Pretty Little Liars 7x05

Im Anschluss an die ärgerlichen bis unglaubwürdigen Entwicklungen vorangehender Episoden kann auch Along Comes Mary nur schwerlich in Sachen Nachvollziehbarkeit überzeugen. Grundlegende Erkenntnisse ergeben sich rein zufällig, wichtige Voraussetzungen des Handlungsaufbaus werden zur beiläufigen Randnotiz.
All das kann nur schwerlich verschleiern, wie löchrig und konstruiert der Ausgangspunkt des dramatischen Kerns dieser Staffel daherkommt: Elliotts Tod war ein Unfall - nicht mehr, nicht weniger. Fünf Jahre nach ihrem letzten Martyrium sollten nicht nur Hanna (Ashley Benson), Spencer (Troian Belissario), Aria (Lucy Hale) und Emily (Shay Mitchell) dazugelernt haben, sondern auch die Polizei. Die eigene Glaubwürdigkeit deshalb vorab infrage zu stellen, scheint für den Moment zwar nachvollziehbar. Die Alternative - nämlich die Vertuschung von Elliotts Tod und die nachfolgende Entwicklung eines zum Scheitern verurteilten Plans - erscheint in ihren absehbaren Konsequenzen jedoch naiv, undurchdacht und impulsiv.
In Along Comes Mary stoßen die Liars dann dank Monas Spionagefähigkeiten auf Elliotts/Archers geheimes Apartment, in dem sie auf weitere dunkle Geheimnisse stoßen. Gleichzeitig ist mit Marco Furey (Nicholas Gonzalez) ein neuer Detective in der Stadt, der nicht nur dem vermeintlich verschwundenen Elliott auf den Fersen ist, sondern sich gleichsam als Spencers heißes Aufzugsintermezzo aus der vorangehenden Episode entpuppt.
Wie zu erwarten erhalten die Freundinnen auch weiterhin bedrohliche Nachrichten eines gewissen A. D. Elliott/Archer ist tot, daran kann kaum ein Zweifel bestehen - wer also handelt in seinem Namen? Mittlerweile versammelt sich neben Mary Drake (Andrea Parker) und Jenna (Tammin Sursok) ein ganzes Ensemble an Verdächtigen in Rosewood: Neben Sara Harvey (Dre Davis) taucht plötzlich Noel Khan (Brant Daugherty) am Ende dieser Episode aus der Versenkung auf. Ganz zu schweigen von derzeit nicht anwesenden Personen wie Lucas oder Mona.
Der Handlungsstrang um Aria und Ezra (Ian Harding) sorgt indes für Überraschung: Ein Anruf aus dem Jenseits und ein romantischer Heiratsantrag läuten das nächste Liebeszerwürfnis ein - so zumindest die Aussichten.
Sour Girls
Noch immer ist mehr als unklar, inwiefern und warum Jenna in Kontakt zu Archer Dunhill, besser bekannt als Dr. Elliott Rollins, stand und was sie mit ihrer unheimlichen Anwesenheit in Rosewood bezwecken will. Das Potential der mysteriösen Aura, welche die schöne Jenna umweht, droht jedoch bisweilen zu verpuffen: Kryptische Andeutung hier, geheimnisvolles Lächeln dort, und das Ganze wieder von vorne. Die Undurchsichtigkeit der Figur ist ihr hervorstechendes Merkmal. Wird sie nicht (bald) mit etwas mehr Inhalt gefüllt, bleibt wenig mehr als eine leere Maskerade. Was dabei herauskommt, lässt sich exemplarisch an der wieder aufgetauchten Figur von Sara Harvey ablesen.
Es mag an der subjektiven Einschätzung der darstellerischen Fähigkeiten von Dre Davis liegen (unterirdisch). Doch viel mehr als der ewige Fokus auf ihre schwarzen Lederhandschuhe und das verschwörerisch-böse Lächeln ist spätestens seit dem dollhouse nicht aus der Figur herauszuholen. Dass Noel Khan die böse Allianz um seine Person am Ende dieser Episode erweitert, kann bisher nur mit einem Achselzucken beantwortet werden. Derzeit ist schlicht zu wenig bekannt, da die Autor/-innen auf altbekannte Muster setzen: so viel Verwirrung und Chaos wie möglich stiften, am besten in einer einzigen Episode. Oder einfacher ausgedrückt: Quantität statt Qualität.
