Sleepy Hollow 2x18

Sleepy Hollow 2x18

Das Finale zur zweiten Staffel von Sleepy Hollow endet mit einer versöhnlichen Note und sorgt dank einem frischen Ansatz sowie einem eher unverbrauchten Setting für gute Fernsehunterhaltung. Ob und wie es mit dem Mysteryformat weitergehen wird, bleibt dennoch offen.

Nicole Beharie und Tom Mison als Abbie Mills und Ichabod Crane im Finale der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“. / (c) FOX
Nicole Beharie und Tom Mison als Abbie Mills und Ichabod Crane im Finale der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“. / (c) FOX
© (c) FOX

Zahlreiche Fans der Mysteryserie Sleepy Hollow mussten in der zweiten Staffel des FOX-Dramas so einige Enttäuschungen hinnehmen. Wir stellten uns mehrfach die Frage, ob dies noch das schwungvolle, geradlinige Format aus der ersten Staffel sei, das vor allem mit einer exzellenten Dynamik zwischen den beiden charismatischen Hauptfiguren überzeugen konnte. In der zweiten Staffel schlichen sich nämlich so einige hausgemachte Probleme ein, die wir in den vergangenen Wochen zu Genüge thematisiert haben. Ob nun überflüssige Charaktere, verbrauchte Handlungsstränge oder eine repetitive Erzählstruktur, „Sleepy Hollow“ schlug sich in seinem zweiten Jahr oft mehr schlecht als recht - auch mit Blick auf seine Einschaltquoten.

Nachdem es den Machern in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“ gelungen war, ein paar der Mängel zu beheben, hoffte ich persönlich, dass man die übergeordnete Handlung der Staffel einigermaßen zufriedenstellend zu einem Ende bringen würde. Nach der vergangenen Episode (Awakening) war ich eher zuversichtlich gestimmt, dass die Serienmacher dies erreichen könnten: Eine neue, interessante Ausgangslage stimmte durchaus erwartungsvoll.

Taking on the impossible

Letztlich gelingt den Autoren mit Tempus Fugit ein verhältnismäßig guter Abschluss der Haupthandlung der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“. Sie ziehen die Vorteile aus dem andersartigen, frischen Setting, das am Ende der Folge „Awakening“ etabliert wurde. Die Macher liefern hier nicht nur eine sehr fokussierte Episode ab, sie sorgen auch für ein paar visuell ansprechende und gewohnt charmante Momentaufnahmen. Dass sich Teile der Handlung nach wie vor ein Stück weit zu erzwungen anfühlen, lässt sich aufgrund der vorangegangen kreativen Änderungen in der Serie wohl nur schwer umgehen. Im Gesamtbild kann „Tempus Fugit“ mich aber aus diversen anderen Gründen überzeugen.

Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) in %26bdquo;Tempus Fugit%26ldquo;. © FOX
Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) in %26bdquo;Tempus Fugit%26ldquo;. © FOX

End game

Einer dieser Gründe stellt in „Tempus Fugit“ eine der unbestrittenen Stärken von „Sleepy Hollow“ dar: Die Beziehung zwischen Abbie Mills (Nicole Beharie) und Ichabod Crane (Tom Mison). Die Dynamik zwischen unseren beiden Hauptcharakteren war immer schon die treibende Kraft des Formats und mitunter ihr wervollstes Verkaufsargument gewesen. Was es in „Tempus Fugit“ jedoch gleich noch ein wenig interessanter macht, ist der Umstand, dass Abbie und Ichabod zwar miteinander interagieren, sich ihre beiden Figuren aufgrund von Abbies Reise zurück in die Vergangenheit aber eigentlich noch nie begegnet sind.

