Preacher 2x07

Preacher 2x07

In der Preacher-Episode Pig kann ein Schwein tatsächlich fliegen und wir lernen außerdem die Figur Herr Starr näher kennen. Jesse, Tulip und Cassidy erhalten währenddessen Zeit zur Reflexion.

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“ / (c) AMC

Nach der letzten Folge glaubt Jesse Custer in der Preacher-Folge Pig den Saints of Killer losgeworden zu sein. Doch sind wir mal ehrlich: Es wird sicherlich nicht reichen den unsterblichen und nahezu unbesiegbaren Cowboyserienkiller in einem Truck in einem simplen See zu versenken. Eigentlich müsste unsere Hauptfigur schlauer sein als das.

Die Suche nach Gott ist derweil auch als Misserfolg zu verbuchen und Jesse glaubt, dass der Trip in The Big Easy ein Fehler war. Zeit also sich abzulenken und so schlägt Cassidy (Joseph Gilgun) einen Trip in den Hurt Locker vor. Hier können sich Mutige von Pistolen frei wählbarer Größe beschießen lassen, während die Zielpersonen eine schusssichere Weste tragen. Wer überlebt, kassiert Geld, stirbt jemand, geht das Geld an alle anderen. Unser Trio wittert die Chance auf einfaches Geld und so spielen Vampir Cassidy und Tulip (Ruth Negga) den Schnapsdrosseln etwas vor. Natürlich muss es die allergrößte Kanone sein, die auf Cassidy geschossen wird und so ordentlich Geld in die Kassen spült und ihnen den freien Zugang zur Bar schenkt.

Who wants to live forever?

Während Tulip und Jesse sich verziehen, bleibt Cassidy mit seinem Sohn Denis (Ronald Guttman) zurück. Da Cassidy bisher in keiner Weise etwas gegen sein Kommunikationsproblem getan hat, versteht er auch nicht, dass sein Sohn ihm versucht hat mitzuteilen, dass er an einer Herzkrankheit sterben wird, was ihm von einem freundlichen Französischprofessor übersetzt wird. Er könnte seine Versäumnisse als Vater jedoch wiedergutmachen, wenn er ihm ewiges Leben schenkt, was er jedoch zunächst ablehnt.

Tatsächlich habe ich mich schon gefragt, wie lange sie diese Sprachbarriere noch aufrechterhalten wollen und ich frage mich auch, ob die Serienmacher glauben, dass Französisch von so wenigen Leuten verstanden wird, dass sie sich für diese Sprache entschieden haben. Insgesamt glaube ich auch, dass sie es für einen cleveren Einfall halten, dass die Auflösung natürlich im sehr französisch geprägten Nachtleben von New Orleans präsentiert wird. Dass man Cassidy mit seinem Dasein als Untoter konfrontiert und ihn in Versuchung führt, sein eigenes Fleisch und Blut zu verwandeln, halte ich für interessant.

Um die Antipathie der beiden - oder besser gesagt von Denis für seinen Vater - wurde ja von Beginn an kein großes Geheimnis gemacht. Nun ist nur die Frage, ob eine interessante Geschichte dabei herausspringt. Cassidy wird kurzzeitig von einem der beiden Aufräumservices aufgelesen, die passenderweise in „betrunken“ und „gestorben“ getrennt sind, wobei er nach dem Aufwachen in der Leichenhalle mit der Trauer einer Familie konfrontiert wird, die ihn zum Umdenken bringen könnte. Doch will er sein Schicksal, das bisher nicht wie das allerbeste Leben wirkt, jemand anderem zumuten? Und dann noch seinem Sohn?

Dieses miese Gefühl

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“ - © AMC

Seit der Saint of Killers Tulip im Würgegriff hatte, ist sie traumatisiert und glaubt nicht so recht daran, dass dieses Schreckgespenst wirklich erledigt ist. Jesse versichert ihr, dass er sich darum gekümmert hat, doch wir wissen, wie fragil seine Lösung ist. Das verfolgt sie bis in ihre (Alp-)Träume, wo sie sich erträumt, dass er wieder in Denis' Wohnung zurückgekehrt ist.

Mir war diese Sequenz schlicht und ergreifend zu lang und zu vorhersehbar. Dass Tulip nicht stirbt, kann sich wohl jeder denken. Doch wie hier Zeit vergeudet wird, geht mir gegen den Strich. Die Autoren denken, dass sie Suspense erzeugen, haben bei mir als Zuschauer aber auf ganzer Linie versagt und lassen mich eher auf die Uhr schauen.

Insgesamt geht die Tendenz bei Tulip in dieser zweiten Staffel ohnehin in eine Richtung, die mir nicht zusagt. Wo ist die Powerfrau aus Staffel eins, die so grandios im Piloten eingeführt wurde? Ein klein wenig Wiedergutmachung erhält die Figur, als sie in den Hurt Locker zurückkehrt und sich selbst als Schussopfer zur Verfügung stellt und gleich zwei Mal auf sich schießen lässt. Dass ihr der Saint of Killers Angst einflößt ist okay, doch lasst sie bitte wieder etwas aktiver und weniger „Damsel in Distress“ werden, liebe Autoren.

The End is Nigh

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“ - © AMC

Jesse spricht derweil mit dem Weltuntergangsfanatiker, der gegen Bier für philosophische Gespräche zu haben ist und von dem er nicht sicher ist, ob er ein Trickbetrüger oder ein Verrückter ist. Nicht nur wird hier das Ableben von Tom Cruise noch einmal erwähnt und Trumps Existenz in dieser Welt bestätigt, sondern Jesse spricht auch über den Deal um rund ein Prozent seiner Seele, um dem Saint of Killers ein Schnippchen zu schlagen. Allerdings hält der Straßenprediger genau das für ein Zeichen der Apokalypse und fände eine Nierenspende eine weitaus noblere Geste.

