Sleepy Hollow 2x06

Sleepy Hollow 2x06

Die neue Episode von Sleepy Hollow ist an und für sich recht solide und gewohnt kurzweilig, dennoch bestätigen sich einige Befürchtungen hinsichtlich des ständigen Wiederholens ein und derselben Formel, der langsam, aber sicher ein frischerer Ansatz guttun würde.

Jenny (Lyndie Greenwood), Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) in „And the Abyss Gazes back“ / (c) FOX
Jenny (Lyndie Greenwood), Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) in „And the Abyss Gazes back“ / (c) FOX

Sleepy Hollow steht in seiner zweiten Staffel bei weitem noch nicht vor dem Problem, langweilig und ermüdend zu werden. Woche für Woche gelingt es den Serienmachern im Großen und Ganzen ansprechende Monstergeschichten zu präsentieren, die mit der altbekannten und nach wie vor sehr gut funktionierenden Dynamik zwischen unseren beiden Hauptfiguren garniert wird. Nachdem ich mir jedoch letzte Woche gewünscht hatte, dass man nach ein paar eher identischen Episoden mal wieder etwas Abwechslung anbieten könnte, dienen die Autoren in And the Abyss Gazes Back leider nicht wirklich damit.

Erneut wird uns ein übernatürliche Kreatur des Bösen präsentiert, erneut gibt es eine entfernte Verbindung zur Haupthandlung, erneut können Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) den Tag vorerst retten. Henry (John Noble) verfolgt zum wiederholten Male einen Plan, der die Umsetzung seines großen Vorhabens beschleunigen soll. Und auch, wenn das Schlussbild von „And the Abyss Gazes back“ eine womöglich recht spannende Episode für die nächste Woche verspricht: Die aktuelle fühlt sich für mein Empfinden nicht großartig anders an als die drei Episoden zuvor.

IchabodCrane1749

Natürlich habe ich nach wie vor meinen Spaß daran, wie ein Ichabod in kleinen Momentaufnahmen versucht, mit den Eigenheiten des 21. Jahrhunderts klarzukommen. Seien es die gemeinsamen Yogaübungen mit der sportiven (und auffällig freizügigen) Abbie, die Körper und Geist im Kampf gegen Moloch stählen sollen, oder die kleine Lehrstunde hinsichtlich der Alter Egos von amerikanischen Comicsuperhelden.

Tom Mison als Ichabod Crane in %26bdquo;And the Abyss Gazes back%26ldquo; © FOX
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Auch der herrliche Wutausbruch Cranes, als er gegen Ende der Episode in einem Onlineshooter von seinen Gegenspielern ChiefWiggum49 und Haloismybitch12 „weggefragged“ wird und sich zu einem köstlichen Fluchanfall in bester Gamermanier, ausgeschmückt mit Beleidigungen aus dem 18. Jahrhundert, hinreißen lässt, zaubert einem ein breites Grinsen ins Gesicht. Diese oftmals hochamüsanten Szenen bauen die Macher mit Bedacht ein, ohne zu sehr über die Stränge zu schlagen, so dass man sich in „Sleepy Hollow“ wöchentlich auf eine gute Portion Humor freuen kann.

Etwas problematischer wird es da, wie schon erwähnt, hinsichtlich des Aufbaus der Handlung einzelner Episoden, die sich in den letzten Wochen nicht allzu viel genommen haben und doch recht generisch waren. Visuell bewegt man sich weiterhin auf einem ordentlichen Niveau, auch wenn in „And the Abyss Gazes back“ einige Animationen etwas holpriger als sonst aussehen. Dennoch: Das Monsterdesign bleibt originell, ähnlich wie die Kreativität der Autoren, die scheinbar ein Märchenbuch nach dem anderen abgrasen, um ausgefallene Fabelwesen für ihre Geschichten zu finden.

