Preacher 2x13

© zenenfoto aus der âPreacherâ-Folge âEnd of the Roadâ / (c) AMC
Der Episodeneinstieg in das Staffelfinale der zweiten Staffel der US-Serie Preacher rund um Teen Jesses Vergangenheit bei Madame L'Angelle weiĂ zu gefallen.
Denn der junge Jesse verbringt seine Zeit als Empfangsjunge fĂŒr seine Oma, spielt den Wegweiser fĂŒr die GĂ€ste, die von ihren wundersamen HeilkrĂ€ften gehört haben, und sichert sich einen FĂŒnf-Finger-Bonus, in dem er Geldbörsen ahnungsloser GĂ€ste klaut. On the Road stellt es so dar, dass die Polizei der Sache wohl auch auf der Spur ist, sie wird jedoch von ihr erkannt und abgewimmelt. Ihre Klientel besteht dabei aus GutglĂ€ubigen, denen die Katze entflohen ist oder Jesse selbst, der in seiner Wut ein HĂŒhnchen tötet, was wir Jahre spĂ€ter offenbar quicklebendig sehen. Doch ihr Service hat einen Preis...

Sein Geld muss Jesse jedoch an zwei MĂ€nner namens T. C. und Jody abgeben, die Comickennern vertraut sein dĂŒrften, hier aber noch im Schatten bleiben und Jesse den Arm verdrehen.
Jesse ĂŒbt sich als Messias
In der Gegenwart bringt Starr (Pip Torrens) Jesse (Dominic Cooper) als potentieller neuer Heiland in Stellung und inszeniert eine kleine Ansprache vor einer katholischen Schule, die von einer armenischen Gruppe (die nur Platzpatronen hat) angegriffen und von Jesse abgefertigt wird.
Dabei sieht Starr, dass Genesis nicht ordnungsgemÀà funktioniert und der Geistliche auch ohne diese Gabe mit vier erwachsenen MÀnnern fertig wird. Actionszenen wie diese sind etwas, was Preacher sehenswert macht, wobei meiner Meinung nach in Staffel zwei damit bisher - vor allem in der zweiten HÀlfte - gegeizt wurde.
Jesses wundersame Abfertigung wird jedenfalls von Starr gefilmt, hochgeladen und sofort zum viralen Hit, so dass innerhalb von Minuten auch schon die Leute von Jimmy Kimmel anrufen, um ihn fĂŒr dessen Late Night zu buchen. Jesses Freunde bleiben, anders als kurz von mir spekuliert, fern.
Les Enfants du Sang

