Sleepy Hollow 2x10

Sleepy Hollow 2x10

Die neue Episode von Sleepy Hollow wartet mit einem ordentlichen Cliffhanger, visuell anschaulichen Momenten und ein paar rasanten Actionsequenzen auf. Die Handlung gestaltet sich ab und an zwar etwas unübersichtlich, Magnum Opus hinterlässt insgesamt aber einen soliden Eindruck.

Nahendes Unheil: Der kopflose Reiter bläst zum Angriff gegen Ichabod und Abbie in „Magnum Opus“. / (c) FOX
Nahendes Unheil: Der kopflose Reiter bläst zum Angriff gegen Ichabod und Abbie in „Magnum Opus“. / (c) FOX

Offensichtlich haben sich die Macher hinter Sleepy Hollow mit Blick auf die zweite Staffelhälfte der FOX-Serie für das Mid Season-Finale in der nächsten Woche einiges vorgenommen. In Magnum Opus wird der zentrale Konflikt des Mysteryformats absolut in den Mittelpunkt gerückt. Zusätzlich keimt die alte Auseinandersetzung zwischen Ichabod (Tom Mison) und Abraham (Neil Jackson) wieder auf.

Während man ob einiger visueller Glanzmomente und guter Effektarbeit lobende Worte für die vorletzte Episode vor der Winterpause finden kann, mutet der Aufbau der Handlung sowie die Hinführung zum eventuellen Höhepunkt etwas abenteuerlich an. Letztendlich handelt es sich bei „Magnum Opus“ um eine weitere kurzweilige Episode des Formats, jedoch lässt gerade die erste Hälfte der Folge etwas von dem Tempo der zweiten vermissen.

Who am I?

Abbie (Nicole Beharie) ging in der letzten Episode (Mama) gemeinsam mit ihrer Schwester Jenny (Lyndie Greenwood) dem Mysterium um den Selbstmord ihrer Mutter auf den Grund. Infolgedessen hat sie das Journal ihrer Vorfahrin Grace Dixon, Katrinas (Katia Winter) Hebamme, in die Hände bekommen und durchforstet dieses nun zusammen mit Ichabod nach Hinweisen, um Dämonenfürst Moloch zur Strecke zu bringen. Ichabod ist derweil wieder vollends genesen und tut sich sichtlich schwer, die Appversion des beliebten Partyspiels „Wer bin ich?“ zu meistern.

Diese gedankliche Übung soll den beiden witnesses eigentlich dabei helfen, endlich Fortschritte bei der Suche nach Informationen zu machen - vergebens. Als Ichabod und Abbie dann von Katrina kontaktiert werden, die den beiden von der bevorstehenden Übernahme der Menschenwelt durch Moloch berichtet, drängt die Zeit. Doch Ichabod erzählt von einer mächtigen Waffe, mit der sie den Oberdämon stoppen können und die sich irgendwo in Sleepy Hollow befinden muss.

Einer mächtigen Waffe auf der Spur: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) © FOX
Einer mächtigen Waffe auf der Spur: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) © FOX

Join or die

Ehrlich zugegeben, ich war ein wenig verwirrt, als Ichabod auf einmal von eben dieser mächtigen Waffe sprach, die man wie aus dem Nichts in diese Handlung einführte. Während Abbie und Ichabod die Aufzeichnungen Dixons durchblätterten und Hinweise auf diese Waffe fanden, stellte sich bei mir ein wenig das Gefühl ein, dass man hier vielleicht zu viel des Guten wollte. Dies bestätigte sich auch im weiteren Verlauf der Episode, in der der Plan etwas arg chaotisch sowie die Schlussfolgerungen und zweckdienlichen Entdeckungen unserer beiden Hauptfiguren im Kampf gegen Moloch an manchen Stellen ein wenig übertrieben waren.

Natürlich machen die Einfälle der Autoren gewohnt Spaß, wenn die Suche nach dem mächtigen Schwert des Methusalem (der größte Dämonentöter aller Zeiten) über längst vergessene hebräische Texte und einen alten politischen Cartoon (von Benjamin Franklin selbst gezeichnet) Ichabod und Abbie auf die richtige Fährte bringt. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, dennoch treibt man es für meinen Geschmack ein bisschen zu bunt, auch wenn man nichts anderes von „Sleepy Hollow“ gewohnt ist.

Finish what my family started

Während Ichabod und Abbie also ihrer neuen Spur nachgehen, befindet sich Jenny gemeinsam mit Iriving (Orlando Jones) auf der Flucht vor den Behörden. Eigentlich haben beide Figuren beziehungsweise Darsteller eine passable Chemie, dennoch verkommt dieser Handlungsstrang eher zu einer Randnotiz, was ein wenig schade, aber auch verständlich ist. Irvings Schicksal sowie dessen depressive Gedanken, weil er seine Familie zurücklassen muss, um selbst einen Weg aus seinem Dilemma zu finden, haben dramatisches Potential, jedoch dreht sich in Magnum Opus natürlich alles nur um Ichabod und Abbie.

