Sleepy Hollow 2x07

Sleepy Hollow 2x07

Sleepy Hollow besinnt sich in Deliverance auf seine alten Stärken, indem es die übergreifende Handlung der zweiten Staffel aufgreift. Dadurch wird eine spannende Episode abgeliefert, die erfrischenderweise um ein Monster-of-the-Week-Szenario wie in den letzten Wochen einen Bogen macht.

Moderne Demokratie und ihre Tücken: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) im Wahllokal. / (c) FOX
Moderne Demokratie und ihre Tücken: Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) im Wahllokal. / (c) FOX

In meiner Review zur sechsten Episode (And the Abyss Gazes Back) der zweiten Staffel von Sleepy Hollow hatte ich angemerkt, dass ich mir wünschen würde, die Autoren würden die übernatürlichen Wesen der Woche mal wieder ein wenig beiseite schieben und sich mehr dem übergeordneten roten Faden widmen, dem direkten Kampf gegen Moloch und seine Schergen. Glücklicherweise geschieht in Deliverance genau das, was sofort für mehr Spannung und größeres Interesse an der Handlung meinerseits sorgen kann.

Abermals muss Ichabod (Tom Mison) abwägen, ob er doch noch alles daran setzen will, seinen Sohn Henry (John Noble) aus den Fängen Molochs zu befreien. Erschwert wird diese Entscheidung jedoch durch den Umstand, dass Henry seine eigene Mutter Katrina (Katia Winter) vergiftet hat und sie nun um ihr Leben ringt. Auch wenn uns der Ausgang dieser Episode im Großen und Ganzen nicht wirklich überraschen kann, die Autoren bauen ein paar durchaus mitreißende Momente ein und stellen vor allem Ichabod sowie dessen inneren Konflikt in den Mittelpunkt des Geschehens, was überzeugen und oftmals extrem fesseln kann.

Democracy in action

Der Auftakt von „Deliverance“ markiert wohl noch den seichtesten Moment dieser Episode, als sich Ichabod gemeinsam mit Abbie (Nicole Beharie) zu den örtlichen Midterm-Wahlen begibt, wo sich der ehemalige Freiheitskämpfer sogleich über das äußerst unengagierte Wahlverhalten seiner Landsleute aufregt. Immerhin hatte er für dieses Recht gekämpft und jetzt ist die Wahlbeteiligung der Amerikaner bei etwaigen Fernsehformaten wie zum Beispiel American Idol weitaus höher als bei einem demokratischen Prozess, der für die Landespolitik alles andere als unbedeutend ist.

Doch auch zur Zeiten der 13 amerikanischen Kolonien war nicht alles Sonnenschein, Abbie hätte als Frau zum Beispiel nicht einmal das Wahlrecht gehabt. Dieses kleine charmante Anfangsscharmützel zwischen unseren beiden Hauptcharakteren ebnet wie so oft den lockerleichten Einstieg in die Folge, die dann aber einen recht finsteren und dramatischen Ton erschlägt.

Katrina (Katia Winter) leidet große Schmerzen. © FOX
Katrina (Katia Winter) leidet große Schmerzen. © FOX

House call

Im Zentrum steht hierbei das Schicksal Katrinas, die nach der Vergiftung durch Henry mit starken Schmerzen in der Bauchgegend und im Unterleib zu kämpfen hat. Henry hat aber anscheinend weit komplexere Pläne, als seiner Mutter nur den Garaus zu machen und will diese in eine Einrichtung bringen lassen, wo sich ein Arzt um sie kümmern soll. Abraham (Neil Jackson) möchte dies aber nicht zulassen, da er ganz genau weiß, welche diabolischen Absichten Henry wirklich verfolgt. So kann Abraham Katrina die Flucht ermöglichen, die dann in ein Krankenhaus eingeliefert wird, wo sich Abbie und Ichabod schnellstens hinbegeben und die Eheleute erstmals seit einiger Zeit wieder miteinander vereint werden.

Für Sentimentalitäten bleibt jedoch nur wenig Zeit, denn Katrinas Schmerzen nehmen minütlich zu, außerdem sind Henrys Handlanger den dreien schon auf den Fersen. Während Ichabod seine Frau in Sicherheit bringt, schüttelt Abbie ihre Verfolger ab und folgt diesen dann zu einem Lagerhaus, wo sie eine beunruhigende Entdeckung macht. Neben einer Leiche, die dieselben schwarzen Adern wie Katrina aufweist, stößt Abbie dort auf einen merkwürdigen Operationssaal sowie eine mysteriöse Steinplatte, die der Doktor anscheinend für seine Prozedur benötigt.

