Sleepy Hollow 2x12

Sleepy Hollow 2x12

Sleepy Hollow ging mit einem mittelgroßen Paukenschlag in die Winterpause und kehrt nun mit einer frischen Ausgangslage sowie einer neuen Figur zurück. Diese sorgt wiederum gleich für etwas Unruhe unter den Beteiligten, während alte Konflikte zwischen den Figuren erneut aufkeimen.

Verfolgt ihre eigenen Pläne mit Abraham: Ichabods Frau Katrina (Katia Winter) in „Paradise Lost“. / (c) FOX
Verfolgt ihre eigenen Pläne mit Abraham: Ichabods Frau Katrina (Katia Winter) in „Paradise Lost“. / (c) FOX

Mit dem Mid Season-Finale The Akeda fanden die Serienmacher im alten Jahr einen Abschluss der ersten Staffelhälfte der FOX-Mysteryserie Sleepy Hollow. Dieser war nicht nur gefällig sowie schwungvoll inszeniert, sondern konnte ebenso mit einer faustdicken Überraschung aufwarten, als Henry (John Noble) seinen Herrn und Gebieter Moloch den Garaus machte. Paradise Lost setzt nun an genau dieser Stelle wieder ein, jedoch müssen wir Zuschauer erst einmal auf Henry verzichten, der wie vom Erdboden verschluckt ist, während Ichabod (Tom Mison) und Co ihre Wunden lecken und es kaum glauben können, dass sie womöglich das Böse ein für alle Mal besiegt haben.

Selbst nach einem Zeitsprung von sechs Wochen gibt es keinerlei Anzeichen, dass sich die finsteren Mächte nach wie vor in Sleepy Hollow aufhalten, was Abbie (Nicole Beharie) eigentlich ganz entspannend findet. Irgendwann muss doch auch dieser Kampf mal ein Ende haben und, wie es aussieht, könnte dies tatsächlich jetzt der Fall sein. Ichabod wird hingegen von einer Paranoia geplagt und kann einfach nicht glauben, dass sie in der Bekämpfung von höllischen Kreaturen vollends erfolgreich waren. So wird ein gemütlicher Einkaufsbummel über einen Markt für organisch angebautes Gemüse und Obst für Ichabod schnell zu einer Jagd nach neuerlichen Hinweisen auf etwaige dunkle Machenschaften, die sich in und um Sleepy Hollow zutragen könnten.

The only purpose I know

Ichabods erster Instinkt stellt sich letztendlich auch als völlig richtig heraus, jedoch kann sein Verhalten nicht daüber hinwegtäuschen, dass seine zwanghafte Suche nach dämonischen Widersachern für ihn eine willkommene Ablenkung ist, da der eheliche Haussegen deutlich im Argen liegt. Dies bemerkt auch Abbie, die ihrem Kompagnon mit ein wenig Rat zur Seite stehen will. Dieser ist deutlich von der derzeitigen Situation zwischen ihm und seiner Frau Katrina (Katia Winter) mitgenommen, beide haben sich auf ein wenig Abstand voneinander geeinigt, um erst einmal einen klaren Kopf zu bekommen und dann vielleicht ihre Differenzen beilegen zu können.

Abraham (Neil Jackson) gemeinsam mit Katrina (Katia Winter) in %26bdquo;Paradise Lost%26ldquo; © FOX
Abraham (Neil Jackson) gemeinsam mit Katrina (Katia Winter) in %26bdquo;Paradise Lost%26ldquo; © FOX

Die brüchige Beziehung zwischen Ichabod und Katrina nimmt in „Paradise Lost“ eine prominente Rolle ein und dient immer wieder als Mittel, um die Konflikte unter den handelnden Figuren zu schüren. Dadurch bekommt die Handlung durchaus eine gewisse emotionale Tiefe, auch wenn sich der Verlauf hier und da ein wenig vorhersehbar gestaltet. Dennoch: Die immer wiederkehrende Vertrauensfrage und die nachvollziehbaren Standpunkte der Charaktere sorgen dafür, dass es zu einigen interessanten verbalen Auseinandersetzungen kommt, in denen das Für und das Wider folgenschwerer Entscheidungen abgewägt wird.

One small step at a time

Während Katrina nämlich eine gewisse Verantwortung für den inhaftierten Abraham (Neil Jackson) hegt, sieht Ichabod verständlicherweise immer noch eine große Gefahr in dem kopflosen Reiter. Gleichzeitig schwingen bei Ichabod sicherlich auch ein paar mulmige Eifersuchtsgedanken mit, verbringt Katrina doch sehr viel Zeit mit Abraham, um ihn von seinem Schicksal als Scherge Molochs zu befreien.

