Sleepy Hollow 1x11

Sleepy Hollow 1x11

Die Episode The Vessel leidet an den gleichen Symptomen, die der Serie Sleepy Hollow schon des Öfteren zugesetzt haben. Ein Gefühl echter Bedrohung stellt sich noch zu selten ein. Glücklicherweise ist nach wie vor auf Humor und Spezialeffekte Verlass.

Die bemitleidenswerte Jenny (Lyndie Greenwood) wurde schon mehrmals von den Mächten des Bösen heimgesucht. / (c) FOX
Die bemitleidenswerte Jenny (Lyndie Greenwood) wurde schon mehrmals von den Mächten des Bösen heimgesucht. / (c) FOX

In The Vessel wird endlich der skurrilen Tatsache Rechnung getragen, dass Ichabod Crane (Tom Mison) seiner 250 Jahre alten Kleidung auch in der nunmehr elften Episode treu bleibt. Ebenso wie sich der Revolutionär mit den guten Manieren am Ende doch gegen eine neue Gaderobe entscheidet, tut sich auch Sleepy Hollow schwer damit, sich von einigen unbequemen Angewohnheiten zu verabschieden.

Der loyale Irving

Bevor die erste Staffel der humorvollen Dramaserie in der nächsten Woche mit einer Doppelfolge zu Ende geht, werden in der Episode The Vessel Frank Irving (Orlando Jones) und Abbies (Nicole Beharie) Schwester Jenny (Lyndie Greenwood) wieder etwas stärker fokussiert. Der Captain sieht sich mit der kniffligen Aufgabe konfrontiert, einen Dämon dingfest zu machen, der mühelos seinen menschlichen „Wirt“ wechseln kann und der es zu allem Überfluss auf Macey (Amandla Stenberg) abgesehen hat. Neben der Angst um seine Tochter muss er dabei mit der äußerst ärgerlichen Nebenwirkung umgehen, von seinem Umfeld für verrückt gehalten zu werden.

Irving ist für Crane und Mills zum wichtigsten Partner avanciert. Seine Loyalität gegenüber den witnesses und seine Opferbereitschaft sind in diesem Zusammenhang mehr als beachtlich. Anstatt dem Dämonen Ancitif im Angesicht der Gefahr für seine Familie anstandslos „Washingtons Bible“ auszuliefern, erkauft er Abbie und Crane zunächst Zeit, um ihre Nachforschungen zum Thema Exorzismus voranzutreiben. Selbst, als Macey in dem safe house, das seinen Namen zu keinem Zeitpunkt verdient, von Ancitif in seine Gewalt gebracht wird, beweist der Gesetzeshüter noch die Voraussicht, den Kräften des Guten eine Warnung zukommen zu lassen.

Jenny in der Hinterhand

Neben der Bedeutung von Frank wird in The Vessel auch die Unverzichtbarkeit von Jenny betont. Indem neue Informationen über ihre Vergangenheit auftauchen, wobei endlich auch August Corbin (Clancy Brown) kurz wieder zum Zuge kommt, kann ihre Figur etwas an Substanz gewinnen.

In der Tatsache, dass Jenny in früheren Jahren lieber ins Gefängnis ging, als ihre Schwester Abbie zu gefährden, manifestiert sich eine ausgeprägte Charakterstärke. Zum anderen handelt es sich bei der erfahrenen Kämpferin um eine wichtige Verbündete, wenn es darum geht, das Umfeld mit anderen Argumenten als den verbalen zur Vernunft zu bringen.

Irving (Orlando Jones) erweist sich als wichtiger Kämpfer auf der Seite des Guten. © FOX
Irving (Orlando Jones) erweist sich als wichtiger Kämpfer auf der Seite des Guten. © FOX

Zugunsten der Unterhaltsamkeit

Jennys Talent wird gebraucht, als eine alte Laterne (die selbstverständlich mit niemand Geringerem als Benjamin Franklin im Zusammenhang steht) aus den Fängen von apokalypsefürchtigen Waffennarren befreit werden muss. In Anbetracht der Umstände - wie beispielsweise der Tatsache, dass das Leben einer Unschuldigen auf dem Spiel steht - erscheint es zwar etwas müßig, sich Gedanken über die ohnehin recht unwahrscheinliche Strafverfolgung eines Diebstahls zu machen. So hätte Jennys hervorragende Ortskenntnis zum Beispiel sicher eine Menge Zeit erspart. Doch über mangelnde Logik kann in Sleepy Hollow ohne Weiteres hinweggesehen werden, wenn sie die Interaktion der Protagonisten Abbie und Ichabod zur Folge hat. Schließlich sind es trotz der erstarkten Nebencharaktere nach wie vor die witnesses, die fast sämtliche Höhepunkte zur Handlung beisteuern.

