Red Widow 1x01

Red Widow 1x01

Das neue Mafiadrama Red Widow mit Radha Mitchell in der weiblichen Hauptrolle verfügt über eine potentiell vielversprechende Prämisse. Eine Hausfrau wird darin in das Gangstergeschäft gedrängt. Doch bislang ist die Serie zu glatt, um faszinieren zu können.

Marta Walraven (Radha Mitchell) ist die Tochter des Gangsterbosses Andrei Petrov (l., Rade Serbedzija). / (c) ABC / Foto: Sergei Bachlakov
Marta Walraven (Radha Mitchell) ist die Tochter des Gangsterbosses Andrei Petrov (l., Rade Serbedzija). / (c) ABC / Foto: Sergei Bachlakov

Die Dramaserie Red Widow, die auf dem dänischen Format „Penoza“ basiert, konfrontiert eine Hausfrau mit der wohl schwersten Herausforderung ihres Lebens.

Marta Walraven (Radha Mitchell) stammt aus der russischen Gangsterfamilie Petrov, an deren Spitze ihr Vater Andrei (Rade Serbedzija) steht. Während sie selbst die kriminelle Wahrheit verdrängt, ist Martas Ehemann Evan (Anson Mount) mit der Zeit in das kriminelle Familiengeschäft hineingewachsen. Er arbeitet eng mit Martas Bruder Irwin Petrov (Wil Traval) und dem Familienfreund Mike Tomlin (Lee Tergesen) zusammen. Als ein paar Schüsse Martas unbeschwertes Leben aus den Angeln heben, muss sie sich ihrer Verantwortung stellen.

Martas Welt

In zwei parallelen Erzählsträngen führt der Regisseur Mark Pellington in die Grundhandlung von „Red Widow“ ein. Vor der Kulisse San Franciscos inszeniert er auf der einen Seite die Gangstergeschichten - auf der anderen wird die Hochzeit von Martas jüngerer Schwester Katrina „Kat“ Petrova (Jaime Ray Newman) vorbereitet.

Von Anfang an wird der toxische Einfluss deutlich, den das kriminelle Handwerk auf die Familie Walraven ausübt. Martas kleinster Sohn Boris (Jakob Salvati) nimmt heimlich die Pistole seines Vaters mit in die Schule, um sich dort gegen einen tyrannischen Mitschüler zur Wehr zu setzen. Die Konsequenzen dieser Tat für die verantwortlichen Eltern halten sich zwar in Grenzen. Dennoch stellt der Zwischenfall für die besorgte Mutter von dreien eine entscheidende Warnung dar. Sie will so schnell wie möglich aus dem Familiengeschäft aussteigen - selbst wenn dies bedeuten würde, alle Freunde und den Rest ihrer Verwandtschaft nie wieder zu sehen. Sie droht Evan gar damit, ihn zu verlassen, wenn er sich nicht aus dem schmutzigen Business zurückziehen sollte.

Familiengeschäfte

Auch in der besagten Geschäftswelt wird Evan mit Problemen konfrontiert. Martas Bruder Irwin hat den berüchtigten Gangster Nicholae Schiller (Goran Visnjic) beraubt und um Koks im Straßenwert von 1,5 Millionen Dollar erleichtert. Die dreiste Aktion lungert unheilschwanger über dem familiären Glück der Walravens, weil Schiller nicht gerade für seine Nachsicht bekannt ist. Dementsprechend wütend ist Evan, als er von dem Diebstahl erfährt und nur sehr widerwillig dem Verkauf der heißen Ware an einen japanischen Käufer zustimmt. Als Irwin kurze Zeit später vom FBI wegen Waffenbesitzes verhaftet wird, vermutet der instabile Geschäftspartner Mike einen Verrat durch Evan und droht ihm auf Kats Hochzeit offen mit dem Tod.

Am nächsten Tag fallen Schüsse und Evan geht blutüberströmt an seinen Verletzungen zugrunde.

