Sleepy Hollow 1x13

Sleepy Hollow 1x13

Nach dem Ende von Bad Blood regiert die Ungewissheit. Aufgrund einer ganzen Armada von Cliffhangern hat das erste Staffelfinale von Sleepy Hollow eigentlich nichts finales an sich. Dennoch übertrifft sich die Serie mit dieser Episode selbst.

Nach dem Finale von „Sleepy Hollow“ betrachtet man Henry Parrish (John Noble) unweigerlich mit anderen Augen. / (c) FOX
Nach dem Finale von „Sleepy Hollow“ betrachtet man Henry Parrish (John Noble) unweigerlich mit anderen Augen. / (c) FOX

Review zur zweiten Stunde des Staffelfinals. Zum ersten Teil, Indispensable Man.

Wie hatte sich die Rezensentin von Sleepy Hollow täuschen lassen! Den Cliffhanger der Episode Indispensable Man hatte sie als klares Vorzeichen für einen Verrat Ichabods (Tom Mison) an seiner Freundin Abbie Mills (Nicole Beharie) interpretiert. Doch die beiden Protagonisten halten trotz aller Widrigkeiten stärker denn je zusammen. Stattdessen entpuppt sich in einer wahrlich vor den Kopf stoßenden Szene ausgerechnet der so loyal erscheinende Sin Eater Henry Parrish (John Noble) als Verräter. Doch das ist erst der Anfang einer schockierenden Offenbarung...

Entspannug vor dem Sturm

Bevor sich die Ereignisse überschlagen und längst nicht nur sprichwörtlich die Hölle losbricht, dürfen sich die Zuschauer noch ein wenig an dem unverwechselbaren Humor erfreuen, den Ichabod wieder und wieder so verlässlich in die Handlung bringt. Während es etwas zu bequem anmutet, dass Crane ausgerechnet in die Nachstellung einer historischen Schlacht aus seiner Lebzeit hineinstolpern sollte, ist in diesem Zusammenhang besonders das Nachspiel erfreulich. Obwohl Ichabod dank der Kriegs-Spieler nun über weitere Kleidungsstücke nach seinem Gusto verfügt, möchte er sich nicht von seinem geliebten Mantel trennen. Dies begründet er höchst amüsant durch einen pointierten Angriff gegen das Hipstertum: „And risk it being worn ironically? By purveyors of a artisanal marmalade that discovered it at a local thrift shop?

Entwarnung...

Die Tatsache, dass Ichabod den Weg ins Fegefeuer in der vorangegangenen Episode doch zu Papier gebracht hat, führt wieder erwarten nicht zum Zerwürfnis zwischen den beiden Witnesses - die, wie die Rezensentin erst jetzt durch Abbie selbst erfährt, eigentlich groß geschrieben werden müssen. Vielmehr erweist sich Cranes fotografisches Gedächtnis allem Anschein nach als glückliche Fügung, da die Zeugen am Ende doch und trotz aller Gefahren auf Katrina (Katia Winter) zurückgreifen müssen. Nur durch die Hilfe der Hexe scheint es noch möglich, Molochs Siegeszug zu stoppen und „War“ davon abzuhalten, in Sleepy Hollow einzufallen.

Fegefeuer

Bevor Parrish so spektakulär sein wahres Selbst offenbart, fungiert er für die beiden Protagonisten und die Zuschauer gleichermaßen als erklärenden Instanz, die kurz und prägnant die Eigenheiten und Gefahren des Fegefeuers zusammenfasst.

Die somit angekündigten Versuchungen gehen sowohl für Abbie als auch für Ichabod mit allerlei Schmeicheleien einher. Es winkt das Versprechen von Ruhm und Geborgenheit. Besonders das Zusammenspiel zwischen Crane und seinem Vater - der durchweg überzeugend durch Victor Garber porträtiert wird - ist packend geraten. Das Drama um einen Sohn, der für seine Allianz mit den Unabhängigkeitskämpfern seine Familie verloren hatte, gehen zu Herzen.

Das Böse hat sein Etappenziel erreicht; denn die Wege von Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) haben sich getrennt. © FOX
Das Böse hat sein Etappenziel erreicht; denn die Wege von Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) haben sich getrennt. © FOX

Überhaupt zeichnen sich alle Elemente aus dieser schaurigen Zwischenwelt durch ihre aufwühlende Wirkung aus. Der aus den Augen blutende, unkoordinierte Klavierspieler stiftet im Einklang mit den anderen gequälten Wesen und einer ruckeligen Kameraführung eine Atmosphäre, die sich eines Staffelfinales stimmungstechnisch für mehr als würdig erweist.

Diabolische Weitsicht

Erst im Nachhinein wird deutlich, dass das Böse seinen wichtigsten Etappensieg erringt, als Abbie sich entschlossen dazu bereit erklärt, im purgatory Katrinas Platz einzunehmen. Als Henry Parrish seine Maske fallen lässt, offenbart sich auf einmal die ungeheure Weitsicht Molochs, dessen Priorität es von Anfang an war, die beiden Zeugen von einander zu trennen. Crane hat zwar endlich wieder seine Hexe an seiner Seite. Doch nun sieht sich Abbie in ihrer - zugegebenermaßen vielleicht etwas zu stereotypisch geratenen - Kindheitserinnerung irgendwo zwischen Himmel und Hölle gefangen. In Ermangelung einer Fluchtmöglichkeit ist es schwer vorstellbar, wie das Gute in der kommenden zweiten Staffel der Serie wohl wieder erstarken wird.

