Shadow and Bone: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie Shadow and Bone (c) Netflix
In der Auftaktepisode A Searing Burst of Light der Grishaverse-Adaption Shadow and Bone von Netflix versuchen Kaz Brekker (Freddy Carter) und seine Crew, in der Stadt Ketterdam den Auftrag ihres Lebens an Land zu ziehen. Zur selben Zeit müssen die Soldaten Alina Starkov (Jessie Mei Li) und Malyen Oretsev (Archie Renaux) eine äußerst gefährliche Überquerung wagen, die für sie und ihre Gefährten den Tod bedeuten könnte.
Was passiert im Auftakt von Shadow and Bone?
Die erste Episode ist zweigeteilt. Zunächst erleben wir die Soldaten Alina und Malyen dabei, wie sich in ihrem Camp vor der „The Fold“ genannten Schattenwand auf den Weitermarsch vorbereiten. Allerdings drohen sie auseinandergezogen zu werden, als Malyen als Fährtenleser in eine Gruppe eingeteilt wird, die den Fold überqueren soll, was ein äußerst gefährliches Unterfangen ist, denn nicht selten kehren die Schiffe, welche die Überschreitung wagen, nicht mehr zurück und fallen den darin lauernden Kreaturen zum Opfer...
Alina will ihren Gefährten jedoch nicht alleine gehen lassen und lässt daraufhin heimlich einen Satz wichtige Karten in Flammen aufgehen. Als Kartografin, die die Umgebung hinter dem Fold aufzeichnen soll, macht sie sich dadurch für die Expedition unentbehrlich, für welche sie sich freiwillig anbietet. Zum Entsetzen ihrer Kameraden wird dafür allerdings auch gleich ihre gesamte Einheit mit auf die riskante Reise durch die Schattenwand geschickt. Deren Sorgen sollen sich auf der Überfahrt bestätigen, denn angelockt durch unglückliche Umstände wird das Schiff von krallenbewehrten Kreaturen namens Volcra angegriffen, welche den Großteil der Besatzung gnadenlos auseinanderpflücken. Dabei wird auch Malyen schwer verletzt - als es Alina ebenfalls an den Kragen geht, geschieht jedoch das Unerwartete: Mit einer grellen Lichtexplosion vernichtet sie die angreifenden Kreaturen und rettet zu ihrer eigenen Überraschung die übriggebliebene Crew vor dem sicheren Verderben.
Auf der anderen Seite des Fold auf der Insel Kerch als Bindeglied zwischen zwei Kontinenten liegt die umtriebige Stadt Ketterdam. Dort lernen wir den gewieften „Unternehmer“ Kaz Brekker und seine zuverlässigen Gangmitglieder Jesper (Kit Young) und Inej (Amita Suman) kennen. Letztere ist auch unter dem Spitznamen „Wraith“ bekannt, denn Informationsbeschaffung, subtile Machenschaften oder wenn nötig der eine oder andere Hinterhalt aus den Schatten der Stadt heraus sind ihr Spezialgebiet. Sie tritt mit einer abgefangenen Nachricht des wohlhabenden Händlers Dreesen (Sean Gilder) an Kaz heran, der einen einmalig lukrativen Auftrag bereithält. Dreesen sucht eine Crew für eine Spezialmission, für welche sie allerdings auch den Fold durchqueren müssen, und benötigt vorher zunächst eine Grisha (die Magiebegabten des Grishaverse) mit dem Talent der Heartrender, welche die Körper anderer Menschen auf vielfältige Art manipulieren können.
Allerdings ist der lokale Unternehmer/Gangsterboss Pekka Rollins (Dean Lennox Kelly), mit dem Kaz eine sehr bewegte Vergangenheit verbindet, soll den Auftrag eigentlich erhalten und ist mit geschärfter Klinge bereits unterwegs, um eine Heartrender-Grisha zu finden. Kaz schnappt ihm diese jedoch kurzerhand vor der Nase weg, um sich den Job seines Lebens zu sichern und kreuzt mit ihr im Schlepptau bei Dreesen auf, der sich so von ihm überzeugen lässt. Ein Gefangener Dreesens offenbart ihnen kurz darauf, dass es eine Person gibt, die mit den einmaligen Fähigkeiten den Weg durch den Fold möglich machen soll: Alina Starkov.
Eine gelungene Fusion: Die Bücher und die Adaption
Ich muss ganz ehrlich gestehen: Shadow and Bone sah für mich nach dem Trailer nach generischem Fantasy-Setting mit wahrscheinlich halbgarem Budget aus und meine Erwartungen waren dementsprechend nicht sonderlich hoch. Umso positiver war die Überraschung, nachdem der Abspann der Episode A Searing Burst of Light über den Bildschirm geflimmert war, denn das waren doch rund 50 Minuten exzellente Unterhaltung in einer Fantasywelt, in der man sich verlieren kann.
