Quantum Leap (2022) 1x18

Quantum Leap (2022) 1x18

Mit einer spannenden Finalepisode entlässt uns „Quantum Leap“ mit einem Cliffhanger in die Wartezeit auf Staffel zwei. Dieser fällt indes nicht ganz so groß und episch aus wie erwartet, löst den Plot um Leaper X aber dennoch zufriedenstellend auf.

Szenenfoto aus der Folge „Judgement Day“ der Serie „Quantum Leap“
Szenenfoto aus der Folge „Judgement Day“ der Serie „Quantum Leap“
© NBC

Das passiert

Ben ist im Jahr 2051 im Quantum-Leap-Center angekommen, doch offensichtlich ist eine Katastrophe über die Menschheit hereingebrochen. Es herrscht nuklearer Winter auf der Welt, die Erde ist weitestgehend zerstört und nur Ian hat von Bens Freunden überlebt. Die letzte Chance besteht in einem Code, den Ian in den letzten 20 Jahren programmierte und der sie alle retten könnte. Als Ziggy Ben schließlich zurück in die Vergangenheit zieht, landet er in seinem eigenen Körper im Jahr 2018. Seine Versuche, Addison zu retten, gehen aber gründlich schief und so scheint das Ende vorgezeichnet.

In der Zukunft

Da ist es also, das große Finale der ersten Staffel der Serie Quantum Leap (2022). Nachdem schon in den letzten Minuten von The Friendly Skies gezeigt wurde, dass Ben als er selbst in einer nuklear verseuchten Erde der Zukunft ankommen würde, waren die Erwartungen groß. Es ist ein wenig schade, dass die Skript-Autorin Margarita Matthews nicht den Mut fand, das Jahr 2051 näher zu erforschen und den größten Teil der Episode dann auch dort spielen zu lassen. Stattdessen erlebt Ben nur einen kurzen Aufenthalt, um von Ian Instruktionen zu empfangen, wie er sowohl Addison als auch die Welt doch noch retten kann. Die Szene wird in wenig spektakulärer Dialogform innerhalb eines schlicht, aber passend gestalteten Sets präsentiert. Da wäre mehr drin gewesen.

Im Jahr 2018

Damit hat sich das dystopische Element weitestgehend erledigt und Ben findet sich im Jahr 2018 als sein früheres Ich an jenem Tag wieder, an dem er Addison kennenlernt. Ab hier wird die Geschichte herrlich verzwickt, denn Ben darf die Kernereignisse des Tages nicht verändern, was bedeutet, dass sein erstes Date mit ihr genauso ablaufen muss, wie es tatsächlich stattfand. Dies gestaltet sich indes nicht so einfach, denn Martinez ist ebenfalls im Jahr 2018 angelangt und wird Addison töten, wenn er die Gelegenheit dazu erhält. Die nächsten Minuten verbringen wir damit, zu beobachten, wie unser Held alles falsch macht, was man nur falsch machen kann, was einige spannende Verwicklungen nach sich zieht.

Mogelpackung

Währenddessen arbeitet Ian am oben angesprochenen Code, den Holo-Addison von Ben erhalten hat und der letztlich eine Art Cheat für Ziggy ist. Dank ihm ist es Song möglich, immer wieder an denselben Tag zurückzukehren, falls seine Mission fehlschlägt, um vorher begangene Fehler auszubügeln. Etwas Ähnliches haben wir in der Serie schon in Leap. Die. Repeat., wenn auch auf einer anderen Plotebene erlebt. Dennoch entpuppt sich die Idee, Ben folgenreiche Fehler begehen zu lassen, erneut als fesselndes Element, zumal wir immer noch nicht wissen, welchen Körper sich Leaper X geliehen hat.

Ian findet heraus, was der Code ist, aber nicht, wie er ihn verwenden kann. Die Auflösung des Rätsels gerät dann aber etwas arg simplifiziert. In der Zukunft hat das Computergenie seinem Freund Ben nicht nur den Code gegeben, sondern auch die kryptische Information, dass er nicht von einer Person allein verwendet werden könne. Dass damit nicht etwa eine Eingabe an zwei Konsolen gleichzeitig gemeint ist, wird schnell klar. Dies wäre auch zu einfach gewesen. Stattdessen muss Ian sich von der Zukunft aus mit seinem Ich aus dem Jahr 2018 und dem von 2022 mental verbinden, damit alle drei Inkarnationen den Enter-Button im selben Augenblicke bedienen.

Das hat eine durchaus esoterische Komponente, die unglaubwürdig und im Kontext zur bisherigen Geschichte wenig homogen wirkt. Stärker wäre es gewesen, Janis Calavicci noch weiter ins Spiel zu bringen. Die Figur wurde von den Serienmachern in den letzten beiden Episoden konsequent in Position gebracht, warum sollte sie also letztlich nicht das Zünglein an der Waage sein? Dennoch ist es schön, dass sie nicht unter den Tisch gefallen ist und im Finale eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Fehltritte und Paradoxa

Szenenfoto aus der „Quantum Leap“-Folge „Judgement Day“
Szenenfoto aus der „Quantum Leap“-Folge „Judgement Day“ - © NBC

Damit kommen wir noch einmal zurück ins Jahr 2018. Ben verpatzt sein erstes Date mit Addison, schlimmer noch: Er macht sich verdächtig! Leaper X hat damit die bessere Ausgangsposition, um seinen Auftrag endlich zu erledigen, zumal er ausgerechnet als Magic auftritt. Es stellt sich heraus, dass Martinez viel mehr im Sinn hat, als Addison zu töten. In einer nahen Zukunft schickte ihn die Regierung, oder einige subversive Elemente davon, in den Quantenbeschleuniger, um das gesamte Team zu töten und Ziggy zu zerstören. Dass dies erst zur Katastrophe führen wird, die wir in 2051 erleben, ist logisch...