Cassidy (Joseph Gilgun) entdeckt immer mehr verstörende Details zu seinem Sohn Denis. Neben blutiger Kleidung findet er auf dessen Laptop einen Hinweis zu den âLes Enfants du Sangâ, den Children of the Blood, ein weiterer Teaser auf die Comicvorlage, der eventuell in einer möglichen dritten Staffel aufgegriffen wird. FĂŒr Cassidy reichen die Bilder jedenfalls, um ihn als Vampir zu verstören und Denis spĂ€ter zu konfrontieren. Als dieser keinerlei Einsicht zeigt, sieht Cassidy seinen Fehler ein. Er hĂ€tte ihn nie verwandeln dĂŒrfen und berichtigt seine Entscheidung, indem er Denis aus dem Fenster schubst und verbrennen lĂ€sst. Keine Ăberraschung also, eine solche Entwicklung hat sich in meinen Augen schon seit dem ersten Moment angedeutet. Wahrscheinlich war dies nur der lange Prolog und die Ăberleitung zu den âEnfantsâ.
Cassidy bleibt auch in anderen Belangen eine der interessantesten Figuren der Serie. In einem Tagtraum fantasiert er davon, Crack zu rauchen und die AffĂ€re mit Tulip (Ruth Negga) zu intensiveren, kann sich und seine Vampirinstinkte aber nicht zĂŒgeln und beiĂt sie. Das wirft seinen Schatten auf eine spĂ€tere Entwicklung voraus. Aber auch sein Wissen um seine dĂŒstere Vergangenheit, mit der er kĂ€mpft und hadert, wĂ€hrend sein Sohn sich keinerlei Grenzen aufsetzen lĂ€sst, ist eine durchaus spannende Charakterisierung. Der gequĂ€lte Vampir ist sicherlich nichts völlig Neues (siehe Angel aus Buffy the Vampire Slayer oder Stefan aus The Vampire Diaries), aber die richtige Dosis Cassidy mit dem richtigen Material macht die Figur sehr sehenswert.
Tulip breaks bad?
Tulip gewinnt auch langsam ihr Mojo zurĂŒck und nimmt sich einen VerkĂ€ufer vor, der sie fragt, wofĂŒr sie als afroamerikanische Person so viel Sonnencreme braucht. Gleichzeitig will sie damit einer mittellosen Mutter im GeschĂ€ft mit etwas Geld aus der Kasse des Kassierers mit rassistischen Tendenzen aushelfen, was aber auf Ablehnung stöĂt, weil es per Gewalt herangeschafft wurde. Mit Sonnencreme, Alkohol und Lippenpflegestift geht es dann zurĂŒck in Denis' Wohnung, um die Sachen zu packen. Aber nicht, ehe sie eine heruntergefallene Kamera entdeckt und daraus schlieĂt, dass sie von dem Grail-Personal beobachtet wurde.
Die Transferleistung, dass Featherstone (Julie Ann Emery) und Jenny es waren, schafft sie jedoch nicht, was mich stört. Denn die Preacher-Autoren sind leider viel zu oft der Ăberzeugung, dass es entweder den Zuschauer oder ihren Figuren an Intelligenz mangelt.
In dieser Episode gibt es mannigfaltige Beispiele dafĂŒr: Jesse, der Starr wegen der Platzpatronen der Angreifer fragt; Tulip, die Jennys Alter Ego nicht sieht (was von den Beispielen noch am nachvollziehbarsten ist) und Eugene der einem millionenfachen Massenmörder vertraut. In manchen FĂ€llen wird so etwas des Humors Willen gemacht, bei Jesse, Tulip und Cassidy jedoch eher fĂŒr verkappte Spannung und um die Handlung der Staffel auf 13 Folgen auszudehnen. Ich fĂŒr meinen Teil fĂŒhle mich fĂŒr dumm verkauft und denke, dass man das eleganter, schlauer und spannender lösen kann, ohne die Intelligenz aller Beteiligten zu beleidigen.
Zur Hölle mit Hitler
Dass mir die Höllenstoryline missfĂ€llt, habe ich in den Reviews zur noch aktuellen Staffel schon oft genug niedergeschrieben. Zwar hilft er Eugene immer wieder und die Autoren wollen eine Freundschaft zwischen den beiden darstellen, allerdings habe ich noch nie verstanden, warum man sich fĂŒr diese Persönlichkeit entschieden hat. Nach einem langen Irrweg kommen sie beim Höllenpförtner an, der ein Fluchtboot fĂŒr Eugene ĂŒber Hornsignale herbeirufen kann, da er ja eigentlich nicht in die Hölle gehört.

Allerdings hat Ms. Mannering etwas dagegen, weil Eugene einiges durcheinandergebracht und die Ordnung zerstört hat. Durch Hitler gelingt es, sie auszuknocken und die weitere Flucht anzutreten. Hitler will zurĂŒckbleiben, weil er meint, die Strafe zu verdienen, doch der naive und sentimentale Eugene will ihn zur gemeinsamen Flucht ĂŒberreden, zu der es auch kommt. In der normalen Welt angekommen hĂ€lt das BĂŒndnis jedoch nicht lange und der FĂŒhrer sucht das Weite, wird jedoch schnell von einem Auto angefahren und humpelt dann fort. Ihre Wege trennen sich offenbar wieder. Eugene hat der Welt die RĂŒckkehr von Hitler eingebrockt. Ist der Witz jetzt langsam auserzĂ€hlt oder mĂŒssen wir auch in Staffel drei (sofern sie kommt) davon belĂ€stigt werden? Eugene kann gerne bleiben, Hitler muss weg.
Forget to say goodbye
Eigentlich sind Tulip und Cassidy schon auf dem Weg zum nĂ€chsten Ort, als sich Tulip noch von Jenny verabschieden möchte. Sie bemerkt, dass auch sie in Aufbruchstimmung ist und sieht die Anleitung zur Seelentransaktion und spĂ€testens, als Hoover (Malcolm Barrett) aus dem Bad kommt, kann sie den lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lligen Schluss ziehen. Allerdings ist sie nur mit einem Schraubenzieher bewaffnet und Featherstone hat eine Pistole zur Hand. Eigentlich hĂ€tte ich gedacht, dass hier ein callback zu Tulips Besuchen in der Selbstmörderbar gemacht wird, aber die Autoren entscheiden sich anders und bringen sie auf die Schwelle des Todes, so dass Jesse sich von Starr loseist.
Der Scherge im weiĂen Anzug ist wieder mal mehrere Schritte und PlĂ€ne voraus und zeigt Jesse kurz vor seinem Abgang, dass er im Besitz seiner Seele ist - wer auch sonst? Aber das hĂ€lt ihn nicht ab, zu seiner Liebsten aufzubrechen. Nebenbei hat Starr auch noch die Macht, den bereits gerufenen Rettungswagen wieder abzubestellen und Jesse und Cassidy so panisch durchdrehen zu lassen.
Es hilft nichts: Weder normale WiederbelebungsmaĂnahmen noch Genesis oder Improvisation mit Kleber und Blutkonserven, weil nicht alle Zutaten verfĂŒgbar sind.

