Sleepy Hollow 2x08

Nach dem ersten kleineren Showdown zwischen Ichabod (Tom Mison), Katrina (Katia Winter) und Abbie (Nicole Beharie) auf der einen Seite und Henry (John Noble) auf der anderen in der siebten Folge der zweiten Staffel (Deliverance), greift der oberste Handlanger Molochs nun in Heartless erneut in seine Trickkiste, um seinen Gebieter in die Menschenwelt zu verfrachten. Der Ablauf der Episode gestaltet sich dabei eher klassisch mit einem besonderen Monster der Woche, jedoch gelingt es den Autoren auch, weiterhin die übergreifende Handlung zu bedienen und somit eine sehr ordentliche Folge zu fabrizieren.
Zu meiner Freude wird dann auch angedeutet, dass man nun endlich wieder zum Angriff bläst und das neue Triumvirat um Ichabod, seine Frau Katrina und Polizistin Abbie die Offensive gegen Henry und Moloch sucht. Dabei steht jedoch nach wie vor die große Vertrauensfrage im Raum, die zwischendurch eigentlich beantwortet werden kann, würde es nicht eine weitere geheimnisvolle Wendung geben, die von Henry initiiert wurde und den neuerlichen Plan unserer Protagonisten torpedieren könnte.
Commitment and sacrifice
Ein sehr interessanter Aspekt von „Heartless“ ist, dass die Dynamik unter Ichabod und Abbie um die Figur von Katrina ergänzt wird, was nicht nur einige Vorteile, sondern auch ein paar Probleme für die Charaktere mit sich bringt. Ichabod und Abbie haben bis jetzt immer ein formidables Duo gebildet, Abbies Schwester Jenny (Lyndie Greenwood) arbeitete bereits mehrfach mit den beiden zusammen und fügte sich gut ein, während die in der zweiten Staffel neue Figur des Nick Hawley (Matt Barr) noch nicht richtig in seiner Rolle als Erweiterung des Team aufgehen konnte.
Katrina wiederum bringt als Neuzugang noch einmal einen anderen Reiz mit sich, da sie zum einen nicht nur einzigartige Fähigkeiten aufgrund ihres Daseins als mächtige Hexe besitzt, sondern auch die Beziehung zwischen Ichabod und Abbie aufwühlt. Diese war noch nie und wird wahrscheinlich auch nie einer waschechten Liebesgeschichte gleichkommen, aber nichtsdestotrotz liegt Abbie und Ichabod sehr viel aneinander.
Dadurch, dass Katrina und Abbie zwei grundsätzlich verschiedene Standpunkte vertreten, was mit Henry geschehen soll, findet sich Ichabod erneut zwischen den Stühlen wieder. Auf Abbie konnte er sich immer schon verlassen, Katrina hatte ihn hingegen belogen und sein Vertrauen missbraucht. Jedoch ist sie auch seine große Liebe, die Ichabod eigentlich nur schützen wollte. Der Konflikt, der sich Ichabod hier präsentiert, ist nachvollziehbar gezeichnet und mit komplexen Entscheidungen verbunden, die mich als Zuschauer neugierig machen.

What the enemy fears the most
Ähnlich wie unsere männliche Hauptfigur wägen wir die Situation ab. Man versucht, sich in die Lage der einzelnen Charaktere zu versetzen, warum Katrina als liebende Mutter Henry eben nicht aufgeben kann und warum Abbie die Ansicht vertritt, dass Henry schon längst zu weit gegangen ist und keine Gnade ihm gegenüber gewaltet werden sollte. Dabei entspinnt sich gar eine äußerst frostige Stimmung zwischen Katrina und Abbie, wobei letztere sich immer mehr wie das fünfte Rad am Wagen vorkommt, nachdem Katrina nun zum Team gehört. Abbie ist jedoch alles andere als eifersüchtig, sondern vielmehr besorgt, dass Ichabod das eigentliche Ziel, Moloch aufzuhalten, aus den Augen verliert und sich dadurch selbst schaden könnte.