Ich bin durchaus interessiert daran, wie sich die Geschichte um Irving, dem Jenny unermüdlich Mut zuspricht, in den weiteren Episoden der zweiten Staffel gestalten wird. Doch hier funktionieren die Szenen zwischen den beiden Figuren eher nur als Teaser, anstatt wirklich substantieller Teil der Handlung zu sein. Dies ist, wie erwähnt, nicht weiter schlimm, denn es gibt in der Tat weitaus Wichtigeres in dieser Folge.

Your own flesh and blood

Zum Beispiel wäre da noch Henry (John Noble), der schon längst von den neuerlichen Plänen Ichabods und Abbies Bescheid weiß, da er dem Gespräch der beiden mit Katrina lauschte. Sofort entsendet er Abraham, der sich um Molochs Widersacher kümmern und das Schwert des Methusalem beschaffen soll. Derweil sucht er selbst das Gespräch mit seiner Mutter, der er selbstsicher von der bevorstehenden Apokalypse erzählt. Katrinas Mitgefühl und Menschlichkeit hat es erst möglich gemacht, dass aus „Baby Moloch“ in kürzester Zeit ein stattlicher Jugendlicher geworden ist. Und diese Charaktereigenschaften werden auch Ichabod noch das Genick brechen.

Katrina versucht jedoch, den Spieß umzudrehen und erneut an Henry zu appellieren, doch noch den letzten Funken von diesem Mitgefühl und dieser Menschlichkeit in sich selbst zu finden. Aber Henry steht mit voller Überzeugung hinter seinem diabolischen Herrn und Meister. John Noble bekommt in diesen Szenen mal wieder etwas mehr zu tun und liefert eine gewohnt theatralische, aber überzeugende Leistung ab. Erneut thematisiert man die gescheiterte Mutter-Kind-Beziehung zwischen Katrina und Henry, wobei man vor allem ersterer sehr gut anmerkt, wie machtlos sie tatsächlich ist. Diese Nebenhandlung funktioniert schon deutlich besser als der road trip von Jenny und Irving, da man auch einfach die direkte Verbindung zur Haupthandlung um Abbie und Ichabod hat.

Den ersten Angriff durch den kopflosen Reiter haben Ichabod und Abbie überstanden. © FOX
Den ersten Angriff durch den kopflosen Reiter haben Ichabod und Abbie überstanden. © FOX

Good Morning sunshine

Der entsandte Abraham trifft nämlich schon bald auf Ichabod und Abbie, die bei Nacht den vermeintlichen Aufenthaltsort des Schwertes ausfindig gemacht haben und sich inmitten der Ruinen wiederfinden, die Abbie bereits in ihren Visionen gesehen hatte. Bevor sie jedoch mit der eigentlichen Suche anfangen können, tritt der kopflose Reiter auf den Plan und entwendet einen wichtigen Hinweis, ehe er Abbie und Ichabod attackiert. Glücklicherweise macht ihm aber das Tageslicht einen Strich durch die Rechnung, woraufhin Abraham die Flucht ergreift.

Erneut kommt es dann zu einer kleinen Rätseleinlage, bei dem der Orden der Tempelritter eine kleine Rolle spielt und nach der Abbie und Ichabod letzten Endes einen geheimen Zugang offenlegen, der sie wohl zum Schwert des Methusalem führt. In den modrigen Gemäuern angekommen entdecken sie einige Steinstatuen, darunter auch die einer weiteren Vorfahrin Abbies, welche sie verdächtig stimmen. Schnell zählt Ichabod eins und eins zusammen und rät dann zur Flucht, da sie wohl sonst zum Opfer einer Gorgone werden, die einen bei direktem Augenkontakt zu Stein verwandelt. Um dieser den Garaus zu machen, benötigt man jemanden, der eigentlich keine Augen mehr besitzt und der mythologischen Kreatur unerschrocken entgegentritt. Eindeutig ein Fall für den kopflosen Reiter...

As above, so below

Mit der Gorgone als Wächterin des Schwertes macht man in Magnum Opus ein weiteres übernatürliches Fass auf. Zuvor bringt man, wie bereits erwähnt, noch kurz die Tempelritter mit ins Spiel. Es ist wahrscheinlich einfach die Summe dieser Storyelemente, die das Ganze für mich so überladen. Wobei ich hier auch gerne zugebe, dass dieser Teil der Handlung wohl am meisten Unterhaltung zu bieten hat und mitunter das ausmacht, warum ich das Format zu schätzen weiß.

