Sons of Anarchy 5x13

Mit einer einstündigen Episode verabschiedet die Serie Sons of Anarchy sich und geht in eine Pause, die sich nach diesem Finale wieder einmal verdammt lang anfühlen wird.
Der Verratene
Die große Frage der fünften Staffel war: Was wird mit Clay (Ron Perlman) geschehen? Und nun zeigt sich: Jax (Charlie Hunnam) ist gar nicht so hilflos, wie es zwischendurch den Anschein hatte. Er hat gesagt, er will nicht mehr von den Mächtigen herumgeschubst werden. Und er hat es ihnen gezeigt.
Clay ist auf ganzer Linie verraten worden, seine letzten Vertrauten haben sich abgewandt. Gemma (Katey Sagal) liefert ihn der Polizei aus, Tig (Kim Coates) erklärt sich einverstanden damit, dass der Mord an Pope (Harold Perrineau) auf Clay gerichtet wird. Sicher kann man sich bei Kurt Sutter selten sein, aber die Entscheidung gegen Clay kam bei Gemma und Tig nicht ganz unerwartet. Beide haben gute Gründe.
Interessanter ist da schon die Beteiligung des Wackelkandidaten Juice (Theo Rossi). Er ist es, der zu Beginn der Episode Clays Waffe in Jax' Motorrad packt und damit den Plan des Präsidenten erst ermöglicht.
Die Entwicklung des gefallenen Königs in den letzten Episoden und der Verrat auf ganzer Linie können dem Zuschauer etwas abringen, was wohl zu Beginn dieser Staffel kaum jemand für möglich gehalten hätte: Ein Quäntchen Mitleid für den Mörder von J.T. und Piney (William Lucking).
Aber eins ist mit Blick auf die kommende Staffel auch klar: Clay ist nicht tot. Und wie wir ihn kennen, wird er nicht kampflos untergehen. Jax hat sich mit der Wut des Verzweifelten an die Spitze gekämpft. Nun ist es Clay, der genügend Grund zur Wut hat. Und was er damit macht, dürfte spannend werden.
Clay gleich Jax gleich Nero
Die Metapher, dass Jax nun zu Clay wird ist langsam überstrapaziert. Mit Tara (Maggie Siff) und Bobby (Mark Boone Junior) entfernen sich die letzten beiden Personen von ihm, die bis zum Schluss daran geglaubt haben, dass er einen anderen Weg gehen könnte.
Doch ein neues Leuchtfeuer ist aufgetaucht: Die Vergleiche mit Clay sind mittlerweile ebenso häufig wie die Parallelen zwischen Jax und Nero (Jimmy Smits). Auch wenn der Präsident in dieser Staffel eine ungekannte Grausamkeit gezeigt hat, scheint Kurt Sutter uns sagen zu wollen: Er steht immer noch am Scheideweg. Solange Nero da ist, wird es immer wieder die Erinnerung an den alten Plan vom Ausstieg geben. Die Gespräche zwischen den beiden zeigen: Jax hat sich noch nicht komplett aufgegeben. Auch wenn klar ist: Vor dem Serienfinale ist ein Ausstieg wohl nicht möglich. So sehr man es sich auch für Jax und Nero wünschen würde, dass sie es schaffen, so deutlich ist auch: Wenn Jax mit Tara nach Oregon gegangen wäre, wäre die Serie, wie wir sie kennen vorüber. So nah wie in der letzten Staffel werden die beiden diesem Ziel fürs Erste nicht mehr kommen. Das Beste, was man hoffen darf, ist, dass Jax sich seine moralischen Antennen auch am Kopfende des Redwood-Tisches bewahrt.

