Sons of Anarchy 6x13

Eine überbemühte Phrase in Zusammenhang mit der Serie Sons of Anarchy lautet: Jetzt ist nichts mehr wie vorher. Auf das Staffelfinale A Mother's Work trifft das wirklich zu. Am Ende steht nicht nur Jax (Charlie Hunnam) vor einem Scherbenhaufen.
Eine starke Verbindung
Das Staffelfinale A Mother's Work fordert einige Opfer, das aufsehenerregendste davon ist - mit Abstand - Tara (Maggie Siff). Es ist vielleicht nicht der überraschendste Tod, aber es ist eine echte Kehrtwende - und das nicht nur aufgrund der Mörderin.
Jax' und Taras Verbindung war stärker als die Umstände, das haben die beiden bewiesen. Jax kommt wohl doch mehr nach seinem Vaters als nach seiner Mutter. Anstatt den Rachefeldzug gegen die Frau zu starten, die ihm eine Fehlgeburt vorgespielt hatte und seine Söhne entführen wollte, geht er auf sie zu. Im Park nimmt er ihren Arm, es ist die Rückkehr einer Verbindung, die in den letzten Episoden bis zum Zerreißen ausgetestet wurde. Auch wenn Wendy (Drea De Matteo) diese Seite ihres Exmannes verloren glaubt, wir haben nun gesehen: Jax' gutes Herz ist noch da. Er opfert sich für seine Frau, seine Söhne und seinen Club, macht sich mit seiner Entscheidung geradezu zum Märtyrer. Er will, dass alles in geregelten Bahnen abläuft, und er ist bereit, alles dafür zu tun. Das hat er in der letzten Zeit durch ausufernde Brutalität bewiesen. Nun zeigt er es durch sein Opfer.
Die Szenen, in denen Jax und Tara wieder zusammenfinden, im Park und im Hotelzimmer, sind starke Szenen. Doch ein Wermutstropfen bleibt: Es war ja nicht gerade schwierig, Tara zu finden. Sich mit ihrem Anwalt zu treffen, von dem sie sich doch denken kann, dass Jax ihn beschatten lässt, ist schon nicht besonders clever. Vor allem gibt es dafür auch keinen besonderen Grund, bis jetzt konnte doch auch alles am Telefon besprochen werden. Aber sich dann auch noch in einem Park zu treffen, von dem selbst Jax weiß, dass es Abels liebster ist, ist einfach nur noch fahrlässig. Beinah kann man vermuten, dass sie gefunden werden wollte. Dagegen sprechen natürlich die Überraschung und der Schock, als sie Jax dann sieht.
Doch sie bleibt ruhig und will sich ihrem vermuteten Schicksal fügen, hat nur noch den Wunsch, sich von ihren Söhnen zu verabschieden. Auch wenn der Weg zu ihr ein bisschen zu einfach war - das Gespräch im Park ist es wert, darüber hinwegzusehen. Auch die Szene als Tyne (CCH Pounder) erkennt, dass Jax mit Tara im Hotelzimmer ist, macht einiges wieder gut.
Das Ende ist grausam, aber die Zwischenzeit ist schön. Jax zeigt wieder Gefühle, er ist wieder der Mann, der alles anders machen will als diejenigen, die vor ihm kamen. Das scheint auch auf Tara Eindruck zu machen. Vielleicht erkennt sie in ihm auch wieder den Mann, an den sie geglaubt hat. Er stellt ihr frei, mit den Jungs fortzugehen. Doch schnell wird eine vage Hoffnung wach: Wieso sollte sie das tun, nun, nachdem Jax gezeigt hat, dass er sein Herz nicht verloren hat, und nachdem der Club es aus den Waffengeschäften schaffen kann. Sieben bis zehn Jahre im Gefängnis zu sein, während Tara mit den Kindern die Besuchertage nutzt, das hätte in Charming schon als Happy End gelten dürfen.
Der Schlusspunkt
Doch wir sind bei Sons of Anarchy, und selbst dieses Happy End würde uns Kurt Sutter nicht gönnen. Stattdessen zerstört er in der Episode A Mother's Work jede noch so kleine Hoffnung auf ein glückliches Ende für Jax. Seine Mutter ermordet seine große Liebe. Das bedeutet das Ende für Jax. Seit der ersten Staffel hat er versucht, mit Tara ein glückliches Familienleben aufzubauen. Er hat noch nicht alles verloren, seine Söhne sind noch da. Doch über Taras gewaltsamen Tod hinwegzukommen, wird schwierig werden, selbst wenn er nicht weiß, wer der Mörder ist.
Ein großes Finale mit Wendy steht wohl auch im Moment nicht zur Debatte. Sie hat Unser (Dayton Callie) klar gesagt, dass es nicht unbedingt die große Liebe zwischen ihr und Jax war. Und ganz nebenbei: Auch wenn Wendy selbst das schon wieder vergessen zu haben scheint, aber sowohl Gemma (Katey Sagal) als auch Jax haben ihr im Laufe der Zeit mal eine Spritze in den Arm gerammt, einer direkt, die andere hat der Süchtigen die Drogen einst im Krankenhaus hingelegt.
