Pretty Little Liars 7x08

Sara Harveys (Dre Davis) Tod scheint gerade einen Augenblick verstrichen, da wirbeln auch schon wieder neue Figuren aus der Vergangenheit die Vorstadthölle Rosewood auf. Neben der bislang wenig spektakulären Rückkehr von Paige (Lindsay Shaw) - deren Anwesenheit womöglich lediglich dazu dienen wird, Emilys (Shay Mitchell) Beziehung zu Sabrina (Lulu Brud) in Frage zu stellen - gibt sich auch die geheimnisvolle Ms. Grunwald (Meg Foster) mit den unheimlichen Augen die Ehre. Wie zuvor erfüllt sie die Rolle der Seherin mit dunklen Vorahnungen. Hanna (Ashley Benson), deren Entführungstrauma immer wieder in Form von Flashbacks und Albträumen hervorbricht, vermag Ms. Grunwalds Visionen und Andeutungen in Exes und OMGs in Bezug auf die sie allseits präsente Gefahr zunächst nicht richtig zu deuten. Die Doppelbödigkeit von Ms. Grunwalds mysteriösen Warnungen eröffnet jedoch einen Spekulationsraum, der diese Episode um einige interessante Untertöne erweitert: Ist Hanna womöglich eine Gefahr für sich selbst?
Derweil gelingt es Spencer (Troian Belissario) und Aria (Lucy Hale) Dr. Cochron (Keith Szarabajka) ausfindig zu machen, der einst Mary Drakes (Andrea Parker) zweites Kind zur Welt brachte. Die Erkenntnisse dieser Whiskey-umwehten Begegnung sind dürftig; mehr als ein wohl unbeabsichtigter Hinweis darauf, dass die Wege immer wieder zurück zum Ursprung, zur Familie führen, können die beiden dem Alkoholiker mit enttäuschter Tochter nicht entlocken. Währenddessen wird auch in dieser Episode viel dafür getan, Noel Khan (Brant Daugherty) immer offensichtlicher als Uber-A oder A.D. erscheinen zu lassen. Wie immer gilt, dass sich diese Hypothese gerade deshalb in absehbarer Zeit in Luft auflösen wird. Als Helferlein von A scheint er indes eine Rolle zu spielen; seine Motivationen bleiben aber nach wie vor unklar.

In der Schwebe befinden sich auch Ezra (Ian Harding) und Aria, deren Hochzeitspläne durch das plötzliche Auftauchen des FBIs wie ein Luftballon zerplatzen. Wie die beiden wird auch Alison (Sasha Pieterse) von der Vergangenheit eingeholt. Weil A.D. sie um ihr gesamtes Vermögen brachte, sieht sich die ehemalige Queen Bee dazu gezwungen, bereits jetzt wieder ihre Arbeit als Lehrerin an der Rosewood High aufzunehmen. Konfrontiert wird sie dabei mit morbiden „Scherzen“ ihrer Schüler/-innen, die die zurückgekehrte Englischlehrerin als komplett vermummte Hoodie-Armee im Klassenraum begrüßen...
Visionen
Bereits in vorigen Staffeln von Pretty Little Liars sorgte der mythische und bisweilen übersinnliche Einschlag durch Ms. Grunwald und die Vorkommnisse in Ravenswood für geteilte Meinungen. Die Rückkehr der Seherin nach Rosewood erweitert die Serie aber gerade im Fall von Exes and OMGs um eine tiefergehend-psychologische Ebene, die in vorigen Episoden oft zu kurz kam. So nehmen die Zuschauer/-innen gleich zu Beginn der Episode an einem erschreckend realistischen Albtraum Hannas teil, der Caleb (Tyler Blackburn) in Gefahr zeigt - ob es dieser Traum war, der Ms. Grunwald dazu veranlasste, Hanna ihre Sorge um die beiden mitzuteilen? Hanna jedenfalls scheint nach wie vor tief gezeichnet zu sein von dem Leid und der Angst, die sie während ihrer Entführung ertragen musste.
Als sie Ms. Grunwald später im ehemaligen Radley Sanatorium von der sie umgebenden Bedrohung berichtet, sind die Visionen der Seherin uneindeutiger, als sie auf der Oberfläche erscheinen. Hanna interpretiert diese, unterfüttert von der zufälligen Anwesenheit Noel Khans, sogleich als klaren Hinweis darauf, dass er es sein muss, in dem Ms. Grunwald die eng mit Radley verbundene Gefahr sieht. Nicht nur das Ergreifen von Hannas Hand und die dadurch plötzlich auflodernden Flashbacks der Entführung deuten jedoch darauf hin, dass es sich um eine andere Person, gar um etwas völlig anderes handeln könnte. Naheliegend ist hierbei einerseits, dass auf Mary Drakes zweites Kind angespielt wird, das im Radley Sanatorium geboren wurde und sich nun - darauf deutet auch die Andeutung des Arztes Dr. Cochron hin - auf einem Rachefeldzug befindet.