Doch immer wieder wird mit den Hoffnungen und Befürchtungen der Zuschauer gespielt. Die Übergabe von Tig an Pope war eine dieser Szenen. Qualvolle Minuten lang konnte man nur hoffen, dass irgendwoher eine Rettung kommt. Und auch wenn Tig bei weitem kein Unschuldslamm ist (nicht zu vergessen: Er hatte seine Finger unter anderem beim Mord an Donna (Sprague Grayden) am Abzug), so wird doch ein kollektives, erleichterndes Aufatmen vor der Mattscheibe zu hören sein, als Jax die Waffe aus seinem Motorrad holt. Das Risiko, dass Pope Tig ohne Umschweife hätte erschießen können, hat der Biker verdient. Und ermöglicht auch endlich einen kompletten Neuanfang für Jax und Tig, der immerhin lange Zeit Clays rechte Hand war.
Auch dass Jax Gemma und Juice ins Vertrauen gezogen hat, wird wohl auf breiter Front mit Genugtuung aufgenommen werden. Und ein kleines bisschen Loyalität und Idylle haben wir uns nach dieser Staffel auch redlich verdient.
Sicher wäre alles anders gekommen, wenn Opie (Ryan Hurst) noch am Leben wäre. Nicht nur, dass Jax sich generell den großen Rachefeldzug erspart hätte, auch hätte Opie als moralischer Wegweiser vielleicht mehr Einfluss auf Jax nehmen können als es Bobby kann. Bobby entfernt sich von Jax, doch wie weit, das werden wir erst in der neuen Staffel erfahren. Legt er nur das VP-Amt ab oder geht er noch weiter?
Kampf der Frauen
Im Finale der letzten Staffel von Sons of Anarchy war es Tara, die hinter ihrem Mann am Tisch stand. Doch nun zeigt sich, dass die Ur-Mutter einen längeren Atem hat. Einerseits ist es schön, Gemma wieder im Sattel zu sehen. Sie hat viel durchgemacht in den letzten Episoden.
Und dennoch: Wenn wirklich sie es ist, die hinter der Verhaftung von Tara steckt, dann hat sie nun zu richtig alter Form zurückgefunden. Zwischenzeitlich hatten Tara und Gemma zwar ihre Streitigkeiten, aber im Großen und Ganzen sah es so aus, als wenn sie auf einer Seite stehen, für dieselbe Familie kämpfen. Doch wir wissen auch von einer Gemma, die ihren ersten Gatten ermorden ließ. Familie, so scheint es, geht für Gemma nur so weit, wie alle nach ihren Regeln spielen. Tara ist mit der Entscheidung, nach Oregon zu gehen, aus dieser Familie gefallen, ähnlich wie es damals J.T. gegangen sein muss.
Die Endlosschleife
Für welchen Weg sich Jax nun entscheidet, ist unklar. Aber mit einem hat Tara Recht: Ihre Söhne sind dazu verdammt, die Schleife weiterzuleben. Denn das macht im Moment nicht nur Jax. Auch andere Figuren fühlen sich ein bisschen an, als wenn wir zurück in eine uns mehr oder weniger unbekannte Vorgeschichte gefallen wären. Durch die Zusammenarbeit mit Roosevelt (Rockmond Dunbar) züchtet Jax sich einen eigenen Unser, mit Bobbys stillem Scheitern scheint ein zweiter Piney in der Mache zu sein. Ein paar Jahrzehnte weiter und die Geschichte der ersten Staffel könnte von vorne beginnen. Ganz zu schweigen davon, dass auch Jax zwei Söhne hat, wie J.T. und Gemma einst.

Vom Stand dieser Episode ausgehend wäre es nur Gemma, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht und immer wieder auf die Füße fällt. Denn die Mutter der neuen Söhne kämpft noch. Tara hat sich nicht in die Rolle der Club-Mutter ergeben. Doch jetzt, wo sie endlich eine Entscheidung getroffen hat, schließt sich die Tür. Und Gemma kommt aus der Rente und übernimmt wieder das Ruder.
Stille Grausamkeit
Entgegen der Erwartung ist die fünfte Staffel von Sons of Anarchy mit keinem SAMCRO-Toten zu Ende gegangen. Das ist gut, denn Opies Tod liegt den meisten Fans wohl immer noch schwer im Magen. Doch sind sie der Verarbeitung einen Schritt näher gekommen, denn Pope hat schließlich doch noch seine gerechte Strafe erhalten.
Und damit hat sich auch der Endgegner dieser Staffel stilgerecht verabschiedet. Überraschend ist hingegen, dass Lee Torics große Stunde noch nicht geschlagen hat. Otto (Kurt Sutter) dämmert immer weiter dem Wahnsinn entgegen und liefert eine der ekelerregendsten und intensivsten Szenen der ganzen Serie ab. Nun wird es eine Weile dauern, bis wir erfahren, was der ehemalige US Marshal in der Mache hat. Und auch von Popes Nachfolger August Marks (Billy Brown) wird wohl noch zu hören sein.
Fazit
Kein großer Action-Show-Down, keine wilde Schießerei, weniger Tote als erwartet, zumindest keine wirklich relevanten Figuren, die es getroffen hat: Das Staffelfinale J'ai Obtenu Cette (I Got This) besticht mit einer genialen Art der psychischen Grausamkeit. Der Club hat sich komplett verändert: Von der Bruderschaft, die wir zu Beginn der Serie schätzen gelernt haben, ist nur noch ein Schatten vorhanden, allenfalls die Interaktion von Chibs (Tommy Flanagan) und Jax konnte dem Zuschauer noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Statt der Clubmentalität sehen wir uns vor allem Einzelkämpfern gegenüber. Und nun ist auch das letzte verlässliche Band angespannt worden: Tara und Jax gehen nicht gemeinsam aus der Staffel, stehen in gewissen Sinne nicht einmal mehr auf einer Seite.
Es war eine Staffel zum Mitleiden und mit dieser Episode haben die Macher ein gelungenes Finale dafür abgeliefert.
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 5. Dezember 2012(Sons of Anarchy 5x13)
Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 5x13
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