Scandal 3x10

Über die letzten zwei Staffeln haben die Scandal-Macher die Hürde immer höher gelegt. Doch irgendwann geht es nicht mehr höher. Die Episode A Door Marked Exit fühlt sich wie dieser Punkt an. Einerseits weil einige Kehrtwenden bereits anfangen, langweilig zu werden, andererseits weil wir so eindringliche Szenen zwischen verschiedenen Figuren bekommen, dass man sich schwer vorstellen kann, wie man das noch übertreffen will. Was dann passieren muss, zeigt sich bereits in dieser Episode.
Der Zusammenbruch
Dass Sally (Kate Burton) ihren Ehemann umbringt und dann Cyrus (Jeff Perry) anruft, wirkte in der letzten Episode wie ein flacher Schockeffekt. In der Episode A Door Marked Exit wird das zwar nicht aufgehoben, aber mit so vielen eindringlichen Szene unterlegt, dass der Zweck anfängt, die Mittel zu heiligen.
Nach wie vor ist die Entwicklung um Sally keine ergreifende Tragödie. Dafür ist alles viel zu vorhersehbar. Es war von vornherein klar, dass der Anruf bei Cyrus sie unter die Kontrolle der Grant-Administration bringt, oder besser, unter die beiden Teufel, die unter Fitz ihr Unwesen treiben: Cyrus und Mellie (Bellamy Young). Sie kann nicht mehr gegen die beiden kandidieren, das sollte auch ihr unmittelbar einleuchten. Wieso sie ausgerechnet den ihr so verhassten Cyrus anruft, wird ebenfalls nicht deutlich. Sie hat ja auch ihren eigenen Krisenmanager, von dem wir immer noch nicht wissen, was er so kann. Doch als er entdeckt, dass seine Klientin ihren Mann ermordet hat, reagiert er nicht gerade wie jemand, dessen Moral intakt ist. Cyrus ist ganz sicher nicht der Einzige, der einen Mord vertuschen kann.
Der Schockeffekt aus der letzten Episode wird schon durch die Eingangsszene der Episode A Door Marked Exit aufgefangen. Wir sehen, wie Sally die letzten Momente im Leben ihres Ehemannes Revue passieren lässt und in typischer Scandal-Manier ohne Umschweife auf das große Lebensgeheimnis der beteiligten Personen zu sprechen kommt. An dieser Stelle der Geschichte geben die Serienmacher sich mit Nebensächlichkeiten nicht mehr ab, es geht nur noch um das große Ganze.
Sallys Szenen sind zwar intensiv, aber der wirklich interessant ist Cyrus. Er hat einiges auf sich geladen, seit wir ihn kennen. In dieser ganzen Zeit ist ihm die Sache einmal über den Kopf gewachsen, doch bei der Herzattacke hat lediglich sein Körper reagiert. Der Mord an Daniel beziehungsweise die Rolle, die er dabei spielt, ist der Punkt, an dem er zusammenbricht. Er hat seine Ehe und seine berufliche Zukunft für eine Intrige aufs Spiel gesetzt. Auch wenn der Grund, aus dem Sally sich ausgerechnet an ihn wendet, unklar bleibt, die Folgen dieses Anrufes sind es wert, darüber hinwegzusehen.
Zumindest jene Folgen, die wir in der Episode A Door Marked Exit sehen. Es ist ein Höhepunkt, wenn die ruchloseste Person im Politikkarussell zusammenbricht. Doch wie kann das noch übertroffen werden? James (Dan Bucatinsky) bekommt nun eine eigene Rolle im Weißen Haus, das wird sicher für einiges an Stress bei den Figuren und für Unterhaltung bei den Zuschauern sorgen. David (Joshua Malina) ist zum zweiten Mal an einer Verschwörung auf ganz hoher Ebene dran. Die Scandal-Macher werden uns keine Wiederholung des Defiance-Debakels präsentieren, aber ist eine alternative Version der Geschehnisse wirklich das Gelbe vom Ei?
Kräftemessen
Die zweite, großartige Szene der Episode A Door Marked Exit ist das Aufeinandertreffen von Fitz (Tony Goldwyn) und Rowan (Joe Morton). Der Präsident versucht den Bösen raushängen zu lassen, doch er muss schnell einsehen, dass Rowan ihm einiges voraus hat im Foltern und Zerstören eines Menschen - auch abseits der physischen Gewalt. Rowan bringt in einer grausamen Ansprache alles auf den Punkt, was sicher jeder - Figuren wie Zuschauer - so oder ansatzweise schon einmal über Fitz gedacht hat. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen das auf Fitz' Charakter haben wird.
Doch diese Szene ist auch schon der Höhepunkt der Story. Das Kräftemessen zwischen dem Präsidenten und dem Anführer der supergeheimen, tödlichen Agenteneinheit, die gleichzeitig über Olivia (Kerry Washington) eine Art Pseudo-Schwiegerverhältnis haben - darüber geht nicht mehr viel.