A creature of war

Dieses Mal bekommen es Abbie und Ichabod mit einem sogenannten „Wendigo“ zu tun - ein Gestaltwandler aus der Mythologie der Ureinwohner Amerikas. Diese Kreatur labt sich regelmäßig an menschlichem Fleisch und kann hier nur durch ein Blutritual wieder in seine ursprüngliche humane Form zurückverwandelt werden. In „And the Abyss Gazes back“ macht Exsoldat Joe Corbin (Zach Appelman), der Sohn von Abbies ermordetem Ziehvater Sheriff August Corbin (Clancy Brown), diese Transformation mehrfach durch. Daran ist natürlich Henry schuld, da er den Sprössling des vom kopflosen Reiter enthaupteten Gesetzeshüters verflucht hat. Dafür griff er auf die von Hawley (Matt Barr) gelieferte Knochenflöte aus Go Where I Send Thee... zurück, aus der er Knochenstaub machte, was wiederum den Wendigo-Fluch in Gang brachte.

Man merkt es schon, die Herbeiführung des Falls der Woche mutet hier noch etwas abenteuerlicher an als sonst, wobei man jedoch wie so oft recht logisch (sofern es das in dieser übernatürlichen Welt sein kann) und nachvollziehbar die Handlung abarbeitet. Nachdem Abbie und Ichabod den mörderischen Joe in seiner Wendigo-Form gefangen nehmen, ketten sie ihn erst einmal in ihrem Versteck an und füttern ihn dort mit ein paar Eingeweiden, die Jenny (Lyndie Greenwood) zuvor aus dem örtlichen Krankenhaus besorgt hatte. Durch den Verzehr dieser verwandelt sich Joe zurück und Abbie verspricht ihm sofort, ein Heilmittel für seinen Fluch zu finden.

Henry hatte Joe in seinem Brief mit dem Knochenstaub eine Heilung in Aussicht gestellt, würde er ihm ein spezielles und hochgefährliches Gift besorgen, das Sheriff August einst in den Wäldern um Sleepy Hollow versteckt hatte. Als Henry das Gift in die Finger bekommt und Joe, der auf dessen Manipulation hereinfällt, so verletzt, dass er sich beim Anblick seines eigenen Blutes erneut in den Wendigo verwandelt, drängt die Zeit für Abbie und Ichabod. Joe hat die Transformation nämlich bereits zum vierten Mal durchgemacht und er würde für immer in dieser Gestalt bleiben, sollte er noch einmal töten.

Hawley (Matt Barr) gemeinsam mit Abbie (Nicole Beharie) © FOX
Hawley (Matt Barr) gemeinsam mit Abbie (Nicole Beharie) © FOX

The man inside the beast

Dass es Abbie und Ichabod letztendlich dank eines beliebigen Rituals - die Allzweckwaffe der letzten Wochen - gelingt, Joes Leben zu retten und ihm von dem Fluch zu befreien, überrascht nicht wirklich. Auch die daraus resultierende Moral, an das Unmögliche zu glauben und niemals aufzugeben, insbesondere nicht im Kampf gegen Henry und Moloch, haben wir so in leicht abgewandelter Form bereits ein paar Mal zuvor hören können.

Weitaus interessanter als dieses recht austauschbare Ende der wöchentlichen Monstergeschichte ist da schon die abermalige Thematisierung der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Ichabod und Henry, die über die Beziehungsprobleme Joes zu seinem Vater August angeschnitten wird. Joe hatte auch aufgrund seiner furchtbaren Erfahrungen in Afghanistan, wo er als Wendigo seinen kompletten Zug umbrachte, stets eine eher weniger erfüllende Verbindung zu seinem Vater. Als dieser dann noch Abbie und Jenny aufnahm, fühlte er sich gänzlich wie das fünfte Rad am Wagen.

