Sleepy Hollow 2x16

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In der Sleepy Hollow-Episode What Lies Beneath gibt es recht früh einen Augenblick, als Abbie (Nicole Beharie) ihren treuen Mitstreiter Ichabod (Tom Mison) fragt, worauf deren beider Kampf gegen das Böse letztendlich hinauslaufen wird. Ein wenig bezeichnend, denn auch, wenn die Geschichten um den „Headless Horseman“ oder Moloch ihre narrativen Probleme hatten, sorgten sie zumindest dafür, dass wir und die Charaktere des Mysteryformats ein konkretes Ziel vor Augen hatten, das sie erreichen wollten.
In den letzten Wochen geht uns ein derartiger Sinn und Zweck des Beliebigen, wenn auch soliden „Monster“ beziehungsweise „Case of the Week“-Treibens jedoch leider zu oft verloren. Nachdem sich die Serienmacher in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“ von einigen Altlasten getrennt haben und stilistisch zumindest ansatzweise zu den Ursprüngen des Formats zurückgekehrt sind, stellt sich ihnen nun kurz vor dem Ende der Staffel ein neuerliche Frage: „Quo vadis, ,Sleepy Hollow'“? Wohin soll die Reise letztendlich gehen, was soll am Ende dieser zweiten Staffel stehen?
Small dark spaces
Da man sich unglücklicherweise in der ersten Staffelhälfte ein wenig zu sehr verrannt hatte, ist man nun teilweise dazu gezwungen, irgendwie die Scherben aufzupicken und noch das Beste aus dem zu machen, was man zur Verfügung hat. Dabei kann man sich im Notfall immer noch auf Henry (John Noble) verlassen, der sich nach der letzten Episode zum möglichen großen Übel aufgeschwungen hat und abermals die Konfrontation mit Ichabod und Abbie suchen wird. Ein recht einfaches Mittel, um seinen Kopf aus der dramaturgischen Schlinge zu ziehen und der übergeordneten Handlung der zweiten Staffel auf den letzten Metern doch etwas Gewicht und Spannung zu verpassen.
Ich hatte letzte Woche noch geschrieben, dass ich nun seit langem doch mal wieder gespannt sei, was die Autoren aus der neuen Ausgangslage um Irving (Orlando Jones) in den Diensten des zurückgekehrten Henrys machen würden. Und auch, wenn ich den Teil in „What Lies Beneath“ um Irving als gelungen betrachte, insgesamt verpufft leider viel zu viel von dem, was man sich am Ende von Spellcaster ein Stück weit aufgebaut hatte.

The price to pay
Man hält sich in Sachen roter Faden erneut vornehm zurück und streift das Thema eines möglichen zentralen Handlungsstrangs eher nur nebenbei. Vielmehr steht in „What Lies Beneath“ wieder einmal ein besonderer Fall der Woche im Fokus. Zwischen diesem und der übergeordneten Handlung macht man zwar ein paar Verknüpfungen, voll und ganz zufrieden kann man jedoch nicht sein. Ein großer Schwachpunkt der Episode stellt dabei die Haupthandlung selbst dar, die zwar visuell ansprechend ist und ein paar schwungvolle Momente zu bieten hat, aber ebenso auch für ein wenig Irritation sorgt.
Dass man Ende dann noch einmal für einen kurzen Augenblick Henry im „unheilvollen Moment der Woche“ mit seiner Mutter Katrina (Katia Winter) zeigt, mutet allenfalls etwas unbeholfen an - frei nach der Devise, man müsse seine Zuschauer noch schnell daran erinnern, dass es doch wieder einen big bad gibt, dass Katrina erneut eine wichtige Rolle in dessen Plänen spielt, dass sich die Autoren im Endeffekt abermals wiederholen und sich auf „Henry aus der Kiste“ verlassen. Ein wenig Enttäuschung schwingt hier zweifellos mit.
Vital secrets
Doch es gibt natürlich auch einiges Positives an dieser Episode. Der Fall der Woche per se stellt sich als eine durchaus kurzweilige Angelegenheit heraus, bei der die Macher in guter alter Manier ihre Fantasie spielen lassen und es dabei beinahe sogar ein wenig zu bunt treiben. Nachdem drei Arbeiter während ihrer Tätigkeit im Untergrund von Sleepy Hollow verschwunden sind, stoßen Ichabod und Abbie recht schnell auf die furchtbare Ursache dieses Unglücks. Scheinbar sind die Verschwundenen auf eine geheime Luke gestoßen, die zu einem uralten Safe führt, in dem die Gründerväter der USA wertvolle geheime Informationen im Kampf gegen die Dämonen der Unterwelt verwahrt hatten.