Dadurch bekommt die zuvor erwähnte und uns bekannte Dynamik zwischen ihnen einen neuen, spannenden Ansatz, der auf den zweiten Blick vielleicht gar nicht so neu ist. So sind nämlich einige Parallelen zu den Anfängen des ungleichen Duos zu Beginn der Mysteryserie zu erkennen, wo sich sowohl Abbie als auch Ichabod alles andere als sicher waren, wen sie da vor sich stehen hatten. Dennoch verband beide sogleich eine besondere Art des Rapports, ein gegenseitiges Verständnis mitsamt einer Prise Grundvertrauen, das über zwei Staffeln reifte und die beiden witnesses untrennbar miteinander verbindet. Das Spiel der Autoren, mit dem sie uns die bedeutende Beziehung zwischen Abbie und Ichabod noch einmal vor Augen zu führen, weckt nicht nur angenehme Erinnerungen an die ersten Abenteuer unserer Helden. Es trägt darüber hinaus auch zur emotionalen Tiefe des Formats sowie des starken Bandes bei, das zwischen Abbie und Ichabod besteht - ob sie sich nun gegenseitig wie zwei beste Freunde kennen oder erstmalig aufeinandertreffen.

Something from hell

Dieses Band wird in Tempus Fugit härter auf die Probe gestellt als jemals zuvor. Nachdem Katrina (Katia Winter) zurück in die Vergangenheit gereist ist, um dort den Tod Henrys (John Noble) zu verhindern, Ichabod den Garaus zu machen und so dem puren Bösen Einzug halten zu lassen, folgt ihr Abbie todesmutig zurück in das Jahr 1781, um sie aufzuhalten und Ichabod zu warnen. Jedoch wird sie dort sofort ins Gefängnis geworfen und bangt nun um Ichabod, der sich auf den Schlachtfeldern des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges beweisen muss, während die Zeit immer knapper wird, Katrina Einhalt zu gebieten.

Wie bereits angedeutet war ich sehr angetan von der Rückkehr zum historischen Setting des 18. Jahrhunderts. Alleine die erste Szene der Episode, als sich Ichabod mit seinen Truppen gegen einen Angriff der Briten zu Wehr setzt, ist sehr ordentlich inszeniert und macht Lust auf mehr. Hinzukommt das bewährte fish out of water-Prinzip dieser Folge, dem sich Abbie ausgesetzt sieht. Hier verdreht man geschickt die Rollenverteilung von Abbie und Ichabod und kann somit für ein paar amüsante Zwischentöne (zum Beispiel die Besessenheit der Menschen für Kaffee und Starbucks-Läden in der nahen Zukunft) sorgen.

Devilry

Während also optisch ein stimmungsvolles Bild gezeichnet wird, das für eine sehr willkommende Abwechslung sowie einen Tapetenwechsel sorgt, wird auch der Plot von in „Tempus Fugit“ effektiv und ohne allzu viele Umschweife vorangetrieben. dadurch herrscht ein allgemeines Erzähltempo vor, das durchaus antreibt und die Spannung hochhält. Die eingekerkerte Abbie hat große Mühe, Ichabod davon zu überzeugen, dass sie sehr gute Bekannte in der Zukunft sind. Außerdem macht sie ihm klar, dass sie ihm helfen kann, den berüchtigten Hessischen Reiter zur Strecke zu bringen, der auf Seiten der Briten für Angst und Schrecken bei den Amerikanern sorgt.

Durch Abbies Informationen wird Ichabod zumindest vom fatalen Angriff der Rotröcke unter der Führung des dämonischen Hessen bewahrt, was die Pläne Katrinas erst einmal aufs Eis legt. Ichabods Vertrauen in Abbie wächst, jedoch muss er sich vor seinem mürrischen Vorgesetzten verantworten, der nicht besonders viel von Ichabods neuen, dunkelhäutigen Kumpanin hält. Voll und ganz glaubt auch Ichabod Abbie noch nicht. Die schlägt vor, Benjamin Franklin aufzusuchen, der ihr wirres Gefasel von dunklen Mächten und dem Kampf gegen das Böse belegen könnte.