Andererseits kann nicht davon abgesehen werden, dass Hannas psychischer Zustand in dieser Begegnung und der mehr oder weniger übersinnlichen Erfahrung sehr präsent erscheint. Weil Ms. Grunwald Hanna zu Beginn ihres Besuchs fragte, ob sie einsam sei, könnte dies darauf hindeuten, dass es ihr womöglich auch oder vor allem um Hanna selbst geht - als Appell, das erlittene Trauma bewusst zu verarbeiten um dadurch möglicherweise neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wer hinter der Entführung und der Bedrohung steckt. Der geheimnisvolle Deal, den Hanna per Telefon am Ende dieser Episode mit einer unbekannten Person abschließt, hinterlässt indes neue Fragezeichen. Erste Assoziationen veranlassen zu der Annahme, dass sich Hanna für einige Tage in einer verlassenen Hütte einschließt, um ihre Entführung „nachzuspielen“, sie abermals (bewusst) zu durchleben. Ausgestattet mit Gegenständen wie Klebeband, Zeitungspapier zum Abdunkeln und einigen Akten befindet sich Hanna nun vielleicht aber auch im Alleingang auf der Suche nach Antworten im DIY-Befragungsraum.
Ghosts
Nahezu transzendent wird es auch in Bezug auf ganz andere Ereignisse, die die Vergangenheit schlagartig in die Gegenwart katapultieren. Ezra verliert angesichts der Neuigkeiten um Nicole sogar derart die Fassung, dass der große Knall zwischen ihm und Aria nach deren Geständnis weitestgehend ausbleibt. Selbstverständlich stellt die Möglichkeit, dass Nicole nicht tot ist, sondern von Rebellen in Kolumbien entführt wurde, die Beziehung zwischen Ezra und Aria gehörig auf den Kopf - ob es nach seiner Rückkehr zu einer Trennung kommen wird, hängt dabei nicht zwangsläufig von dem Ausgang der Nachforschungen des Militärs ab. Vielmehr scheint es, als würde dieser Plottwist dazu dienen, die geplante Hochzeit und damit das Versprechen auf „bis dass der Tod uns scheidet“ hiermit vorausschauend auf den Prüfstand zu stellen.
Interessante, aber nur bedingt ausformulierte Untertöne ergeben sich außerdem in Bezug auf Alison und ihre Rückkehr an die Rosewood High. Auch sie wird auf schmerzhafte Weise mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert, da sich ihre Schüler/innen einigen mehr oder weniger morbiden Mobbingstrategien bedienen, um ihre Englischlehrerin „angemessen“ zu begrüßen. Das Mitleid, das man fraglos für Alison in diesen Szenen empfindet, wird zeitgleich durch ihre ehemalige Rolle als Queen Bee konterkariert - ohne dabei notwendigerweise einer simplen „Auge um Auge“-Logik zu verfallen. Vielmehr gelingt es, Alisons Charakter zu spiegeln und ihre Figur damit facettenreicher zu gestalten; ein Anliegen, dem deutlich öfter nachgegangen werden müsste.
Fazit
Vor allem auf der Ebene der Figurenentwicklung kann die Episode Exes and OMGs über weite Strecken überzeugen. Die Rückkehr der geheimnisvollen Ms. Grunwald mit übersinnlichen Fähigkeiten eröffnet Spiel- und Deutungsraum auf der Ebene des Unbewussten und Unverarbeiteten - eine Ebene, die bei all den erlittenen Traumata eine wichtige Rolle spielt.
Gerade weil Alison nun wieder als „unabhängige“ Figur ihren Platz zwischen den Liars findet, erscheinen die Szenen in der Highschool nicht nur gelungen, sondern stellen auch ein zaghaftes Aufarbeiten der Versäumnisse dar, die ihrem Charakter lange Zeit zuteil wurde. Die in vorangehenden Reviews bereits erwähnte Rückwendung zu den Ausgangspunkten der Serie ergibt an dieser Stelle besonders viel Sinn: Zentrales Thema der ersten Staffeln war neben Alisons Verschwinden auch immer der Dunstkreis von Gruppenzwang, Mobbing und psychischer Abhängigkeiten unter den Figuren.
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 17. August 2016Pretty Little Liars 7x08 Trailer
(Pretty Little Liars 7x08)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x08
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