The Shannara Chronicles 1x01

Der Serienauftakt von MTVs Fantasyserie The Shannara Chronicles verwöhnt uns mit einer spielfilmlangen Doppelfolge, in der viele Fakten der fremdartigen Welt etabliert werden wollen, was natürlich bedeutet, dass viele Personen und Namen auf uns losgelassen werden. Dies wird nur deshalb wenig unübersichtlich, weil sich „Shannara“ trotz seines Endzeittwists auf äußerst vertrautem Terrain bewegt.

Wir steigen bei den Elfen ein, die wie in jedem von Tolkien inspirierten High-Fantasy-Werk die anmutigen, weisen und leicht arroganten Naturliebhaber sind. Leider ist man auch in ihrer Kultur nicht über Sexismus hinweggekommen und so wird Prinzessin Amberle (Poppy Drayton) seltsam beäugt, als sie am traditionellen Rennen zum Ellcries-Baum teilnimmt. Die sieben Gewinner des Rennens werden zum Hüter des Zauberbaums, der die Dämonen im Zaum hält, was in mehreren tausend Jahren allerdings zu einer Legende geworden ist, der kaum noch ein Spitzohr Glauben schenkt.
It has begun!
Der allererste Eindruck ist zwiespältig: Die Serie besitzt definitiv ein ansprechendes Produktionsdesign und hat einiges an Geld hinter sich, aber das Fantasysetting hat immer schon besser zu englischen Akzenten gepasst. Die Elfen-Hunks mit stark amerikanischer Einfärbung in der Stimme zu hören, mutet äußerst befremdlich an. Dazu kommt, dass die Garderobe aussieht, als wäre sie in einem H&M in der World of Warcraft erstanden worden. Nicht unbedingt schlecht wohlgemerkt, aber die modernen Schnitte der in Fantasyästhetik getränkten Gewänder fallen doch sehr auf. Ich weiß, wir befinden uns in einer Welt, die lange Zeit nach dem Untergang unserer Zivilisation spielt, aber es ist nicht so, als würde die Serie (bisher) mehr aus dem Konzept holen.

Als Amberle zu einer der Chosen wird und den Baum berührt, wird sie von einer Vision heimgesucht, die ihr das Ende der Welt zeigt und damit geht auch schon das Abenteuer los. War der Ellcries wirklich pikiert, weil mit der Tradition gebrochen wurde und eine Frau ihn angefasst hat? Vermutlich nicht, aber etwas veranlasst das Sterben des Baumes, was die verbannten Dämonen aus einem Krieg von vor vielen Jahren wieder in die Welt treten lässt. Angefangen mit dem Dagda Mor (Jed Brophy), einem Druiden (die längst ausgestorbenen Magier dieser Welt), welcher der dunklen Seite verfallen ist und nicht nur ein bisschen wie ein Ork aus Peter Jacksons „Lord of the Rings“ aussieht. Gleichzeitig erwacht aber auch einer der letzten guten Druiden aus einem magischen Kälteschlaf, aus welchem ihn der Ruf des Baums erweckt.
Allanon, der eher wie ein Paladin aus klassischen Fantasysettings auftritt, ist das mit Abstand Beste an den ersten 90 Minuten „Shannara“. Schauspieler Manu Bennett ist sich nicht zu schade, in einer leicht albernen MTV-Serie vollen Einsatz zu zeigen und holt alles aus der Rolle heraus, was herauszuholen ist. Er ist der weise Mentor für den Protagonisten, schwingt ein ausklappbares Schwert, kann zaubern und ist - weil Magie stets Tribute zollt - in dekorative Narben eingehüllt. Auch haben er und der „LotR“-Veteran John Rhys-Davies eine gute Chemie als wiedervereinte Kriegskameraden miteinander. Angesichts dessen bin ich auch bereit, darüber hinwegzusehen, dass Allanon die Serie auf abgedroschene Weise mit dem Spruch „It has begun!“ betritt.