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Setting things right

Der erneute Auftritt von Timothy Busfield als exzentrischer Gründervater hält einige amüsante Momentaufnahmen für uns parat. Der von sich sehr überzeugte Benjamin Franklin hört nur zu gern, welche seiner zahlreichen Ideen in naher Zukunft umgesetzt werden und dass er Kollege Jefferson hinsichtlich seines Konterfeis auf der 100-Dollar-Note ausstechen wird. Außerdem interessiert er sich für Abbie, für die er nur lobende Worte übrig hat. Mit dieser arbeitet er den Plan aus, sie zurück in die Zukunft („We've got to get back, Abbie!“) zu befördern, um den bisherigen Verlauf der Geschichte um Ichabod und den headless horseman ungeschehen zu machen.

Für Abbie stellt sich in dieser Situation erst einmal die Frage, ob sie Ichabod davon erzählen soll, dass seine Angebetene mit Hass erfüllt ist und ihm ans Leder will. Franklin rät ihr jedoch davon ab, denn eine derartige Nachricht würde Ichabod nur noch mehr irritieren. Der Plausch hat ein jähes Ende, als der kopflose Reiter auf den Plan tritt und zum Angriff bläst. Ichabod und Abbie kommen glimpflich davon, Benjamin Franklin eher weniger. Dieser wird nämlich kurzerhand einen Kopf kürzer gemacht - eine mutige Szene, die schon ein wenig überraschend kommt.

Close quarter combats

Der Tod Franklins kann jedoch ungeschehen gemacht werden, wenn sich Abbie und Ichabod zu Abbies Vorfahrin Grace Dixon (Katrinas Hebamme und ebenfalls magisch begabt) begeben, um dort Abbie via Zeitreiseritual gen Zukunft beziehungsweise Gegenwart zu schicken und Katrinas Pläne zu vereiteln. Doch wie kann Ichabod ihr vertrauen, nachdem sie indirekt mitverantwortlich dafür ist, dass einer der bedeutensten Diplomaten für die Vereinigten Staaten von Amerika im Unabhängigkeitskrieg umgebracht wurde? Abbie, die nun auch noch die Wahrheit über Katrina erzählt, scheint Ichabod nicht überzeugen zu können, was im Grunde genommen ziemlich nachvollziehbar ist.

Das Zusammenspiel zwischen Beharie und Mison gefällt in diesen Szenen gut. Wenngleich Abbie für Ichabod eine Fremde ist, hat ihr Verhalten für ihn etwas Vertrautes, das Ichabods Instinkte anspricht. So hat er letztendlich keine Zweifel mehr an Abbies Ausführung, als er erst ihr Smartphone entsichert (ein amüsanter kleiner Moment) und dann eine Videoaufnahme von sich und ihr aus der Zukunft sieht. Abbie hat die ganze Zeit über die Wahrheit gesagt, also eilt Ichabod zu ihrer Rettung. Sie hat sich jedoch bereits selbst geholfen und sich erfolgreich gegen Ichabods Vorgesetzten durchgesetzt, der ihr eine Tracht Prügel angedroht hatte. Als emanzipierte, selbstbewusste Frau, die auch ihre Fäuste sprechen lassen kann, stellte dieser jedoch keine größere Gefahr für sie dar. Eine nette Randnotiz, die Ichabod gar ein wenig verblüfft.

Choices

Schlussendlich läuft es auf ein riskantes Finale hinaus, in dem in der Tat die Zeit zu verfliegen scheint. Während Ichabod sich in einem rasanten Zweikampf mit dem headless horseman messen muss, der ordentlich inszeniert und höchstens durch die etwas übertriebenen Lichteffekte geschmälert wird, gelingt Abbie die Rückkehr in ihre Zeit auf den allerletzten Drücker. Dort wird sie prompt von Katrina attackiert, doch Ichabod zieht endgültig einen Schlussstrich unter dieses Kapitel und geht beherzt gegen seine Frau vor, die letztlich durch eine Stichwunde ums Leben kommt. Für Ichabod stellt dies trotz Katrinas Entwicklung zum Bösen ein herber Verlust dar, hatte er seine Frau doch einst innig geliebt. Mison überzeugt hier durch eine gefühlvolle Darbietung.

