Sons of Anarchy 7x13

Sons of Anarchy 7x13

Der Abschied von Jax und den anderen fällt erwartungsgemäß schwer, auch wenn die Episode Papa's Goods im Großen und Ganzen kaum Überraschungen bringt. Gut, dass Kurt Sutter auch auf den letzten Metern keine Scheu vor der großen Geste hat.

Goodbye, Jax! Unser letzte Besuch in Charming steht an in der Serie „Sons of Anarchy“. / (c) FX
Goodbye, Jax! Unser letzte Besuch in Charming steht an in der Serie „Sons of Anarchy“. / (c) FX

Wir haben sieben Staffeln voller Drama und großer Gefühle an der Seite von Jax (Charlie Hunnam) und seiner Gang durchlebt. Nun geht Sons of Anarchy mit der Episode Papa's Goods zu Ende. Serienschöpfer Kurt Sutter liefert das Finale so ab, wie man es sich nicht anders wünschen konnte: keine falsche Zurückhaltung am Ende, sondern ein tiefer Griff in die Emotionskiste, kleine Insidergags für treue Fans, wunderbare musikalische Untermalung und eine Erinnerung an viele der großen Momente und Figuren, von denen wir unterwegs Abschied nehmen mussten. Nach dem enttäuschenden Start in die letzte Staffel bringt die letzte Episode einen runden Abschluss, der nach den Maßstäben der SAMCRO-Welt als Happy End gelten darf.

Das Ende des stillen Rassismus

SERIENJUNKIES.DE®-Leser Hagolino hat es schon in einem Kommentar zum Review der Episode Red Rose gemutmaßt: Die Regeländerung, die Jax bei den anderen Präsidenten durchsetzen will, betrifft das Verbot, keine dunkelhäutigen Biker aufzunehmen. Mit einem seiner letzten Schachzüge beendet Jax den stillen Rassismus, der die Clubgeschichte seit seiner Entstehung durchzogen hat. Mit T.O. (Michael Beach) wurde ein guter Kandidat gefunden, der in der letzten Staffel als zurückhaltender Sympathieträger aufgebaut wurde und den man schnell als neues Clubmitglied akzeptieren kann.

Der Rassismus innerhalb der Bikerwelt war für die Sons of Anarchy-Autoren schon immer ein Stolperstein. Kurt Sutter hat es geschafft, fast alle Seiten der Bikergangs, auch die unschönen und dunklen, in die Serie einfließen zu lassen. Nur mit dem Rassismus in dieser Szene war er vorsichtig. Keiner der Brüder ist ein Unschuldslamm, sie haben aus emotionalen Gründen gemordet, aber oft auch gedankenlos, für die Coolness des Moments, für ein starkes Bild. Sie haben für wenig gemordet, und man konnte es ihnen trotzdem verzeihen oder zumindest ins Gesamtbild einarbeiten, weil die Charakterarbeit so stark war. Weil keine der Hauptfiguren eindimensional war. Weil auch die furchtbaren Seiten ihren Tribut forderten oder überdacht wurden. Einst sind sie gegen die Rassisten um Zobelle (Adam Arkin) angetreten, doch auch die Zusammenarbeit mit den Neonazis war immer auf dem Tisch, wenn es darum ging, ein Mitglied im Knast zu schützen oder später Taras Mord zu rächen.

Auch, wenn die Frage des Rassismus nie zum zentralen Punkt gemacht wurde, so war es doch durch die Staffeln immer ein Thema für die Autoren, nicht zuletzt konnte man das an Juices Odyssee sehen.

Letztendlich war es die Erpressung durch Roosevelt (Rockmond Dunbar), die Juice (Theo Rossi) vom Club trennte. Juices ganze Loyalität gehörte dem Club. Doch danach wurde alles schwierig. Er hat die Kontrolle verloren und sich selbst in eine Spirale gebracht, die schließlich in seinem Tod gipfelte. Das alles wäre wohl anders gekommen, wenn er nicht gefürchtet hätte, aufgrund seines farbigen Vaters aus dem Club geschmissen zu werden. Einen Tag nach seinem Tod wird nun das erste schwarze Mitglied an den Tisch gebeten. Dieser erste Hoffnungsschimmer setzt den Ton in der finalen Episode Papa's Goods. Jax hat versprochen, dass alles gut wird. Es hat sieben Staffeln gedauert, bis er den richtigen Weg gefunden hat, aber endlich ist es soweit. Er befreit den Club und seine Familie aus der Gewalt, er bringt Hoffnung auf ein neues, besseres Leben, auch wenn er sich dafür selbst opfern muss.