Growing a demon

Mit Hilfe des Notizbuches des Doktors, das Abbie hat mitgehen lassen, und dem Hinweis, dass anscheinend der unheilbringende „Hellfire Club“ - der bereits in der ersten Episode der zweiten Staffel im Zusammenhang mit Benjamin Franklin als Infiltrant der düsteren Organisation erwähnt wurde - bei der Vergiftung Katrinas seine Finger mit im Spiel hatte, bringen Abbie und Ichabod langsam ein wenig Licht ins Dunkel. So stellt sich heraus, dass Katrina nicht vergiftet, sondern künstlich befruchtet wurde und nun ein schrecklicher Dämon in ihr heranwächst.

Die Hoffnungen Ichabods liegen nun auf Henry, der die Geburt der Teufelsbrut sicherlich irgendwie aufhalten kann. Um diesen zu überzeugen treffen sich Vater und Sohn in der psychiatrischen Anstalt, wo Irving (Orlando Jones) Patient ist. Jedoch gestaltet sich das Gespräch als weniger erfolgreich für Ichabod, der wie Abbie und Katrina dann auch noch erfährt, dass es sich bei dem Dämon in Katrinas Körper um keine x-beliebige Kreatur handelt, sondern um Moloch selbst, der sich so seinen Weg in die Welt der Menschen bahnen will, um endlich die Apokalypse auszurufen.

A question of faith

Die Enthüllung, was sich tatsächlich in Katrina befindet, kommt schon einem Paukenschlag gleich, wodurch das Tempo der Episode noch einmal anzieht und wir durchaus den Eindruck bekommen, dass hier einiges auf dem Spiel steht. Durch Katia Winters schmerzerregende Darbietung, ihre furchtbaren Schreie, die durch Mark und Bein gehen sowie der exzellenten Arbeit der Maskenabteilung beziehungsweise dem Effektteam, fiebert man automatisch gespannt mit, wie und ob Ichabod und Abbie die Geburt des Oberdämons verhindern können.

Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) im Einsatz. © FOX
Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) im Einsatz. © FOX

Zusätzlich nutzen die Autoren die Drucksituation, um unsere Charaktere vor wichtige Entscheidung zu stellen, die nicht ohne Konsequenzen einhergehen. Insbesondere Ichabod findet sich zwischen zwei Fronten wieder: Seine Frau hat ihren Glauben in Sohnemann Henry noch nicht verloren und appelliert an ihren Mann, ebenfalls die Hoffnung nicht aufzugeben, ihn wieder auf die gute Seite zu ziehen. Abbie hingegen bleibt skeptisch und möchte nicht, dass sich Ichabod zu sehr von seinen Gefühlen lenken lässt, da diese sein Urteilsvermögen beeinflussen.

Vertrauen ist eines der zentralen Themen der zweiten Staffel von Sleepy Hollow, das immer wieder angesprochen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Ichabod hat zwar einige Zweifel, insbesondere, was die Beziehung zwischen seiner Frau und dem kopflosen Reiter betrifft, doch letztendlich stimmt er Katrina zu, weiter an Henry zu glauben, auch, weil dies die einzige Option ist, die ihnen noch bleibt. Dennoch bekommt man den Eindruck, dass Ichabod weiterhin zwischen zwei Stühlen sitzt und sein Balanceakt, der mit der Entscheidung für oder gegen Henry einhergeht, ihn eines Tages vor große Probleme stellen könnte.

A lost cause

Auch die Interaktion zwischen Ichabod und Henry gefällt gut, da sich hier zwei Charaktere auf identischem geistigen Niveau gegenübersitzen. Ichabod gelingt es scheinbar sogar, Henry ein wenig in die gewünschte Richtung zu manipulieren, doch dieser bleibt kalt und unbarmherzig. Das Leben seiner Eltern ist ihm nichts wert, Ichabod versucht noch, ihm Schuldgefühle einzureden, doch Henry hat sich voll und ganz Moloch verschrieben. Trotzdem kann man einige interessante Aufnahmen erhaschen, in denen John Noble mit seinem nuancierten Schauspiel andeutet, dass seine Figur vielleicht doch ein paar Gewissensbisse plagen könnten. Oder zumindest, dass hier noch mehr im Verborgenen liegt, was ein geheimnisvoller Rückblick auf den jungen Henry beziehungsweise Jeremy zeigt, den Ichabod kurz zu sehen bekommt.

