Sleepy Hollow 2x09

Sleepy Hollow 2x09

Die Episode Mama richtet den Fokus auf Abbie, ihre Schwester Jenny und die mysteriösen Umstände bezüglich des Todes ihrer geisteskranken Mutter. Die beiden Figuren profitieren von dieser sehr persönlichen Geschichte, auch wenn das Momentum der letzten Episoden ein wenig verloren geht.

Erfährt die Wahrheit über ihre verstorbene Mutter: Abbie (Nicole Beharie) in „Mama“. / (c) FOX
Erfährt die Wahrheit über ihre verstorbene Mutter: Abbie (Nicole Beharie) in „Mama“. / (c) FOX

Nachdem in den letzten beiden Episoden von Sleepy Hollow die Handlung um den Kampf gegen Henry (John Noble) und Moloch wieder etwas mehr Fahrt aufgenommen hatte, bekommen wir diese Woche mit Mama eine relativ losgelöste Folge zu sehen. Diese behandelt den zentralen Konflikt unserer Hauptfiguren gegen das ultimative Böse eher nebensächlich. An der Moloch-Front wird so erst einmal eine kleine Pause eingelegt, auch wenn ein unheilvoller Teaser für das Herbstfinale in der kommenden Woche natürlich nicht fehlen darf.

Ein wenig geht „Mama“ schon der Schwung verloren - trotz einiger sehr genretreuer Horrortropen, die visuell und atmosphärisch gut umgesetzt sind. Vielleicht ergeben sich hier auch einfach ein paar Probleme, weil Tom Mison so gut wie gar nicht in Erscheinung tritt und nun mal nur schwer aus „Sleepy Hollow“ wegzudenken ist. Andererseits bekommt so nicht nur Abbie (Nicole Beharie), sondern auch Jenny (Lyndie Greenwood) etwas mehr Raum zur Entfaltung und gleichzeitig gibt es die längst fällige Episode um das Schicksal derer Mutter.

Combating fatigue

Es ist nur schwer von der Hand zu weisen, dass Ichabod im Vergleich zu Abbie in der zweiten Staffel der FOX-Serie bis dato mehr im Zentrum stand. Vor allem der Handlungsbogen um Katrina (Katia Winter), ihre Entführung und Befreiung wurde prominent in den Vordergrund gerückt. Dementsprechend ist es gar nicht so verkehrt, nun dem anderen Teil des „Sleepy Hollow“-Duos mal wieder eine Folge zu widmen, selbst wenn sich der Zusammenhang mit den aktuellen Vorkommnissen nur über ein paar Nebensätze erschließt. Die Serienmacher haben sich in diesem Fall wahrscheinlich sehr bewusst für eine Episode mit persönlicher Note entschieden.

In „Mama“ rücken die Mutter von Abbie und Jenny sowie die Hintergründe um ihren Selbstmord in den Fokus. Dieses Thema hat man nun für eine Weile ruhen lassen, doch nun stürzt man sich in diese doch recht interessante Geschichte und kann dabei sogar ein paar kleinere Überraschungen einbauen. Weitaus wichtiger als diese Komponente ist jedoch, dass man einen neuerlichen Blick in das Seelenleben der beiden Schwestern erlangt, die sich beide sehr emotional, aber auch grundverschieden dem Mysterium um ihre Mutter stellen.

Muss das Bett hüten: der verschnupfte Ichabod (Tom Mison). © FOX
Muss das Bett hüten: der verschnupfte Ichabod (Tom Mison). © FOX

Like mother, like daughter

Getreu ihrer Profession ist Abbie natürlich auf Antworten aus und möchte endlich dahintersteigen, warum sie zu einer der beiden auserwählten witnesses wurde. Dafür kramt sie in der Vergangenheit und den tragischen Vorfällen um ihre Mutter und Jenny. Diese tut sich dahingegen extrem schwer, zu dem Ort zurückzukehren, wo nicht nur sie selbst eingesperrt gewesen ist, sondern wo auch ihre Mutter ihr Leben verlor. Sie möchte sich diesem emotionalen Ballast nur ungern stellen, wobei sie wie ihre Schwester eigentlich auch einen Abschluss sucht, dieses Thema ruhigen Gewissens ad acta legen zu können.

Die emotionalen Profile, die man hier von Abbie und Jenny zeichnet, sind authentisch und nachvollziehbar. Leider ist die Geschichte um die von Dämonen besessene Mutter der beiden im Vergleich zu anderen Handlungsbögen recht deutlich ins Hintertreffen geraten, wodurch eventuell nicht jede sentimentale Szene vollends überzeugen kann. Dennoch können hier einige Momente berühren. Vor allem das langjährige Leiden Jennys und die Frustration Abbies, nie in der Lage gewesen zu sein, ihrer Mutter helfen zu können, sind in „Mama“ gut greifbar.