Während die Elfenprinzessin sich aufgrund einer weiteren Vision, in welcher sie ihren Freund tötet, verdrückt und nach ihrer Tante sucht, holt sich Allanon den Halbelfen Wil (Austin Butler) als Abenteuergefährten ab. Der naive Junge hat Zaubersteine von seinem Vater geerbt, ist der letzte der angesehenen Shannara-Dynastie und dazu vorbestimmt, ein großes Schicksal zu erfüllen. Wäre sein Handlungsbogen noch etwas näher am Topos der klassischen „Hero's Journey“, müsste Joseph Campbell Tantiemen erhalten. Wil ist genau wie die Serie an sich: hübsch anzusehen, leicht zu mögen, weil ziemlich sympathisch, aber nicht der Cleverste.
Your destiny awaits
Sowohl Wil als auch Amberle machen auf ihrer Quest die Bekanntschaft mit der Diebin (hier Rover genannt) Eretria (Ivana Baquero), die Wil zunächst um seine Zaubersteine leichter macht und sich schließlich in der vielleicht besten Szene des Pilotzweiteilers mit der Prinzessin anlegt, die sich nicht so leicht etwas vormachen lässt. Ganz so eigenständig, wie sie erscheint, ist sie jedoch nicht. Sie gehört nach Tribe-Tradition ihrem Vater und hofft, dass das rare Diebesgut ihr den Verkauf an einem unliebsamen Ehemann erspart. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass die menschliche Diebin früher oder später mit den beiden Elfen eine Abenteurergruppe formt.

Wil nimmt den Ruf des Abenteuers erst an, als Allanon mit viel Pomp und Zauberei den Codex ausfindig macht - ein altes Zauberbuch, das die Helden und uns unter anderem darüber aufklärt, dass eine Pflanze mit einem einzigen Samen erblühen wird, sobald der heilige Baum stirbt. Dieser Samen kann dann zum neuen Siegel werden, muss allerdings von einem der auserwählten Elfen getragen werden. Das scheint auch der Dagda Mor zu wissen, denn er schickt einen seiner Dämonen, um die gesamte Sprintergruppe auszulöschen. Dabei wird Amberles Vision wahr, denn es handelt sich um einen Formwandler, der ihre Gestalt annimmt. Das hätte allerdings mehr Sinn ergeben, wenn jemand anderes die Vision gesehen hätte, denn angeblich will sie es ja selbst gewesen sein.
Der heroische Auftrag ist also klar: Amberle muss als einzige übrig gebliebene der Chosen wiedergefunden und beschützt werden und wird bald bei ihrer Tante gefunden. Diese bekommt noch einen reizenden Moment mit ihrer alten Flamme Allanon, ehe er in die magische Kryostasis musste, bevor ein weiterer Dämon erscheint und Tantchen übel auseinander nimmt. Wir enden schließlich bei einem Cliffhanger mit Wil, der sich schützend vor Amberle stellt, die vermutlich kampferprobter ist als der unbeholfene Halbelf mit den viel zu kleinen Ohren.
Fazit
„The Shannara Chronicles“ funktioniert deshalb so gut, weil es sich komplett und kompromisslos der Fantasyprämisse verschrieben hat, keinen Hehl aus seinen Inspirationsquellen macht und einen guten Mix dessen, was Fantasyfans kennen und erwarten, liefert. Das ist paradoxerweise aber auch die größte Schwäche, denn es wirkt doch alles etwas altbacken und sehr nach Formel entwickelt. Gut und Böse sind klar definiert, bis auf die Trolle, die hier eine Art Mutant zu sein scheinen, sind die Fantasyarchetypen äußerst klassisch vertreten und leider wurde bisher nicht viel aus der Verbindung zu unserer Welt gemacht.
Insgesamt ist der „Shannara“-Auftakt genau das, was man sich unter einer MTV-Fantasyserie wahrscheinlich vorstellen würde, nur besser, als man es vielleicht erwartet hätte. Viele hübsche Menschen in exzentrischen Gewändern, die direkt aus Lady Gagas Kleiderschrank sein könnten, die eine Menge Fantasygeplapper herunterrasseln müssen, was bei manchen besser und bei manchen schlechter funktioniert. Zweifellos sind sowohl die Menschen hinter und vor der Kamera zu einhundert Prozent bei der Sache und haben sich mit spürbarem Engagement der Verfilmung von Terry Brooks' Büchern verschrieben.
Befremdlich könnte für einige vermutlich die Musik ausfallen, die zwischen gezielt epischem Fantasysoundtrack und modernen Indie-Electro-Pop-Stücken von Künstlern wie Caribou, Muse, Beck oder Ruelle hin und her wechselt.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 6. Januar 2016The Shannara Chronicles 1x01 Trailer
(The Shannara Chronicles 1x01)
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