Shameless 9x14

© allpaper zur 9. Staffel von Shameless / (c) Showtime
Vor kurzem, am 10. März, ist die 9. Staffel von Shameless zu Ende gegangen. In dieser müssen wir uns von ein bzw. zwei Gallaghers verabschieden und auch ansonsten geht es bei der Dramedy gewohnt dramatisch her. Wie uns die Staffel gefallen hat, erfahrt ihr im Folgenden.
Was ist bloß aus Shamelss geworden?
Zuerst die schlechten, dann die guten Aspekte der Staffel: Bisher haben sich die Gallagher immer gegenseitig unterstützt, zueinander gehalten und manchmal auch das letzte Hemd für den Anderen gegeben. Doch nun scheint es so, als ob jeder nur noch sein eigenes Glück im Sinn hat und nichts Anderes mehr im Kopf hat. Und nicht nur das. Es geht sogar noch weiter. Sie stellen sich sogar gegeneinander. So wirft Lip (Jeremy Allen White) Fiona (Emmy Rossum) raus, obwohl er weiß, wie schlecht es ihr gerade geht und was sie gerade durchmacht. Ausgerechnet er sollte sich doch dem bewusst sein - (Alkoholprobleme, ...). Aber auch Debbie hat nur ihr eigenes Vergnügen im Sinn und schmeißt sich an Carls Freundin ran. Was denken die denn alle, wo das hinführen soll? Irgendwann ist der Schaden, den sie mit ihren Taten anrichten, irreparabel. Und über Frank brauchen wir gar nicht erst zu sprechen. Er schafft es, immer tiefer zu sinken und ist sich für nichts zu schade. Er dient schon lange für nichts mehr außer die absoluten Drecksarbeiten zu erledigen und einfach nur ein widerlicher, egozentrischer Alkoholiker zu sein, der stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und sich einen Dreck um das Leben und die Zukunft Anderer sorgt. So macht er seinen Sohn Carl unwissend und ungewollt zu einem zweifachen Vater. Doch manchmal blitzt dann wieder ein Teil seiner menschlichen/ väterlichen Seite hervor - worauf ich später noch eingehen werde - und man kann nicht anders als ihm zu verzeihen.
Manchmal erkenne ich meine geliebte Serie, Shameless, gar nicht mehr wieder. Immer wenn ich kurz davor bin die eigentlich als soziale Satire gedachte Serie abzubrechen, schimmert jedoch ein Stück von dem, was Shameless mal früher gewesen ist und ich gebe ihr nochmal eine Chance. Es ist (beinahe) eine Schande, was aus der mal so wunderbar großartigen Serie geworden ist. Im Grunde schaue ich mir diese nur noch aus Nostalgie nach der guten alten Zeit an. Und weil ich natürlich wissen möchte, wie es mit meinen Lieblingen um Fiona, Lip und Ian weitergeht. In vielerlei Hinsicht hätte ich dies jedoch besser nicht getan. Fiona befindet sich in einer absoluten Abwärtsspirale, Lip bekommt zurzeit sein Leben etwas auf die Reihe; wird aber ungeplant Vater; und Ian befindet sich unter anderem aufgrund seiner bipolaren Störung im Gefängnis.
Handlungsstränge sind total bedeutungslos.
Sie haben keinerlei Auswirkung auf die folgende Handlung und werden sobald sie irgendwie beendet sind, einfach links liegen gelassen. So hört man von den beteiligten Personen nur noch in Nebensätzen (um ein Beispiel zu nennen: Dr. Ingrid Jones (Katey Sagal) und das Geld, das ihr Ex-Mann Frank hinterlassen hat). Genauso wie Kevins und Veronicas Adoptivkind, das wieder zurück nach Guatemala gegangen ist. Wie ist seine Rückreise verlaufen? Zudem blitzen immer wieder mögliche größere Handlungsstränge auf, doch diese werden letzten Endes einfach nicht durchgezogen. So wird aus Kevs und Veronicas Wunsch ein Kind zu adoptieren nichts bzw. er wird nicht weiterverfolgt und Lips Adoption von Xan scheitert auch fatal, um hier nur ein paar Beispiele zu nennen.
Doch nicht nur, dass die Handlungsstränge bedeutungslos sind. Sie werden zudem auch immer lächerlicher. Mir ist zwar durchaus bewusst, dass Shameless eine Satire ist und da der Grat zwischen Ironie und Selbstironie ein sehr schmaler ist. Manchmal kann ich jedoch einfach nicht mehr erkenn, was von beidem in der Serie gerade dargestellt werden soll - ob mit Absicht oder ohne. Um auch hier wieder Beispiele zu nennen: Gay Jesus und der Hobo Loco Man. Dabei thematisiert die Serie zwar stets wichtige Themen (Religiosität, Homosexualität, Obdachlosigkeit, Armut, Alkoholismus, Kommerzialisierung, ...), tut das für meinen Geschmack etwas zu sehr überzogen, und das sogar für die hohen Standards von Shameless.
(Vorübergehender) Abschied von Ian
Nicht nur Fionas Mimin Emmy Rossum, auch Ians Darsteller Cameron Monaghan hatte geplant Shameless zu verlassen. Er wird jedoch in der 10. Staffel zur Serie zurückkehren, wie Digital Spy berichtet.
Während Fiona endgültig Reißaus nimmt, stattet Ian für voraussichtlich zwei Jahre einem Gefängnis Chicagos einen Besuch ab. Als er ins Gefängnis gehen muss und wir alle damit rechnen, dass wir ihn nie wiedersehen werden, bescheren uns die Macher einen absoluten Fan-Service, der unsere Fanherzen bis aufs Höchste schlagen lässt: Niemand anderes als Mickey, Ians große Liebe, sitzt seine Zeit im selben Gefängnis wie Ian ab.
