Sons of Anarchy 7x01

Lange haben wir darauf gewartet - jetzt endlich ist es soweit. Die letzte Staffel der Serie Sons of Anarchy legt mit der Episode Black Widower einen guten Start hin, auch wenn deutlich Luft nach oben bleibt. Immerhin dauert es kaum lÀnger als die erste Musikmontage, bis man als Zuschauer wieder in Charming angekommen ist.
Die ersten Toten
Wie jeder Sons of Anarchy-Staffelauftakt hat auch Black Widower jede Menge BrutalitĂ€t zu bieten. Die Toten dieser Episode haben etwas gemeinsam: Sie sind zufĂ€llige Opfer, in vielen FĂ€llen sogar Unschuldige, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Das Massaker unter den Doppelmoral-Christen ist einfach ein Versehen, was es schon wieder komisch erscheinen lĂ€sst. Die Situation ist einfach zu absurd. Die Sons richten aufgrund von MissverstĂ€ndnissen ein Blutbad unter religiösen WĂŒrdentrĂ€gern an, die sich gerade einer Orgie hingeben. In der serieninternen Komik ergibt es da nur Sinn, dass Jax (Charlie Hunnam) und die Jungs schulterzuckend reagieren, als ob sie aus Versehen die falsche Ăberraschungsparty erwischt hĂ€tten. Den letzten Toten dieser Episode, ein unschuldiges Lin-Mitglied, erwischt es am bösesten. Gemma (Katey Sagal) macht ihn fĂŒr den Mord an Tara (Maggie Siff) verantwortlich, und Jax geht ohne einen zweiten Beweis los, um ihn zu foltern und auf brutale Art zu töten.
Die neue Staffel steht also unter dem bösen Vorzeichen von unschuldigen Toten und zufĂ€lligen Opfern. Die wahren Mörder (und das sind ja mittlerweile alle Clubmitglieder) gehen erhobenen Hauptes aus der Geschichte, zumindest im Moment. Die Ereignisse der Episode Black Widower zeigen, dass die Sons fĂŒr ihre finale Staffel nicht einmal einen groĂen Gegenspieler brauchen. Die gröĂten Probleme kommen von innen. Die schlimmsten Feinde sind sie sich selbst.
Dass sich im Staffelauftakt trotzdem ein neuer Big Player ankĂŒndigt, ist nur von Vorteil. Patterson (CCH Pounder) lĂ€sst Unser (Dayton Callie) wissen, dass ein neuer Sheriff auf dem Weg in die Stadt ist, eine Frau. Weibliche Gegenspieler haben in der Serie Sons of Anarchy seit Agent June Stahl (Ally Walker) eine gute Reputation. Auch wenn Roosevelt (Rockmond Dunbar) auf seine Art eine Bereicherung fĂŒr die Serie war - an June Stahl reichte er nie heran. Die IntensitĂ€t, die die Agentin aus den Anfangstagen der Serie eingebracht hat, konnten weder Demon Pope (Harold Perrineau) noch Lee Toric (Donal Logue) wiederholen. Ein weiblicher Sheriff fĂŒr die finale Staffel ist also ziemlich vielversprechend.

