Sleepy Hollow 1x03

Die Serie Sleepy Hollow kann sich mit For the Triumph of Evil... im Vergleich zur Vorgängerepisode deutlich steigern. Ichabod Crane (Tom Mison) und „Leftenant“ Abbie Mills (Nicole Beharie) müssen sich zwar auch hier wieder mit einem kurzlebigen „Monster der Woche“ herumschlagen. Es stellt die Hexe aus der vorangegangenen Episode aber spektakulär in den Schatten, was das Gruselpotential der Serie deutlich steigert.
Ein neues Abenteuer
Sandmann, lieber Sandmann... warum machst du, dass den Menschen die Augen so weiß werden? Ein angsteinflößender Dämon, der sehr gruselig und überzeugend in Szene gesetzt ist, bringt Menschen dazu, sich selbst das Leben zu nehmen. Die Monstergeschichte wird in Sleepy Hollow über den Umweg von Abbies Schwester Jenny (Lyndie Greenwood) mit unseren beiden Helden verbunden. So trachtet das Wesen, dessen schamanischer Name ungefähr so klingt wie „Rokoldrontries“, denjenigen nach dem Leben, die ihre Hilfe verwehrt haben. Auch Abbie hatte in grauer Vorzeit Schuld auf sich geladen, indem sie darüber gelogen hatte, dass sie und ihre Schwester im Wald tatsächlich einem Dämonen begegnet waren. Das hatte für Jenny damals gravierende Konsequenzen nach sich gezogen.
Jennys Psychiaterin Dr. Vega (Mary Kraft) und der Stadtbewohner Garrett Gillespie (Pete Burris) hatten sich ebenfalls vor der Wahrheit verschlossen und versagten dem verängstigten Mädchen die Hilfe. Entsprechend werden sie nun von dem rachsüchtigen Dämon in den Suizid getrieben. Abbie selbst soll sein nächstes Opfer werden.
Mr. Sandman, bring me a dream
Die Betitelung des Dämon als „Sandman“ wirkt zunächst wie ein allzu neuzeitlicher Dorn im Auge, der der traditionsbezogenen Mystik von Sleepy Hollow nicht gerecht wird. Dann stimmt es jedoch versöhnlich, dass das Monster Crane nicht unter diesem reichlich banalen Namen bekannt ist.
Interessant ist dabei auch die indianische Komponente, die dank des Gebrauchtwagenverkäufers Seamus Duncan (Michael Teh) in die Handlung kommt. Wegen Skorpionstichen entblößte, straffe Oberkörper. Nebelige und sehr atmosphärisch-surreale Traumbilder, die dazu noch geschickt mit Abbies Vergangenheit verknüpft werden. Und ein wirklich zauberhafter „Rockohldrondries“ - zwischen all diesen Elementen entspinnt sich ein äußerst unterhaltsames Abenteuer.