Das primäre Ziel von Ichabod und Abbie ist erst einmal, die drei Menschen zu rettten, welche von seltsamen Gestalten angegriffen und verschleppt wurden. Als sie jedoch immer mehr über den mysteriösen Safe (der von Thomas Jefferson höchstpersönlich entworfen und von ihm „Fenestella“ getauft wurde) in Erfahrung bringen und sich letztendlich in selbigem wiederfinden, machen sie eine unglaubliche Entdeckung.
A deeply kindred spirit
Hier treffen sie nicht nur auf eine Art Hologramm - resultierend aus einer Kombination von Wissenschaft und Hexenkraft (genau...) - des dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, sie werden auch vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt: Der „Fenestella“ trägt eine Sammlung an wertvollem Wissen in sich, mit dem Ichabod und Abbie den langwierigen Kampf gegen das Böse ein für alle Mal gewinnen könnten. Jedoch müssten sie dafür die zwei der noch lebenden Arbeiter opfern und das Risiko in Kauf nehmen, dass die sogenannten „Reavers“, übernatürliche Wesen, die den Safe beschützen, weiterhin für die Allgemeinheit eine Gefahr darstellen könnten.
Zugegeben, einige kreative Auswüchse dieser Geschichte erscheinen doch etwas wirr und abgedreht, jedoch verfügt Sleepy Hollow bekanntermaßen über die Stärke, die noch so abstrusesten Geschichten unterhaltsam vorzutragen. Dies ist auch in What Lies Beneath der Fall. Denn durch eine stimmungsvolle Atmosphäre (vor allem in den Gemäuern des „Fenestella“), die mehrfach einem spannenden Horrofilm gleichkommt, sowie durch eine bisweilen sehr temporeiche Inszenierung sorgt man zumindest für einen soliden Unterhaltungswert.

Choices in war
Auch das wiederkehrende Thema, dass man bereit sein muss, Opfer für das höhere Gut zu bringen, wird ordentlich in die Handlung integriert. Sowohl Ichabod als auch Abbie haben schon so einiges investiert, um gegen Moloch und Konsorten siegreich zu sein, jedoch haben sie sich auch immer etwas essentiell Gutes in sich bewahrt. Trotz der Aussicht, den Kampf endlich zu beenden, entscheiden sie sich für die Rettung der beiden Arbeiter, was eigentlich nur konsequent ist, blickt man auf die Figurenzeichnung dieser beiden Charaktere. Natürlich kann man sich aufregen, dass sie dieses vergleichweise kleine Opfer nicht eingegangen sind, um das große Übel auszumerzen, doch Abbie und Ichabod haben schon immer durch ihre Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit bestochen, weshalb ihre Entscheidung absolut nachvollziehbar ist.
Weniger nachvollziehbar für mich ist dahingegen, warum sie sich zwischen den beiden Arbeitern oder dem Erhalt des „Fenestella“ beziehungsweise für die Zerstörung von diesem entscheiden müssen. Warum nicht einfach die wichtigen Informationen zusammentragen, sichern und dann die beiden Gefangenen retten? Oder man rettet sie zuerst, kehrt dann mit voller Feuerkraft zurück und nutzt das Wissen, dass Ichabods Brüder im Geiste einst zusammengetragen haben. Die Erklärung, warum dies eine Entweder-oder-Entscheidung ist, ist mir persönlich viel zu schwammig (das Nest der dämonischen Gestalt sei zu unstabil und würde kollabieren, wenn man deren Gefangenen befreien würde). Dieses unausgegorene Plotdetail empfinde ich teilweise als sehr störend - die Spannung, die durch die Entscheidung von Ichabod und Abbie entsteht, in allen Ehren.
Sorting things out
Andere Zuschauer dürften sich derweil eventuell ein wenig von der hanebüchenen Geschichte um Jefferson und dem „Fenestella“ abgeschreckt fühlen. Dies stellt bei mir weniger ein Problem dar, da die Autoren gewohnt selbstbewusst mit ihren wilden Gedankspielen umgehen. Außerdem konnte man mit Steven Weber einen sehr fähigen Darsteller verpflichten, der über ein gutes Zusammenspiel mit Tom Mison verfügt.
