Sleepy Hollow 2x13

Erst kürzlich berichteten wir von ein paar kreativen Veränderungen, die die Serienmacher von Sleepy Hollow für die restliche Folgen der zweiten Staffel des Mysterydramas vornehmen wollen, um den eher bescheidenen Einschaltquoten den Kampf anzusagen „65181“. Es soll wieder mehr in Richtung eines Procedurals mit einzelnen abgeschlossen Episoden gehen, vielleicht auch, weil man erkannt hat, dass man sich mit den teils überladenen Handlungssträngen in Staffel zwei bisher nicht den allergrößten Gefallen getan hat.
Ich für meinen Teil erfreue mich an Episoden, in denen die Balance zwischen knackigen Handlungsbögen, die Spannung garantieren, und einer übergreifenden Geschichte stimmt. Diese jedoch perfekt zu halten, ist alles andere als einfach und stellte die Verantwortlichen hinter „Sleepy Hollow“ schon vor so manche Herausforderung. Fast schon wie erwartet, stellt sich Pittura Infamante nun wie ein Schritt zurück zu den Wurzeln des Formats dar. Die Handlung gestaltet sich übersichtlich und sehr geradlinig, nebenbei greift man einige zentrale Themen auf, die in der zweiten Staffel für unsere Charaktere durchaus von Bedeutung sind. Das Ergebnis kann sich dementsprechend sehen lassen, selbst wenn es hier und da ein paar Aspekte zu bemängeln gibt.
Modern times
Es ist schon beinahe ein wenig erstaunlich, wie deutlich man den Worten Taten folgen lässt und die leichte Umstrukturierung von „Sleepy Hollow“ in seiner zweiten Staffel in Angriff nimmt. In „Pittura Infamante“ beschränkt man sich tatsächlich nur auf das Wesentliche. Von Henry (John Noble) gibt es weiterhin keine richtige Spur, der kopflose Reiter beziehungsweise Abraham (Neil Jackson) spielt auch keine Rolle und Hawley (Matt Barr) wird ebenfalls nur kurz namentlich erwähnt. Die Macher entschlacken somit ihre Geschichte ein Stück weit und konzentrieren sich somit gezielt auf bestimmte Figuren und Konflikte, wodurch sprunghafte Szenen sowie zu wirre Charakterkonstellationen umgangen werden können.

Es ist wahrlich die Rückkehr zum altbewährten „Monster of the Week“-Aufbau, der, wie schon so oft angemerkt, natürlich auch gewisse Risiken birgt und sich schneller abnutzen kann, als es den Autoren lieb sein könnte. Hier geht deren Plan jedoch im Großen und Ganzen auf, da man zum einen eine durchaus spannende Geschichte mit gekonnten Schockmomenten und einer schaudererregenden Atmosphäre erzählen kann, zum anderen aber auch sehr behutsam den roten Faden der zweiten Staffel weiterspinnt, ohne sich dabei zu viel vorzunehmen und den Überblick zu verlieren.
Grundsätzlich steht in „Pittura Infamante“ der Handlungsbogen um Ichabod (Tom Mison) und seine Frau Katrina (Katia Winter) im Mittelpunkt des Geschehens. Beide hatten sich auf eine Auszeit voneinander geeinigt, die nun jedoch schon wieder passé ist, da sie gemeinsam einen Abend miteinander verbringen wollen, um ihre Beziehung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Eine Ausstellung der „Historical Society of Sleepy Hollow“ zu Ehren des ehemaligen US-Präsidenten John Adams dient dabei als Kulisse für die Versöhnungsversuche der beiden, die sich sichtlich schwertun, die sozialen Gepflogenheiten eines Pärchens der Moderne in die Tat umzusetzen.
Unusual history
Das Ziel dieses Abends ist es, dass Ichabod und Katrina sich endlich klar darüber werden, das Vergangene ruhen zu lassen und gemeinsam ein neues Kapitel in der Jetztzeit aufzuschlagen. Die durch die Ausstellung hervorgerufenen Erinnerungen an Abigail (Michelle Trachtenberg), die Frau von John Adams, machen es für Katrina nicht besonders einfach, die Vergangenheit ad acta zu legen. Jedoch erkennen sie und Ichabod schon bald eine Parallele zwischen ihnen und der ehemaligen First Lady, die vor vielen Jahren aus ganz bestimmten Gründen ebenfalls nicht zur Ruhe kam.