Wie bei der Suche nach Tara haben sich die Sons of Anarchy-Macher auch bei ihrer Ermordung wohl gedacht, der Zweck heilige die Mittel. Die ganze Tragödie beruht auf einem unglaublichen Mangel an Kommunikation. Es ist auch nur schwer zu glauben, dass Jax seiner Mutter nicht wenigstens ein bisschen bemühter Bescheid geben will, nachdem er sich der Justiz ausgeliefert hat. Er hat sich schon häufiger vor der Konfrontation mit seiner Mutter gesträubt, von daher kann man da sogar ein Auge zudrücken. Doch ebenfalls ein bisschen enttäuschend ist, dass Unser mit halbgaren Informationen einfach ungefiltert zu der Frau läuft, die ihm noch kurz zuvor gesagt hat, was mit Tara im Fall des Verrats zu geschehen hat. Und dann lässt er sich auch noch so billig von Gemma austricksen. Eigentlich war Unser immer ein anderes Kaliber. Er liebt Gemma, aber das tut er schon lange und hat trotzdem in der Vergangenheit nicht darauf verzichtet, selbst zu denken. Noch vor wenigen Episoden hat er Tara sogar geholfen.
Was sich aber sehr schön zusammenfügt sind Juices und Gemmas Geschichten. Jax hat Juices Ausnahmezustand erst maßgeblich herbeigeführt und dann ignoriert. Gemma war für ihn da, nicht nur als er im Bordell auf dem Boden lag. Er hat Jax verraten, aber man muss ihm schon die Umstände dieses Verrats zugutehalten. Doch das tut Jax nicht. Die einzige Person, die Juice (Theo Rossi) in dem Moment bleibt, ist Gemma - und ihr kann er zufällig direkt aushelfen. Das fügt sich schön ineinander.
Schade ist jedoch, dass das ausgerechnet Roosevelt (Rockmond Dunbar) das Leben kostet. Neben Taras Tod verblasst sein Abschied zwar, aber traurig ist es trotzdem. Er war ein interessanter Sheriff für Charming, immer fair, selbst nachdem seine Frau ermordet wurde. Er hat den Sons nicht alles durchgehen lassen wie Unser einst, aber er hatte einen guten Instinkt dafür, wann es angebracht war, mit Jax zusammenzuarbeiten. Er hat sich auch gegen Tyne gewendet, wenn er mit ihren Methoden nicht einverstanden war. In einer Welt voll Rachegelüsten und uferloser Loyalität war Roosevelt einer der wenigen Charaktere, die sich ihre Werte erhalten haben.
Der Gegenspieler
Das Massaker unter den Sons-Gegnern und -Kollegen geht in der Episode A Mother's Work weiter. Doch auch das fügt sich am Ende faszinierend zusammen. Alvarez (Emilio Rivera) kehrt in die Geschichte zurück, und das ist gut. Wie der SERIENJUNKIES.DE®-Leser Davexe in einem Kommentar zum You Are My Sunshine-Review so schön geschrieben hat: „Mit Alvarez hat es begonnen, mit ihm sollte es enden“. Und Alvarez ist nicht alleine, er hat den wohl besten Gegner auf seiner Seite, den man sich für das große Serienfinale wünschen könnte: King Nero (Jimmy Smits). Niemand in der Serie Sons of Anarchy hat wohl so schnell so viele Sympathiepunkte gesammelt wie der „Original Gangster“. Er hat vieles für seine Verbindung zu dem Motorradclub geopfert, er war der beste Mann für Gemma und ein Vaterersatz für Jax. Doch er ist belogen und betrogen worden. Man kann es ihm nicht verübeln, falls er sich gegen die Sons wenden sollte. Nero als Finalgegner wäre grandios, es würde kein Happy End und keine Niederlage geben können, denn als Fan kann man mittlerweile richtig zwischen Jax und Nero hin- und hergerissen sein. Ein Kampf zwischen Nero und Jax hätte richtig großes Potential für ein emotionales Finale.
Fazit
Wenn man über die Schwächen hinwegsehen kann, ist die Episode A Mother's Work eines der besten Staffelfinale, die wir bei Sons of Anarchy gesehen haben. Das ist besonders schön, weil die Staffel so schwach angelaufen ist. Auch die extreme Überlänge wird dieses Mal gut genutzt, nichts geht verloren. Das verzweifelte Mädchen, das die Fensterscheibe eingeworfen hat, die Obdachlose, die ihrer Mutter ähnlich sieht, die stillen Szenen am Clubtisch, die emotionale Verabschiedung auf Jax' Gang ins Gefängnis - kaum eine Szene fühlt sich überflüssig an.
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 11. Dezember 2013Sons of Anarchy 6x13 Trailer
(Sons of Anarchy 6x13)
Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 6x13
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