Sleepy Hollow 1x02

Nach der starken Auftaktepisode von Sleepy Hollow nimmt die Serie weiter Gestalt an. Zunächst entsteht der Eindruck, dass mehr oder weniger glückliche Zufälle in diesem Format eine recht große Rolle spielen. Auch wenn der Fall um das „Monster der Woche“ enttäuscht, kann die Episode Blood Moon dank des weiterhin überzeugenden Charakters Ichabod Crane (Tom Mison) und einer Reihe von humorigen Einschüben unterhalten.
Die Armee des Teufels
Bevor „Conquest, War, Famine and Death“, die vier Reiter der Apokalypse, der Welt ein Ende bereiten, werden sich Ichabod und die Polizistin Abbie Mills (Nicole Beharie) mit einer Vielzahl von anderen diabolischen Kreaturen herumschlagen müssen. Darauf wird Ichabod in einer Vision von seiner Hexenehefrau Katrina (Katia Winter) eingeschworen, die der sisterhood of the radient heart angehörte.
Eine Hexe ohne Krallen
In dieser Episode bekommen es die beiden Verfechter des Guten mit einer der Hexen aus dem dunklen Zirkel zu tun, die aber von Anfang an keine wirkliche Gefahr für unsere Helden darzustellen scheint. Sie lässt zwar einen Nachfahren ihrer Henker grausam in Flammen aufgehen, wozu äußerst passend Frank Sinatras „Witchcraft“ erklingt. Außerdem erschreckt sie ein Kind. Selbst ihre funkelnden Blutaugen machen einen gruseligen Eindruck. Doch da sich für Abbie und Ichabod ein glücklicher Zufall an den nächsten reiht - von dem intakten Tunnel bis hin zu den bedeutungsschweren Kisten voll Schwarzpulver - macht man sich zu keinem Zeitpunkt ernsthafte Sorgen um die beiden. Zudem erscheinen alle Komplikationen, die die Hexe mit sich bringt, recht vorhersehbar, was sich ebenfalls negativ auf die Spannungskurve auswirkt.

Auferstanden
Während die Hexe trotz ihrer überzeugenden Inszenierung kaum der Rede wert scheint und man den titelgebenden „Blutmond“ eigentlich hätte vernachlässigen können, kann zumindest der Excop Andy Brooks (John Cho) begeistern. Zwar jagen einem weder sein plötzlich auf Videoband festgehaltener „Selbstmord“ noch sein Herumgetaumel mit fehlplatziertem Kopf in der Leichenhalle Schauer über den Rücken. Dennoch ist man froh, dass seine Gestalt von den Toten wieder auferstanden ist und dabei einen erheblichen Teil zu dem serieninhärenten Humor beiträgt. Besonders sein „ausgeleierter“ Hals soll an dieser Stelle als hübsches Detail Erwähnung finden.
Ein geisterhafter Mentor
Auch Corbin (Clancy Brown) kommt wieder in die Handlung zurück, wobei er seine Rolle als Mentor für Abbie posthum in der Art von Dexters Vater Harry wieder aufnimmt. Während Sätze wie „Ever since you were little, you let your life be ruled by fear. You're so afraid of what you don't understand that it kept you from seeing who you really are.“ dabei einen etwas abgegriffenen Eindruck machen, ist es doch zu begrüßen, dass seine Figur wohl auch zukünftig die Handlung bereichern wird.
Frischfleisch
Neben den altbekannten Rückkehrern wird das Ensemble in Blood Moon noch um Abbies Exfreund Detective Luke Morales (Nicholas Gonzalez) und ihre Schwester Jenny (Lyndie Greenwood) ergänzt. Während man über Luke zu diesem Zeitpunkt noch nichts Genaueres sagen kann, macht Jennys Charakter doch einen recht vielversprechenden Eindruck. So könnte der durchtrainierte Neuzugang mit der Abneigung gegen Psychopharmaka sich noch als interessante Ergänzung für das Team der „Guten“ erweisen.
Die Herausforderungen der Neuzeit
Während es zwar einen etwas lächerlichen Eindruck macht, dass Ichabod - wohl zwecks seiner Klassifizierung als Fremdkörper in der Neuzeit - nach wie vor seine antiken Klamotten trägt, sorgt seine Figur auch in dieser zweiten Episode verlässlich für Erheiterung.

Immer, wenn die Serie Gefahr läuft, sich in Anbetracht der dunklen Bedrohungen etwas zu ernst zu nehmen, kann Ichabod durch Einlagen wie seine Entrüstung über die unverhältnismäßige Besteuerung von Donuts diesen Bann brechen. Als ungemein bequem erweist sich dabei allerdings die Tatsache, dass der Soldat über ein fotografisches Gedächtnis verfügt. Auf der anderen Seite ist Cranes ungelenker Umgang mit seiner Pistole, die er nach einem einzigen Schuss selbstverständlich für leer hält, wieder sehr gelungen in Szene gesetzt.
Fazit
Man sollte eine Fantasyserie wie Sleepy Hollow in Bezug auf ihren Realitätssinn vielleicht nicht allzu überkritisch betrachten. Dennoch wäre es schön, wenn zukünftig ein von den Toten wiederauferstandener Cop zumindest mit dem verwunderten Kopfschütteln einer älteren Dame gewürdigt werden könnte. Schließlich ist die Chance, dass eine gemeinhin bekannte Person wie ein Polizist in einem 144.000-Einwohner-Städtchen einem Bekannten über den Weg läuft, nicht gerade verschwindend gering.
Einige Begebenheiten von Blood Moon lassen sich im Vorfeld zu leicht erahnen. So stellte es nach Katrinas Hinweis („she is one of us“) keine Überraschung dar, dass es sich bei dem aktuellen Gegenspieler um eine Hexe handeln würde. Trotz dieser ersten, relativ harmlosen Gegnerin machen die verschiedenen Dämonen, die sich noch im Umfeld von Luzifer tummeln, Lust auf mehr.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Serie nicht auf ein „Monster der Woche“-Schema versteifen und es künftig auch etwas profiliertere und dadurch auch angsteinflößendere Antagonisten geben wird. Andy scheint sich zwar zu einem episodenübergreifenden Gehilfen des Bösen zu mausern, doch alleine kann er die Ehre für „seine Seite“ nicht aufrechterhalten.
Wenn man dazu bereit ist, über die Mäkel hinwegzusehen, kann man sich durch die Kombination aus dem erquicklichen, teils wirklich düsteren Humor und den fantasievollen Abenteuern dieser Serienneuheit durchaus verzücken lassen.
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 9. Oktober 2013(Sleepy Hollow 1x02)
Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x02
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