Sleepy Hollow 1x04

Die Serie Sleepy Hollow legt eine beachtliche Vielschichtigkeit an den Tag. Während die dritte Episode For the Triumph of Evil... noch von Grusel-Elementen dominiert war, zeigt The Lesser Key of Solomon die abenteuerliche Jagd nach einem magischen Artefakt. Dabei werden geschickt alttestamentarische Begebenheiten mit geschichtlichen Fakten verwoben. Das Resultat kann sich sehen lassen - mit großem Vergnügen sogar!
Zwischen Fakt und Fiktion
Wir schreiben das Jahr 1773, in dem in den späteren USA die berüchtigte „Boston Tea Party“ „zelebriert“ wurde. Doch wie sich herausstellt, ging es damals weniger um das Aufbäumen gegen die unverschämte Teebesteuerung. Vielmehr hatte unser Held Ichabod Crane (Tom Mison) selbst die Unruhen angezettelt, um den Briten währenddessen ein magisches Artefakt zu stibitzen. Doch während man sich mit diesen Informationen im Geschichtsunterricht wohl besser zurückhalten sollte, vermengen sich in Sleepy Hollow an anderer Stelle noch verlässlichere historische Informationen mit dem fantastischen Wirrwarr. Der red coat, der in der Rückblende solch ein furchteinflößendes Gezische von sich gibt, war einer der (größtenteils) hessischen Soldaten. Diese waren damals tatsächlich unter dem Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel an die Briten „vermietet“ worden, um für sie im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu kämpfen. Auf einmal klingt das besagte Gezische aus dem Mund des Schauspielers Lance Tafelski seltsam vertraut. Neben dem Deutsch, das im Episodenverlauf noch öfter in allen denkbaren Qualitätsstufen zu hören ist, gibt es aber noch eine ganze Reihe von anderen Dingen, an denen man sich erfreuen kann.
Der Charme des Crane
Zurück in der Stadt Sleepy Hollow fasst Ichabod für die Zuschauer noch einmal das tragische Schicksal seiner Frau Katrina (Katia Winter) zusammen. Es ist zwar schade, dass die ausschweifenden Rekapitulationen in der Serie immer wieder so viel Spielzeit verschlingen. Doch immerhin wird die Erinnerungsauffrischung an dieser Stelle auf sehr clevere Weise vollzogen und resultiert in einem der humorigen Highlights dieser Episode. So kommt eine Angestellte von North Star Systems, die es sonst wohl eher mit pragmatischerem Gerede der Autofahrer in ihrem Kundenkreis zu tun bekommt, in den Genuss von Cranes romantischen Ratschlägen.