Cassidy sieht eine Option: Tulip soll zum Vampir werden und glaubt, dass sie anders als Denis nicht zum Scheusal wird. Doch lieber lĂ€sst Jesse sie sterben, als sie diesem Schicksal zu ĂŒberlassen. Wahrscheinlich aber auch, weil er weiĂ, dass es noch eine andere Lösung gibt. Mit ihrer Leiche auf der RĂŒckbank geht es zum Anwesen seiner GroĂmutter in Angelville.
In der letzten Szene der Staffel bestĂ€tigen die Autoren dann noch, dass Man-Dog offenbar tatsĂ€chlich Gott ist. Mehr als das GerĂ€usch seines Urinierens und ein gleiĂend helles Licht sehen wir aber noch nicht.
Fazit
Nun, da die zweite Staffel von Preacher vorbei ist, bliebt fĂŒr mich festzuhalten, dass ich es besser gefunden hĂ€tte, wĂ€re man bei zehn Folgen geblieben. Die Handlung steht stellenweise auf der Stelle und es scheint, als hĂ€tte man fĂŒr manche Figuren nur Filler gefunden. Tulips RĂŒckentwicklung ist traurig und schade zugleich und nun wird sie im Finale zum Opfer. FĂŒr mich funktioniert der Humor der Serie auch leider nur noch selten. Ich glaube das, was die Autoren witzig finden, belĂ€chle ich nur mĂŒde oder finde es abgedroschen, was ich schade finde, weil Comicautor Ennis eigentlich ein Meister des tiefschwarzen Humors ist.
Die erzĂ€hlerische Taktik mit einer potentiell toten Tulip ist durchaus gewagt, sollte es keine dritte Staffel geben, was inzwischen unwahrscheinlich sein sollte, wĂ€re das ein ordentlicher Tritt in die Weichteile der Zuschauer. Aber auch Cassidys Storyline und die Zeit in der Hölle mit Eugene wirkte in der Mehrzahl der FĂ€lle verschenkt. Bei der FĂŒlle von erinnerungswĂŒrdigen, krassen, ĂŒberzogenen, ekelhaften und schaurigen Figuren, die die „Preacher“-Vorlage bietet, stöĂt das bei mir auf UnverstĂ€ndnis.
Und um es noch mal zu betonen: eine genaue, detailverliebte und werkgetreue Umsetzung brauche ich gar nicht, aber das Potential, das die TV-Serie bisher leider nur sporadisch zur Schau stellt, muss besser genutzt werden. Meinetwegen dreht voll auf die Zwölf und macht keine Gefangenen, sondern geht völlig steil, aber lasst die Zeitverschwenderei mit uninteressanten und repetitiven Nebenhandlungen.
Insgesamt kann man beim Tempo etwas auf die Tube drĂŒcken, denn von den gut 75 Comicheften wurde bisher gerade mal ein kleiner Bruchteil zur Inspiration herangezogen.
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 12. September 2017(Preacher 2x13)
Schauspieler in der Episode Preacher 2x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?