Dass Katrina dann noch das Wohl und Wehe ihrer Beziehung zu Ichabod als eine Art Hebel einsetzt, um ihren Gatten davon zu überzeugen, Abraham zu helfen, spitzt sich die Situation unweigerlich nur noch weiter zu, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ein paar flüchtige Dämonen aus dem Fegefeuer auf der Suche nach einem neuen Meister sind und dafür den kopflosen Reiter auserkoren haben. Somit könnte Abraham schon bald zu neuer Macht aufsteigen, was Ichabod eigentlich in den Gedanken bestärkt, keine weiteren Risiken einzugehen.

Friend or foe?

Auch Abbie steht den Plänen und Gedankenspielen Katrinas eher skeptisch gegenüber und möchte am liebsten einen Haken hinter das Kapitel „Headless Horseman“ machen. Stark beeinflusst wird sie dabei von einer neuen Figur, dem gefallenen Engel Orion (Max Brown), der sich auf einem persönlichen Rachefeldzug gegen den kopflosen Reiter befindet und ein für alle Mal das Böse auf Erden mit Stumpf und Stiel ausrotten will. Jedoch handelt es sich bei Orion um einen erbarmungslosen Fanatiker, der die Kräfte Abrahams für seine Zwecke nutzen will und somit keine minder große Gefahr als Ichabods alter Feind darstellt.

Das Figurenkarussell dreht sich in Paradise Lost gewaltig, was, wie bereits erwähnt, einige sehenswerte Charaktermomente nach sich zieht. Gelegentlich möchte man dabei vielleicht ein wenig zu viel, insbesondere Max Browns Darbietung als Orion wirkt etwas überzeichnet, obwohl dies sicherlich genau so gewollt ist. Dass dieser Charakter und Abbie ein paar deutliche Gemeinsamkeiten haben, tut wiederum letzterer in ihrer Figurenzeichnung gut, da sie sonst im Konflikt zwischen Ichabod und Katrina ein wenig auf verlorenem Posten stehen würde. Mit Orion bekommt sie so einen eigenen Interaktionspartner, dessen Vorstellungen anfangs gar nicht mal so sehr von denen Abbies abweichen.

Freund oder Feind? Der Engel Orion (Max Brown) in %26bdquo;Paradise Lost%26ldquo;. © FOX
Freund oder Feind? Der Engel Orion (Max Brown) in %26bdquo;Paradise Lost%26ldquo;. © FOX

Demon Tracking Device

Etwas problematischer gestaltet sich da schon die erzwungene Nebenhandlung um Jenny (Lyndie Greenwood) und Hawley (Matt Barr), wenn man diese denn überhaupt als eine solche bezeichnen kann. Besonders viel bekommen diese beiden zumindest nicht zu tun, auch wenn uns ihre Relevanz für das Aufspüren der Dämonen sowie die Möglichkeit einer neuerlichen Liaison zwischen Abbies Schwester und dem nonchalanten Schatzjäger präsentiert werden. Dennoch fühlen sich diese Szenen wie fades Beiwerk an und stehen somit erneut exemplarisch für einen der größten Makel der zweiten Staffel von Sleepy Hollow, in der Nebenfiguren und deren Handlungsstränge oftmals einfach sehr wenig bis gar keine Bedeutung haben und zumindest bei mir zu selten Interesse wecken können.

Weitaus spannender ist da schon die Haupthandlung, in der Abbie etwas zu schnell Vertrauen zu Orion aufbaut. Mit diesem in ihrem Versteck angekommen, ahnt Katrina bereits, dass Orion keine weitere Sekunde warten will, um Abraham niederzustrecken. Während Ichabod noch einen Kompromiss ausarbeiten kann, erst seiner Frau die Chance zu geben, Abraham zu helfen und, falls dies misslingen sollte, den kopflosen Reiter zu vernichten, befreit die Hexe den gefangenen Abraham, was wiederum Orion schwer entzürnt.