Staking out a killer ghost

Während Ichabod (Tom Mison) aufgrund einer schnupfenden Nase und Grippesymptomen nicht wirklich in der Lage dazu ist, Abbie bei ihrem neuesten Fall zu helfen und von ihr sinnigerweise dazu genötigt wird, diverse Medikamente zu schlucken, begibt sich die taffe Polizistin im Auftrag von Reyes (Sakina Jaffrey) zum Tarrytown Psychatric Hospital. Das ist die örtliche psychiatrische Anstalt, in der ihre Mutter sowie ihre Schwester untergebracht waren. Reyes zeigt nach der erfolgreichen Zerschlagung des satanischen Kults in Sleepy Hollow Vertrauen in Abbie und schustert ihr diesen Fall zu, weiß sie doch um ihren Hintergrund und das Schicksal ihrer Mutter.

Gemeinsam mit Jenny untersucht Abbie eine Reihe von mysteriösen Selbstmorden, die sich in der Einrichtung zugetragen haben, in der sich auch Irving (Orlando Jones) befindet. Dieser versorgt die beiden Schwestern erst einmal mit Informationen, die bald schon erkennen, dass es sich hier keinesfalls um gewöhnliche Suizide handelt. Eine Videoaufnahme zeigt dann, wie Abbies und Jennys Mutter mitten im Raum einer der Toten steht und zu diesem spricht, während sich dieser erhängt. Allem Anschein nach sucht ihr Geist aus unbekannten Gründen das Hospital heim und hinterlässt eine tödliche Spur. Dementsprechend muss sie aufgehalten werden. Gleichzeitig will Abbie in Erfahrung bringen, warum ihre Mutter keine Ruhe findet.

Angel of mercy

Die Geschichte um Abbies und Jennys Mutter als mordende Geistererscheinung bekommt gerade im letzten Drittel der Episode noch einmal eine gute Wendung, als deutlich wird, dass nicht sie, sondern ein anderer Dämon hinter den Selbstmorden steckt. Eine Krankenschwester, die in den 1950er Jahren zahlreiche Morde verübte und psychisch kranken Menschen mithilfe einer Droge den letzten Stoß in Richtung ihrer Erlösung gab, ist dafür verantwortlich. Schwester Lambert (Cynthia Stevenson) wurde zwar gefasst und auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet, doch ihr dämonischer Geist wurde von Moloch zurück in die Menschenwelt verfrachtet, wo sie unter anderem auch Mama Mills ausschaltete. Diese lag mit ihren wirren Aussagen über Dämonen, übernatürliche Wesen und das Ende der Welt nämlich gar nicht mal so falsch.

Abbie (Nicole Beharie); Jenny (Lyndie Greenwood) und Hawley (Matt Barr) in der alten Zelle von Mama Mills © FOX
Abbie (Nicole Beharie); Jenny (Lyndie Greenwood) und Hawley (Matt Barr) in der alten Zelle von Mama Mills © FOX

Die gruselige Krankenschwester als Ursache allen Übels ist eine nette Referenz an bekannte Streifen aus dem (Psycho-)Horrorgenre, wobei man die verdächtige Dame recht schnell als eigentliche Bedrohung ausmachen kann. Erneut gestaltet sich das Aufhalten von diesem Dämon als nicht besonders außergewöhnlich, indem einfach ein paar afrikanische Schwüre aus dem Journal der Vorfahrin Abbies (die Hebamme Katrinas) aufgesagt werden und dem Spuk ein Ende bereitet wird.

Weitaus spannender ist es da schon, in das Befinden von Abbie und Jenny einzutauchen und über Rückblicke von den Anfängen der Manie ihrer Mutter zu erfahren. Deren Rolle hätte für meinen Geschmack ein wenig besser ausgearbeitet sein können, auch wenn der Abschluss der Episode, bei dem die beiden Töchter noch einmal auf den befreiten Geist ihrer Mutter treffen, emotional funktioniert. Mit ein wenig mehr Profil für Mutter Lori (Aunjanue Ellis) und vielleicht sogar einer Darstellerin, die noch mehr aus dieser Figur herausholen hätte können, wären diese abschließenden Szenen sogar noch überzeugender gewesen. Wobei ich Aunjanue Ellis hier keine großen Vorwürfe machen möchte, da das „Problem“ mehr bei dem Ausgangsmaterial liegt.