Vor mehr als 200 Jahren ging nämlich ein blutrünstiger Mörder, der Maler James Colby, umher, der sich an den Armen und Wehrlosen vergriff. Abigail Adams könnte diesen mit der Hilfe eines Geistlichen in die Schranken weisen und in eines seiner eigenen Bilder verbannen. Nun ist es Colby jedoch gelungen, aus seinem Gefängnis auszubrechen und neue Morde zu verüben, um so letztendlich seine Wiederauferstehung möglich zu machen. Katrina fühlt sich daher verpflichtet, das zu Ende zu bringen, was ihre gute Freundin Abigail einst begonnen hat: Colby ein für alle Mal zur Strecke zu bringen und somit ihre eigene Vergangenheit ein Stück weit hinter sich lassen zu können.
The mind of a murderer
Es ist schon eine Weile her, dass sich die Autoren von Sleepy Hollow an historischen Begebenheiten oder Persönlichkeiten bedient, diese mit übernatürlichen Phänomenen kombiniert haben und dadurch mit oftmals einfallsreichen, wenn auch gelegentlich recht hanebüchenen Geschichten dienen konnten. Auch hier mutet dieser Aspekt der Handlung gelegentlich ein wenig seltsam an, jedoch hält er sich noch an Grenzen. Natürlich kommen ein paar Zweckdienlichkeiten zusammen, die dafür sorgen, dass die Handlung am Laufen gehalten wird und etwaige Fragen der Zuschauer schnell und ohne Umwege beantworten werden können. Jedoch stimmt der Unterhaltungswert, was vor allem an der atmosphärischen Inszenierung der Monstergeschichte liegt.

Der mörderische Maler James Colby funktioniert sehr gut als gruseliger Widersacher. Durch kleine Kniffe (zum Beispiel das Spiel mit dem teuflischen Gemälde) baut man einige kurzweilige Schocker ein und auch die Darstellung des blutüberströmten Colbys macht einen guten visuellen Eindruck. Erneut bedient man sich an einer historischen Vorlage - „Pittura Infamante“ lässt sich in etwa mit dem mittelalterlichen Kunstphänomen der Schandbilder im deutschsprachigen Raum vergleichen, auf denen zumeist Menschen in unwürdigen Posen dargestellt wurden, die zuvor moralische Verfehlungen begangen - und bastelt sich so eine kurzweilige Episode zusammen, die vor allem an Folgen aus der ersten Staffel der Mysteryserie erinnert.
Der Showdown mit Colby in dessen gespenstischer Welt ist zweifellos der visuelle (der Bildübergang in Colbys Welt sticht heraus) und atmosphärische Höhepunkt von Pittura Infamante. Selbst, wenn wir wissen, dass es Ichabod und Katrina irgendwie gelingen wird (Abbie ist zur Stelle), Colby den Garaus zu machen, das große Finale dieser Episode bleibt stets spannend und kann überzeugen.
Die noch in den Episoden zuvor bröckelnde Beziehung zwischen Ichabod und Katrina wird eher zur Nebensache und folglich subtiler sowie weniger prominent behandelt, was man der neuen Folge gleich anmerkt. Die schlussendliche Erkenntnis für die beiden Eheleute, dass sie positiv gestimmt einer gemeinsamen Zukunft entgegenblicken sollten, mag keine große Überraschung sein. Jedoch fühlt sich dieser Schlusspunkt rund und zufriedenstellend an, ohne dass es einen hochdramatischen Teaser für die nächste Episode bedarf, was in einigen Episoden der zweiten Staffel sehr oft nicht besonders hilfreich war.
Hang in there, friend
Ein paar Probleme gibt es jedoch erneut in Sachen Nebenhandlung, auch wenn diese gar nicht so schwer ins Gewicht fallen, da man auch hier einige Anpassungen vorgenommen hat. Nach wie vor mag bei mir noch nicht voll und ganz Interesse für Nebenfiguren wie Irving (Orlando Jones) oder auch Jenny (Lyndie Greenwood) aufkommen, jedoch wirkt man dieser Problematik geschickt entgegen, indem man Sleepy Hollows dynamisches Duo, bestehend aus Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod, auflöst und erstere in die Nebengeschichte verfrachtet, wodurch dieser ein wenig mehr Relevanz zukommt. Wie man sieht, kann „Sleepy Hollow“ auch ohne das permanent vorhandene perfekte Zusammenspiel von Beharie und Mison funktionieren, wenn man sich denn Gedanken macht, wie man dieses ordentlich aufwiegen kann.
