Pretty Little Liars 6x14

In New Guys, New Lies nimmt die Handlung - und mit ihr die Spannungskurve - weiterhin spürbar Fahrt auf. Vor allem aber erfreut der Umstand, dass es Pretty Little Liars entgegen aller Gewohnheiten endlich gelingt, auf den Punkt zu kommen. Soll heißen: Lose Fäden werden schneller zusammengefügt oder nachvollziehbar aufgelöst. Es wird nicht mehr auf Biegen und Brechen versucht, ein möglichst hohes Level an Verwirrung und offenen Fragen zu halten. Dass diese Handhabung keineswegs an Spannung einbüßt und vor allem von Fans der logisch halbwegs nachvollziehbaren Plotentwicklung mit Dankbarkeit begrüßt werden dürfte, zeigt sich auch in dieser Episode.
Die Spannung erhöht sich vielmehr durch den kurzen Prozess, der mit vorigen Unklarheiten gemacht wird. Während Hanna (Ashley Benson) nicht nur ihrem Verlobten Jordan (David Coussins), sondern auch Mutter Ashley (Laura Leighton) von ihrem Beitrag am Verschwinden des Überwachungsvideos erzählt - und damit ungeahnt schnell mit der Wahrheit rausrückt -, taucht sogleich ein neues Problem auf, das Mrs. Marin, so erfahren wir später, selbst in die Hand nehmen wird.
Derweil wendet „A“ alte Methoden im neuen Gewand an: Wieder einmal werden fleißig bedrohliche Stalker-SMS versendet, diesmal mit anschaulichen Emoticons verziert. Was auch immer man - ästhetisch wie inhaltlich - von diesem Einfall halten mag - es zeigt sich, dass das Spiel erneut begonnen hat. Aus dem Racheengel für Alison ist nun ein Rachegott für Charlotte geworden. Ob Aria (Lucy Hale), Spencer (Troian Belissario), Emily (Shay Mitchell) und Hanna dieser Bedrohung gewachsen sind, wird sich zeigen.

New Guys...
...New Lies, heißt es im Titel dieser Episode. Präziser wäre es eigentlich, von altbekannten Figuren zu sprechen, die sich mehr oder weniger unerwartet verdächtig machen. Nachdem „A“ bereits die zweite Drohnachricht mitsamt eines Fotos der Tatwaffe an die vier Freundinnen versendet hat (ein 9er Golfschläger), macht sich Aria überstürzt auf die Suche nach Ezra.
Dass sich mit ihrem Einbruch in seine Wohnung - Ezra ist offenbar verschwunden - herausstellt, dass er es aufgrund seiner Golfschläger-Sammlung nicht gewesen sein kann, führt zu einer dankbaren Wendung im Falle der Verdächtigen. Durch seine ungehaltene Nachricht auf Ezras Anrufbeantworter macht sich nämlich Arias Vater Byron (Chad Lowe), den die Liars zuvor sogar im Radley Hotel beobachteten, mitsamt eines Flashbacks von Aria mehr als verdächtig. So dankbar man die Loslösung der Handlung von Ezra auch aufnehmen mag - es ist trotzdem unwahrscheinlich, dass Byron tatsächlich für den Mord an Charlotte verantwortlich ist.
Zwar weist bislang vieles darauf hin: Die Mordwaffe könnte in seinem Besitz sein, er hielt sich im Radley Hotel auf und er hinterlässt verdächtige Nachrichten, nicht zuletzt hat er sogar ein passendes Motiv, wie wir durch die Erinnerungen Arias erfahren. Letzten Endes geht es bei Pretty Little Liars aber wie bei „Cluedo“ für Teenies zu: War es der Baron im Hotel mit dem Golfschläger? Meist ist die naheliegendste Antwort eine falsche Fährte, und die Suche beginnt von Neuem.
Was die Identität von „A“ oder seiner/ihrer Helfer_innen angeht, so dürften die aufmerksamen Zuschauer_innen allerdings an mehreren Stellen aufgehorcht haben. Das gilt nicht nur für die Szene, in der Caleb (Tyler Blackburn) und Spencer schließlich „A“s Handy orten können und in der sich zeigt, dass die alten Hoodies nun Uniformen weichen müssen. Darüber hinaus lassen sich Indizien für die Beteiligung eher unscheinbarer Figuren finden, beispielsweise in Bezug auf Sabrina (Lulu Brud), der neuen Chefin des Brew. Während ihres Gesprächs mit Emily wird ihre neuerliche Social-Media-Abstinenz thematisiert, die (zumindest ansatzweise) auffällig in einer gedachten Verbindung zu der Masse an Drohnachrichten dieser Episode stehen könnte. Desweiteren steht selbstverständlich die aalglatte Tochter (Kara Royster) von Veronica Hastings Gegenkandidatin im Verdacht, vor allem Spencer diskreditieren zu wollen. Da sie gleichzeitig so gut wie verlobt ist mit Toby (Keegan Allen), haben wir schon jetzt ein Szenario, das viele Vermutungen zulässt. Eine der letzten Szenen dieser Episode setzt dem Ratespiel dann die Krone auf: Der geheimnisvolle alte Page aus dem Radley Hotel, der sowohl Emily als auch Spencer beschattete, zieht in einer Limousine - Saras Limousine? - seine Maske herunter.

