Pretty Little Liars 5x01

Pretty Little Liars 5x01

Die erste Folge der fĂŒnften Staffel um die nunmehr vereinten fĂŒnf Pretty Little Liars aus Rosewood liefert lang ersehnte Antworten - und wirft wie immer neue und alte Fragen auf. Ein Review von Hannah Klein.

Bild aus der Episode „EscApe from New York“ aus der Serie „Pretty Little Liars“ / (c) ABC Family
Bild aus der Episode „EscApe from New York“ aus der Serie „Pretty Little Liars“ / (c) ABC Family

Wie man am Ende des Finales der vierten Staffel von Pretty Little Liars ĂŒberrascht feststellen durfte, befinden sich die MĂ€dchen nicht, wie von deren Eltern und der Polizei angenommen, in Philadelphia, sondern in Manhattan. EscApe from New York beginnt somit fast nahtlos dort, wo wir die Liars zuletzt vorfanden. So erfahren wir zu Beginn der Episode in kurzen RĂŒckblenden, wie es nach dem Mordanschlag durch „A“ auf Ezra weiterging. Dieser wird in einem Krankenwagen abtransportiert. Derweil beobachtet Alison (Sasha Pieterse) die Szene und muss schockiert feststellen, dass „A“ auf dem Dach des Krankenwagens liegt.

Ezra Fitz schwebt in Lebensgefahr, und da sich „A“ in unmittelbarer NĂ€he befindet, um die Tat zu vollenden, sehen die MĂ€dchen sich abermals gezwungen, dagegen vorzugehen.

You know that „A“ is always one step ahead...

Um „A“ endlich zu stellen und gleichzeitig Ezra vor ihr/ihm zu schĂŒtzen, teilen sich die fĂŒnf auf- eine Entscheidung, mit der Emily (Shay Mitchell) sichtlich zu kĂ€mpfen hat. Immerhin mussten die MĂ€dchen oft genug am eigenen Leib erfahren, dass „A“ ihnen so gut wie immer einen Schritt voraus ist. Diese Annahme scheint sich spĂ€ter vorerst zu bestĂ€tigen.

Hat man sich einmal mit der Tatsache abgefunden, dass die Erfolgsquote der MĂ€dchen gegen „A“ fast gleich null ist, wird man dem Ganzen wohl eher abgeklĂ€rt gegenĂŒberstehen. Das hat leider zur Folge, dass das Spannungspotential stark in eine „negative“ Richtung gelenkt wird: Der Zuschauer fiebert (womöglich) zwar mit den MĂ€dchen mit. Allerdings besteht nach mittlerweile vier Staffeln die Gefahr, dass er lediglich darauf wartet, wie die MĂ€dchen scheitern - denn letztlich entkommen sie eher selten ihrer Ohnmacht gegenĂŒber Team „A“.

Dieser Umstand wĂ€re nicht notwendigerweise schlecht und könnte in anderen Kontexten sogar durchaus interessant sein. Die Charaktere um Emily, Spencer (Troian Bellisario), Hanna (Ashley Benson) und Aria (Lucy Hale) sind jedoch grĂ¶ĂŸtenteils so angelegt, dass sie als sympathische Identifikationsfiguren agieren und somit eigentlich das Wohlwollen des Zuschauers auslösen (sollen). Da dieser jedoch allzu oft „enttĂ€uscht“ wird, entsteht eine gewisse Distanz. Diese bewirkt, dass der Zuschauer gegebenenfalls mehr voyeuristisch als emotional mitfiebert.

Auf Dauer macht es allerdings wenig Freude, den eigentlichen SympathietrĂ€gern beim Scheitern zuzuschauen; es entsteht eine eher irritierende Diskrepanz. NatĂŒrlich ist klar, dass die Serie inhaltlich von der Überlegenheit „A“s lebt. Doch selbst die kleinsten Hoffnungsschimmer sowie endgĂŒltig aufgeklĂ€rte HandlungsfĂ€den werden von unzĂ€hligen neuen Problematiken ĂŒberdeckt - dazu spĂ€ter mehr.

She's a walking time bomb. But it's never Ali who blows up!

Auch die HandlungsstrĂ€nge um CeCe (Vanessa Ray), Alisons Lookalike, und die Hastings in Rosewood werden weiter beleuchtet. Wie wir im Finale der vierten Staffel nĂ€mlich sehen konnten, scheint Melissa (Torrey DeVitto) mehr ĂŒber den oder die Mörder/-in der vermeintlichen Alison zu wissen als bisher angenommen. DarĂŒber hinaus erfahren wir auch in dieser Episode nicht, ob Alisons Mutter, Jessica DiLaurentis (Andrea Parker), wirklich tot ist oder nicht.