Dass das Monster nun ausgerechnet diejenigen verfolgt, die Jenny Unrecht getan haben (und nicht beispielsweise Umweltsünder wie unseren Schamanen), und, dass es Abbie am Ende auf recht unspektakuläre Weise gelingt, den Gegner auszuschalten, kann zwar bemängelt werden. Doch in Anbetracht des innovativ-verrückten Gesamteindrucks dieses Exkurses kann man über diese Kritikpunkte wohl hinwegsehen.
Gut und schlecht
Die Tatsache, dass Abbies verbal ausgesprochenes Zugeständnis, als Kind wahrhaftig den Dämon gesehen zu haben, so ein großes Gewicht zugestanden wird, wirkt zwar etwas fade. Schließlich hatte sie diese Vision im Grunde genommen bereits zuvor als real akzeptiert.
Doch erst jetzt stellt sich die Polizistin auch der Verantwortung gegenüber Jenny und besiegt schließlich die immerwährende Angst, die ihr August Corbin (Clancy Brown) in der vorangegangenen Episode Blood Moon (1x02) attestiert hatte. Gleichzeitig wird daran, dass Abbie erst im Angesicht einer Bedrohung Ichabods triumphiert, deutlich, dass sie sich der beachtlichen Loyalität, die er ihr entgegenbringt, für würdig erweist. Ohnehin werden jegliche säuerliche Gedanken nachhaltig in der Szene verscheucht, die sich an den Sieg über „Rotkohlkaries“ anschließt.
Zwei müde Zeugen
In ihrer aufgedrehten Erschöpfung machen beide Protagonisten eine äußerst sympathische Figur und die gute Chemie zwischen Mison und Beharie scheint nun ein neues Level erreicht zu haben. Im Anschluss an den Adrenalinrausch blicken die beiden unfreiwilligen witnesses ihrem potentiell siebenjährigen Auftrag mit einer erquicklichen Abgebrühtheit entgegen. Überhaupt geht auch in For the Triumph of Evil... das Konzept eines heiteren Ichabod auf, der die Handlung beispielsweise dank seiner Überforderung von Fernbedienungen mit seinem erfrischend antiquierten Humor veredelt.
Jenny
Jennys „Zelle“ in der psychiatrischen Anstalt ist nicht gerade mit einem Hochsicherheitstrakt zu vergleichen. Dementsprechend fällt Abbies Lobpreisung der Fluchtkünste ihrer Schwester wohl eher in die Kategorie der unfreiwilligen Komik. Dafür schlummert in dem Ausbruch dieser schwer einschätzbaren Figur jedoch jede Menge dramaturgisches Potential. Es bleibt zu hoffen, dass es bald weitere Schlagabtausche zwischen Jenny und Ichabod geben wird. Wollen wir für Mr. Crane hoffen, dass sich „Icky“ dabei nicht als sein Spitzname durchsetzen wird.

Muss das sein?
Bei der suizidalen Dr. Vega handelt es sich ganz ohne Zweifel um die gleiche Frau, die Abbie zuvor im Traum erschienen war. Man muss es schon ein Stück weit als mangelndes Vertrauen in die Geistesgegenwart der Zuschauer interpretieren, dass hier und auch an anderen Stellen Verbindungen noch einmal grafisch hervorgehoben werden. Darauf dürfte Sleepy Hollow künftig gerne verzichten.
Zudem ist die Integration der beiden Protagonisten in den Rest ihres Umfeldes noch immer nicht vollends gelungen. Deswegen fühlt sich die Szene, in der Abbies Exfreund Luke Morales (Nicholas Gonzalez) noch einmal vor die Kamera gezerrt wird, weil er Späße mit dem beschädigten Schild des kopflosen Reiters aus dem Serienpiloten treibt, wie ein beliebiger Fremdkörper an.
Fazit
Explodierende Sandaugen und auch ansonsten überzeugende Computereffekte sorgen dafür, dass in For the Triumph of Evil... endlich auch das Gruseln besser gelingt. Gleichzeitig wirkt der Ausflug in die Welt der indianischen Schamanen weit innovativer als das unspektakuläre Hexeneinmaleins aus der Vorgängerepisode.
Abbie hat sich nun ihrer Angst gestellt und es ist eine wahre Freude, ihr und Ichabod bei der Arbeit zuzusehen. Die Abwesenheit von Andy Brooks (John Cho) ist zwar etwas schade. Andererseits ist es schön, zu sehen, dass Sleepy Hollow gut auch ohne die Mentorengeister Katrina (Katia Winter) und August auskommen kann.
Es wäre sehr lobenswert, wenn die Zusammenarbeit von Crane mit der Polizei künftig etwas schlüssiger gerechtfertigt werden würde. Bislang wirkt es doch arg merkwürdig, dass der Exot mit dem antiken Sprachhabitus von Captain Frank Irving (Orlando Jones) so großmütig geduldet wird. Wird Ichabod für seinen Dienst bald wohl entlohnt? Ist er bereits jetzt eine Art freier Mitarbeiter? Wie kann Abbies Vorgesetzter es rechtfertigen, dass eine seiner Angestellten keinen Papierkram mehr abliefert? Auf der Grundlage von einem etwas plausibleren Grundgerüst könnte man die mystischen Unmöglichkeiten womöglich noch besser genießen...
Verfasser: Thordes Herbst am Donnerstag, 10. Oktober 2013(Sleepy Hollow 1x03)
Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x03
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