Pretty Little Liars 6x16

Im Vergleich zu allen vorherigen Staffeln von Pretty Little Liars und deren durchgängigem Muster, ein höchstmögliches Maß an Verwirrung zu stiften, erscheinen die aktuellen Episoden geradezu radikal. Der Verzicht auf end- und ziellose Handlungsstränge, auf deren Auflösung die Zuschauer_innen teilweise bis heute warten, zahlt sich momentan auf bemerkenswerte Weise aus: Kleinere Puzzleteile des großen Ganzen fügen sich oft schon in der darauffolgenden Episode zusammen, falsche Fährten werden als solche enttarnt. Diese neue Form des Handlungsaufbaus ermöglicht eine kurzweilige, und nicht weniger mitreißende Spannung - zumal weitaus mehr Raum für die Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen bleibt.
All das gilt auch für Where Somebody Waits For Me. Zwischenzeitlich stellt sich sogar das Gefühl ein, es gehe hier Schlag auf Schlag, denn nicht nur der Handlungsstrang um Emily (Shay Mitchell) findet vorerst sein schauerliches Ende; auch Spencer (Troian Bellisario) erfährt, was es mit der geheimen Datei auf Yvonnes Handy auf sich hat. Darüber hinaus treiben die neusten Ermittlungsergebnisse über den Mord an Charlotte den Handlungsfortlauf weiter voran. Roma Maffia erfreut in diesem Zusammenhang erneut als hartnäckige, undurchschaubare Lt. Tanner, die Alison (Sasha Pieterse und Dr. Rollins (Huw Collins über die tatsächliche Mordwaffe in Kenntnis setzt: Ein Golfschläger war es nicht, so viel vorab.

Auf der zwischenmenschlichen Ebene geht es hingegen ambivalenter zu. Während der Handlungsstrang um Aria (Lucy Hale), Liam (Roberto Aguire) und Ezra (Ian Harding) interessante Wendungen vornimmt, schlagen die Entwicklungen um Hanna (Ashley Benson), Jordan (David Coussins) und Caleb (Tyler Blackburn) eine wohl unvermeidliche Richtung ein. Bislang kann der vorhersehbaren Auseinandersetzung Hannas mit ihrer aktuellen und ihrer verflossenen Liebe relativ wenig abgewonnen werden, da sie sich zu sehr an altbekannten Mustern der Figurenkonstellation orientiert. Derweil wirkt Alisons Figur und ihre Charakterentwicklung zunehmend deplatziert - weder ist absehbar, wo die Autor_innen mit ihr hinwollen, noch ergeben sich durch sie einigermaßen interessante Handlungsstränge. Die neuerliche Zeichnung ihres Charakters irritiert: Alison als brave, verletzliche und von Demut beseelte junge Frau ist und bleibt unglaubwürdig.
But when everybody gets together...
Während Team Sparia im Auftakt dieser Episode die geheimen Kellerräume des Radley Sanatoriums inspizieren und dabei auf weitere Durchgänge stoßen, kann auch Caleb neue Erkenntnisse sammeln. Die Datei auf Yvonnes Handy beinhaltet nämlich illegale Kopien von Veronica Hastings Krankenakten - und mit ihnen Informationen über den fragilen gesundheitlichen Zustand der Gegenkandidatin. Allem Anschein nach erkrankte Spencers Mutter bereits einige Jahre zuvor an Krebs - und ließ Spencer in dem Glauben, sie sei geheilt.
Wenngleich wohl alle nachfolgenden Entwicklungen und Verstrickungen in Bezug auf Mona und Caleb, die scheinbar eine Affäre hatten, auf den ersten Blick brisanter erscheinen, sind es die Szenen zwischen Spencer und ihrer Mutter, die in diesem Handlungsstrang hervorstechen und hängenbleiben. Dieser Umstand ist nicht zuletzt Troian Bellisarios darstellerischer Leistung zu verdanken. In der kurzen, aber gefühlvollen Inszenierung von Spencers Sorge über den gesundheitlichen Zustand ihrer Mutter zeigt sich erneut, dass Bellisario ihren Kolleginnen schauspielerisch doch recht weit voraus ist. Möglicherweise konnten deshalb auch die Szenen um Spencer und Caleb von Beginn an überzeugen - wenngleich ihr gemeinsames Glück schon jetzt ins Wanken gerät, denn Hanna beginnt, ihre Beziehung zu Liam infrage zu stellen.
Mit den Ermittlungsergebnissen, die neue Erkenntnisse über die Mordwaffe eröffnen, gerät eine weitere Figur in den Fokus der Verdächtigen. So handelt es sich bei dem Gegenstand, mit dem Charlotte niedergeschlagen wurde, nicht um einen Golfschläger, sondern um einen hohles Metallstück. Am Ende dieser Episode wird Spencer auf den fehlenden Griff am Rollkoffer ihrer Schwester Melissa aufmerksam, die Rosewood noch am selben Tag verlassen hatte. Damit wird der Blick abermals auf eine halbwegs zwielichtige Nebenfigur gelenkt, die als Mörder-/in von Charlotte trotzdem nur bedingt infrage kommt. Das Motiv der Rache für die jüngere Schwester scheint ebenso wenig plausibel wie in Bezug auf Byron und Aria.

