Sleepy Hollow 2x17

Sleepy Hollow 2x17

Die Sleepy Hollow-Episode Awakening spaltet die Gemüter: Einerseits durchziehen so einige Logiklöcher und irritierende Momentaufnahmen die Folge. Andererseits treffen die Macher einige mutige Entscheidungen, die das Finale der zweiten Staffel wiederum äußerst spannend machen könnten.

Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) suchen Deckung in der „Sleepy Hollow“-Episode „Awakening“. / (c) FOX
Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) suchen Deckung in der „Sleepy Hollow“-Episode „Awakening“. / (c) FOX
© (c) FOX

Ich gebe es offen und ehrlich zu: Ein großer Teil meiner eher positiven Bewertung von Awakening fußt auf den letzten fünf Minuten der vorletzten Episode dieser zweiten Staffel der Mysteryserie. Es handelt sich hierbei um einen einfachen, aber durchaus effektiven Trick der Autoren, der vor allem bei Zuschauern der ersten Stunde des Formats ziehen wird.

Durch die Wendung am Ende von „Awakening“, auf die ich später genauer eingehen werde, kann man ein paar der offensichtlichen Schwächen der Folge im Gesamtbild kaschieren. Jedoch muss man auch die zahlreichen störenden Elemente der Episode erwähnen, die mitunter aufgrund der Zäsur leidet, welche im Rahmen der kreativen Umstrukturierung des Formats nach seiner Winterpause vorgenommen wurde.

Auf einmal geht vieles in „Sleepy Hollow“ nämlich ganz schnell, was zum einen in gewisser Weise löblich ist, da man mit Blick auf die übergeordnete Handlung endlich einen Schritt nach vorne macht. Zum anderen stellt man sich als Beobachter des Ganzen aber auch so einige Fragen, da eben zahlreiche Konflikte aus der Vergangenheit im Handumdrehen aufgelöst und viele der Geschehnisse, die sich zuvor in der zweiten Staffel ereignet hatten, unbedeutend gemacht werden.

Misguided choices

An diesen Stellen merkt man deutlich, dass die Entschlackung der Geschichte um Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“ nicht nur positive Effekte hat. In den Episoden vor der Winterpause der aktuellen Staffel baute man sich mühselig einen überbordenden Plot auf, in dem viele Faktoren und Figuren gewichtige Rollen spielten.

Die Idee dahinter war mit Sicherheit, letzten Endes eine allumfassende, große Auflösung präsentieren zu können, in der ein Zahnrad ins nächste greifen würde. Jedoch verzettelte man sich zu sehr, die einzelnen Episoden wurden bisweilen immer konfuser und eine zufriedenstellende Zusammenführung beziehungsweise Lösung der verschiedenen Handlungsstränge dadurch immer unwahrscheinlicher.

Irritiert von der Warenauslage: Ichabod (Tom Mison) in %26bdquo;Awakening%26ldquo;. © FOX
Irritiert von der Warenauslage: Ichabod (Tom Mison) in %26bdquo;Awakening%26ldquo;. © FOX

Sometimes old school is the best school

In „Awakening“ geht man nun wiederum recht geradlinig und ohne Umschweife der Haupthandlung nach, was an und für sich nicht verkehrt ist. Jedoch stellt sich dadurch zeitgleich auch das Gefühl ein, dass hier vonseiten der Autoren zu viel offengelassen wird, viele zuvor aufgegriffene Elemente letztendlich komplett nichtig erscheinen und man sich sehr einfach die wichtigsten Aspekte für die Beendigung der zweiten Staffel herausgepickt hat. Zugegeben, ich bin froh, dass die Handlung von „Sleepy Hollow“ nicht schon wieder ausartet, aber einen etwas eigenartigen Eindruck hinterlässt es doch bei mir, dass die Verantwortlichen hier auf die wohl simpelste Art und Weise ihren Kopf aus der Schlinge ziehen wollen.

Diese Kritik muss sich „Awakening“ gefallen lassen, gepunktet werden kann jedoch an anderen Stellen. Dadurch, dass es doch recht klar und deutlich ist, wer hier gegen wen antreten muss, was auf dem Spiel steht und wie der große Masterplan aussieht, den Abbie und Ichabod zunichtemachen müssen, kann die Episode eine gewisse Konzentration auf das Wesentliche aufweisen, die die Geschichte gut am Laufen hält. Durch ein paar überraschende Wendungen und eine hervorragende Idee zum Ende, wie man die Staffel sehr interessant und spannend ausklingen lassen könnte, machen die Autoren schlussendlich doch einiges richtig, um vielleicht doch noch ein versöhnliches Ende nach einer eher durchwachsenden zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“ präsentieren zu können.

