siehe BIPoC) sehr häufig Opfer von Gewalt oder selbst zugeführter Gewalt werden und das Umfeld, besonders ihre* Überfliegerschwester Aqsa (Supiner Wraich) in diesem Fall, sich dementsprechend sorgen muss.

Fazit

Sort of ist eine kleine, queere, kurzweilige, kanadische Serie, die von ihrer sympathischen Hauptfigur mit einzigartiger Perspektive lebt und sich durch die Erfahrungen des federführenden Serienstars authentisch anfühlt. Das Format möchte oft mehr Drama- als Comedyserie sein und hadert etwas damit, genug landenden Humor unterzubringen, um zumindest guten Gewissens als „Dramedy“ bezeichnet werden zu können. Diese Balance ist Serien wie Fleabag, This Way Up oder Feel Good etwas besser gelungen. Das unfreiwillige Outing vor dem strengen Vater, der nun auf dem Weg nach Kanada ist, „um den Sohnemann zu reparieren“, bietet allerdings eine so gewaltige Steilvorlage für Staffel zwei, dass wir froh sind, dass die Serie bereits um eine weitere Season verlängert wurde.

Hierzulande findet Ihr die erste Staffel mit ihren acht Episoden seit Februar dieses Jares beim hiesigen Sky, nachdem sie im kanadischen Fernsehen schon im November letzten Jahres lief.

Hier ist abschließend noch mal der Serientrailer zur hier vorgestellten Serie „Sort of“:

Sort of Staffel 1 Episodenguide

16. Februar 2022

Nach einem schrecklichen Date und der Kündigung am selben Tag erwägt Sabi (Bilal Baig) eine lebensverändernde Gelegenheit. Doch dann gefährdet ein unerwarteter Unfall die neuen Pläne. weiterlesen

16. Februar 2022

Bessy (Grace Lynn Kung) liegt im Koma und Paul (Gray Powell) kommt mit dem Stress nicht gut zurecht. Sabis (Bilal Baig) Träume von Berlin mit 7ven scheinen geplatzt. weiterlesen

23. Februar 2022

Nach einem Zusammenstoß mit Erstickungsgefahr landet Raffo (Ellora Patnaik) im selben Krankenhaus wie Bessy (Grace Lynn Kung). Welten kollidieren und Raffo findet heraus, dass Sabi Mehboob (Bilal... weiterlesen

23. Februar 2022

Sabi Mehboob (Bilal Baig) und die Familie versuchen ihr Bestes, um in den neuen Rhythmus zu fallen. Paul (Gray Powell) gibt sich als Bessy (Grace Lynn Kung) aus und schreibt mit einer mysteriösen... weiterlesen

2. März 2022

Sabi Mehboob (Bilal Baig) ermutigt Violet (Kaya Kanashiro), ihre komplexen Emotionen zu verarbeiten während die Familie versucht, den besten Weg zu finden, Violets Geburtstag zu feiern. weiterlesen

2. März 2022

Die Spannungen zwischen Sabi Mehboob (Bilal Baig) und Paul (Gray Powell) steigen als Paul verschwindet und Sabi auf einen lustigen Abend verzichten muss um sich um die Kinder zu kümmern. weiterlesen

9. März 2022

Besorgt um Raffo machen sich Sabi Mehboob (Bilal Baig) und Aqsa (Supinder Wraich) auf den Weg zu ihrem Elternhaus. Ein unerwarteter Besuch führt Sabi zu ihrer Großfamilie und Allianzen werden in... weiterlesen

9. März 2022

Sabi Mehboob (Bilal Baig) hat Mühe, Bessy (Grace Lynn Kung) zu sagen, wie viel sie Sabi bedeutet. weiterlesen

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