Der allerletzte Tanz von Marta und Evan. © ABC / Foto: Sergei Bachlakov
Der allerletzte Tanz von Marta und Evan. © ABC / Foto: Sergei Bachlakov

Als Martas beste Freundin Dina (Suleka Mathew) - die Frau von Mike - der Witwe ihre Unterstürzung zusichern will, kommt bei der sonst eher mütterlich erscheinenden Frau Marta eine ausgeprägte Härte zum Vorschein. Sie verdächtigt Mike, seine Drohung in die Tat umgesetzt zu haben und schickt ihre beste Freundin ohne zu zögern davon.

Der inhaftierte Irwin kennt bei einem Besuch seiner Schwester keine Skrupel und beschuldigt den Toten, den Raub von Schillers Drogen initiiert zu haben. Dadurch beschert er Marta Schuldgefühle, Evan durch ihr Ultimatum ins Verderben getrieben zu haben. Irwins Gier und sein höchst geschmackloser Opportunismus machen ihn in der Pilotepisode von Red Widow zu dem unsympathischsten Charakter - kein gutes Zeichen für den Oberbösewicht Schiller. Der innere Konflikt, mit dem er in Zukunft umgehen muss, birgt gleichzeitig ein hohes Potential. Schließlich offenbart sich in dem Zwiegespräch hinter Gittern, dass ihm das Wohle seiner Schwester ernsthaft am Herzen liegt. Trotzdem drängt Irwin Marta dazu, die Leitung der Geschäfte zu übernehmen.

Unfreiwillige Verwandlung

Wie sich herausstellt, hatte sich Evan insgeheim für die Sicherheit der gemeinsamen Kinder entschieden und die Übergabe von kompromittierenden Informationen an den sehr gut informierten FBI-Agenten James Ramos (Clifton Collins Jr.) vorbereitet. Als Martas ältester Sohn Gabriel (Sterling Beaumon) davon erfährt, ist er tief von dem Verrat enttäuscht. Im Gegensatz zu ihrem Mann ist Marta jedoch nicht dazu bereit, sich durch den Verrat ihrer Verwandten einen Platz für sie und die Kinder im Zeugenschutzprogramm zu erkaufen. Stattdessen stimmt die Witwe dem Vorschlag des geschäftsmännisch auftretenden Gangsters Schiller zu - nicht zuletzt, um den inhaftierten Irwin vor dessen Wut zu schützen. Marta soll also eine weitere Drogenlieferung ermöglichen - dann wird Schiller sie in Ruhe lassen. Sagt er.

Fazit

Eigentlich ist es schade, dass Evan verblichen ist. Die Chemie zwischen den Eheleuten Walraven war stimmig und schön mit anzusehen. Doch schließlich ist der „Witwenfaktor“ dieser Serie von Melissa Rosenberg (Dexter, die Drehbücher zu den „Twilight“-Filmen) unerlässlich. Nicht nur Martas weiblich geprägte Geschäftsstrategie birgt dramaturgisches Potential in sich, sondern auch die Personenkonstellation in ihrem undurchsichtigen Umfeld.

Wenn man dazu bereit ist, hinzunehmen, dass ausgerechnet Marta - und nicht etwa die bereits eingearbeiteten Kollegen ihres Mannes - die Geschäfte übernimmt, kann man der Serie durchaus eine Chance geben. Bedauerlicherweise wirkt der Big-Boss Schiller nicht wie ein authentischer Mafioso. Außerdem kann die Serie Red Widow den Vibe eines rauen, russischen Gangsterumfelds bislang nicht transportieren.

Auf der nächsten Seite werden die Entwicklungen der zweiten Episode mit einbezogen.

