Sleepy Hollow 2x14

Sleepy Hollow 2x14

Die Serienmacher von Sleepy Hollow gehen konsequent den Weg der kreativen Umstrukturierung weiter und machen dabei auch nicht vor den Nebenfiguren halt. Insgesamt gestaltet sich Kali Yuga jedoch als eine recht beliebige Episode, die nur bedingt in Erinnerung bleiben wird.

Die beiden Schwestern im Einsatz: Abbie (Nicole Beharie) und Jenny (Lyndie Greenwood) in „Kali Yuga“. / (c) FOX
Die beiden Schwestern im Einsatz: Abbie (Nicole Beharie) und Jenny (Lyndie Greenwood) in „Kali Yuga“. / (c) FOX

Auch diese Woche widmet sich Sleepy Hollow einer übernatürlichen Kreatur, die mit relativ großer Wahrscheinlichkeit nie wieder in Erscheinung treten wird - wodurch die Episode Kali Yuga sehr eindeutig in die Kategorie „Monster der Woche“ fällt. Jedoch passt man die Formel ein wenig an und stellt eine der Nebenfiguren in den Fokus, was an und für sich keine schlechte Idee ist. Letztendlich ist dies jedoch nur eine mehr oder minder gewiefte Masche, um sich einer bekannten Altlast zu entledigen und das Format in den letzten Zügen seiner zweiten Staffel weiter zu entschlacken.

Ein wenig unerwartet tritt in „Kali Yuga“ nämlich Hawley (Matt Barr) prominent auf den Plan. Er bekommt es mit einer alten Bekannten zu tun, die nichts Gutes im Schilde führt und eine unschöne dämonische Seite hat. Erfahrenen Fernsehzuschauern erschließt sich die Handlung und das eher absehbare Ergebnis der Folge recht schnell. Die Autoren schreiben innerhalb einer Episode den nonchalanten Schatzjäger aus ihrer Serie, natürlich mit der Option, dass er eines Tages zurückkehren könnte. Während dieser Aspekt seine Vorzüge, aber auch Schwächen in der Umsetzung hat, versuchen die Macher darüber hinaus, ihre beiden Hauptfiguren und deren neuerliche Beziehung zueinander wieder in Stellung zu bringen. Hier lassen sich wiederum Szenen finden, in denen man mit den bewährten Stärken des Formats punkten kann. Andernseits mangelt es hier und da jedoch an Spannung und neuen Ideen, die mitreißen können, einigen charmanten Momentaufnahmen zum Trotz.

Moving forward

Der Einstieg in die Episode erfolgt nach dem bekannten Schema, dass sich seit der ersten Staffel von „Sleepy Hollow“ etabliert hat: Nach den letzten kleineren Teilerfolgen verbringen Ichabod (Tom Mison), Abbie (Nicole Beharie), Jenny (Lyndie Greenwood) und Hawley einen feuchtfröhlichen Abend in einer Bar, Karaokeinlage inklusive. Wähernd Abbie gekonnt Gnarls Barkleys Crazy zum Besten gibt, tut sich Ichabod mit einem altertümlichen Lied schon weitaus schwerer. Ich kann nachvollziehen, dass einige Zuschauer von dem sehr schablonenhaften Aufbau von „Sleepy Hollow“ irgendwann genervt sind. Dass die versammelte Schauspielerriege hier aber eine sympathische Darbietung abliefert, lässt sich nur schwer abstreiten.

Ichabod (Tom Mison) an der Karaokemaschine. Sein Auftritt ist ... ausbaufähig. © FOX
Ichabod (Tom Mison) an der Karaokemaschine. Sein Auftritt ist ... ausbaufähig. © FOX

Interessant ist zu Beginn ebenfalls, dass unsere eigentlichen Hauptcharaktere erneut eher am Rande der Handlung stehen und erst mit der fortschreitenden Handlung wichtigere Positionen in der Geschichte einnehmen. Der Fokus liegt anfänglich auf Hawley, der sich von seinen Feierkumpanen für kurze Zeit verabschiedet, um ein neues, dubioses Geschäft bezüglich irgendwelcher mystischen Artefakte abzuschließen. Als er sich nach längerer Zeit immer noch nicht wieder hat blicken lassen und Jenny, zwischen der und Hawley gewaltig die Funken fliegen, nichts weiter von ihm gehört hat, wird die Gruppe misstrauisch. Könnte dem sorgenfreien Lebemann vielleicht etwas zugestoßen sein?

In der Tat stellt sich das geschäftliche Treffen Hawleys als ein Reinfall heraus, vielmehr trifft er auf eine alte Bekannte, die er schon seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen hat: die verführerische und geheimnisvolle Camilla (Jaime Murray, Dexter). Diese war einst sein Mündel, sie nahm Hawley als Kind nach dem tragischen Tod seiner Eltern auf und zog ihn groß. Hawley floh jedoch vor ihr, als sie unschöne Gräueltaten begann, und nun verlangt Camilla, dass er seine Schuld bei ihr begleicht und ihr bei einem riskanten Einbruch hilft. Dass sie eine weitere und weitaus finstere Agenda verfolgt, erschließt sich Hawley jedoch erst viel später.