Schön wäre es auch gewesen, zu sehen, wie die Gallaghers ihren Bruder, der seine Zeit im Gefängnis absitzt, besuchen. Gerade bei Lip, der Ian so nahesteht und bei dem zurzeit so viel los ist, hätte dieser Schritt Sinn ergeben. Aus zeittechnischen Gründen seitens Cameron Monaghans war dies aber nicht möglich, da er für Gotham die „Joker“-Szenen drehen musste.
Endgültiger Abschied von Fiona
Im Finale der 9. Staffel müssen wir uns von Fiona verabschieden. Lange Zeit konnten wir uns darauf vorbereiten und doch mussten wir feststellen, dass wir für diesen Moment nicht bereit waren und es wohl auch nie sein werden. Über die Staffel hinweg, als es mit Fiona immer mehr bergab ging, fragte ich mich immer wieder, wie es wohl mit ihr zu Ende gehen würde. Was für ein Ende würden die Showrunner der Seele der Serie bescheren? Je näher wir dem Ende der Staffel kamen, umso mehr bangte ich darum, dass sie es wagen würden Fiona ein miserables Ende zu bescheren, in dem sie an ihrem absoluten Tiefpunkt angekommen ist. Doch so kam es zum Glück nicht. Sie musste erst den „rock bottom" erreichen, wie es Lip ausgedrückt hat, um sich ihrer Situation bewusst zu werden. Auch wenn ich nicht ganz glücklich mit dieser Idee war, da Fionas Leben bisher eigentlich schon schwierig genug verlaufen ist, so konnte uns Fiona doch ein letztes Mal beweisen, dass sie eine der stärksten Frauen des heutigen Fernsehens ist. Auch nach all der Scheiße, die sie durchgemacht hat, steht sie immer wieder auf und kämpft. Sie ist das Inbild einer starken Frau und führt uns allen immer wieder vor, dass man nicht aufgeben soll, egal, wie schwer es auch sein mag.
Und können wir für einen kurzen Moment über Franks Abschied von Fiona sprechen? In dieser Szene, in der beide Schauspieler (wie fast immer) grandiose Arbeit leisten, schüttet Frank (soweit das möglich ist) sein Herz vor seiner ältesten Tochter aus und demonstriert ihr seine Dankbarkeit. Doch nicht nur hier wird bewusst, dass er auch eine väterliche Seite besitzt, die sich nur leider allzu oft unter einem Schleier des Alkohols verbirgt. Auch als Debbie Fiona aus dem Haus schmeißen möchte, verdeutlicht er seiner undankbaren Tochter, wie viel Fiona für die gesamte Familie getan hat. Sie war und ist das Familienoberhaupt der Gallaghers. Sie kümmert sich um ihre Kinder/ Geschwister. So verwundert es auch nicht weiter, dass sie ihre 100 Tausend Dollar mit ihren Geschwistern teilt und ihnen so das Leben eine Menge erleichtert.
Die Kehrtwende kam für meinen Geschmack zwar etwas abrupt und ihre Entscheidung Chicago zu verlassen genauso sehr. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mit diesem Abschied äußerst zufrieden bin. Fiona wäre nie in der Southside glücklich geworden. Sie hätte stets das Bedürfnis gehabt sich um ihre Familie zu kümmern und sich selber hinten an zu stellen. Das hätte sie nur weiter kaputt gemacht. Somit hat sie mit ihrem Weggang von Chicago genau das Richtige für sie selber getan.
Als herzerwärmendes Easter-Egg sehe ich die absichtliche Parallele zur Pilotepisode: Fiona trägt in ihrer Abschiedsszene dasselbe T-Shirt wie in der Pilotepisode. Die Macher geben uns dadurch zu verstehen, dass sie sich bei der Planung des Finales durchaus Gedanken gemacht haben. An dieser Stelle möchte ich außerdem noch erwähnen, dass mir das Finale der Staffel so gut gefallen hat, dass es für mich auch als Serienfinale funktioniert hätte. In gewisser Weise stellt es für mich auch ein Ende der Serie (so wie wir sie kennen) dar. Denn ohne Fiona wird die Serie nie mehr wieder so sein, wie sie einmal war.

Fazit
Shameless ist nicht mehr das, was es mal war und ist manchmal nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Das wird sich mit dem Weggang von Emmy Rossum nur noch verstärken. Zudem schwächeln die Handlungsstränge und sind teilweise sogar bedeutungslos. Die Stärken der Serie lagen aber schon immer in dem großartigen Schauspiel von Rossum und William H. Macy und den wundervoll inszenierten Charakteren. Und diese haben sich in der 9. Staffel weitestgehend nicht verändert.
Trotz all dieser Kritik weiß Shameless nach all den Jahren aber noch zu begeistern. Drama, Dramedy, Comedy, Satire. Schonungslos, rücksichtslos, schamlos. Sie nehmen keinen Blatt vor den Mund und uns wird ein ungefiltertes Leben einer Familie der Chicago Southside geboten. Außerdem weiß die Serie immer noch zu überraschen - sowohl mit kleinen Gags (Father D'Amicos sexuelle Erfahrungen) als auch im Großen (die Wiedervereinigung von Mickey und Ian).
Verfasser: Maike Karr am Sonntag, 24. März 2019Shameless 9x14 Trailer
(Shameless 9x14)
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