Sleepy Hollow 2x15

Sleepy Hollow 2x15

Es geht langsam, aber sicher in die letzten Züge der zweiten Staffel von Sleepy Hollow, deren Finale in Spellcaster bereits ein wenig vorbereitet wird. Der Fall der Woche gestaltet sich eher trivial, einige unterhaltsame Actionszenen sowie klassische Charaktermomente überzeugen jedoch.

Geladen und entsichert: Ichabod (Tom Mison) mit seiner Armbrust bewaffnet in „Spellcaster“. / (c) FOX
Geladen und entsichert: Ichabod (Tom Mison) mit seiner Armbrust bewaffnet in „Spellcaster“. / (c) FOX
© (c) FOX

Gerade einmal drei Episoden bleiben der zweiten Staffel von Sleepy Hollow nach der Folge Spellcaster noch, um einen befriedigenden Abschluss zu finden und die Senderverantwortlichen von FOX zu überzeugen, eine dritte Staffel des Mystery-Formats zu bestellen. Ob dies letztlich geschehen wird, darf nach wie vor bezweifelt werden, auch wenn man sich in den letzten Episoden des Dramas auf alte Tugenden besonnen hat und einige Opfer brachte, um vielleicht wieder einen etwas kurzweiligeren und weniger konfusen Weg in der Erzählung einzuschlagen.

Blood magic

Spellcaster“ steht durchaus im Zeichen vergangener Sleepy Hollow-Tage und macht in der Gesamtwertung einen sehr soliden Eindruck. Der hier vorgetragene klassische Fall der Woche um einen liebeskranken Hexenmeister, der das Wohl und Wehe der Welt aufs Spiel setzt, um eine vergangene Schuld zu begradigen, fühlt sich zwar mehr als nur einmal sehr beliebig an. Visuell und mit Blick auf das Tempo der Episode wird man jedoch ordentlich unterhalten. Da es sich die Macher in den letzten Wochen darüber hinaus zur Devise gemacht haben, die übergeordnete Handlung angenehm zurückhaltend voranzutreiben und wieder mehr mit dezenten unheilvollen Andeutungen zu arbeiten, ist auch dieser Aspekt der neuen Episode besser, als es zuvor noch in vielen Folgen der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“ der Fall gewesen ist.

Da versuchte man nämlich zu oft, auf Biegen und Brechen die Geschehnisse um Moloch, den kopflosen Reiter, Henry (John Noble), Ichabod (Tom Mison) und Katrina (Katia Winter) in den Mittelpunkt jeder einzelnen Episode zu rücken. Dadurch ist dem Format der spezifische Charme abhandengekommen, den man zum Beispiel in „Spellcaster“ oft wiederfinden kann. An die Glanzzeiten der Serie kommt man nicht heran, jedoch stimmt hier für mein Empfinden die Balance zwischen den verschiedenen Aspekten in Sleepy Hollow, die diese Serie einst so sehenswert gemacht haben. Seien es kurzweilige Interaktionen unter den Figuren, schwungvolle Actionsetpieces oder eben auch ein finsteres, aber nicht zu aufdringliches Foreshadowing, was uns zum Ende der zweiten Staffel erwarten könnte.

Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) gehen mit aller Vorsicht gegen den mächtigen Warlock vor. © FOX
Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) gehen mit aller Vorsicht gegen den mächtigen Warlock vor. © FOX

Something dark and evil

In „Spellcaster“ bekommen es Ichabod und Abbie (Nicole Beharie) mit einem gefährlichen Meister der dunklen Magie, einem Warlock, zu tun, der nach dem Fall Molochs ähnlich wie Katrina aus der Vorhölle entkommen ist und nun eine sehr persönliche Agenda verfolgt, damit er endlich Ruhe finden kann. Die Prämisse dieser Geschichte ist in der Tat relativ simpel, und so schmückt man den Plot mit einigen für das Format typischen Elementen aus, die mehr oder minder gelungen zur Kurzweil dieser Folge beitragen.

Erneut mischt man die Historie der USA mit ein wenig Folklore und thematisiert die einstigen Hexenprozesse von Salem zum Ende des 17. Jahrhunderts, die ein dunkles Kapitel in der Geschichte Amerikas darstellen. Der besagte Warlock namens Solomon Kent (Johnathon Schaech) war damals ein angesehener Reverend in der einfachen Siedlung, während er im Geheimen einen Hexenzirkel anführte. Nachdem er jedoch einen Mord an seiner großen Liebe beging, schob er schnell den mächtigen Magiern und Magierinnen die Schuld in die Schuhe, hinterging somit seinesgleichen und initiierte die erbarmungslose Verfolgung von Hexen, die größtenteils auf blinder Massenhysterie fußte.