In der ersten Hälfte der Episode baut man noch über eine klassische Schnitzeljagd die Handlung auf, jetzt geht es endlich ans Eingemachte. Zwar bietet das unterirdische Gewölbe nicht besonders viel Licht, die Atmosphäre ist jedoch dicht und die Spannung wird hochgehalten. Die Gorgone als garstiger Gegner ist eine tolle Idee, insbesondere, wenn das Monsterdesign so gut wie hier gelingt. Auch der Kampf zwischen dem schlangenähnlichen Ungetier mit Todesblick und dem kopflosen Reiter macht Laune, ebenso wie die kleine Anspielung auf die mythologische Sage des Perseus, der sich einst der Medusa stellte. (Während dieser ein verspiegeltes Schild der Athena nutzte, um das Scheusal zu besiegen, verlässt sich Ichabod hier auf Errungenschaften des 21. Jahrhunderts: die Kamera seines Smartphones.)

Know thyself

Einige weitere charmante Referenzen - ob gewollt oder nicht - werden dann in Richtung „Indiana Jones“ abgefeuert. Was bei den Tempelrittern beginnt und über eine verzwickte Entscheidung fortgeführt wird, welches denn nun das richtige Schwert des Methusalem ist, endet in einer Sequenz, in der ausgerechnet Schlangen die gute Abbie vor Schreck erstarren lassen.

Doch zum eigentlichen Höhepunkt kommt es erst noch, als Ichabod und Abraham die Säbel kreuzen. Zuvor hatte man immer wieder kleinere Rückblicke eingebaut, die zeigen, wie Ichabods Schicksal von seinem einstigen Freund, aber auch von Katrina beeinflusst wurde. Von seiner Eifersucht in die Arme Molochs getrieben liefert sich Abraham nun mit Ichabod einen erbitteren Kampf, der ausgefallen choreografiert ist und ideenreich mit Schnipseln aus vorherigen Kämpfen der beiden ergänzt wird.

Schwer bewaffnet und fest entschlossen: Abraham (Neil Jackson) in %26bdquo;Magnum Opus%26ldquo; © FOX
Schwer bewaffnet und fest entschlossen: Abraham (Neil Jackson) in %26bdquo;Magnum Opus%26ldquo; © FOX

Abraham gewinnt aber die Oberhand. Doch bevor er Ichabod und Abbie hinrichten kann, ertönt der Shofar, mit dem Henry den Beginn der Apokalypse und die Herrschaft Molochs ausruft, woraufhin Abraham zu seinem Gebieter eilt. Der Kampf gegen Moloch scheint tatsächlich verloren und Ichabod ist sichtlich enttäuscht von sich selbst, da er nicht in der Lage dazu war, zu sich selbst zu finden und so das Schwert Methusalems in seinen Besitz zu bringen.

Doch Abbie spricht ihm abermals ihre volle Überzeugung zu. Sie bestätigt ihm, dass sein Schicksal nie in den Händen anderer Menschen lag, sondern immer in seinen eigenen, was die Selbstzweifel des ehemaligen Freiheitskämpfers beseitigt. Und, siehe da, als sie gemeinsam eine Schale voller Öl entzünden, erscheint die mächtige Waffe, während man als Zuschauer doch recht gepackt diesen epischen Augenblick aufsaugt. Der Kampf ist noch nicht verloren, er hat gerade erst angefangen.

Fazit

Mit der letzten Szene dieser Episode, in der man Henry, den apokalyptischen Reiter des Krieges („War“) und des Todes (Abraham) sowie den erweckten Moloch sieht, liefern die Serienmacher einen vielversprechenden Cliffhanger, der einen angesichts des Mid Season-Finales in der nächsten Woche verheißungsvoll stimmt. Ichabod und Abbie könnten es nun direkt mit Moloch zu tun bekommen, was für Abwechslung und Spannung sorgen könnte. Die dieswöchige Episode selbst hätte zumindest in ihrer ersten Hälfte ein wenig mehr Schwung vertragen können. Außerdem gestaltete sich die Handlung gelegentlich etwas zu wirr.

Auf der anderen Seite bietet Magnum Opus in seiner zweiten Hälfte ordentlich Tempo, stimmungsvolle Kulissen und rasante Scharmützel. Darüber hinaus findet das Sleepy Hollow-Duo Abbie und Ichabod zu gewohnt alter Stärke, viele amüsante (von altmodischen Fackeln bis zu einer modernen Wetter-App) sowie emotionale Momente inbegriffen. So präsentiert sich „Magnum Opus“ im Gesamtbild als gute Episode, die zwar nicht fehlerfrei ist, aber unterhält und stimmig auf das Mid Season-Finale vorbereitet.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 25. November 2014

Sleepy Hollow 2x10 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 10
(Sleepy Hollow 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Das Schwert des Methusalem
Titel der Episode im Original
Magnum Opus
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 24. November 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 11. Mai 2015
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x10

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