Old Habits
Diese neue Bedrohung steht, wie Spencer in ihrem Gespräch mit Toby sorgenvoll erwähnt, der Macht der Gewohnheit diametral gegenüber. Die bereits mehrfach in vorigen Reviews erwähnten alten Muster werden in New Guys, New Lies noch einmal eindringlich anhand verschiedener Szenen illustriert.
Am deutlichsten gilt dies wohl abermals für Hanna. Während sie sich dazu durchringt, sowohl Jordan als auch ihrer Mutter die Wahrheit über das verschwundene Video zu gestehen, gelingt es ihr nicht, den ganzen Weg zu gehen. Wie auch Spencer verschweigt sie den nahestehenden Personen die erneuten Drohnachrichten durch „A“. Begründet wird diese Entscheidung mit Hannas posttraumatischer Belastungsstörung - zumindest erwähnt sie diese halb-ironisch am Rande.
Doch nicht nur Hanna sieht sich gezwungen, in alte Fußstapfen zu treten. Während Ashley dafür sorgt, dass das Back-Up-Video der Sicherheitsfirma verschwindet, ist in Bezug auf Aria kaum eine Wandlung von damals zu heute erkennbar. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen scheint sie vorbehaltlos - und vermutlich aus großer Angst - die gleichen Methoden wie noch vor Jahren anzuwenden, was nicht nur an ihrem Einbruch in Ezras Wohnung deutlich wird.
Auf einer völlig anderen Ebene wird auch Spencers Exfreund Toby mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Nach ihrer gemeinsamen Nacht beschließt Caleb, das Gespräch zu suchen. Sichtlich erschüttert, aber um Fassung bemüht, erfährt Toby also von ihrem Verhältnis - und will deshalb sogar die geplante Verlobung mit Yvonne kurzzeitig platzen lassen. In diesen Szenen zeigt sich, dass die anhaltende Fokussierung auf das Gefühlschaos der Figuren unbedingt beibehalten werden sollte, da sie den bisherigen Entwicklungen die nötige Tiefe verleihen.
Fazit
Aufgrund neuster Erkenntnisse kann Ezra endlich von der Liste der Verdächtigen gestrichen werden. An seine Stelle tritt vorerst Arias Vater Byron, der nicht nur ein Motiv, sondern allem Anschein nach auch die Tatwaffe für den Mord an Charlotte DiLaurentis besitzt. Zwar mögen an dieser Stelle ähnliche Regeln wie in Bezug auf Ezra gelten - dennoch scheint Byron etwas zu verheimlichen, das von großer Bedeutung sein könnte. Diese Entwicklung ist vor allem deshalb als gelungen zu bewerten, weil sie sich einerseits von Ezra abkehrt. Andererseits wird durch sie Arias Labilität herausgearbeitet, die in kommenden Episoden mit Sicherheit weiter thematisiert werden wird.
An anderer Stelle können erste Vermutungen in Bezug auf „A“ angestellt werden. Vielleicht nicht sonderlich unterschwellig, aber dennoch gelungen wird in diesem Zusammenhang ein Bogen gespannt, der wohl durchgehendes Thema dieser (halben) Staffel sein wird: Im Angesicht einer neuen Bedrohung werden die Freundinnen in längst überwunden geglaubte Verhaltensmuster gedrängt, die schließlich verhängnisvoll sein werden. Es wird weiterhin interessant sein, dabei zuzusehen, wie Hanna, Aria, Emily und Spencer versuchen, dagegen anzukämpfen.
Promo zur Episode 6x15 der Serie „Pretty Little Liars“:
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 3. Februar 2016Pretty Little Liars 6x14 Trailer
(Pretty Little Liars 6x14)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?