In gewisser Weise kann man hier einen ungewohnt deutlichen Kommentar der Autoren zu gesellschaftlichen Problematiken wie Massenhysterie oder unbegründete Ängste vor dem Unbekannten erkennen. In dieser Deutlichkeit bekommt man solche Aussagen in Sleepy Hollow eher selten zu sehen. Jedoch gefällt mir dieser frische Ansatz, da er dem Format eine gewisse thematischen Tiefe gibt. Dabei sollte man natürlich keine bedeutungsschweren Moralpredigten unserer Charaktere erwarten. Außerdem obliegt es ja jedem Zuschauer selbst, ob man derartige gesellschaftskritische Aussagen aus Spellcaster herausfiltern möchte oder das Mystery-Format an seinem Unterhaltungswert misst, der hier nicht von der Hand zu weisen ist.

An exercise in optimism

Bevor sich Ichabod und Abbie nämlich dem mysteriösen Tod zweier Menschen in einem Auktionshaus und dem Diebstahl eines alten Buches widmen, erfreut man sich zu Beginn der Episode erst einmal am wunderbaren Zusammenspiel zwischen Mison und Beharie, als sich Ichabod nach einer möglichen neuen Bleibe umschaut. Eine quietschende Gummibanane ist vielleicht ein ziemlich plumpes Mittel, um einige Lacher zu generieren. Doch ehrlich zugegeben, sämtliche Szenen während der Hausbesichtigungen - darunter auch Abbies Auftritt als Übersetzer für Ichabod mit Blick auf das besondere Vokabular der Maklerin - machen schlichtweg Spaß.

Auch zwischendurch streuen die Macher immer wieder auflockernde Momentaufnahmen ein, die zeigen, dass Ichabod fleißig die literarischen Erzeugnisse (darunter anscheinend auch einige Marvel-Comics) der amerikanischen Kulturlandschaft nachholt. Neben diesen oft sehr charmanten Einlagen wird dann zumeist nahtlos in eher actionreiche Sequenzen übergegangen, was wiederum für ein angenehmes Erzähltempo mit einigen kleinen Highlights hinsichtlich der Inszenierung sorgt. Die blutigen Dämonen, die von Kent beschworen werden, erinnern an das sehenswerte Monsterdesign aus früheren Folgen, und auch wenn der Kampf recht kurz ist, für den Augenblick gestalten sich die Szenen im Lagerhaus (die visuelle Darstellung von Kents und Katrinas verschiedenen Zauber inbegriffen) als sehr kurzweilig.

Auf Haussuche: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Spellcaster%26ldquo;. © FOX
Auf Haussuche: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Spellcaster%26ldquo;. © FOX

An undead problem

Kritik muss ich jedoch mal wieder an der Geschichte um das „Monster der Woche“ üben. Denn wie bereits erwähnt, macht diese inhaltlich einen eher abgegriffenen Eindruck. Man klaubt sich hier und da ein paar Dinge zusammen, bringt über die Großmutter von Katrina natürlich noch eine persönliche Note mit ins Spiel und stellt dann noch zum großen Finale der Episode eine hochdramatische Auflösung in Aussicht. Damit könnte der eigentliche Plan von Kent doch dazu führen, dass sich der Lauf der Geschichte grundlegend verändern wird. All dies ist schlussendlich ein wenig zu viel des Guten, weshalb man an gewissen Stellen der Handlung auch irgendwann aussteigt und für sich die entscheidenden Details im Hinterkopf behält, ohne den bisweilen austauschbaren Gesprächen über den Ursprung der mächtigen Zauberbuches oder die Möglichkeiten, Kent aufzuhalten, seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Auf das Wesentliche heruntergebrochen funktioniert die Handlung in „Spellcaster“. Die zahlreichen Nebeninformationen und Windungen überladen die Episode jedoch ein wenig zu sehr und erweisen sich oft als unnötiges Beiwerk. Die finale Auseinandersetzung zwischen Team Ichabod und Kent gelingt wiederum recht gut, gehen unsere Protagonisten doch ziemlich clever im Kampf gegen den Hexenmeister vor.

Walking the razor's edge

Die interessantesten Szenen in Spellcaster stellen jedoch ein paar kleine Momente dar, in denen sich eher subtil unseren Charakteren und deren derzeitigen emotionalen Befinden angenähert wird. Gleichzeitig spielt man mit den Erwartungen des Publikums, sieht man einige von den Figuren doch in verheißungsvollen Situationen. So wird zum einem die Frage aufgeworfen, inwiefern Katrina sich nicht zur schwarzen Magie hingezogen fühlen könnte, nachdem ihr Kent eröffnet, dass sie zwar Potential zur mächtige Hexe besitzt, dieses auf dem „guten“ Weg jedoch nie ausschöpfen kann. Angesichts des baldigen Staffelfinales könnte uns hier eine weitere Wendung in der Handlung bevorstehen, die sich vielleicht ein wenig erzwungen anfühlen könnte, da ja die Beziehung zwischen Ichabod und Katrina wieder auf dem Weg der Besserung war. Neuerliche Spannung könnte dieser Twist dennoch garantieren.