A female Indiana Jones type

Anfänglich erscheint mir die Prämisse von Kali Yuga noch recht interessant, vor allem, weil einer der oftmals problematischen Nebenfiguren etwas Raum zur Entfaltung gegeben wird und diese ein wenig mehr in den Vordergrund treten darf. Sobald man jedoch dahinter kommt, dass dies nur ein Kniff der Autoren ist, um Hawley erst einmal aus ihrer Geschichte zu entfernen, kommt man ins Grübeln.

Zum einen finde ich diese konsequente Entscheidung der Serienmacher (obwohl zum Beispiel ein tragischer Tod Hawleys noch konsequenter und womöglich weitaus packender hätte sein können) löblich. Ich war nie der größte Fan des eigenwilligen Schatzjägers. Und da er für mich nie wirklich eine besondere Funktion erfüllte - die zahlreichen altertümlichen und magischen Gadgets sowie die kleine amouröse Anbandelung mit Jenny seien mal dahingestellt -, kann ich seinen Verlust gut verschmerzen. Dieser Charakter hatte durchaus Potential, ein integraler Bestandteil der Gruppe um Abbie und Ichabod zu werden, jedoch verkam er mehr zu einer Gimmick-Figur, die wir maximal in „Kali Yuga“ nun ein wenig besser kennengelernt haben.

Auf der anderen Seite gestaltet sich der Handlungsstrang um Hawley hier jedoch auch insofern ein wenig problematisch, da man ihn doch relativ plump aus der Geschichte rausstreicht. Solche Entscheidungen der Autoren fühlen sich immer ein wenig seltsam und vielleicht sogar zu gewollt an, was auch in „Sleepy Hollow“ der Fall ist. Die Erklärung, warum Hawley letztendlich erst einmal die Biege macht (er will die entflohene Camilla verfolgen und kann Jenny einfach nicht weiter so blindlings in Gefahr bringen), gestaltet sich als recht simpel und zweckdienlich, weshalb man als Zuschauer sich wohl auch nur schwer des Eindrucks erwehren kann, dass die Autoren hier den wohl einfachsten Weg raus aus einer ihrer dramaturgischen Sackgassen gewählt haben. Aber immerhin haben sie ihn gewählt und das Problem hinsichtlich diese Figur nicht einfach ausgessen.

Camilla (Jaime Murray) hat Abbie (Nicole Beharie) fest in der Mangel. © FOX
Camilla (Jaime Murray) hat Abbie (Nicole Beharie) fest in der Mangel. © FOX

Crossed signals

Während Hawley also Camilla unter die Arme greift, um eine Art Fluch zu brechen, die sie zu einem Vetala hat werden lassen (eine mörderische Kreatur mit giftigen Klauen und ein Untertan der hinduistischen Göttin Kali, Herrscherin über Tod und Zerstörung, aber auch Erneuerung), begeben sich Ichabod, Abbie und Jenny auf die Suche nach dem verschwundenen Schatzjäger und lösen nebenbei noch ein paar persönliche Konflikte untereinander.

Dabei geht man vor allem auf die Kluft zwischen Ichabod und Abbie ein, die sich in den letzten Folgen des Mystery-Formats ergeben hat, da die Meinungen und Ansichten der beiden doch schon stark voneinander variierten. Auch Jenny ist aufgefallen, dass ihre Schwester bei Weitem nicht mehr so viel Zeit mit dem ehemaligen Freiheitskämpfer verbringt, als es früher der Fall gewesen ist. Die Vorfälle um den headless horseman, Katrina (Katia Winter) und auch dem gefallenen Engel Orion (Max Brown) wiegen nach wie vor schwer auf der freundschaftlichen Beziehung zwischen Abbie und Ichabod, das Vertrauensverhältnis, das sie einst zueinander hatten, hat deutliche Risse bekommen.

Das Zauberwort lautet hier - und wie so oft auch im wahren Leben - Kommunikation. Die Szenen zwischen Beharie und Mison sagen mir persönlich zu, da sie noch einmal einen guten Einblick in das Innenleben und derzeitigen Befinden dieser beiden Charaktere geben. Man merkt dem Format an, dass es stark abhängig von dem Duo ist. Und auch wenn sie für meinen Geschmack die Wogen etwas zu schnell wieder glätten können, der behutsame Wiederaufbau des Vertrauensverhältnisses der beiden witnesses braucht nun einmal seine Zeit. Dadurch wiederholt sich „Sleepy Hollow“ vielleicht hier und da ein wenig. Dennoch wird uns so auch immer wieder aufgezeigt, wie wichtig Ichabod und Abbie füreinander sind, was mit großer Sicherheit im baldigen Staffefinale keine unbedeutende Rolle spielen wird.