Interessanter als die neusten Erkenntnisse um Elliott, der sich in seinem Apartment einen kleinen Wildernschrein zurechtgeschustert hatte und in dessen Namen nach wie vor bedrohliche Nachrichten versendet werden, scheint die sich langsam entfaltende Beziehung zwischen Alison und ihrer Tante Mary Drake. Es wundert in diesem Zusammenhang doch sehr, wie gefasst und souverän Alison (Sasha Pieterse) mit der derzeitigen Situation umgeht.
Zwar begegnet Alison Marys Erklärungen und Entschuldigungen mit der mehr als angebrachten Vorsicht. Dass der Anblick der Zwillingsschwester (!) ihrer Mutter jedoch bislang so wenig Verstörung in ihr ausgelöst hat, überrascht ein wenig. Gleichzeitig gelingt es in diesen Szenen, eine wirklich interessante Spannung zwischen den beiden Figuren aufzubauen, die nicht zuletzt den darstellerischen Fähigkeiten von Andrea Parker zu verdanken ist. Bevor ein Anruf des Police Department den Moment unterbricht, trägt Parker in ihrer Rolle als Mary das gesprochene Schlaflied mit einer Intensität vor, die in dieser Episode ihresgleichen sucht.
Call from a ghost
Während um sie herum sämtliche Beziehungen zerbrechen, scheint Emily mit Sabrina (Lulu Brud) endlich ein wenig mehr Glück vergönnt zu sein - auch, wenn erstere ihr Date mit ihrem seltsam abwesenden Verhalten verwirrt. Wie schon in dem vorangehenden Review erwähnt, bleibt bis zu diesem Zeitpunkt nur zu hoffen, dass sich Sabrina nicht auch noch zur bösartigen Verbündeten von Uber-A entwickelt. Bislang scheint der Beginn dieser Beziehung aber eher durch Emilys (berechtigte) gedankliche Abwesenheit gefährdet zu sein.

An anderer Stelle lassen sich die Autor/-innen für Ezra und Aria mal wieder etwas einfallen - Ezra erhält einen Anruf seiner totgeglaubten Exfreundin Nicole, der von Aria entgegengenommen wird. Wie es der Zufall so will, besuchte Ezra kurz zuvor die Eltern der Verschwundenen, um sie über seine neue Beziehung zu informieren. Aria vernimmt am Hörer indes nur eine unklare Geräuschkulisse und beschließt auf Anraten von Emily, Ezra nichts von diesem Ereignis zu erzählen.
Gerade weil der Tod von Emilys Vater jedoch unter völlig anderen Umständen passierte und es im Gegensatz zu Nicole als sicher gelten kann, dass er im Krieg sein Leben verlor, kann Arias Verhalten ein weiteres Mal nur verwundern. Wüsste man es nicht besser, könnte man ihrer Figur einen pathologischen Hang zum Lügen unterstellen - sonderlich viel Sinn ergibt ihre ewige Geheimnistuerei in Bezug auf Ezra jedenfalls nicht. So wird sein Heiratsantrag aus dem Lehrbuch am Ende dieser Episode sicherlich noch zu (vermeidbaren) Komplikationen führen. Aria wird entweder annehmen, jedoch furchtbar von ihrem schlechten Gewissen geplagt werden. Oder sie wird ablehnen - aus den gleichen Gründen. Letztere Variante scheint die dramaturgisch ergiebigere zu sein. Spannender wird sie dadurch nicht unbedingt.
Fazit
In Along Comes Mary kommt die Polizei den wahren Umständen von Elliotts Verschwinden gefährlich nahe. Die Liars befinden sich daher einmal mehr in Bedrängnis und erfahren die Konsequenzen ihres unüberlegten Handelns mit zunehmender Wucht. Derweil vergrößert sich der Kreis der Verdächtigen um gleich zwei Personen: Neben Sara Harvey taucht auch Noel Khan wieder in Rosewood auf. Die Undurchsichtigkeit dieser drei Figuren ist für den Spannungs- und Handlungsaufbau unabdingbar. Wird der bis zur Ermüdung gezeigte Fokus auf ihr mysteriöses Verhalten jedoch nicht bald um etwas mehr Inhalt bereichert, stellt ihr Dasein nicht mehr als einen weiteren losen Faden im unübersichtlichen Chaos der Geheimnisse dar.
Interessante Anreize ergeben sich allerdings durch die sich langsam aufbauende Beziehung zwischen Mary Drake und ihrer Nichte Alison. Andrea Parker überzeugt auch in dieser Episode durch Ausstrahlung und darstellerische Leistung.
Verfasser: Hannah Klein am Donnerstag, 21. Juli 2016Pretty Little Liars 7x05 Trailer
(Pretty Little Liars 7x05)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x05
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