Ebenso wird, wie schon so oft, die alte Vertrauensfrage behandelt, und das auf gleich mehreren Ebenen. Ichabod macht dabei ein deutliches Bekenntnis zu seiner Pflicht und den Aufgaben, die sich ihm und Abbie in Zukunft stellen werden. Kent dient dabei als abschreckendes Beispiel, verlor er doch sein Rückgrat, als er seinen Hexenzirkel verraten und ihr Vertrauen missbraucht hatte. Seine Wut darüber lässt der gute Ichabod dann sogar relativ heftig an Kent aus.

Von der dunklen Seite der Macht in Versuchung geführt? Katrina (Katia Winter) in %26bdquo;Spellcaster%26ldquo; © FOX
Von der dunklen Seite der Macht in Versuchung geführt? Katrina (Katia Winter) in %26bdquo;Spellcaster%26ldquo; © FOX

Sheep and wolves

Auch Abbie wird erneut auf die Probe gestellt, als sie auf Irving (Orlando Jones) trifft. Dieser kann nachvollziehen, warum sie ihm zuvor nicht vertraut hatte, doch nachdem Katrina bestätigen konnte, dass er nun wieder auf der sicheren Seite ist, scheint auch Abbies Vertrauen in Irving wieder zu wachsen. Hinzu kommt, dass Irving ihr und Ichabod mit Rat und Tat zur Seite steht, woraufhin selbst ein anfangs eher zögerlicher Ichabod wieder mehr Vertrauen in den ehemaligen Polizeichef hat. Wenig überraschend zeigt sich dann jedoch, dass Irving doch noch in Diensten Henrys steht und diesem das Zauberbuch des Warlock überreicht. Man hatte es schon ein wenig kommen sehen, dennoch sagt mir der Handlungsstrang um Irving zu, was unter anderem an einem gut aufgelegten Orlando Jones liegt.

Seinen Meister Henry bekommen wir abseits von der Haupthandlung zurückgezogen in einem ollen Motel zu sehen. Dort denkt er ausführlich über die vergangenen Geschehnisse nach und zieht tatsächlich kurz in Erwägung, dem Bösen abzuschwören und ein friedfertiges Dasein zu fristen. Letztendlich erkennt er jedoch, dass er aus einem anderen Holz geschnitzt ist. Seine Ambitionen treiben ihn unermüdlich an, und so können wir stark davon ausgehen, dass er mit der Hilfe Irvings schon bald wieder auf den Plan treten und die Umsetzung seiner düsteren Absichten in Bewegung setzen wird, um so Moloch vergessen zu machen und selbst zum finsteren Herrscher aufzusteigen. In den Szenen um Irving und Henry schwingt immer wieder ein ungutes Gefühl mit, was atmosphärisch sehr gut eingefangen wird. Deswegen gefallen mir diese Woche auch die Nebenhandlungsstränge besser als sonst, da sie ein gewisses Gewicht tragen und zusätzlich gekonnt die finalen Episoden der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“ einleiten.

Fazit

Die Episode Spellcaster gefällt mir persönlich gut, was jedoch weniger an dem recht generischen Monster of the Week-Szenario, sondern vielmehr an den zahlreichen kleineren Momentaufnahmen liegt, die die unbestrittenen Stärken des Formats aufzeigen. Amüsante Szenen geben sich gemeinsam mit rasanten Aufnahmen die Klinke in die Hand, während gleichzeitig gut Spannung für die letzten Folgen der Staffel aufgebaut wird. Natürlich gestaltet sich die Rückkehr von Henry als relativ zweckdienlich, jedoch merkt man der Haupthandlung die Reduzierung auf das Wesentliche an, wodurch der übergreifende Plot nicht ganz so aufgedunsen daherkommt. Zum ersten Mal nach etwas längerer Zeit bin ich nun doch recht gespannt, was Henry ausheckt, welche Rolle Irving in seinen Plänen spielen wird, ob Katrinas dunkle Seite noch zum Zünglein an der Waage wird und was unsere beiden Helden Ichabod und Abbie bereit sein werden zu opfern, um ihre Bestimmung zu erfüllen.

Trailer zur „Sleepy Hollow“-Episode 2x16 „What Lies Beneath“:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 3. Februar 2015

Sleepy Hollow 2x15 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 15
(Sleepy Hollow 2x15)
Titel der Episode im Original
Spellcaster
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 2. Februar 2015 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. Juni 2015
Regisseur
Paul A. Edwards

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x15

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