Es ist ein konsequenter Abschluss, der eindeutig dem Credo unserer Charaktere entspricht, bereit zu sein, schwerwiegende Opfer zu bringen, wenn es denn von ihnen verlangt wird. Der Ichabod von 1781 lässt sich vielleicht ein wenig zu schnell davon überzeugen, dass seine große Liebe Katrina eine diabolische Hexe ist, auch wenn die Beweise eindeutiger nicht sein könnten. Jedoch kann man es den Machern in gewisser Weise auch anrechnen, dass sie ihre Geschichte recht zügig zu einem Ende bringen und nicht abermals ein ermüdendes, emotionales Hin und Her zwischen diesen beiden Figuren inszenieren. Ziemlich unnötig erscheint mir derweil das unsägliche Henry-Hologramm am Ende der Episode, das nicht nur billig aussieht, sondern auch getrost weggelassen hätte werden können.

Tom Mison als Ichabod Crane in %26bdquo;Tempus Fugit%26ldquo;. © FOX
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Fazit

Der Schlusspunkt der zweiten Staffel von Sleepy Hollow gelingt im Großen und Ganzen, auch wenn das Ende ein wenig seltsam anmutet. Es wirkt beinahe so, als wären auch die Autoren froh, die Geschichte um Henry und Katrina hinter sich gelassen zu haben. Ob sie neue Geschichten um Ichabod und Abbie sowie Jenny (Lyndie Greenwood) und den erlösten Irving (Orlando Jones) erzählen dürfen, ist bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Durch die Ansage, dass der Kampf gegen das Böse noch lange nicht beendet ist, lässt man sich die Tür für eine weitere Staffel offen, ob Sender FOX dafür aber grünes Licht geben wird, darf bezweifelt werden.

Die Finalepisode Tempus Fugit an sich gehört zu den besseren Folgen der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“. Die Probleme vieler vorangegangen Episoden werfen jedoch einen langen Schatten, weshalb sich die rasche Auflösung der Handlung um Katrina eher als bequem denn als von Beginn an durchdacht anfühlt. Auf der anderen Seite wird hier konsequent und kompromisslos vorgegangen, was in der zweiten Staffel nicht immer der Fall gewesen ist. Mit der Beziehung zwischen Abbie und Ichabod als entscheidendes Momentum und den erfrischenden Ansatz, diese Dynamik ertragreich einzusetzen, gefällt „Tempus Fugit“ und markiert ein gelungenes Finale einer durchwachsenden Staffel.

Trotzdem: Ich persönlich habe den Eindruck, dass Sleepy Hollow das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Nach dem jetzigen Kahlschlag sind die Möglichkeiten für die dritte Staffel natürlich groß. Dennoch kann ich mir nicht recht vorstellen, dass FOX diese bestellen wird. Um Nicole Beharie und Tom Mison wäre es indes sehr schade - die beiden haben immer wieder ein formidables Leinwandpärchen abgegeben. Und so sehr ich mich bisweilen auch mit der zweiten Staffel von „Sleepy Hollow“ herumgeärgert habe, ein definitiver Abschied von Abbie Mills und Ichabod Crane würde mich wohl doch ein wenig traurig stimmen. Vielleicht doch noch eine kleine Staffel, in der es zurück zu den Anfängen geht? Es liegt ganz bei FOX...

Wie ist Eure Meinung zum Finale der zweiten Staffel von Sleepy Hollow und zur zweiten Staffel im Allgemeinen? Würdet Ihr Euch über neue Geschichten von Abbie und Ichabod freuen oder findet Ihr, dass ihre Reise nach zwei Staffeln ein Ende haben sollte?

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 24. Februar 2015

Sleepy Hollow 2x18 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 18
(Sleepy Hollow 2x18)
Deutscher Titel der Episode
Reise durch die Zeit
Titel der Episode im Original
Tempus Fugit
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 23. Februar 2015 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. Juli 2015
Regisseur
Paul A. Edwards

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x18

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