Tumult und WTF

Mit herunterbaumelnder Kinnlade registrierte die Rezensentin, dass es sich bei dem liebenswerten Henry nicht nur um den apokalyptischen Boten „War“ himself handelt. Nein, er ist zudem auch noch Jeremy, der Sohn von Ichabod und Katrina, der erstmals in der Episode Sanctuary (1x09) in Erscheinung getreten war.

Retrospektiv lässt sich zwar das eine oder andere Anzeichen für Jeremys böse Gesinnung erkennen - wie das mangelnde Vermögen, den Rosenkranz zu berühren oder sein heftiges Aufbegehren gegen das Verbrennen der Karte ins Fegefeuer. Dennoch hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass es sich bei ihm um den verlorenen Sohn der Cranes handelt. In Anbetracht dieser mehr als gelungenen Überraschung lässt sich ohne Weiteres über das Kuriosum hinwegsehen, dass ein 200-jähriger Aufenthalt in einem Grab den jungen Mann von einst weder in seiner Jugend konservierte, noch zu einem skelettartigen Greis hatte werden lassen... Zudem ist es dieser kleinen Absonderlichkeit ja immerhin zu verdanken, dass wir beißende Worte wie „Sometimes those we love must be sacrificed on the alter of a higher purpose“ ausgerechnet vom Schauspieler Noble zu hören bekommen dürfen.

Wird es Jenny (Lyndie Greenwood) gelingen; ihrer Schwester zu Hilfe zu kommen? © FOX
Wird es Jenny (Lyndie Greenwood) gelingen; ihrer Schwester zu Hilfe zu kommen? © FOX

Die anderen

Da die von Clancy Brown und John Cho porträtierten Charaktere Corbin und Brooks durch ihre teils mehrfachen Tode nicht davon abgehalten werden, die Handlung von Sleepy Hollow immer wieder zu bereichern, muss die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den beiden auch für die nächste Staffel glücklicherweise nicht aufgegeben werden.

Der letzte Auftritt von Jenny Mills (Lyndie Greenwood) ist zwar samt des sich nach einem geplatzten Reifen mehrfach in der Luft überschlagenden Wagens etwas überkandidelt geraten. Da die effekthascherische Wirkung des Kopflosen in diesem Zusammenhang jedoch auf schöne Weise an dessen ersten Auftritt in der Pilotepisode erinnert, besteht darin jedoch kaum ein tatsächlicher Kritikpunkt.

Fazit

Der große und gänzlich unerwartete WTF-Moment dieses Finales profitiert noch durch die hervorragende Leistung von John Noble, der in seiner Bekenntnis zum Bösen schauspielerisch alles aus sich herausholt. Neben dem auch sonst fast gänzlich überzeugenden Cast begeistert Bad Blood aber auch durch viele hübsche, kleine Nebensächlichkeiten. Das fantasievoll gestalteten Fegefeuer fällt ebenso in diese Kategorie wie die Idee mit dem magischen Stöckchen-Kompass. Auch Ichabod zeigt sich - auf ungemein charmante Weise - davon beeindruckt. Sein anerkennendes „cool“ veranschaulicht dabei, wie sehr er sich bereits in der Neuzeit akklimatisieren konnte.

Wie soll es nur weitergehen? Ichabod: Lebendig begraben. Abbie: Gefangen im Fegefeuer. Frank Irving (Orlando Jones): Im Knast. Katrina: Vom Kopflosen entführt. Henry: Eigentlich Jeremy und zum gnadenlosen Gegner mutiert. Zwar ist auch Jenny nach ihrem Unfall nicht gerade in Höchstform. Dennoch stehen die Chancen nicht schlecht, dass Miss „I am a mental patient with a gun“ noch ihren Teil zur Neusortierung des „Guten“ beitragen wird.

Als das zweite Siegel gebrochen wird und wir in Jeremy zum ersten Mal den „Krieg“ durchscheinen sehen, schürt dies sicherlich die Vorfreude auf die kommenden Begebenheiten in Sleepy Hollow. Doch mehr noch als alle nervenzehrenden Cliffhanger zusammen lässt ein anderer Aspekt die Wartezeit bis zum Beginn von Staffel zwei als unverhältnismäßig lange erscheinen: Denn erst wenn die Blätter wieder fallen, werden wir wieder in den Genuss des Zusammenspiels von Tom Mison und Nicole Beharie kommen. Ihrem Einsatz in den vergangenen 13 Episoden ist es in erster Linie zu verdanken, dass die zentrale Figurenkonstellation dieser Serie so authentisch wirkt, dass man ihre Trennung kaum ertragen kann...

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 22. Januar 2014
Episode
Staffel 1, Episode 13
(Sleepy Hollow 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Hölle auf Erden
Titel der Episode im Original
Bad Blood
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 20. Januar 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 19. November 2014
Regisseur
Ken Olin

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x13

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