Revenge 2x01

Revenge 2x01

Ein Mann kann gar nicht so gemein denken, wie eine Frau handeln. Revenge beweist den Wahrheitsgehalt dieses Sprichworts und bietet vor allem Frau eine interessante und zutiefst befriedigende Variante des Fremdrächens auf hohem Niveau.

Emily trifft in der Auftaktepisode auf ihren Ersatz bei Daniel. / (c) ABC
Emily trifft in der Auftaktepisode auf ihren Ersatz bei Daniel. / (c) ABC

Frei nach dem Motto „never change a winning opening“ beginnt auch die zweite Staffel des ABC-Dramas Revenge mit einem Zukunftshappen, der einem auf den Magen schlägt wie ein mit Arsen gewürztes Hamptons-Dinner. Am Grund des Ozeans entdeckt eine Tauchermannschaft ein Schiffswrack, einen Kompass und eine nicht zu identifizierende, männliche Leiche. Der Name des Schiffes - Amanda!

Der Hauch einer Panikattacke überkommt den eingefleischten Fan von Emily aka Amanda/Jack. Doch begann nicht schon die erste Staffel mit einem Hauptdarsteller, der seinen eigenen Tod überlebt hat?

Apropos Tod! Drei Monate zurück in der Vergangenheit kämpft Emily (Emily VanCamp) gerade gegen eben diesen an. Gefesselt an einen in der Brandung steckenden Pfahl und unter den wachsamen Augen ihres Lehrmeisters, Satoshi Takeda (Cary-Hiroyuki Tagawa). Ein Kampf, der ihr zwar einige Kindheitserinnerungen zurückbringt, den sie aber verloren hätte, wäre ihr nicht ein gewisser Aidan (Barry Sloane) zu Hilfe geeilt.

Aufmarsch der Kontrahenten!

Dieser„Mitschüler“ - von dem frau gerne mehr sehen würde - fängt sich als Dank erst mal Eine ein, und mit einer Wehe-dem-der-mit-dem-Verschwinden-meiner-Mutter-zu-tun-hat-Drohung verlässt Emily wutschnaubend Schlachtfeld Nummer 1.

Schlachtfeld Nummer 2 ist eine Entziehungsklinik, in der eine überraschend devote Charlotte (Christa B. Allen) versucht, ihren nach frischem Geld gierenden Vater und den nach Wolf im Schafspelz riechenden Dr. Thomas (Todd Grinnell) davon zu überzeugen, der Gedenkfeier für ihre verstorbene Mutter beiwohnen zu dürfen.

Jack (Nick Wechsler) hingegen hat sein Hilfe-ich-werde-Vater-Schlachtfeld Nummer 3 mit reichlich Alkohol in die Kajüte der Amanda verlegt, was die („von-wem-auch-immer“) werdende Mutter schrecklich verunsichert und Brüderchen Declan (Connor Paolo) plötzlich mit der Verantwortung eines Erwachsenen konfrontiert.

Bevor wir uns Schlachtfeld Nummer 4 zuwenden, einer Klinik, in der Emily auf eine erschütternde Verbindung zwischen Victoria Grayson (Madeleine Stowe) und dem Verschwinden ihrer Mutter stößt, rekrutiert sie im mehr oder weniger Vorbeilaufen noch kurz Nolan (Gabriel Mann), der in einem Boxclub gegen eine mögliche Wiederholung seiner Entführung antrainiert und aus Angst vor bösem Juju seine Hamptons-Villa verkaufen will.

Schlachtfeld Nummer 5, die Grayson Villa, wird von einer - man siehe und staune - mit Assistentin versorgten Ashley (Ashley Madekwe) organisiert, deren fulminanter Aufstieg auch vor Daniels (Josh Bowman) Schlafzimmer keinen Halt gemacht hat. Ihre vorsichtige Anfrage, ob Conrad (Henry Czerny) ein paar Worte über seine verstorbene Frau verlieren möchte, wird mit dem besten Zitat der Folge beantwortet: „Ich möchte nicht schlecht über die Toten sprechen!

Damit stünden wohl alle Parteien bereit zum Angriff. So möge die Schlacht beginnen!