Dagegen werden die Stalker-Nachrichten durch „A“ an anderer Stelle immer bedrohlicher. Während Hanna eindeutige Botschaften erhält, die eine Gefährdung von Jordan nahelegen, erreicht der morbide „Scherz“ um Emilys Eizellenspende eine neue Dimension. Durch den Einbruch in das Hollis Medical Center, in dem Emilys Spende verwahrt wurde, zerstörte „A“ nicht nur die Spenden anderer. Offenbar ist er oder sie nun tatsächlich in Besitz von Emilys Eizellen. Mit dieser Wendung schlägt der Handlungsstrang allerdings eine fast absurde Richtung ein, dessen Fortlauf definitiv mit Spannung erwartet werden kann. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass „A“ tatsächlich so weit gehen würde - aber was, wenn doch?
Secrets are getting toxic again
Relativ herausgehoben aus dem Gesamtgeschehen entfaltet sich der Handlungsstrang um Aria, Ezra und Liam. Letztgenannter besucht die heimliche Ghostwriterin von Ezras Buch in Rosewood - längst hat er am Stil der neuen Kapitel erkannt, dass die Verlagschefin nicht Ezras, sondern Arias Zeilen in Begeisterung versetzten. Aus dem Paar werden nun Partners in Crime, denn Liam findet, Aria solle doch einfach so weitermachen, schließlich sei es jetzt ohnehin zu spät. Als der zurückgekehrte Ezra Aria am Ende der Episode dann aber reumütig seine neuste Arbeit an den Kapiteln überreicht, und ihr gleichzeitig Erklärungen für die Nacht des Mordes liefert, ist das Chaos perfekt.
In diesem Zusammenhang scheint - abseits des an und für sich interessanten Plots - vor allem Arias Verhalten und ihre bisherige Entwicklung bemerkenswert. Von allen vier Freundinnen ist sie diejenige, die nach wie vor am meisten mit ihren Traumata zu kämpfen hat. Und von allen vier Freundinnen verharrt sie überdies am stärksten in alten Mustern (hervorgehoben wird das sogleich am Anfang von Spencer: „You're still really good at this...“). Während Hannas Tun eher ihrer Impulsivität zuzuschreiben ist, und Spencer vor allem aus Vorsicht in Hinblick auf die Karriere ihrer Mutter handelt, scheint Aria nie wirklich ganz mit alten Verhaltensweisen gebrochen zu haben. Damit begibt sie nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern wirft die Frage auf, inwieweit von ihr eine Gefährdung ausgeht.
Fazit
Neue Erkenntnisse treiben die Handlung weiter voran. Während Spencer von der andauernden Erkrankung ihrer Mutter erfährt, wird ihre Schwester Melissa dank der Ermittlungsergebnisse zur Verdächtigten. In diesem Zusammenhang scheint es allerdings wahrscheinlicher, dass jemand Melissas Koffer benutzte, als dass sie tatsächlich für den Mord an Charlotte verantwortlich ist.
Sowohl die kurzen Szenen um Spencer und ihre Mutter, als auch die Entwicklungen um Aria, Liam und Ezra fallen positiv ins Auge. Während erstgenannte vor allem durch die darstellerischen Leistungen Troian Bellisarios überzeugen, sind es in Bezug auf letztgenannte Entwicklungen die Andeutungen um Aria, der momentan eine der interessanteren Charaktersprünge zuteil werden. Dagegen bleiben die Absichten der Autor_innen hinsichtlich der ehemaligen Queen Bee Alison weiterhin undurchsichtig. Um ihrer Figur einen gewissen Reiz zu verleihen, bedarf es in kommenden Episoden nicht nur mehr an Screentime, sondern auch an Eindeutigkeit.
Promo zur Episode 6x17 der Serie „Pretty Little Liars“: Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 17. Februar 2016Pretty Little Liars 6x16 Trailer
(Pretty Little Liars 6x16)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x16
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