Märtyrer

Es ist keine große Überraschung, dass Jax am Ende der Serie sein Leben für die anderen gibt. Die Szene, in der er den Club auffordert, für seinen Tod zu stimmen und Chibs' Stimme bricht, ist daher zwar schön anzusehen, verfehlt aber die tiefe Emotionalität, die wir oft bei den Sons of Anarchy gesehen haben. Es sind eher die kleinen, stillen Momente, die starken Bilder mit den unvergesslichen Songs im Hintergrund, die hängenbleiben.

Die Obdachlose, die Jax schon seit Jahren begleitet, gibt Jax am Ende eine Decke, die er ihr auf dem Friedhof am Morgen von Donnas Beerdigung gegeben hatte. Donnas Tod darf im Nachhinein als Anfang allen Übels gelten, zumindest für Jax. Mit diesem Mord hielt das Böse Einzug in die zweite SAMCRO-Generation. Jax braucht die Decke nun, um jegliche Gefahr von seinem Club abzuwenden. Denn Marks (Billy Brown) dürfte die große Offenbarung um Gemma (Katey Sagal) recht egal sein, er wird dem Club Probleme machen. Bisher hat Jax versucht, den Club mit einer Mischung aus Taktik und Gewalt durch diese Gewässer zu navigieren. Doch nun hat er eines eingesehen: Manchmal ist es nur die Gewalt, die hilft. Und das fällt einem erstaunlich leicht, wenn man ohnehin die nächsten paar Stunden nicht mehr überleben wird. Mit diesem Mut schafft Jax die Voraussetzungen für ein neues Klima in Charming. Er bringt diejenigen um, die dagegen sind - darunter auch irische IRA-Könige und Marks - und bringt diejenigen an die Macht, die seiner Sache dienlich sind, etwa Connor (Scott Anderson).

Jax geht nicht nur als Märtyrer. Die schwere und oft auch übertriebene Metaphorik der Serie macht ihn geradewegs zum Messias, inklusive Brot und Wein, die erst von der Obdachlosen zurückgelassen werden, später am Ort seines Todes wieder auftauchen. Um das zu erkennen, hätte es nicht unbedingt auch noch der ausgebreiteten Arme bedurft. Doch Kurt Sutter und sein Team hatten nie Angst vor der großen Geste, und im Grunde ist es gut, dass sie auch jetzt auf diesen Weg setzen, anstatt sich zu verbiegen. Ja, es ist kitschig, ja, es ist eine Seifenoper, aber das alles hindert wohl keinen Fan daran, feuchte Augen zu bekommen, wenn großartig gezeichnete Charaktere ihren Abschied nehmen.

Das Ende mit Hintertür

Alle, die Gutes gebracht haben, sind tot, darunter natürlich Opie (Ryan Hurst) und Tara (Maggie Siff). Und auch alle, die Chaos gebracht haben, sind tot, Gemma und Clay (Ron Perlman). Auf diesem Boden erschafft Jax einen Neuanfang für den Club und für seine Familie. Dazu gehört, dass er sich selbst und seine Vergangenheit quasi ausradiert. Nicht nur der Selbstmord per Motorrad, auch die Tatsache, dass er das Manuskript seines Vaters und alle Familienbilder verbrennt, zeigen, dass die Spirale der Gewalt mit ihm enden soll. Er hat alles richtig gemacht und die ganze Sache überraschend gut eingefädelt. Am Ende sind Nero (Jimmy Smits) und Wendy (Drea De Matteo) mit den Kindern auf dem Weg in ein neues Leben. Die letzten beiden Erwachsenen, für die Moral noch eine Bedeutung hat, sind entkommen. Jax hat die beiden Welten, die ihn zerrissen haben, endgültig auseinandergezerrt. Sein Tod gibt Wendy endlich die Gelegenheit, endgültig von dieser Szene loszukommen. Gemma ist tot, und das ermöglicht auch Nero einen Neuanfang. Die beiden haben keinen Grund, sich noch einmal umzudrehen, selbst die Verbindungsfigur Unser ist tot.