Keeping distance

Mit Blick auf den Unterhaltungswert der Episode kann man ein paar altbekannte Elemente der Serie auffahren, die teilweise einen sehr netten Eindruck hinterlassen können. Was diese Woche jedoch eher weniger gut gelingt, ist der Aufbau von Spannung oder einer gewissen Art von Dynamik, die einen als Zuschauer packen und fesseln kann.

Die ausgefallene Geschichte um ein mystisches Wesen aus dem Hinduismus, geheimnisvolle Artefakte und einer „Schatzkammer“ auf dem Anwesen eines Nachfahren des bekannten Henry Knox (Namensgeber für den Verwahrungsort der amerikanischen Goldreserven, Fort Knox im US-Bundesstaat Kentucky) hat durchaus ein paar kurzweilige Momentaufnahmen zu bieten (inklusive „Star Wars“-Referenz), vollkommen zünden kann Kali Yuga jedoch nicht. Dies liegt vor allem an der Beliebigkeit vieler Szenen. Selbst der finale Kampf zwischen Ichabod und Abbie auf der einen Seite gegen Camilla und ihren Schergen auf der anderen lässt etwas Wucht vermissen und verdient sich insgesamt nur das prädikat solide.

A man of courage

Etwas fehlplatziert erscheint die Nebenhandlung um Irving (Orlando Jones), wobei sich das fehlplatziert mitnichten auf den Inhalt von diesem seperaten Handlungsstrang bezieht. Eigentlich gestaltet sich dieser als recht interessant, erfahren wir doch, dass der ehemalige Polizeichef vor Gericht nicht nur von allen Vorwürfen und Anklagepunkten freigesprochen wird, sondern darüber hinaus auch definitiv nicht mehr unter der Fuchtel von Henry (John Noble) steht. Dies stellt zumindest Katrina (beliebiger könnte ein Auftritt nicht sein) in einem kleinen Ritual fest. Da Irving jedoch nicht mehr sein Spiegelbild sehen kann, ist dieses Kapitel wohl noch lange nicht beendet, und ich denke nach wie vor, dass er für etwaige Pläne Henrys noch von Bedeutung sein könnte.

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Jenny (Lyndie Greenwood) und Hawley (Matt Barr) in %26bdquo;Kali Yuga%26ldquo;. © FOX

Irgendwie wirkt die Geschichte um Irving und Katrina auf mich wie loses Beiwerk, das man noch schnell mit in die Folge reingequetscht hat, um zumindest an dieser Front die Spannung, wie es mit Irving weitergehen wird, ein wenig hochzuhalten. Das funktioniert zwar im Großen und Ganzen, dennoch behandelt man in „Sleepy Hollow“ zum wiederholten Male seine Nebenhandlung und die darin auftretenden Figuren eher stiefmütterlich und arg nebensächlich. Im konkreten Fall von „Kali Yuga“ ist dies schon ein wenig schade, insbesondere, weil die Haupthandlung nicht wirklich vor spannenden und interessanten Inhalten strotzt.

Fazit

Wie bereits in der Episode Pittura Infamante kann man in Kali Yuga deutlich erkennen, an welchen Stellschrauben die Macher drehen, um aus ihrem Format die qualitative Steigerung herauszuholen, die bessere Quoten und so die Bestellung einer dritten Staffel möglich machen könnte. Dafür nehmen die Verantwortlichen eine eher durchschnittliche und weniger erinnerungswürdige Episode in Kauf, die sich jetzt vielleicht nicht die größten Schnitzer leistet, aber auch nicht wirklich einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird. Ob der Plan aufgeht, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Der Verlust von Hawley wiegt zumindest in meinen Augen nicht besonders schwer, da er kein vollwertiger Charakter war und somit eher uninteressant gewesen ist. Eventuell waren sich die Autoren bewusst, dass sie eine derartige Folgen abliefern müssen, um die gewünschten Veränderungen in ihrer Geschichte zu bewirken. Etwas eleganter hätte es dann aber doch schon sein können, trotz einiger positiver Aspekte, die „Kali Yuga“ in der Gesamtwertung retten können. Das abschließende Duett von Abbie und Ichabod, die als Karoakeduo den Klassiker Proud Mary von Creedence Clearwater Revival schmettern, ruft noch einmal in Erinnerung, was man mitunter an dem Format zu schätzen weiß. Jedoch muss man jetzt langsam wieder etwas Tempo aufnehmen und Geschichten erzählen, die interessieren und darüber hinaus mehr Gewicht haben, emotional und dramaturgisch.

Trailer zur Sleepy Hollow-Episode „Spellcaster“:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 27. Januar 2015

Sleepy Hollow 2x14 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 14
(Sleepy Hollow 2x14)
Deutscher Titel der Episode
Eisen und Feuer
Titel der Episode im Original
Kali Yuga
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 26. Januar 2015 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juni 2015
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x14

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