Das Grishaverse, welches seine mythologischen Wurzeln aus dem osteuropäischen beziehungsweise slawischen Raum bezieht, besteht aus der „Shadow and Bone Trilogy“, der „The Six of Crows Duology“, „The Nikolai Duology“ sowie einem Prequel und einer Sammlung von Kurzgeschichten. Als jemand, der bisher nur den ersten Band von „The Six of Crows“ gelesen hat, fand ich die Adaption besonders spannend, zumal mir nur der Part um Kaz Brekker und seine Gang vertraut ist. Eigentlich finde ich es oft angenehm, wenn sich Adaptionen recht nah an ihre Vorlage halten, doch der Ansatz der Netflix-Serie ist besonders spannend, denn, obwohl sich die Hauptcharaktere aus den beiden Bänden eigentlich nicht über den Weg laufen - zumal die Ereignisse der Bände zeitlich etwas versetzt voneinander geschehen -, scheint man hier beide Reihen miteinander zu fusionieren, wodurch letztendlich eine neue Geschichte entstehen wird. So funktioniert diese für Buchkenner und Neulinge gleichermaßen, denn auf diese Art kann man sich durch das Schauen oder lesen nicht das jeweils andere Medium verspoilern und mit beiden gleichermaßen einsteigen. Trotzdem wirken die Charaktere und die Welt für diejenigen, die schon einmal einen Fuß in das Grishaverse gesetzt haben, angenehm vertraut.
Natürlich setzt einem die Einführung in eine umfangreiche Fantasywelt mit Vorlage viele Namen, Begriffe und Orte vor, die speziell Neulingen den Start schwieriger gestalten. Dieser gelingt es aber sehr gut, die Merkmale der Welt samt ihrer Eigenheiten zu illustrieren und anzureißen, ohne den Zuschauer mit einer Flut an Infos und world building zu überfrachten, denn der Handlung lässt sich stets gut folgen.

Schauen wir nun einmal auf die äußeren Werte der Serie: Die Kulissen von Ketterdam und des äußeren Ravkas machen keineswegs einen billigen Eindruck und auch die Kostüme können überzeugen. Die CG-Effekte, bei denen vor allem die potentiell aufwändige Darstellung der Schattenwand Fold natürlich ein Sorgenkind hätte sein können, bis hin zu den kleineren Zaubereffekten der Grisha, reichen von ordentlich bis gut gelungen und helfen somit bei der Immersion, anstatt diese zu erschweren. Generell sieht man an diversen Details, dass an einigen Stellen mehr Aufwand betrieben wurde, als nötig gewesen wäre. So wird zum Beispiel die kurze Erzählung von Inej zu ihrer Beschattung mit Bildern unterstrichen, was bei enger geschneiderten Produktionen sonst nur als Dialog dargestellt worden wäre. Und das kommt dem gesamten Setting definitiv zugute.
Kommen wir zum Schauspiel und den Darstellern. Die Entscheidung, durch die Bank eher unbekannte Darsteller einzusetzen, birgt immer gewisse Risiken, aber auch Vorteile. Dieser mutige Schritt hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn beim Casting wurde exzellente Arbeit geleistet. Nicht nur passen die Darstellerinnen und Darsteller zumindest für mich zu den Vorstellungen der Vorlage, ihre Leistungen konnten darüber hinaus gleichermaßen überzeugen, was einer der vielen Faktoren ist, den man der Adaption auf den ersten Blick (oder Trailer) nicht zugetraut hätte. So wird es zu einer der großen Stärken, dass man auf frische Gesichter gesetzt hat, die dazu auch noch etwas auf dem Kasten haben.
Fazit
Meine Skepsis zu Beginn war groß, hier womöglich generische Fantasy mit schmalem Budget und No-Name-Darstellern vorgesetzt zu bekommen, was in der Flut an vergleichbaren Serien untergehen könnte. Doch, was Netflix mit seiner Umsetzung der Romane von Leigh Bardugo hier auf die Beine gestellt hat, gehört für mich zu den bisherigen Überraschungen des Jahres. Der Auftakt von Shadow and Bone ist atmosphärisch, spannend und macht Lust auf mehr. Die mutigen Schritte der gut inszenierten Produktion gehen voll auf, denn die eher unbekannten und jüngeren Darsteller liefern eine überzeugende Performance ab und das Wagnis, die Story verschiedener Bände zu etwas Neuem zu fusionieren, geht zumindest bisher wunderbar auf, was die Serie für Einsteiger und Buchkenner gleichermaßen schmackhaft macht. Nach der ersten Episode verspürte ich sofort das Bedürfnis weiterzuschauen, was für den Eindruck spricht, dass hier möglicherweise Hitpotential oder zumindest ein Geheimtipp schlummert, der eine klare Empfehlung wert ist.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Shadow and Bone“ auf Netflix:
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