A rebellious phase

Abbie kann ihm zwar schlussendlich versichern, dass sein Vater ihn wie keinen anderen liebte, doch gerade für Ichabod stellt Joes Beziehung zu seinem Vater ein mahnendes Beispiel dar. So fasst er den Entschluss, alles dafür zu tun, Henry doch wieder zum Guten hin zu wenden und aus den Fängen Molochs zu befreien. Katrina (Katia Winter) wird sich über diese Entscheidung ihres Mannes sicherlich freuen, jedoch bestehen auch keine Zweifel, dass deren beider Verhältnis nach Katrinas Vertrauensbruch Ichabod gegenüber schwerer belastet als jemals zuvor ist.

Dieser Teil der Episode sagt mir persönlich am meisten zu, da man sich hier etwas in Richtung übergreifende Handlung orientiert und die eigentlich interessanten Figuren wieder mehr in den Vordergrund rückt. Zu denen gehört auch Irving (Orlando Jones), der zweifelsohne noch einen sehr wichtigen Part übernehmen wird. Noch kann er sich Henrys dunklen Einflusses erwehren, obwohl er kurz davor ist, den Mann zu erwürgen, der seine Tochter durch einen Autounfall in den Rollstuhl befördert hat. Ein letzter Hilferuf an Abbie und Ichabod macht deutlich, dass Irving unbedingt seine Seele zurückgewinnen und stark bleiben will - doch wie lange hat er noch Kraft, Henry gegenüber nicht einzuknicken?

The man with the raccoon on his head

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich muss bei der Figur des Nick Hawley erneut ein paar Unkentöne anstimmen. Der große Sinn und Zweck seines Charakters erschließt sich mir nach wie vor nicht, außer, dass er irgendwie Spannungen unter den beiden Schwestern Abbie und Jenny fabrizieren soll. Außerdem könnte seine Rolle als unwissentlicher Komplize Henrys einen handfesten Konflikt mit Ichabod nach sich ziehen. Bis jetzt fühlen sich seine Auftritte jedoch extrem zufällig und bisweilen gar unnötig an, so dass ich mich frage, wozu wir diese Figur wirklich brauchen.

Giftmischer Henry (John Noble) bei der Tat © FOX
Giftmischer Henry (John Noble) bei der Tat © FOX

Über seine Dynamik mit Ichabod versucht man, ihm zumindest eine Art der Daseinsberechtigung zu verschaffen, wobei diese nur bedingt aufgeht. Diese Woche steckt Ichabod den Schatzjäger mit seinem Wissen über Pionier Daniel Boone - dessen eigener Bruder gerüchteweise ebenfalls Opfer des Wendigo-Fluches wurde - und über den indianischen Stamm der Shawnee sowie deren Riten locker in die Tasche. Langsam sollte man Hawley eine etwas sinnvollere Aufgabe geben, ansonsten verkommt er nur immer mehr zur Randnotiz.

Fazit

And the Abyss Gazes Back macht auf mich einen eher durchschnittlichen, wenn auch noch soliden Eindruck. Das Ende der Episode stimmt mich gar ein wenig zuversichtlich, dass wir uns demnächst endlich wieder dem Wesentlichen widmen werden. Henry nutzt das chinesische Gift nun dazu, seine eigene Mutter Katrina mit einer Spinne zu vergiften, was sowohl Ichabod als auch Abraham (Neil Jackson) zum Handeln zwingen wird. So könnte nach ein paar sehr formelhaften Folgen der zentrale Konflikt dieser zweiten Staffel wieder mehr in den Fokus rücken, was ich absolut befürworten würde.

Ein Hinweis in eigener Sache: Da ich mich für die nächsten zehn Tage im Urlaub befinden werde und sich in der Redaktion niemand gefunden hat, der mich bei den Reviews zu Sleepy Hollow vertreten könnte, werden die Review zu den nächsten beiden Episoden verspätet nachgereicht. Vielen Dank für Euer Verständnis.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 28. Oktober 2014

Sleepy Hollow 2x06 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 6
(Sleepy Hollow 2x06)
Deutscher Titel der Episode
Blick in den Abgrund
Titel der Episode im Original
And the Abyss Gazes Back
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 27. Oktober 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 13. April 2015
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?