Der Club hat mit Chibs (Tommy Flanagan) einen neuen Anführer, der in einer schwierigen Beziehung mit dem Sheriff steckt, und mit Tig (Kim Coates) einen neuen Vize, der sich das Vertrauen seiner Brüder hart zurückerarbeitet hat. Abgesehen von den beiden ist das Personal mehr oder weniger neu, alles kann passieren.

Alles in allem darf man das als Happy End durchgehen lassen. Sehr viel besser hätte es nicht kommen können. Doch Gemmas langer Arm reicht weiter als ihr Atem. Sie hat Abel den Ring seines Großvaters JT zugesteckt, als sie sich auf dem Schulhof von ihm verabschiedet hat. Den Ring nimmt Abel nun mit in sein neues Leben, als möglicher Wegweiser zurück in eine Welt, aus der sein Vater und seine beiden Mütter ihn herausholen wollten und dafür viel gegeben haben.

Doppelte Bedeutungsböden

Nichts in der SAMCRO-Welt passiert zufällig, das wissen wir schon lange. Es ist ein kleiner Seitenhieb auf Tigs große Angst vor Puppen, dass die Gang in der finalen Episode auf ihrer Verfolgungsjagd durch eine Lagerhalle voller Puppen rast. Die winzigen leblosen Körperteile, die durch die Luft fliegen zu dem mechanisch-flehendem Geplapper, sorgen wohl dafür, dass auch der ein oder andere Zuschauer nicht nur Gutes mit diesem Spielzeug verbindet.

Es verwundert auch nicht, dass Jax' Tod auf einer weiteren Ebene mit seiner Mutter verbunden wird: Der Trucker, an dessen Gefährt der Präsident schließlich sein Ende findet, ist niemand anders als Gemmas Zufallsbekanntschaft und Mitfahrgelegenheit Milo (Michael Chiklis) aus der letzten Episode. Der Sohn findet seinen Tod an dem Gefährt, das seine Mutter zu ihrer letzten Ruhestätte gebracht hat. Die Episode Papa's Goods lässt uns mit zahlreichen solcher doppelten Böden zurück, die nicht unbedingt eine festgesetzte Bedeutung haben müssen, aber die Bühne für zahlreiche Deutungen öffnen. Diese Liebe zum Detail und die starke Charakterzeichnung sind gute Gründe für eine erneute Sichtung der Serie.

Fazit

Die wichtigste Feststellung der Episode Papa's Goods ist die, dass sie nicht enttäuscht. Es gibt ein Happy End im angemessenen Rahmen. Diejenigen, die an der Moral festgehalten haben, entkommen, und die, die von ihr abgefallen sind, müssen büßen. Allen dazwischen wird ein Neuanfang ermöglicht. Die letzte Stunde in Charming bringt keine großen Überraschungen, aber dafür genau den richtigen Erzählton. Große Gesten, heftige Emotionen und starke Bilder und Songs treiben einem vor Melancholie die Tränen in die Augen. Es ist weniger die Episode an sich, als vielmehr die Erinnerung an eine großartige Serie mit unvergesslichen Momenten, die zur Gänsehaut beiträgt. Aber als runden Abschluss darf man Papa's Goods trotz einer enttäuschenden letzten Staffel durchaus feiern.

Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 10. Dezember 2014

Sons of Anarchy 7x13 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 13
(Sons of Anarchy 7x13)
Deutscher Titel der Episode
Vermächtnis
Titel der Episode im Original
Papa's Goods
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 9. Dezember 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 26. Dezember 2015
Autor
Kurt Sutter
Regisseur
Kurt Sutter

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 7x13

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