The family we never had

In Awakening legt ein etwaiges Monster der Woche mal eine Pause ein, vielmehr wird sich dem großen Übel gewidmet, das auf den Namen Henry (John Noble) hört und eine Gefahr für unsere beiden witnesses darstellt. Unterstützung bei dem Plan, den ehemals in Sleepy Hollow ansässigen Hexenkult wieder ins Leben zu rufen, bekommt dieser dabei überraschend von seiner Mutter Katrina (Katia Winter), die selbst einst Teil dieser Gesellschaft von mächtigen Hexen und Hexern war.

Henry ist es doch tatsächlich gelungen, Katrina zu überzeugen, für ihre alten Weggefährten einzustehen und ein altes Versprechen George Washingtons (die Integration der Hexen und Zauberer in die amerikanische Gesellschaft, wenn sie denn den amerikanischen Rebellen im Unabhängigkeitskrieg gegen England helfen würden) in die Tat umzusetzen.

Diese kleine Wendung in der Handlung kommt ein wenig überraschend, auch wenn man sich nach der letzten Episode schon etwas in dieser Richtung hat denken können. Im Endeffekt gefällt mir, dass Katrina nun aus freien Stücken gemeinsame Sache mit ihrem Sohn macht. Zum einen spielt ihre fortwährende Liebe für den Nachwuchs eine große Rolle für ihre neuerliche Motivation, zum anderen fühlt sie sich - nachvollziehbarerweise - bei ihrer Hexenehre gepackt und möchte sich für ihresgleichen einsetzen.

Duty above all else

So sehr mir diese klaren Ansagen Katrinas gefallen, so sehr kommt hier ein Problem zu tragen, das ich bereits auf der Seite zuvor angesprochen habe. Der gesamte Aufbau der problembehafteten Beziehung zwischen Ichabod und Katrina war in der zweiten Staffel immer wieder Thema (ob sie Henry nun vertrauen und retten wollen, inwiefern sie noch Hoffnung haben, ihren Sohn zum Guten zu bekehren). Das bauschte das Format extrem auf, doch die letztendliche Auflösung dieses Konflikts könnte simpler nicht sein. Die Zeit, die man in die komplexe Beziehung von Ichabod und Katrina investiert hat, fühlt sich letztendlich wie vergebliche Liebesmüh' an. Ich begrüße es, dass man endlich mal zur Sache kommt, aber warum musste es so lange hinausgezögert werden?

Mächtiger als jemals zuvor: Katrina (Katia Winter) in %26bdquo;Awakening%26ldquo; © FOX
Mächtiger als jemals zuvor: Katrina (Katia Winter) in %26bdquo;Awakening%26ldquo; © FOX

Not an accident

Den Darstellern möchte ich keine großen Vorwürfe machen, denn sowohl John Noble als auch Tom Mison wissen in den eher emotionaleren Momente dieser Episode zu überzeugen. Selbst Katia Winter, deren Charakter viel zu oft ein Spielball der Autoren war, den sie willkürlich da hinbugsierten, wo sie in gerade brauchten, darf endlich mal etwas nachhaltiger in Erscheinung treten und avanciert nach Henrys Tod (der auch einfacher vonstattengeht, als man es erwarten würde) sogar zum großen neuen Bösewicht, dem sich Abbie und Ichabod im Staffelfinale wohl stellen müssen.

Diese Geradlinigkeit und bisweilen gar Einfachheit der Handlung sagt mir persönlich mehr zu, als dass man sich noch dreimal überschlägt, die ausgefallensten Rituale einbezieht und eine Folge entwirft, in der die tausendste verschachtelte Schnitzeljagd nach mysteriösen Artefakten nicht fehlen darf. So schlicht der Plot hier ist, er funktioniert im Großen und Ganzen.

Einzig störend sind die bereits zuvor erwähnten Logiklöcher und zweckdienlichen Freiheiten der Autoren, die einen gelegentlich aus der Geschichte herausreißen können. (Wie stibitzen Ichabod und Abbie die Glocke von dem Platz in der Stadt? Wie gelingt Abbie der Sprung aus dem explodierenden Wagen? Warum wurden Ichabod nicht die Schusswaffen abgenommen, nachdem er von Henry und Katrina gefasst worden war?) Dies sind die Augenblicke, in denen es die Macher vielleicht ein wenig zu eilig hatten und die bei einer kritischen Betrachtung der Folge keinesfalls unter den Tisch fallen dürfen.

Mayhem

Das Prozedere Henrys und Katrinas, um ihren alten Hexenkult wieder zu erwecken, gestaltet sich derweil klassisch über eine Geschichte, in der wahre Historie und Folklore miteinander kombiniert werden. Über eine Glocke, die aus demselben Material der Liberty Bell (die sogenannte „Freiheitsglocke“, die nach der Verkündung der Unabhängigkeit der USA geläutet wurde) gegossen ist, wollen Mutter und Sohn die Regentschaft der Hexen und Hexer ausrufen. Ginge es nach Katrina, wäre Sleepy Hollow dabei nur der erste Schritt von vielen weiteren.