The costs of war

Zu diesem Zeitpunkt teilt Abbie noch die Entrüstung des Engels, welchen sie wenig später zum kopflosen Reiter führt, der wiederum seine Kräfte sammelt und von seiner neuen dämonischen Anhängerschaft aufgepäppelt wird. Als Abbie jedoch von Ichabod die Information zugespeist bekommt, dass Orion selbst eine noch größere Katastrophe hervorrufen könnte und dieser langsam, aber sicher sein wahres Gesicht zeigt, kommt es zur Planänderung: Orion kann zwar Abraham besiegen und dank seiner heiligenscheinartigen Klinge dessen Kräfte absorbieren, jedoch können Ichabod und Abbie noch rechtzeitig eingreifen, um den wahnsinnigen Engel vorerst aufzuhalten und in die Flucht zu schlagen. Abraham ist zwar alles andere als dankbar für die Rettungsaktion, willigt aber ein, von Katrina Hilfe zu erhalten, jedoch nicht als festgeketteter Gefangener.

Die Kampfsequenzen können dank einer rasanten und knackigen Inszenierung überzeugen, einzig die sehr einfache Art und Weise, wie man Orion vertreiben kann, mutet ein wenig seltsam an. Dass der Engel noch einmal wiederkehren wird, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Auch eine weitere Standpauke vonseiten Ichabods gegenüber Katrina funktioniert gut, da man abermals ein Gefühl dafür bekommt, dass deren beider Beziehung an einem sehr dünnen Faden zu hängen scheint. Eine gute Entscheidung der Autoren ist dann noch, wieder einmal den Bogen zu unseren beiden Haupfiguren zu spannen, die nunmal das Herz der Serie ausmachen. Mit wem sie es auch zu tun bekommen, die beiden witnesses können immer aufeinander bauen. Die Chemie zwischen Mison und Beharie ist unverändert stark und weiterhin das unbestrittene Prunkstück des Formats.

Unschlagbares Team: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Paradise Lost%26ldquo; © FOX
Unschlagbares Team: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Paradise Lost%26ldquo; © FOX

Fazit

Der Auftakt der zweiten Hälfte der zweiten Staffel von Sleepy Hollow gestaltet sich insgesamt sehr solide und kann vor allem durch zahlreiche komplexe Interaktionen unter den Charakteren punkten. Die Idee, Abraham zum neuen Antagonisten zu machen beziehungsweise seine zukünftige Rolle im Unklaren zu lassen, sagt mir mehr zu, als eine weitere Moloch-ähnliche Kreatur einzuführen, die wir im bestehenden Figurengebilde nur bedingt einordnen können. Mit dem Schicksal Abrahams ist die Zukunft von Katrina und Ichabod verbunden, was wiederum auch auf Abbie Einfluss haben wird. Dadurch gewinnt man an Komplexität und spannenden Interessenskonflikten.

Letztendlich bleiben jedoch auch einige offenen Fragen. Dass Henry in Paradise Lost überhaupt keine Rolle spielt, mag für den einen oder anderen etwas befremdlich sein, insbesondere nach dem Mid Season-Finale. Ein kurzer Blick auf Iriving (Orlando Jones) am Ende der Episode zeigt derweil, dass der ehemalige Polizeichef alles andere als tot ist. Wie er das fertiggebracht hat, wird sich noch zeigen müssen. Ein wenig Konsequenz geht dem Format durch sein Fortbestehen aber schon verloren, auch wenn ich mich persönlich freue, dass Jones vielleicht endlich etwas prominenter in Erscheinung treten darf.

Für den weiteren Verlauf der zweiten Staffel könnten die Macher nun auf ihren beliebten „Monster-of-the-Week-Kniff“ zurückgreifen, durch die Vernichtung Molochs sind neben Orion oder den Dämonen anscheinend so einige Gestalten dem Fegefeuer entflohen. Wenn es nicht zu arg beliebig wird, spricht auch nicht viel dagegen, dass Ichabod und Abbie wieder auf Monsterjagd gehen. Jedoch hat die zweite Staffel in ihrer ersten Hälfte gezeigt, dass diese Art der Erzählstruktur sich irgendwann abnutzt und langweilen kann. Um dies zu vermeiden, muss man sich eine frische Haupthandlung einfallen lassen, für welche die Voraussetzungen durchaus gegeben sind. Warten wir ab, was die Macher von „Sleepy Hollow“ noch so in ihrem Köcher haben.

Sleepy Hollow - Promo zu Pittura Infamante (2x13):
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 7. Januar 2015
Episode
Staffel 2, Episode 12
(Sleepy Hollow 2x12)
Titel der Episode im Original
Paradise Lost
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 5. Januar 2015 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 1. Juni 2015
Regisseur
Russell Lee Fine

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x12

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?