König ohne Hoffnung und wahnsinnige Königsmutter
Jax hat sich schon seit dem Tod von Opie (Ryan Hurst) verĂ€ndert, er ist zu einem brutaleren AnfĂŒhrer geworden, seine Moral ist in Mitleidenschaft gezogen worden durch den Tod seines besten Freundes. Doch nun - nach dem Mord an seiner Frau - hat er buchstĂ€blich tote Augen. Die Hoffnung auf ein besseres Leben mit Tara und seinen Söhnen hat ihn ĂŒber die Staffeln am Leben erhalten. Doch mit Tara ist diese Hoffnung gegangen. Er hat nichts mehr zu verlieren und niemanden mehr, vor dem er sich moralisch rechtfertigen muss. Er hat gesehen, dass die Aufrechten oft am Ende die Schwachen waren. Diejenigen mit Skrupel sind oft frĂŒh gegangen. Diese VerĂ€nderung in ihm wird im Staffelauftakt Black Widower auch dadurch deutlich, dass er keine Zeit mit seinen Söhnen verbringt. Er kommt aus dem GefĂ€ngnis, und anstatt sich um seine traumatisierten Kinder zu kĂŒmmern oder das Grab seiner Frau zu besuchen, zieht er direkt ins nĂ€chste Blutbad. Er hat nur noch Rache im Sinn, weiter scheint er nicht zu denken.
Anders Gemma, die es sich in ihrem ganz eigenen Wahnsinn gemĂŒtlich macht. In der Episode Black Widower gewinnt sie zwar Nero (Jimmy Smits) zurĂŒck, den Mann, der sie verĂ€ndert hat. Doch die Ereignisse aus dem letzten Staffelfinale sind zu tiefgreifend, um sich davon zu erholen. In einem Anfall von blinder Wut hat sie die groĂe Liebe seines Sohnes umgebracht. Und das wird das Schicksal aller Figuren besiegeln. Der Club ist nur noch auf LĂŒgen aufgebaut. Und die sind nicht so gut versteckt, wie Gemma vielleicht glaubt. Erste Anzeichen dafĂŒr finden sich bereits im Staffelauftakt. Es sind kleine Zeichen, die Jax bereits jetzt nachdenklich stimmen könnten, zum Beispiel die Tatsache, dass seine Mutter es unterstĂŒtzt, dass Wendy (Drea De Matteo), die ja erst kĂŒrzlich einen RĂŒckfall hatte, sich um seine Söhne kĂŒmmert. Auch die Geschichte, dass Gemma es irgendwie kaum stört, wenn sie nachts jemand Fremdes aus dem Haus ihres Sohnes rennen sieht, ist hochgradig seltsam.
Doch auch hinter den Kulissen brodelt es bereits. Neben Juice (Theo Rossi) ist nun also auch Wendy in gewisser Weise eingeweiht. Doch das vielversprechendste Ereignis in dieser Hinsicht ist Juices Reaktion auf Unser. Dass er ihn bereits in der Auftaktepisode festhĂ€lt, lĂ€sst vermuten, dass die Dinge nun mit groĂen Schritten vorangehen könnten.
Gemma ist durch ein Leben in diesen Kreisen wahnsinnig geworden. Irgendwie wissen wir das ja schon lange, doch immer wieder hat sie Zeichen von VerstĂ€ndnis gezeigt, schien sich verĂ€ndert zu haben. Aber ein Leben als Outlaw fordert nun Tribut. Sie hat schon so einiges umgedeutet, zum Beispiel ihren Anteil am Mord ihres ersten Ehemannes. Nun sind wir live dabei, wie sie den Mord an ihrer Schwiegertochter rechtfertigt. Juice erklĂ€rt sie, dass sie das Einzige ist, was die Familie zusammenhĂ€lt, und ĂŒbersieht, dass sie auch der Grund fĂŒr die tiefe Kluft ist. Ihre Umdeutung geht so weit, dass sie schlieĂlich mit Tara, ihrem Opfer, spricht als ob sie eine geliebte Schwiegertochter verloren hat, um die sie sich immer noch sorgt. Gemma zuzusehen kann einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Statt sich ihrer Verantwortung zu stellen, grĂ€bt sie sich tiefer ein. Sie beschuldigt einen Unbeteiligten des Mordes und löst so eine grausame Folterung durch ihren Sohn aus. Wenn die Wahrheit sich Bann bricht, wird sie also nicht nur fĂŒr den Tod seiner Frau, sondern auch fĂŒr sinnlose Morde verantwortlich sein.

Fingerzeig in die Zukunft
Die finalen Musikmontagen in der Serie Sons of Anarchy haben schon immer doppelte Böden mit sich gebracht. Ein wichtiger Bestandteil dieser Episode ist dabei Nero, der sich ansonsten noch zurĂŒck hĂ€lt. Der Graben zwischen Jax und seinem ehemaligen Mentor ist tief, auch wenn sie sich in Black Widower mit höflichem Respekt behandeln. Die Konfrontation zwischen diesen beiden scheint sich zum Zentrum des groĂen Showdowns aufzubauen. Nero ist es, der Jax' Sohn hĂ€lt, als er mit Wendy auf Gemma wartet. Er ist es, der Gemma tröstet. Er ist ĂŒberall dort, wo der alte Jax in einer Zeit wie dieser gewesen wĂ€re, statt einen Unschuldigen zu töten.
Ein weiterer vielversprechender Plot wird in der Episode Black Widower eröffnet. Jax trifft im GefĂ€ngnis auf Ron Tully (Marilyn Manson), einen AnfĂŒhrer der Aryan Brotherhood, und gewinnt mit einem weiteren brutalen Akt die Zusammenarbeit mit dem Rassisten. In seiner Rolle als Neonazi hinterlĂ€sst der RocksĂ€nger Manson einen bleibenden Eindruck. Man darf gespannt sein, wie sich diese unselige Verbindung weiter entwickeln wird.
Fazit
Die Auftaktepisode Black Widower zeigt die AbwĂ€rtsspirale, in der die Sons sich in ihrer finalen Staffel wiederfinden. Es ist eine altbekannte Verhaltensweise innerhalb der Familie Teller-Morrow und des Clubs, die den Absturz vorbereitet: Erst töten, dann Fragen stellen. Auf diese Art hat Tara im letzten Staffelfinale ihr Leben verloren, nun sind es vier zufĂ€llig anwesende Kirchenleute und ein depressives Lin-Mitglied. Mit diesen Geschichten wird der Ton fĂŒr die neue Staffel gesetzt.
DarĂŒber hinaus ist die Episode Black Widower ein guter Start, uns nach Charming zurĂŒckzuholen. Doch es bleibt Luft nach oben. Dass die bis zum Serienfinale noch gefĂŒllt wird, daran hat wohl kaum jemand Zweifel.
Sons of Anarchy: Promo 7x02:
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 11. September 2014Sons of Anarchy 7x01 Trailer
(Sons of Anarchy 7x01)
Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 7x01
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