Not safe

Letztendlich gab Mama Mills immer Acht auf Jenny, als diese in die Anstalt eingewiesen wurde. Warum aber gerade Abbie den Kampf gegen Moloch ausfechten soll, bleibt weiterhin unklar. Zumindest die Gewissheit, dass ihre Mutter nicht verrückt gewesen ist und sich nicht selbst das Leben genommen hat, bedeutet aber eine Art Erlösung für Abbie und Jenny. Diese können mit diesem belastenden Thema nun abschließen und ihre Konzentration wieder auf den Feind richten, der ihrer Mutter all dies angetan hat: Moloch.

Über Henry hat dieser es nun als Neugeborenes in die Welt der Menschen geschafft und wird sogleich von Katrina umsorgt, die aufgrund ihres magischen Amuletts, mit dem sie Abraham (Neil Jackson) nicht kopflos sieht, nur ein harmloses Kleinkind in dem eigentlichen Teufelsbalg erkennt. Ihre Mutterinstinkte sowie die Schuldgefühle, ihren eigenen Sohn einst verlassen zu haben, der seine Mutter wiederum geschickt manipuliert, sorgen dafür, dass sich Katrina recht sorglos des Kleinen annimmt - bis sie letztendlich erkennt, dass „Baby Moloch“ bereits mit seiner dunklen Macht auf sie gewirkt hat.

Maternal instincts

Ein wenig naiv mutet dies schon an, so sehr sie auch von Gewissensbissen aufgrund ihrer nicht erfüllten Pflicht als Mutter gegenüber Jeremy beziehungsweise Henry geplagt wird. Sie möchte dann zwar zu drastischen Mitteln greifen und dem verdorbenen Sprössling den Garaus machen, kann sich jedoch dann nicht zu dieser Tat durchringen, als aus dem Baby auf einmal ein kleiner Junge wird, der sie als seine Mutter anspricht. Es ist gut zu sehen, wie Katrina hier auf die Probe gestellt wird. Ihr Mann hat vollstes Vertrauen in sie, doch Henry weiß ganz genau, dass er seine Mutter nun in eine unbequeme Situation manövriert hat. Zwar steht hier der junge Fürst der Finsternis vor ihr, doch sowohl die Illusion eines unschuldigen Kindes als auch ihre mütterlichen Verfehlungen scheinen schwer auf ihrem Gewissen zu wiegen. Das macht die Auflösung dieses Konflikts durchaus interessant.

Auf welcher Seite wird sich Katrina (Katia Winter) wiederfinden? © FOX
Auf welcher Seite wird sich Katrina (Katia Winter) wiederfinden? © FOX

Schlussendlich spielen die Serienmacher noch einmal geschickt mit unserer Erwartungshaltung für das Mid Season-Finale, bevor es in die Weihnachtspause geht. Neben Katrinas neuerlichem Dilemma kommt hier noch Irving auf der Flucht hinzu, der das Team ergänzt. Sein Ausbruch aus der psychiatrischen Klinik lässt zwar einige Fragen offen, aber es ist gut denkbar, dass er nicht ohne Grund wieder auf freiem Fuß ist. So wenig und kurz man sich in Mama auch dem zentralen Konflikt der Serie gewidmet hat, so ordentlich wird man doch auf die nächste Episode vorbereitet, in der der dank Hammelfleischsuppe und starken Medikamenten genesene Ichabod sicherlich wieder ein Wörtchen mitreden darf.

Fazit

Die Episode „Mama“ hinterlässt beinahe den Eindruck einer kleinen Verschnaufpause, kurz bevor es wohl noch einmal in Sleepy Hollow ans Eingemachte geht. Leider verspielt man so ein wenig den Schwung aus den letzten Episoden, jedoch kann man uns auf der anderen Seite auch eine relevante Einzelfolge bieten, in der mal wieder andere Charaktere prominent in Erscheinung treten dürfen.

Die Geistergeschichte mit geschickter Wendung unterhält und tut den Figuren wie Abbie und Jenny gut, da wir mehr über deren Charaktere und deren emotionales Innenleben erfahren. Hier und da drückt man ein wenig zu stark auf die Tränendrüse, doch insgesamt gestaltet sich die Episode solide und kurzweilig. Wie so oft werfen die Macher dann zum Ende hin noch gekonnt den Haken aus, der einen doch recht gespannt auf das Mid Season-Finale blicken lässt.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 18. November 2014

Sleepy Hollow 2x09 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 9
(Sleepy Hollow 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Wie die Mutter, so die Tochter
Titel der Episode im Original
Mama
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 17. November 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 4. Mai 2015
Regisseur
Wendey Stanzler

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x09

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