Trotzdem beginnt einem bei all den Zeitsprüngen, die nun folgen, irgendwann der Kopf zu schwirren. Schafft Ben mit seinen Taten tatsächlich eine alternative Zeitlinie, oder korrigiert er sie nicht vielmehr? Und wenn die Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern, einigen Mächtigen so viel Kopfzerbrechen bereitet, dass sie jegliche Einmischung verhindern wollen, warum erst jetzt? Immerhin gab es das Projekt bereits zwischen 1989 und 1993. In dieser Zeit rettete Samuel Beckett fast einhundert Seelen. Was hat sich seitdem geändert? Als Martinez und Ben im letzten Viertel der Folge noch einmal durch ihre wichtigsten Begegnungen leapen und prügelnd durch die Vergangenheit springen, wird dann nicht eine weitere Zeitlinie geschaffen, die wiederum Veränderungen nach sich zieht? Hach, das Ganze ist so hübsch verwinkelt, dass wir besser nicht weiter nachfragen, sondern das Finale einfach genießen...

Ein Cliffhanger zum Abschied

Und das macht in seiner Schlichtheit alles in allem dann doch Spaß. Sicherlich hätte man hier und da noch ein wenig stärker an der Spannungsschraube drehen können. Doch insgesamt löst der Writers' Room den Hauptplot recht ansprechend auf. Ein letzter gemeinsamer Leap führen Ben und Martinez zurück zu ihrer ersten Begegnung in Salvation or Bust, wo der Marine die Oberhand gewinnt und drauf und dran ist, Song zu erschießen. Warum dies nicht passiert, verraten wir an dieser Stelle nicht, um nicht allzu sehr vorzugreifen. Am Ende steht jedoch Bens, dank eines schönen VFX-Effekts realisierte Rückkehr ins Jahr 2022. Oder etwa nicht? Ein letzter Blick auf Addison verrät, dass auch dieses Mal wieder etwas gründlich schiefgeht...

Easter Eggs

Bevor wir das letzte Fazit der Season präsentieren, hier für die Fans der alten Schule noch ein paar nette Referenzen an das Original:

- Herbert „Magic“ Williams, der Leiter des wiederbelebten Projekts, dürfte Fans der ursprünglichen Serie vielleicht ein Begriff sein. Die Figur tauchte im zweiten Teil der beliebten Doppelfolge „The Leap Home: Part 2 (Vietnam)“ (2x03) auf.

- Die Initialen von Samuel Beckett lauten S. B., jene von Ben Song B. S..

- In The Friendly Skies leapt Ben nicht nur in den Körper einer Frau, sondern trägt auch Make-up, Ohrringe und ein Kostüm mit Rock, eine klare Referenz an die vierte Folge der zweiten Staffel der 90er Show, „What Price Gloria?“ („Rache ist süß“).

Im Verhältnis zur Originalserie haben die Macher einige Änderungen an der Zeitreisenmechanik vorgenommen. In „Zurück in die Vergangenheit“ gab es einen Warteraum, in dem die Menschen, deren Körper Sam sich lieh, ihrer Rückkehr nach dessen nächsten Sprung harrten. Außerdem konnte nur Al als Hologramm fungieren, da Hirnzellen von ihm und Sam die beiden mit Ziggy verlinkten. Last but not least, war Ziggy ursprünglich eine eigenständige Figur mit Persönlichkeit und einer Stimme, die von der Schauspielerin Deborah Pratt gesprochen wurde.

Fazit

Mit Judgement Day geht eine insgesamt kurzweilige erste Staffel zu Ende, die dem Original alle Ehre macht, ohne ein passendes Maß an Modernisierung vermissen zu lassen. Viele der Abenteuer, die Ben Song erlebte, hätte man auch Samuel Beckett auf den Leib schreiben können, wobei sich Raymond Lee immer besser in seine Rolle einfand. Dasselbe gilt für die anderen Darstellerinnen und Darsteller, die alle ihre großen Momente hatten und damit mehr als nur schmückendes Beiwerk wurden.

Der übergreifende Handlungsbogen hätte sicherlich mehr ins Gewicht fallen dürfen. Vor allem nach der sehr starken vorletzten Episode war es schade, dass die Auflösung letztlich zwar zum Szenario passte, aber doch etwas unspektakulärer ausfiel, als gedacht. Für die zweite Staffel bleibt zu hoffen, dass Janis Calavicci eine größere Rolle spielt, der Hauptstrang mehr in den Fokus rückt und das Produktions-Team insgesamt ein wenig mutiger wird. Ein Durchschnittswert von vier von fünf ist jedenfalls kein schlechter Anfang. Und so endet unser großer Staffelüberblick, wie er begann: mit vier von fünf Leaps.

Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 11. April 2023

Quantum Leap (2022) 1x18 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 18
(Quantum Leap (2022) 1x18)
Deutscher Titel der Episode
Folge 18
Titel der Episode im Original
Judgment Day
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 3. April 2023 (NBC)
Autoren
Steven Lilien, Bryan Wynbrandt, Donald P. Bellisario
Regisseur
Chris Grismer

Schauspieler in der Episode Quantum Leap (2022) 1x18

Darsteller
Rolle
Raymond Lee
Caitlin Bassett
Nanrisa Lee

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