Später besticht Crane im Zusammenspiel mit „Lefthanend“ Abbie Mills (Nicole Beharie) noch einmal besonders durch eine seiner bislang schelmischsten Anmerkungen: „Imagine the delinquency we could perpetrate if we really put our minds to it.“ Damit kommentiert der Exsoldat nicht zuletzt auch Abbies Fähigkeiten, Schlösser zu knacken. Während die Tatsache, dass die Polizistin dazu in der Lage ist, etwas zu gut in das Klischee einer Exkriminellen passt, kann Cranes wunderbarer Charme jegliches Stirnrunzeln vertreiben.
Die Hürde Deutsch
Abbie und Ichabod können sich nach einigen überzeugend gespielten, geschwisterlichen Auseinandersetzungen mit der „Freiheitskämpferin“ Jenny (Lyndie Greenwood) zu einem schlagkräftigen Team formieren. Auch Jenny war von August Corbin (Clancy Brown) behütet worden - allerdings mit einem weit mystischeren Fokus als ihre Schwester Abbie. Die Verstärkung der witnesses um Jenny kommt zur richtigen Zeit, weil die Guten es in dieser Episode von Sleepy Hollow gleich mit einer ganzen Reihe von diabolischen Hessen zu tun bekommen. Besonders der „deutsche“ Klavierlehrer, der von Carsten Norgaard porträtiert wird und den wir der Einfachheit halber Hans nennen wollen, bringt dabei ein neues Maß an Grausamkeit in die Handlung. Zeitweise leistet Norgaard dabei wirklich gute Arbeit und jagt einem mit Aussprüchen wie „lies require commitment“ oder „progress requires suffering to evolve“ Schauer über den Rücken. Leider verfliegt diese Wirkung, wenn er auf seine vermeintliche Muttersprache zurückgreifen muss. Selbst die Ankündigung, dass die Auferstehung des bedrohlichen Moloch bevorstehe, lädt so eher zum Schmunzeln ein. Dementsprechend scheint sein Charakter in diesem Zusammenhang nicht ohne Neid die Überlegenheit von Tom Mison auf diesem Gebiet anzuerkennen: „Your German is exceptional!“ In der Tat.
Warum genau Hans Ichabod so bereitwillig alle Informationen über sein Vorhaben, 72 Dämonen aus dem siebten Höllenkreis zu befreien, preisgibt, ist zwar nicht ganz klar. Vielleicht ist er ja einfach stolz auf den Plan. Aber immerhin wissen dank ihm auch die Zuschauer später, womit sie es bei den boshaften kleinen Dingern zu tun haben, die mit aller Kraft versuchen, durch eine Schleimschicht in unsere Dimension einzudringen.
Ein schmerzloser Sieg
„They left without a farewell“, kritisiert Ichabod die Schergen des Bösen nach einem weiteren Etappensieg. Das ist tatsächlich nicht nur unhöflich, sondern auch insofern bedauernswert, als dass die Dämonen aus der Hölle doch einen sehr vielversprechenden Eindruck gemacht hatten. Wie bereits in der Vorgängerepisode For the Triumph of Evil... (1x03) hätte man gerne beobachtet, wie sich die Protagonisten noch etwas länger - und gerne auch episodenübergreifend - mit den düsteren Kreaturen herumgeschlagen hätten.

Moloch
Immerhin hat die Bedrohung, dem sich das Team aus Abbie, Ichabod - und vielleicht auch Jenny - zukünftig stellen muss, nun einen Namen und auch fast so etwas wie ein Gesicht. Das monströse Wesen Moloch, das mit dem Feueropfer von Kindern in Verbindung gebracht wird, war nicht nur den beiden Schwestern Abbie und Jenny an dem verhängnisvollen Tag im Wald erschienen. Er ist auch dafür verantwortlich, dass Katrina in einer diffusen Zwischendimension gefangen ist...
Fazit
Nach wie vor will sich der Erzählstrang, in dem Ichabod und seine Mitstreiter auf solch erquickliche Weise ihr Unwesen treiben, nicht recht mit dem Paralleluniversum der anderen Cops verbinden lassen. Frank Irving (Orlando Jones) kann in dieser Episode aber immerhin beweisen, dass er nicht auf den Kopf gefallen ist, indem er routiniert und geistesscharf den Leichnam des toten Barkeepers begutachtet. Sein Kollege Luke Morales (Nicholas Gonzalez) hingegen ist und bleibt für die Geschichte weiterhin ungefähr so wohlbringend wie eine Tonstörung. Dabei wird er stringent und so auffällig als geschmacklos und unangenehm charakterisiert, dass es schon mit dem Moloch zugehen müsste, wenn er sich am Ende nicht doch überraschend als guter Kerl herausstellen wird.
Wenn man von einigen kleineren logischen Ungereimtheiten absieht, ist es in dieser Episode von Sleepy Hollow großartig gelungen, geschichtliche Fakten mit dem Fantastischen zu verbinden. Es macht einfach Spaß, sich dem einfallsreichen Irrsinn hinzugeben, den die Serie dabei - nie ganz ohne Augenzwinkern - versprüht.
Auch wenn das „Monster der Woche“-Schema noch immer nicht abgerissen ist, stellt sich auf keinen Fall Eintönigkeit ein. Die neue Dunkelheit, die in dieser Folge nicht zuletzt Hans zu verdanken ist, steht dem Format gut zu Gesicht und stellt erstaunlicherweise kein Hindernis für den Humor dar, der immer wieder die Handlung veredelt. Auch wenn nicht alle Charaktere zu fesseln vermögen, kann das Dreiergespann aus Nicole Beharie, Tom Mison und Lyndie Greenwood in dieser bislang besten Episode der Serie vollends überzeugen.
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 11. Oktober 2013(Sleepy Hollow 1x04)
Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x04
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