Die Autoren von Pretty Little Liars haben schließlich ĂŒber bisher vier Staffeln bewiesen, dass tot und vergraben nicht gleich tot und vergraben bedeutet. Ungeachtet der Frage, ob nun lebendig oder tot begraben, ist noch immer von Interesse, was Mrs. DiLaurentis am Abend von Alisons Scheinmord gesehen hat. Doch schnell wird klar, dass sie dieses Geheimnis mit Melissa, Spencers großer Schwester, teilt.

WĂ€hrend Veronica und Melissa Hastings ihre GefĂŒhle ĂŒber die neusten Vorkommnisse austauschen, macht Spencers große Schwester ihrem Hass gegenĂŒber Alison Luft, indem sie die Totgeglaubte als tickende Zeitbombe bezeichnet, die alles um sich herum zerstört. Melissas Versuch, ihrer Mutter von der Person zu erzĂ€hlen, wird erneut von der plötzlich auftauchenden Polizei unterbrochen, was Mr. Hastings gerade recht zu kommen scheint. Officer Holbrook (Sean Faris) informiert die Hastings darĂŒber, dass CeCe aus dem Revier fliehen konnte. Er befragt die Familienmitglieder erneut, ob sie noch irgendetwas zu erzĂ€hlen hĂ€tten. Dies wird von Peter Hastings verneint, der die ansetzende Melissa damit unterbricht.

Sicherlich sind auch diese bislang ungeklĂ€rten Fragen von Belang. Doch nicht nur wĂ€hrend dieser Szenen stellt sich eine gewisse Ungeduld ein: Wieder einmal spannen die Autoren den Zuschauer mit quĂ€lend langen NebenstrĂ€ngen auf die Folter. Dieser Umstand entspricht gewissermaßen der Dynamik der Serie. Leider kann dies trotz allem nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass ihr langsam, aber sicher der Atem auszugehen droht. Dies wird an spĂ€terer Stelle auf die Spitze getrieben, da wir in einigen Szenen um Mona (Janel Parrish) erfahren, dass diese erneut versucht, eine Art „A“-Team zu rekrutieren (mit einigen ĂŒberraschenden Interessenten).

Außerdem erfahren wir mehr ĂŒber CeCes Verbleib und ihre Vergangenheit. Alle erwĂ€hnten „Nebenhandlungen“ sind nicht uninteressant, im Gegenteil. Doch nicht nur diese Episode kĂ€me mit einer etwas weniger engen ErzĂ€hldichte aus. Das Spannungspotential der jeweiligen StrĂ€nge wird nicht voll ausgeschöpft beziehungsweise droht, unter den vielen neuen unterzugehen.

Meanwhile in New York - „Want to play?“

Die MĂ€dchen stellen „A“ eine Falle. Sie scheinen damit vorerst auch Erfolg zu haben, denn Alison kann „A“ aus dem Krankenhaus locken. Auf einem abgelegenen Spielplatz in gewohnt kitschig-schauriger „PLL“-Manier gelingt es den Liars (allen außer Aria, die im Krankenhaus bleibt), die vermummte Person zu umstellen.

Auch wenn die Zuschauer bisher an etwaige AbsurditĂ€ten und Unstimmigkeiten hinsichtlich Stringenz und Logik der Serie gewöhnt sein dĂŒrften - der Grund fĂŒr den erneut fehlgeschlagenen Versuch, „A“ zu stellen, wirkt reichlich ĂŒbertrieben. Nachdem die vermummte Person eine Ladung Pfefferspray von Alison abbekommen hat, werden die fĂŒnf MĂ€dchen plötzlich von einer Art Flashmob vermummter Personen umringt. Dieser wird durch die aus dem Nichts auftauchende Polizei verscheucht.

Die MĂ€dchen vermuten, dass nun Alison erneut zum Ziel von „A“ wird, da diese/-r nicht an Ezra herankommt (der OP-Saal wird von Polizisten bewacht). So beschließen sie, in das „Fitzgerald Theater“ zu fliehen.