Abbie darf sich indes mit dem unnachgiebigen Reporter Calvin Riggs (Sharif Atkins) herumschlagen, dessen Bruder einer der Verschwundenen ist. Interessant ist dabei, dass Riggs sich nicht so einfach abspeisen lässt und beinahe schon so viel Charakter zugestanden bekommt, dass man beinahe vermuten könnte, er würde demnächst ein weiteres Mal auftreten. Deren Diskussion über die Freiheit der Presse und dass die Menschen ein Recht darauf hätten zu erfahren, was in Sleepy Hollow wirklich vor sich geht, ist eigentlich kein uninteressanter Gedanke, den man in der Serie über einen längeren Zeitraum behandeln könnte. Es ist ja schon ein wenig auffällig, dass sich bis jetzt niemand wirklich den zahlreichen seltsamen Vorfällen in der Kleinstadt medial angenommen hat.
Temporary salvation
Die Nebenhandlung der Woche dreht sich derweil um Irving und Jenny (Lyndie Greenwood) und dient vor allem dem Aufbau zum Staffelfinale. Nachdem nun doch klar ist, dass Irving Henry untersteht, wird uns erst einmal erklärt, wie er den Test Katrinas, ob seine Seele frei ist, bestehen konnte. In der Tat ist Irving von den Toten wiederauferstanden, jedoch übernimmt das Böse in ihm immer mehr die Kontrolle, so dass er schon bald endgültig in den Diensten Henrys stehen wird. Durch eine mächtige Rune hat er sich noch etwas Zeit erkauft und versucht nur, vor seiner Abkehr vom Guten alles ins Reine zu bringen und zumindest seiner Frau und Tochter eine finanzielle Basis zu hinterlassen. Diese soll den beiden die Flucht sowie ein ruhiges Leben bis ans Ende ihrer Tage ermöglichen.
Punkten kann dieser Teil der Handlung durch Jones, der die Emotionalität seines Charakters glaubhaft und sehenswert rüberbringt. Warum Irving jedoch Jenny nicht von Anfang an von seinem Problem erzählt hat und Jenny sich von ihm trotz unheilvoller Vorahnung einfach übertölpeln lässt, erschließt sich mir nicht ganz. Wenn Irving sich aufgrund der Rune noch auf der sicheren Seite befindet und seine Wandlung zum Bösen unvermeidbar ist, warum dann nicht mit offenen Karten spielen und Jenny darum bitten, ihm dabei zu helfen, ein letztes Mal für ihre Familie zu sorgen. Das hier dargebotene Drama ist doch ein wenig zu sehr inszeniert, auch wenn es letzten Endes aufgeht.

Fazit
Wie bereits erwähnt, macht sich bei mir am Ende von What Lies Beneath etwas Enttäuschung breit, was unter anderem auch an der finalen Szene der Episode liegt. Ganz ehrlich, die Macher mussten früher oder später wohl wieder genau an dieser Stelle ansetzen, dass Katrina zum Zünglein an der Waage wird und Henry seinen düsteren Masterplan mit ihr als entscheidenden Spielstein verfolgt. Dennoch muss die Kritik erlaubt sein, dass dies doch ein recht abgenutzter Einfall ist. Auch einige Elemente der Haupthandlung um Abbie und Ichabod machen einen eigenartigen Eindruck auf mich und werfen mehr Fragen auf, als sie zufriedenstellend beantworten können.
Aber gut, im Großen und Ganzen ist auch „What Lies Beneath“ solide und kann mit einigen unterhaltsamen Sequenzen aufwarten. Die Darsteller liefern überzeugende Arbeit ab, außerdem ist es interessant zu sehen, dass das Format auch ohne allzu offensichtliche comic relief-Momente leben kann. An der Humorfront wird nämlich ein wenig zurückgefahren, was jedoch nicht weiter problematisch ist. Alles in allem muss man aber auch festhalten, dass sich Sleepy Hollow selten so festgefahren wie kurz vor dem Ende seiner zweiten Staffel angefühlt hat. Über die Bestellung einer dritten Staffel würde ich mich doch wirklich sehr wundern.
Trailer zur „Sleepy Hollow“-Episode „Awakening“ (2x17):
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 10. Februar 2015Sleepy Hollow 2x16 Trailer
(Sleepy Hollow 2x16)
Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x16
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