Goran Visnjic verkörpert den Oberbösewicht Nicholae Schiller. © ABC / Foto: Sergei Bachlakov
Goran Visnjic verkörpert den Oberbösewicht Nicholae Schiller. © ABC / Foto: Sergei Bachlakov

Episode Zwei: The Contact

Die Handlung der zweiten Folge von „Red Widow“ setzt zwei Wochen nach dem Ende der Auftaktepisode wieder ein. Wer für Evans Tod verantwortlich ist, bleibt ungewiss. Dafür manifestieren sich die Hintergründe des Geschäftszweigs, dem sich Marta nun annimmt.

Charakterzeichnung

Die Charakterzeichnung von Martas drei grundverschiedenen Kindern schreitet auf recht vorhersehbare Weise voran und die Rollen sind klar verteilt: Der kleine Boris ist traumatisiert, Tochter Natalie (Erin Moriarty) beginnt, die Wahrheit über den Familienbetrieb zu erahnen und der eifrige Gabriel würde das Geschäft am liebsten übernehmen.

Marta verkörpert zunächst eine „grieving widow, trying to fix her dead husband's mistakes“. Ihre Wandlung von der gänzlich unwissenden soccer mom, die Sätze wie „I can't believe Evan had a whole other life“ von sich gibt, zur eiskalten Mafialady hat aber begonnen. Sie bedient sich erstmals körperlicher Gewalt, lässt aber auch weiblichen Charme und Ehrlichkeit spielen, um eine neue Kontaktperson im Hafen für sich und ihre Geschäfte zu gewinnen. Dass ihre Bemühungen nicht von Beginn an Früchte tragen, war absehbar, wird aber durch Radha Mitchell auf charismatisch-unsichere Weise umgesetzt. Indem sie sich einem Hafenarbeiter erleichtert an den Hals wirft, nachdem er sich zur Zusammenarbeit bereit erklärt, offenbart ihr Charakter eine tiefe Einsamkeit und Überforderung.

Der Charakter des FBI-Agenten Ramos gehört bislang zu den interessantesten Figuren. Dieser schlägt sich nicht nur mit einer drogensüchtigen Freundin herum, sondern legt im Allgemeinen ein Helfersyndrom für strauchelnde Menschen an den Tag.

Das Geschäft

Der Vertrieb von Marihuana, mit dem Evan sein Geld verdient hatte, wird anschaulich und unterhaltsam in Szene gesetzt. Doch die Serie bleibt noch immer zu glatt, um die Zuschauer tiefer in ihren Bann zu ziehen. Außerdem trüben einige Lieblosigkeiten den Sehspaß. Beispiele dafür wären ein sich nicht bewegender Fahrstuhl oder ein Mann, der von seinem Burrito-Kaufvorhaben ablässt, sobald er angesprochen wird. Der russische Dialekt von Martas Vater Andrei reicht außerdem nicht aus, um dem Dargebotenen ausreichend dreckigen Gangstercharme einzuimpfen. Dazu wirkt die Red Widow-Welt zu grenzenlos amerikanisch (es ist eben normal, für eine einzige urinbesudelte Kinderhose die Waschmaschine anzuschmeißen).

Fazit

Viel hängt nun davon ab, inwiefern die Serie es rechtfertigen wird, dass die Hausfrau ihrem Geschäft auch nach dem einen Coup, den sie Schiller schuldig ist, treu bleibt.

Your children give you the motivation. Your husband's business gives you the resources. Your Petrov-DNA gives you the instincts.“ Es bleibt abzuwarten, inwiefern Marta durch die Fernsehzuschauer auch mit dem benötigten Wohlwollen ausgestattet wird, um ihre Unternehmung zu einem langfristigen Erfolg machen zu können.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 6. März 2013
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Red Widow 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Raub
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 3. März 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 31. Dezember 2020
Autoren
Kenneth Kimmins, Jace Jeanes
Regisseur
Mark Pellington

Schauspieler in der Episode Red Widow 1x01

Darsteller
Rolle
Sterling Beaumon
Clifton Collins Jr.
Luke Goss
Erin Moriarty
Jaime Ray Newman
Jakob Salvati
Lee Tergesen
Wil Traval
Rade Serbedzija

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