Über die schauspielerische QualitĂ€t der einzelnen Darsteller lĂ€sst sich sicherlich streiten. Positiv hervorgehoben sei an dieser Stelle jedoch die Leistung von Troian Bellisario (Spencer). Auch wenn die emotionalen Zwischentöne der Serie oftmals leicht in Pathos abrutschen, weiß Bellisario durch unaufdringliche AusdrucksstĂ€rke zu beeindrucken. Diese lĂ€sst sich vor allem in einer kurzen Szene zwischen ihr und Shay Mitchell (Emily) ausmachen. Darin sprechen die MĂ€dchen auf der BĂŒhne des Theatersaals ĂŒber ihr Leben ohne „A“: „I wouldn‘t wanna go back to the person that I was before. All I cared about was winning. And now I just really wanna be happy.“ („Ich wĂŒrde nicht mehr die Person sein wollen, die ich vorher war. Mir ging es immer nur ums Gewinnen. Und jetzt will ich einfach nur glĂŒcklich sein können.“)

Aria wacht an Ezras Bett in %26bdquo;Pretty Little Liars%26ldquo; © ABC Family
Aria wacht an Ezras Bett in %26bdquo;Pretty Little Liars%26ldquo; © ABC Family

Aria erfĂ€hrt indes, dass Ezra die Operation ĂŒberstanden hat; zudem bekommt sie unerwartete Gesellschaft von Shana (Aeriél Miranda). Diese wurde angeblich von Alison geschickt, um auf Aria zu achten, was diese vorerst misstrauisch hinnimmt.

ShAna?

Ezras heftige Reaktion auf Shana im Aufwachraum des Krankenhauses lĂ€sst Aria schließlich vermuten, dass es möglicherweise sie ist, die Ezra als „A“ identifizieren konnte.

Im Theatersaal herrscht derweil Aufbruchsstimmung: Die MĂ€dchen erfahren, dass die Polizei ihren Aufenthaltsort ausfindig machen konnte. WĂ€hrend sie auf der BĂŒhne ihre Sachen holen wollen, erreicht die Episode ihren dramatischen Höhepunkt.

Der fĂŒnfte Akt

Shana bedroht Alison, Hanna, Spencer und Emily mit einer Waffe auf der BĂŒhne. Sie will Gerechtigkeit fĂŒr Jenna, in die sie verliebt ist. Alle Versuche, sie davon abzubringen, scheinen Shana nur aggressiver zu machen. Doch plötzlich taucht Aria auf und rettet ihre Freundinnen mithilfe der BĂŒhnenrequisite - einem Gewehr, mit dem sie Shana erschlĂ€gt. Sie scheint tatsĂ€chlich tot zu sein.

In dem Glauben, dass nun endlich alles vorbei ist, fallen die MĂ€dchen sich in die Arme und alarmieren die Polizei mit dem Hinweis auf einen „Unfall“.

Fazit

Die Auftaktepisode der fĂŒnften Staffel von Pretty Little Liars wartet mit bekanntem Tempo, Drama und Spannung auf. Wichtige HandlungsstrĂ€nge, allen voran die zentrale Frage nach der IdentitĂ€t von „A“, wurden vorangetrieben, einige beantwortet, andere (alte) offengelassen. In vertrauter „PLL“-Manier gelingt es den Serienmachern, die Mischung aus Teeniedrama und Krimi aufrechtzuerhalten. Auch wenn die persönlichen Belange der MĂ€dchen angesichts der bedrohlichen Lage in den Hintergrund rĂŒcken, werden diese dennoch nicht ganz ausgeblendet.

Neben der gewohnten kitschig-schaurigen Inszenierung und der bisweilen anstrengenden Dichte der erzĂ€hlten Handlungsebenen konnten auch ĂŒberraschend positive Momente ausgemacht werden. So beweist Troian Bellisario erneut, dass ihr Schauspiel das fast aller anderen Darsteller ĂŒbertrifft: Wie bereits dargestellt, ist eine der stĂ€rksten Szenen der Episode ihr zu verdanken.

Insgesamt bleibt die Serie ihrem Konzept also treu: viel Spannung, Action und Drama. Leider wird allerdings auch an der schon fast unangenehmen Hektik der Serie festgehalten. Zu viele neue HandlungsstrĂ€nge werden aufgemacht, alte noch immer nicht aufgelöst - weniger wĂ€re oftmals einfach mehr. So bieten die neusten Ereignisse zumindest mehr als genug Stoff fĂŒr eine neue Staffel „Pretty Little Liars“.

Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 22. Juni 2014

Pretty Little Liars 5x01 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 1
(Pretty Little Liars 5x01)
Deutscher Titel der Episode
Flucht aus New York
Titel der Episode im Original
EscApe From New York
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 10. Juni 2014 (Freeform)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 13. Januar 2015
Autor
I. Marlene King
Regisseur
Norman Buckley

Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 5x01

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