Diese neuerliche Charakterkonstellation und die verschiedenen Beweggründe der Figuren, warum sie so argumentieren, wie sie argumentieren, wurde von langer Hand aufgebaut und zahlt sich nun aus. Natürlich geben wir als Zuschauer eher Abbie Recht, da man nur schwer glauben kann, dass Katrina ihren Sohn zurück auf die gute Seite ziehen könnte. Doch auch ihr Standpunkt ist für uns greifbar und verständlich, ebenso wie Ichabods schwierige Aufgabe, einen Mittelweg zu finden sowie die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Incordata
Diesen sollten nämlich wohlüberlegt sein, denn nachdem Henry in der letzten Folge einen Rückschlag erlitten hat, hat er schon die nächste teuflische Idee, mit der er Moloch den Übergang in die menschliche Welt ermöglichen will. Dafür beschwört er eine Succubus, einen weiblichen Dämon, der mit seiner verführerischen Fassade seine Opfer, die allesamt von Begierde und Begehren heimgesucht werden, betört, um wenig später diesen die Lebenskraft zu nehmen.
In diesem speziellen Fall sammelt die bezaubernde, aber tödliche Kreatur jedoch diese Lebenskraft und bringt diese zu Henry, der damit seinen Herrn endgültig erwecken möchte. Die Geburt Molochs konnten Ichabod und Co. zwar verhindern, aber „Baby Moloch“ wurde nicht vernichtet und wird nun durch den Succubus genährt, was Katrina in unheilvollen Visionen mit ihren eigenen Augen beobachten kann.
Nun heißt es also schnellstmöglich das gehörnte Scheusal aufzuhalten, das wiederum weder vor männlichen noch weiblichen Verzweifelten Halt macht. Diejenigen, die einer anderen Person begehren und deren Liebe nicht erwidert wird, sind ein leichtes Ziel für den Dämon. So wird auch Hawley, den Abbie zuvor noch um Unterstützung gebeten hatte, von dem Succubus attackiert, denn der nonchalante Schatzjäger und Frauenheld ist mit seinen derzeitigen Gefühlen das perfekte Opfer. Mehr als nur einmal wird deutlich, dass er sich eine Beziehung zu Abbie erhofft. Diese verschwendet jedoch keinen Gedanken daran, vor allem, da es nur weitere Komplikationen mit sich bringen würde, die man zurzeit überhaupt nicht gebrauchen kann.

Target rich environment
Es ist durchaus charmant mit anzusehen, wie Ichabod dann doch ein wenig ungelenk die Fronten abtastet und seine Einwilligung gibt, sollte Abbie eine Beziehung zu Hawley anstreben. Generell kann man festhalten, dass Matt Barrs Charakter in dieser Episode etwas besser integriert ist, als es noch einige Male zuvor der Fall gewesen ist. Selbst die Zusammenarbeit zwischen Ichabod, der eigentlich nicht viel von Hawley hält, und dem besagten Schwerenöter, der immer wieder neue Artefakte aus dem Hut zaubert (ob sie nun hilfreich sind oder nicht), gefällt gut.
Inwiefern man diese recht absehbare Liebesgeschichte um Abbie und Hawley noch weiterspinnen kann, ohne die eigentlichen Stärken des Formats aus den Augen zu verlieren, wird sich zeigen müssen. Absolut notwendig finde ich einen derartigen Handlungsstrang nicht, dennoch ist es schon auffällig, wie sehr die Autoren „Ablenkungen“ für unser eingespieltes Team bestehend aus Abbie und Ichabod in dieser zweiten Staffel einbauen. Dies ist eindeutig eine bewusste Entscheidung der Serienmacher, die sich womöglich in den finalen Zügen der Staffel auszahlen soll, wenn unsere Hauptfiguren Entscheidungen treffen müssen, die harte Konsequenzen nach sich ziehen könnten - für sie und für die Menschen, die ihnen nahe stehen oder näher gekommen sind.
A taste of doubt
Auch wenn ich aufgrund der treffenden Wortwahl gerne von einem Herzschlagfinale sprechen würde, die Auflösung von Heartless ist eher weniger spektakulär und einfach gehalten. Während Katrina und Abbie das Herz des Dämons ausfindig machen, welches wiederum verbrannt werden muss, damit der Succubus verletzt werden kann, stellen sich Ichabod und Hawley der Bestie, wobei vor allem Ichabod in Bedrängnis gerät.
