Scandal 3x09

Die Scandal-Macher sind seit der ersten Staffel besonders geübt in zwei Dingen: Uns zu manipulieren und im Bruchteil einer Sekunde, durch einen Blick, ein kleines Zeichen, einen ganzen Plot komplett umzukrempeln. Doch in der mittlerweile dritten Staffel haben sie ein Problem: Sie müssen immer noch einen oben drauf setzen, noch schockierender und überraschender sein als zuvor. Irgendwann in den letzten Episoden sind sie damit an ihre Grenzen geraten und das rächt sich in der Episode YOLO. Die Geschichte hat so oft das Gegenteil gemacht von dem, wie es eigentlich schien, dass man wenig überrascht, fast schon taub darauf reagiert als Olivia (Kerry Washington) feststellt, wer das wahre Monster in ihrer Familie ist. Auch die anderen Plots können nur schwer wirklich mitreißen.
Familiengeheimnisse
Es war ja wirklich absehbar, so ganz einfach würde die Geschichte mit der Mutter (Khandi Alexander) nicht werden. Sie ist nicht das Opfer ihres Mannes. Nach Olivias neuestem Geistesblitz ist sie eine Terroristin. Oder noch mehr? Selbst wenn sie vor über zwanzig Jahren eine Terroristin war, kann man sie wirklich nur schwer als das Monster bezeichnen, im Vergleich zu dem Mann, der eine mörderische Organisation leitet und Menschen zu Killern abrichtet.
Die markigen Sprüche zur Kehrtwende funktionieren nicht mehr so richtig, wenn eigentlich alle Monster sind. Das ging noch damals, in der ersten oder zweiten Staffel, als es um Wahlfälschung ging, als ein einzelner Mord noch Entsetzen auslösen konnte. Doch der Weg durch Scandal ist mittlerweile mit Leichen gepflastert, das kann man nicht zurücknehmen. Cyrus (Jeff Perry) hat sich schon langsam von dem Mord an der Wahlhelferin erholt. Glauben die Scandal-Macher wirklich, dass sie uns dahin manipulieren können, Rowan (Joe Morton) als gut wahrzunehmen? Das vorläufige Ende der Geschichte zwischen Olivia und ihrer Mutter kann einen also weitgehend kalt lassen. Aber leider ist auch der Weg dahin nicht viel besser.
Sie hat ihre totgeglaubte Mutter gefunden. Man müsste annehmen, dass sie zusammenbricht oder ähnliches. Gut, in dieser Hinsicht wird immer wieder thematisiert, dass Olivia einfach anders ist. Doch dann hockt sie stumm in der Ecke während ihr Team um ihre Mutter schwirrt. Schwäche darzustellen, ist nicht gerade Olivias Stärke. Doch gerade wenn es um Fitz (Tony Goldwyn) ging, haben wir schon deutlich bessere, glaubhaftere Zusammenbrüche gesehen. In der Episode YOLO geht sie direkt von ihrem Stuhl zurück in die alte Kontrollposition.
Einzelne schöne Szenen gibt diese Story dennoch her. Die Art, wie Maya sich das Leben ihrer Tochter vorgestellt hat und die Art, wie Olivia darauf reagiert, sind sehenswert. Auch Abby (Darby Stanchfield) darf endlich mal wieder zeigen, was sie draufhat. Sie war immer diejenige, die den Mund aufgemacht hat. Doch irgendwo zwischen Defiance und Remington ist eine solche Figur überflüssig geworden. Bis jetzt, bis zu dem Punkt, an dem Olivia eine emotionale Stütze braucht, jemanden, der ihr sagt, was zu tun ist, wenn man seine totgeglaubte Mutter nach zwanzig Jahren heimlich an einem Militärflugzeug verabschieden muss.
Musterehe auf Abwegen
Ebenfalls wenig mitreißend ist die Zersetzung der Ehe von Cyrus und James (Dan Bucatinsky). Es kommt nicht überraschend und noch dazu ist die Geschichte durchsetzt mit Seltsamkeiten. James hat ja Recht, wieso hat Cyrus keinen Callboy engagiert. Und wieso hat James mit Daniel (Jack Coleman) geschlafen nachdem er erkannte, dass Cyrus das ganze plant? Bis dahin schien er ja auch kein Interesse an ihm zu haben. Und wieso hat er sich nicht gedacht, dass Cyrus Beweise sammeln würde, wieso sonst hätte er die Sache aufsetzen sollen?
Das politische Tier hat also seine Ehe in Mitleidenschaft gezogen, das ist wenig überraschend. Enttäuschender ist die vorhersehbare Art, in der er es getan hat.
Dann versucht er Sally (Kate Burton) mit den Bildern zu erpressen, scheitert und möchte am liebsten wieder ins eheliche Bett kriechen nachdem ja auch Fitz nicht gerade nett zu ihm war? Wie bei Olivia haben wir auch von Cyrus bereits bessere schwache Momente gesehen.
Nicht viel besser läuft es für die seltsame Paarung aus Quinn (Katie Lowes) und Charlie (George Newbern). Auf wessen Seite Quinn nun eigentlich steht, wenn man sie nicht foltern würde, weiß man nicht mehr. Und spielt das auch noch eine Rolle, nun nachdem Olivias Mutter als die eigentlich Böse ausgemacht ist? Das Rätsel um Remington könnte sich nun ganz schnell als heiße Luft herausstellen, wenn es sich bewahrheitet, dass Rowan nur versucht hat, seine Tochter vor der mörderischen Wahrheit über ihre Mutter zu schützen. Vieles, was die Episode YOLO gebracht hat, ist enttäuschend. Hoffentlich haben die Scandal-Macher einen größeren Plan. Einst waren sie doch so gut, uns zu manipulieren. Doch sie müssen sich immer noch einmal selbst toppen, damit es spannend bleibt.
In dieser Scandal-Episode haben sie sich dafür entschieden, einfach möglichst grausam vorzugehen, Folter, Gewalt, Blut, herausgerissene Zähne. Und das alles zwischen zwei Figuren, deren Freundschaft wir von der ersten Sekunde an begleiten durften. Das ist zwar einerseits schockierend, aber andererseits auch recht flach. Anstelle roher physischer Gewalt sind wir von der Serie subtilere Grausamkeiten gewöhnt.
Fazit
Die ganze Episode YOLO schießt über das Ziel hinaus, aber das Ende gibt der Sache den Rest: Sally ermordet ihren Ehemann und wendet sich an Cyrus, der kurz vorher noch versucht hat, sie zu erpressen. Es gab eine Zeit, da konnte man sich sicher sein, dass die Scandal-Macher einen cleveren, großen Plan verfolgen, den wir nur scheibchenweise erfahren werden. Im Moment fühlt es sich so an als wenn sie sich nur noch von einem mehr oder wenigen flachen Schockeffekt zum nächsten hangeln.
Trailer zu „Scandal“ (5x10)
Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 7. Dezember 2013Scandal 3x09 Trailer
(Scandal 3x09)
Schauspieler in der Episode Scandal 3x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?