Offen bleibt, inwiefern Henry (die Dornen der schwarzen Rose...) oder vielleicht sogar der Warlock aus der Episode Spellcaster Stein des Anstoßes für Katrinas drastische Wandlung sind, was von den Machern durchaus geschickt gelöst und nicht eindeutig aufgeklärt wird.

Als Handlanger Henrys und Katrinas tritt dann noch einmal Irving (Orlando Jones) in Erscheinung, der nun endgültig seiner dunklen Seite verfallen ist. Ein wenig Hoffnung gibt es jedoch auch noch für ihn, denn mithilfe des Kopfes der Gorgone (aus Magnum Opus) soll es eventuell möglich sein, Irvings Seele zu retten. Auch dies hört sich eher weit hergeholt an und dient maximal als Mittel, um ein wenig Spannung zu generieren.

Die Nebenhandlung um Jenny (Lyndie Greenwood) und Irving wird in der Tat recht nebensächlich abgefrühstückt und endet schließlich auf einer erfreulichen Note, nachdem Henry von Abbie niedergestreckt wurde. Die Seele von Irving ist nach dem Tod seines Gebieters nämlich wieder frei, wodurch auch dieser Handlungsstrang ein Ende gefunden hat. Lyndie Greenwood und Orlando Jones machen hier zwar keine schlechte Figur und zeigen, dass sie gut miteinander in Rapport stehen, insgesamt fühlt sich dieser Teil der Handlung jedoch leider so an, als wollte man die Geschichte um Irvings Schicksal schnell und effektiv abgehandelt haben, was - zugegeben - auch gelingt.

Woman out of time

Den stärksten Teil von Awakening macht ohne Frage das Ende der Episode aus. Zwischen Katrina und Ichabod ist nun anscheinend alles verloren, die Hexe lässt ihrer Trauer und ihrem Zorn freien Lauf, attackiert Ichabod und Abbie, setzt ungeahnte Kräfte frei (auch dank gefährlicher Blutmagie und dem Zauberbuch des Warlock) und katapultiert sich zurück in die Zeit, um ihre Pläne doch noch Wirklichkeit werden zu lassen.

Abbie hechtet ihr jedoch hinterher und findet sich so in der Siedlung Sleepy Hollow von 1781 wieder. Hier wird sie aufgrund ihrer Hautfarbe und der daraus resultierenden Annahme, sie sei eine entflohenen Sklavin, erst einmal eingekerkert. Ihre einzige Möglichkeit auf Hilfe, um befreit zu werden und Katrina aufzuhalten: ein Gespräch mit dem Ichabod aus der Zeit, in der sie sich gerade befindet.

Willkommen im 18. Jahrhundert: Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Awakening%26ldquo;. © FOX
Willkommen im 18. Jahrhundert: Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Awakening%26ldquo;. © FOX

Die Autoren haben sich einen cleveren Kniff einfallen lassen, mit dem sie bei vielen Fans der Serie landen werden. Im Endeffekt kopieren sie beinahe haargenau den Anfang der Pilotepisode und damit den Einstieg in die Serie. Nur findet sich dieses Mal Abbie total verwirrt auf einer nebligen Straße wieder, während im Hintergrund eine lässige, altertümliche Coverversion des Rolling-Stones-Hits „Sympathy for the Devil“ dudelt. Wir erinnern uns: Genau so tappste in der allerersten Episode von „Sleepy Hollow“ auch Ichabod in Richtung des modernen Sleepy Hollows.

Eine nette Parallele, die man hier zieht, sowie eine sehr interessante Ausgangslage für das Staffelfinale. Werden Abbie und Ichabod, die sich in diesem neuen Szenario noch nie begegnet sind, in der Lage sein, Katrina Einhalt zu gebieten? Etwas Spannung macht sich nun doch breit, was uns im Staffelfinale erwarten könnte - trotz einiger mehr oder minder großen Wackler, die sich „Awakening“ leistet.

Fazit

Awakening macht zwar nicht alles richtig und weist mehr als ein paar Makel auf, dafür bietet man uns aber einen gelungenen Twist, der die Handlung und Charaktere betrifft und gut das bevorstehende Staffelfinale einleitet. Letztendlich brechen die Verantwortlichen ihr Format auf das Herzstück von Sleepy Hollow herunter: Ichabod und Abbie. Wie beide in der Folge anmerken, zählt vor allem der Bund zwischen den beiden, der sie über das Böse triumphieren lassen wird. Mit Katrina als Antagonistin und der neuerlichen Ausgangslage für unsere beiden Helden könnte sich nun ein spannendes Finale anbahnen, das gar als Serienabschluss funktionieren könnte. Wie sich dieses genau darstellen wird, sehen wir in der nächsten Woche.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 17. Februar 2015

Sleepy Hollow 2x17 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 17
(Sleepy Hollow 2x17)
Deutscher Titel der Episode
Der Schlag der Glocke
Titel der Episode im Original
Awakening
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 16. Februar 2015 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. Juli 2015
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x17

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