So schlicht letztendlich das Ende des Dämons gehalten ist, so interessant ist zuvor noch einmal ein Dialog zwischen Abbie und Katrina, die das Kriegsbeil zumindest zum Teil begraben können. Auch Ichabods Interaktion mit der menschlichen Form des Succubus, unwiderstehlich von Gastdarstellerin Elena Sanchez dargebracht, ruft noch einmal in Erinnerung, dass Ichabod nach wie vor Zweifel ob seiner Ehefrau hegt, obwohl sich beide zu Beginn der Episode noch einig darüber waren, wieder einander zu vertrauen.
Bold move
Ein wenig komisch ist dann die Tatsache, dass Katrina schon wieder das Team verlässt, wobei die Gründe dafür absolut einleuchtend sind, was selbst Ichabod anerkennt. Im Endeffekt kann ich den Plan, Molochs Reihen zu infiltrieren und mit Abraham (Neil Jackson), der aufrichtige Gefühle für Katrina zeigt, das scheinbar schwächste Glied der Reiter der Apokalypse zu bearbeiten, nur gutheißen. Somit deutet sich der erwartete offensive Zug von Ichabod, Abbie und Katrina an, der gewohnt rasante Spannung verspricht.
Jedoch bekommen wir am Ende noch einmal Henry in seinem Geburtshaus zu sehen, der mit einem zufriedenen Grinsen vor einer Kindergrippe steht und relativ entspannt seine Mutter empfängt. Diese strahlt dann über beide Ohren (und fast so hell wie das Amulett, das sie von Abraham bekommen hat) beim Anblick eines Säuglings, der in dem Bettchen vor ihr liegt. Was dieses Kleinkind zu bedeutet hat, ist unklar. Sicher ist nur, dass Henry abermals einen düsteren Plan in die Tat umgesetzt hat und anscheinend alles so verläuft, wie er es sich erdacht hat. Diese Schlussnote haben wir jetzt einige Male zu sehen bekommen, und so oft es auch gelingt, einen neugierig zu stimmen und die Erwartungen an die nächste Episode hochzuhalten, ein wenig Abwechslung wäre auch an dieser Stelle mal wünschenswert. Es muss ja nicht immer mit „Henrys finsteres Ritual beziehungsweise Grinsen der Woche“ enden, oder?

Fazit
„Heartless“ kombiniert eigentlich in bester Manier den Aufbau vieler Folgen der ersten Staffel von Sleepy Hollow, das „Monster der Woche“-Element des Formats plus die gekonnten Fortführung der übergreifenden Handlung. Dennoch gehen der Geschichte um den Dämon der Woche ein wenig die Konsequenz und Spannung abhanden, was man jedoch mit mehreren sehenswerten Charaktermomenten auffangen kann. Hinzukommen ein paar nette und amüsante Szenen wie ein kleiner Seitenhieb auf das amerikanische Reality-TV, köstlich kommentiert von Ichabod und Katrina, sowie ein kleiner Hinweis, dass der ehemalige Freiheitskämpfer einst anscheinend ein furioser Tänzer gewesen ist.
Generell ertappe ich mich beim Betrachten der zweiten Staffel der Mysteryserie in letzter Zeit immer öfter dabei, wie mir die übernatürlichen Wesen relativ egal sind und mein Fokus vielmehr auf die Figuren, deren Entwicklung und ihr Kampf gegen das große Übel wandert. Die Autoren haben schon mehrfach bewiesen, dass sie die Balance zwischen diesen beiden Aspekten vortreffliche halten können. „Heartless“ ist eine gute Episode, auch wenn nicht wirklich denkwürdig. Das es jetzt aber scheinbar langsam ans Eingemachte geht, bin ich doch recht gespannt, was die nächsten Folgen von „Sleepy Hollow“ für uns bereithalten werden.
Sleepy Hollow: Promo zur Episode 2x09: Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 15. November 2014Sleepy Hollow 2x08 Trailer
(Sleepy Hollow 2x08)
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