Die Rückkehr Irvings von den Toten ist für Abbie eine große Überraschung. Neben der Erleichterung, dass dieser doch noch am Leben ist, macht sich jedoch auch schnell Skepsis bei ihr breit, wie er es fertiggebracht hat, zu überleben. Ihre ersten Gedanken wandern sofort zu Henry, der Irving einst seine Seele nahm und eigentlich nach wie vor darüber verfügt. Ist Irving nun vielleicht (wissentlich oder unwissentlich) eine Marionette Henrys, geht eine unsichtbare Gefahr (wir erinnern uns an die Vision, in der Irving in Diensten Henrys ein flammendes Schwert schwang) von ihm aus, die Abbie und ihren Mitstreitern noch großen Schaden anrichten könnte?
A dark presence
Der Handlungsbogen um Abbie, Jenny und Irving hat zu Beginn vor allem die Absicht, den Fokus wieder ein wenig auf die Charaktere zu lenken. Irvings Dilemma, seine Enttäuschung, dass Abbie ihm (verständlicherweise) nicht vertraut und erst Sicherheitsvorkehrungen treffen muss, bevor sie ihm helfen kann, sowie Abbies Abwägen, wie und ob sie überhaupt ihren ehemaligen Vorgesetzten retten kann - all diese Aspekte funktionieren gut. Jennys kleine Mission hingegen, ein paar mächtige Kugeln (die angeblich aus dem Platin des Tores zur Hölle gegossen wurden) als besagte Sicherheitsvorkehrung zu besorgen, fühlt sich ein wenig beliebig an und hat letztendlich eine eher simple Funktion.

Positiv erwähnen muss man jedoch, dass man sich auch in der Nebenhandlung zurückhält und der Devise folgt, dass weniger oft mehr ist. Die übergeordnete Handlung um Henry, ob er noch lebt und vielleicht neue finstere Pläne verfolgt, lässt man größtenteils ruhen. Einzig durch eine Bemerkung am Ende der Episode, dass Irving wohl aufgrund neuer Beweise, die plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht sind, wieder auf freien Fuß gesetzt werden könnte, werden abermals die Spekulationen angeheizt, ob der Sohn von Ichabod und Katrina weiterhin im Geheimen sein eigenes Süppchen kocht. Diese neu gewonnene Subtilität sagt mir viel eher zu als zu sehr gewollte, schockierende Enthüllungen am Ende einer Folge.
Fazit
Vielleicht bilde ich es mir nur ein, jedoch habe ich bereits jetzt den Eindruck, dass die angekündigten Veränderungen in der kreativen sowie narrativen Struktur von Sleepy Hollow schneller in die Tat umgesetzt werden könnten, als von manch einem vielleicht erwartet. Auch vor der Winterpause des Formats gab es einige gute Episoden, während andere wiederum eher etwas lahm daherkamen. Nun deutet sich bereits an, dass es wieder ein wenig temporeicher zugehen und die Episoden an sich rundere Abschlüsse erhalten könnten, so dass sie auch für sich alleine stehen können.
Da man auf einige Aspekte der bisherigen zweiten Staffel verzichtet und die übergeordnete Handlung mehr in den Hintergrund rückt, scheinen in Pittura Infamante auch wieder ein paar Figuren aufzublühen. Ob (oder wann?) das „Monster of the Week“-Schema nervig werden könnte, muss sich erst noch zeigen, die neueste Episode von „Sleepy Hollow“ funktioniert zumindest gut und stellt eine willkommene Abwechslung dar. Und dabei haben unsere beiden Hauptfiguren Ichabod und Abbie, die zusammen schon mehrmals den Karren aus dem Dreck gezogen haben (dramaturgisch sowie wortwörtlich), bis dato wohl die geringste gemeinsame Screentime in einer Folge der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“. Ich bin durchaus gespannt, wie es nun in den nächsten Wochen mit dem Mysteryformat weitergehen wird.
„Sleepy Hollow“ - Promo zur Episode „Kali Yuga“ (2x14): Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 20. Januar 2015Sleepy Hollow 2x13 Trailer
(Sleepy Hollow 2x13)
Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x13
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