Ausgangspunkt ist diesmal Charlotte, die zwar eine fast ergreifende Laudatio über ihre Mutter halten darf, direkt im Anschluss aber wegen eines angeblich positiven Drogentests gleich wieder in Entziehungshaft wandern soll. Jedoch gelingt es ihr zuvor noch, Emily (Emily VanCamp) etwas ins Ohr zu flüstern. Wir staunen nicht schlecht, als dieser kurze Zeit darauf, in einer verlassen anmutenden Holzhütte, von keiner geringeren als Victoria Grayson (Madeleine Stowe) die Tür geöffnet wird.

Totgeglaubte leben eben doch länger! Vor allem, wenn sie bis zur Anklageerhebung gegen ihren korrupten Ehemann in einem Zeugenschutzprogramm untergebracht sind. Victorias Vermutung, Conrad (Henry Czerny) versuche über eine Vormundschaft an Charlottes Vermögen zu kommen, erweist sich als ebenso wahr wie Victorias persönliche Verwicklung in Emilys Familienangelegenheiten. Denn nachdem es Emily Emily VanCamp endlich gelingt, den verantwortungsbewussten Jack (Nick Wechsler) trotz Amandas (Margarita Levieva) unverhohlener Drohung zu einem Vaterschaftstest zu überreden, werden sie und Nolan (Gabriel Mann) dank einer versteckten Kamera Zeuge eines alt bekannten Besuchers bei Victoria.

Wie schon zuvor fällt es dem weißhaarigen Mann (James Morrison) zu, Victoria von ihrer Belastung zu befreien - eine Drohung, die Emily mit einem lässigen „soll er nur kommen“ abschüttelt.

Fazit

Das Schicksal kennt zwei Möglichkeiten uns zu zermalmen. Indem es sich unseren Wünschen versagt, oder sie erfüllt.“ - Henri Frederic Amiel

Zum Start der zweiten Staffel kommt Revenge beiden Varianten nach.

Natürlich war uns irgendwie klar, dass Victorias Abgang ein Fake war. Wer verzichtet schon freiwillig auf einen so wunderbar bösartigen und vielschichtigen Charakter? Da kann man auch darüber hinwegsehen, dass eine geschützte Zeugin wohl kaum ein Handy besitzt, über das sie ganz offen mit ihrer eingewiesenen Tochter telefonieren kann.

Conrads über Leichen gehende Geld- und Machtgier ist ebenso erschreckend wie erfrischend ehrlich, was ihn zum einzig berechenbaren Gegenspieler der ganzen Serie macht.

Charlotte mutiert langsam, aber sicher zur Caroline Forbes von Revenge, obwohl man nicht ganz so bereit ist, mit ihr mitzuleiden wie mit Jack. Dem so herzzerreißend unglücklich verliebten Saubermann, der es trotz aller Zweifel nur mühsam über sich bringt, der aus dem Nichts wieder aufgetauchten, schwangeren Amanda (Margarita Levieva) die entscheidende und von allen ersehnte Frage nach der Vaterschaft zu stellen. Stattdessen ertränkt er seinen Liebeskummer, genau wie Daniel, lieber im Whiskey.

Dass Ashley sich als falsche Schlange entpuppt, war ebenso absehbar wie Nolans Rückkehr. Doch während dieser nach wie vor die beste Vorstellung abliefert, reichen Schönheit und ein britischer Akzent eben nicht aus, um in den Hamptons zu bestehen.

Was uns zu Emily bringt und ihrem ursprünglichen Ziel, den Mördern ihres Vaters den Garaus zu machen. Eine Vendetta, die durch die Suche nach ihrer Mutter irgendwie in den Hintergrund gedrängt wird und unsere ursprünglich so zielstrebige Heldin wanken lässt.

Ach ja, da war ja noch dieser Satz ihres Retters, Aidan: „Ich werde nicht zulassen, dass sie denselben Fehler macht wie ich!

Wir dürfen gespannt sein, um welchen Fehler es sich hier handelt.

Verfasser: Tanja Paidar am Dienstag, 15. Januar 2013
Episode
Staffel 2, Episode 1
(Revenge 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Schicksal
Titel der Episode im Original
Destiny
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 30. September 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 23. Juli 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 1. Juli 2013
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 12. August 2013
Autoren
Mike Kelley, Mark B. Perry
Regisseur
Kenneth Fink

Schauspieler in der Episode Revenge 2x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?