Störfaktoren

An anderer Stelle fällt es schwerer, der Serie logische Ungereimtheiten zu vergeben. So angenehm unerwartet der Tod des Polizisten Devon Jones (Michael Roark) auch sein mag - hätte der Gesetzeshüter die merkwürdige Anweisung seines Kollegen Morales (Nicholas Gonzalez) nicht wenigstens mit einem kurzen Zögern quittieren können, bevor er anstandslos das geheiligte Salz beseitigt? Schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass sich Abbie und Ichabod am Ende der Episode entspannt ihren Neckereien widmen, obwohl Abbie doch eine tiefere Verbindung zu dem zuvor ausgeschalteten Morales innehatte. Selbst falls der Polizist sein Aufeinandertreffen mit Ancitif unbeschadet überstanden haben sollte, wäre zumindest ein Wort über den augenscheinlich verblichenen Jones im Sinne der innerseriellen Konsistenz wünschenswert gewesen.

Negativ fällt ebenfalls eine Überdosis an Wiederholungen ins Gewicht. Ständig werden Begebenheiten entweder durch die Charaktere selbst rekapituliert oder gar per Rückblende aufgewärmt. Das soll wohl sicherstellen, dass auch denjenigen Zuschauern nichts entgeht, die sich nebenbei noch etwas zu essen machen. Dies wirkt auf Dauer ermüdend. So schwer fällt es doch nun nicht, zu begreifen, dass Jenny einst vom gleichen Dämon besessen war, der nun so effektvoll Macey zusetzt.

Endlich Versöhnung

Ichabod spricht der Rezensentin aus der Seele, als er die Kabbeleien zwischen Abbie und Jenny kritisiert. So wirkt es wenig glaubhaft, wenn den Schwestern immer wieder zwanghaft gegenseitige Abneigung unterstellt wird. Kränkungen und Missverständnisse der Vergangenheit sollten die beiden mithilfe der neu gewonnenen Informationen und im Angesicht der übermächtigen Bedrohung längst überwunden haben.

Ichabod Crane (Tom Mison) glänzt auch in dieser Episode durch seinen Humor. © FOX
Ichabod Crane (Tom Mison) glänzt auch in dieser Episode durch seinen Humor. © FOX

Als in der Welt von Sleepy Hollow schließlich wieder einmal (fast!) alles gut und Macey gerettet ist, bietet sich die Gelegenheit für zwischenmenschliche Aufarbeitung. Obwohl sich die versöhnliche Umarmung der Schwestern gegen Ende dieser Episode etwas überfällig anfühlt, verfehlt sie es dank der soliden schauspielerischen Leistungen nicht, zu berühren.

Fazit

Die Episode The Vessel endet verhältnismäßig lahm mit der Entdeckung einer handschriftlichen Notiz. Weder die Tatsache, dass sie aus der Feder von George Washington stammt, noch, dass das vermerkte Datum sich auf einen Zeitpunkt nach dem Tod des Verfassers bezieht, wird der Rezensentin schlaflose Nächte bereiten.

Wie in vielen der Vorgängerepisoden krankt Sleepy Hollow zudem auch jetzt wieder an Vorhersehbarkeit. Ancitifs unheilvoller Satz „Is she strong enough to fight for her soul“ gegenüber Irving suggeriert etwas zu offenkundig, dass es dem Dämon gelingen wird, Besitz von Macey zu ergreifen.

Die anstehende Eskalation wirkt dann aber wiederum äußerst stimmig und ist packend inszeniert. Der Tod des Priesters (David Fonteno) ist ebenso verstörend und gruselig wie das entstellte Gesicht des jungen Mädchens.

Gleichzeitig ist der episodenübliche Endkampf gegen das Böse wieder allzu unkompliziert geraten. Was dem Drama manchmal an einem Gefühl der Dringlichkeit und Bedrohlichkeit fehlt, wird glücklicherweise an anderer Stelle durch den erquicklichen Humor kompensiert. So gehören Statements wie Ichabods „One sign of the impending Apocalypse is surely skinny jeans“ fraglos zu den Highlights der Episode.

Es bleibt zu hoffen, dass die Todesfälle aus „The Vessel“ nicht unthematisiert verhallen werden. Aber es bleiben ja noch zwei Episoden in dieser Staffel übrig, um fehlende Betroffenheit nachzureichen. Und wer weiß, vielleicht wohnt Washingtons vagem „18. 12. 1799“ ja doch sehr viel mehr dramaturgisches Potential inne, als man auf Anhieb vermuten würde...

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 14. Januar 2014
Episode
Staffel 1, Episode 11
(Sleepy Hollow 1x11)
Deutscher Titel der Episode
Washingtons Bibel
Titel der Episode im Original
The Vessel
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 13. Januar 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 19. November 2014
Regisseur
Romeo Tirone

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x11

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