Letztendlich schaukelt sich Deliverance gekonnt hoch und lässt den Zuschauer sogar für einen kurzen Moment glauben, dass nun das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Für Katrina scheint es keine Hoffnung mehr zu geben, die Geburt Molochs steht kurz bevor - wäre da nicht ein Dokument von Benjamin Franklin, dass die Rettung von Ichabods Frau möglich macht. Dafür benötigen sie aber ein Prisma, das sich innerhalb der Steinplatte (von Franklin dort eigenhändig versteckt) befindet, die nach wie vor in dem Lagerhaus ist.

Where I belong

Ohne Verstärkung können Ichabod und Abbie diese wohl aber kaum entwenden, also weihen sie überraschenderweise Reyes (Sakina Jaffrey) ein, die zunächst arg ungläubig reagiert. Doch die Möglichkeit, einen gefährlichen Kult in Sleepy Hollow zu zerschlagen, will sie sich nicht nehmen lassen. Nach einem erfolgreichen Einsatz scheint die Arbeitsbeziehung zu Abbie sowie zu Ichabod ein wenig verbessert, inwiefern die kühle Gesetzeshüterin in naher Zukunft im Kampf gegen das Böse ein wichtiger Baustein werden oder dem ganzen Humbug doch wieder weniger Glauben schenken wird, bleibt natürlich abzuwarten.

Kalt und gnadenlos: Henry (John Noble) tüftelt schon an seinem nächsten Plan. © FOX
Kalt und gnadenlos: Henry (John Noble) tüftelt schon an seinem nächsten Plan. © FOX

Mit dem Prisma aus der Steinplatte ist Ichabod mithilfe von Sonnenlicht in der Lage dazu, das Nordlicht zu emulieren, mit dem man wiederum die Geburt Molochs verhindern kann. Wie bereits erwähnt war ich mir von vornherein recht sicher, dass Katrina das Ganze überleben würde, dennoch muten die letzten Minuten von „Deliverance“ episch und packend an. Erneut kann man einen kleinen Teilerfolg gegen Moloch verbuchen, hinzukommt, dass nun Katrina wieder zum Team gehört. Doch Abraham wird nicht lange warten, um diese zurückzuerobern, und auch Henry bastelt an dem nächsten dämonischen Ritual, dass hier nur kurz aber effektvoll angedeutet wird. Langsam müssen die beiden Zeugen ihre passive Rolle ablegen und Moloch wieder gezielter angreifen, um nicht immer wieder ins Hintertreffen zu geraten. Die Flucht nach vorne sollte das Motto lauten, und „Deliverance“ erweckte gerade am Ende das Gefühl bei mir, dass man nun langsam zum Gegenschlag ausholen könnte.

Fazit

Als hätte man meine Bitte erhört, hat man in Deliverance mal Monster Monster sein lassen und sich wieder mehr auf unsere Hauptcharaktere, allen voran Ichabod, konzentriert. Die Spannung wird konstant hochgehalten, die Spezialeffekte überzeugen und die einzelnen Darsteller glänzen in ihren jeweiligen Rollen. Zwar fehlt am Ende ein wenig die Konsequenz und auch die altbewährte Formel, aus dem Nichts eine Lösung für das scheinbar unlösbare Problem hervorzuzaubern, wird abgespult, jedoch ändert dies nicht viel an der Tatsache, das „Deliverance“ eine sehr unterhaltsame und stimmige Episode ist, die eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Ein kleiner Zusatz: Entschuldigt bitte die verspäteten Reviews zur siebten und achten Folgen der zweiten Staffel von Sleepy Hollow aufgrund meiner mehrtägigen Abwesenheit. Die Review zur achten Episode folgt aller Voraussicht nach am Samstag.

Sleepy Hollow Promo zur Episode 2x08:
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 14. November 2014

Sleepy Hollow 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(Sleepy Hollow 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Dämon im Leib
Titel der Episode im Original
Deliverance
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 3. November 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. April 2015
Regisseur
Nick Copus

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x07

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