Das haben sich wohl auch die Scandal-Macher gedacht und die Karten einfach mal fröhlich neu gemischt. Fitz wendet Rowans eigene Worte über B-613 gegen ihn und ersetzt den Vater seiner Geliebten durch Jake (Scott Foley) an der Spitze der Organisation. Daran ist einiges ärgerlich.
Jake hat in letzter Zeit im Schatten der Gladiatoren gestanden, man wusste nicht so richtig, wo die Scandal-Autoren mit ihm eigentlich hin wollten. Doch wenn das alles bloß ein Ablenkungsmanöver war, um ihn an die Spitze von B-613 zu hieven, dann hätten sie auch seine charakterliche Entwicklung nicht so sehr aus den Augen verlieren sollen.
Seine plötzliche Beförderung ist auch fragwürdig, weil wir immer noch keinen Blick hinter die Kulissen bekommen haben. Die Serie Scandal ist angetreten, um uns die Machtzusammenhänge hinter den Kulissen zu zeigen, doch nun kann Fitz plötzlich eine Macht entdecken, die er zuvor nicht einmal ansatzweise gehabt hat. Im ersten Moment schien es schon fragwürdig, wieso er überhaupt die Macht hat, Rowan ins Pentagon zu entführen, und nun kann er ihn sogar auswechseln.
Doch das sind zwei Kritikpunkte, die die Scandal-Macher schnell wieder entkräften könnten, hoffentlich in der nächsten Episode. Auch David haben wir in der zweiten Staffel aus den Augen verloren, auch er stand im Schatten der Gladiatoren, nur um schließlich hervorzutreten als die entscheidende Person. Plötzlich hat alles Sinn ergeben. Man kann nur hoffen, dass sie ähnliches auch mit Jake und seiner plötzlichen Beförderung durch Fitz in der Tasche haben.
Eine weitere Storyline, die von Jakes neuem Engagement profitieren könnte, ist die seltsame Konstellation aus Quinn (Katie Lowes), Charlie (George Newbern) und Huck (Guillermo Diaz).
Gefährliche Mutter
Immer noch keine echte Spannung entwickelt dagegen die Geschichte um Olivias Mutter Maya (Khandi Alexander). Versuchen die Scandal-Autoren wirklich, Rowan zum tragischen Helden zu stilisieren, dessen Eiseskälte sich auf der Schuld gründet, die er durch die Lügen seiner Frau auf sich geladen hat? Soll Mutter Pope dadurch zum noch größeren Monster werden, als Rowan es je war?
Doch die Geschichte geht irgendwie (noch) nicht auf. Der einzige Grund, aus dem Rowan seine Frau mehr als zwanzig Jahre gefangen gehalten hat, anstatt sie einfach vor Gericht zu stellen, ist bisher folgender: Er wollte seine Tochter schützen. Doch angesichts der Dinge, die schon passiert sind, wäre es nicht einfacher gewesen, ihr einfach zu sagen, was Sache ist? Vielleicht nicht als sie ein Kind war, aber irgendwann in den letzten Monaten gab es doch zahlreiche Möglichkeiten, sich Olivia zu öffnen. Zu erfahren, dass die Mutter eine internationale Terroristin ist, ist wohl auch nicht desaströser für Olivias Psyche, als zu erkennen, dass der Vater die eigene Mutter seit zwanzig Jahren gefangen hält.
Vorbei ist das noch lange nicht, Maya ist wieder in den USA. Und was will sie dort? Wird sie - in einer weiteren Wende - schließlich doch wieder als Opfer ihres psychopathischen Mannes oder einer weiteren, supergeheimen Verschwörung entlarvt? Vermisst sie einfach ihre Tochter? Oder schwingt sie sich zur Gegenspielerin auf? Bis jetzt ist keine dieser Fragen ernsthaft interessant. Da muss noch einiges nachgelegt werden.
Fazit
Die Episode A Door Marked Exit treibt einige Geschichten mit eindringlichen Szenen auf die Spitze. Für den Moment ist das gut, doch für die Zukunft könnte das schwierig werden. Die Story um Fitz und Rowan zeigt, was passiert, wenn man die Hürde so hoch hängt, dass man sich selbst nicht mehr übertreffen kann: Eine grundlegende Veränderung muss her, um weiterzumachen. Doch diese Veränderungen fühlen sich oft etwas zu sehr aus dem Blauen heraus an. Und wie viele grundlegende Veränderungen verträgt die Story noch, bis sie zum ermüdenden Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel wird?
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 16. Dezember 2013Scandal 3x10 Trailer
(Scandal 3x10)
Schauspieler in der Episode Scandal 3x10
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