Was genau dieses Gespräch für das große Ganze nun für eine Bewandtnis hat, außer Jesse vielleicht in gewisser Form wachzurütteln, erschließt sich mir auch nicht. Tulips und Jesses Handlungsbögen der Episode fühlen sich unnötig an und bringen die Handlung nur wenig voran. Bei Cassidy kann ich wenigstens einen emotionalen Bogen erkennen. Doch der eigentlich Starr (sic!) der Show kriegt ohnehin die meiste Screentime.

Sobald Schweine fliegen können...

In Vietnam beobachten zwei Schweinefarmer beim Essen ein Phänomen: Eins ihrer Schweine kann plötzlich schweben. Warum ist nicht ganz klar und ist auch bis zum Schluss der Episode unklar, obwohl wir die Erklärung eines Wissenschaftlers hören, der eindeutig an Stephen Hawking erinnern soll. Doch nach dieser Episode liegt der Verdacht nahe, dass jeder gekauft sein könnte...

Jedenfalls kümmert sich Klaus Helmut Starr (Pip Torrens) persönlich um die Angelegenheit. Zunächst sieht es so aus, als benötige er 30 Mann Verstärkung, doch bald stellt er fest, dass er den Fall allein klären kann, was bedeutet, dass das gesamte Dorf plus Schwein am Ende des Tages tot ist.

In einem Flashback ins Jahr 2004 erfahren wir mehr zu diesem deutschen GSG-9-Elitesoldaten, der mit vier Jahren zum Waisen wurde. Er wird von einem gewissen Saltonstall (Fredric Lehne) ausgesucht, um die harte Rekrutierungsroutine des Grail durchzumachen, wobei dort nur lupenreine Christen zugelassen sind. In Disziplinen wie einem Militär-Parcours, Zweikampf, der Kunst der Verführung (und Informationsbeschaffung), Folter und Elektroschocktherapie sowie Schusstraining werden alle Kandidaten rigoros ausgesiebt, ehe nur noch einer übrig ist. Das kann nur Starr sein, denn den letzten Konkurrenten erschießt er einfach selbst.

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Pig“ - © AMC

Dieser Mann ist - und das kann man kaum beschönigen - sehr eigen. Empathie? Fehlanzeige. Taktgefühl oder Scham? Nicht vorhanden. Menschliche Interaktion? Eine Niete. Dennoch erhält er offenbar immer genau das, was er will.

In diesem Fall ist es der Zugang zu einer jahrhundertealten christlichen Geheimorganisation, die glaubt, dass Christus noch lebt und die ihre Zeit damit verbringt, falsche Propheten (darunter Lincoln und Belushi) aus dem Verkehr zu ziehen.

Als ihm Saltonstall alles Wissenswerte vermittelt hat, was es über den Gral zu wissen gibt, wirft Starr ihn einfach spontan über den Balkon und nimmt somit seine Postion ein. So schnell kann es gehen (wobei man bei aller Comiclogik doch hinterfragen muss, ob die Organisation mitspielen würde und ihn nicht erst einmal klein anfangen lässt oder sich wundert, was mit Saltonstall passiert ist).

Wie einflussreich die Organisation ist, zeigt sich an der TV-Version der Ereignisse, wo besagter Wissenschaftler das fliegende Schwein erklärt (Stichwort „meat balloon“), wobei anzunehmen ist, dass er auf der Gehaltsliste des Grals steht. Offenbar kümmert man sich nämlich um Ereignisse, die nicht in den Plan passen und ihr nächstes Ziel lautet Jesse Custer.

Herr Starr gehört in der Comicvorlage zu den faszinierendsten Figuren, die Garth Ennis und Steve Dillon geschaffen haben und abseits der sonst etwas zähen Episode, zählt seine kleine origin zu den Highlights. Es ist dieses larger than life-Element der Figur, das die Comicvorlage teilweise zu einem großen mindfuck werden lässt. Denn bei manchen Dialogen glaubt man seinen Augen und Ohren einfach nicht, was hier schon einmal zumindest angedeutet wird.

Fraglich wie immer für mich ist jedoch, ob man es diesmal schafft auch nur ein Zehntel der Verrücktheit rund um den Gral und Starr in der TV-Serie zu adaptieren. Gespannt bin ich, ob und wie der Allfather D'Aronique eingeführt wird.

Fazit

Hätte sich die Folge Pig nur um das Trio gedreht, wäre diese Preacher-Folge wohl ein Totalausfall gewesen - mit Ausnahme von Cassidy vielleicht. Die Abgedrehtheit von Herr Starr wird bereits gut angedeutet und bringt den nächsten Schurken zur Serie, mit dem nicht zu spaßen ist, während der Saint of Killers natürlich nicht abgeschrieben werden sollte. Hoffentlich sorgt Starr wieder für etwas mehr Tempo und Herausforderungen für Jesse und Co.

Denn die Serie muss in dieser Staffel wieder besser auf Trab kommen und vielleicht ist es schon an der Zeit, New Orleans wieder hinter sich zu lassen und einen neuen Ort anzupeilen. Meine Vermutung ist aber leider, dass der Rest der Staffel weiterhin hier spielt. Aktuell ist die Qualität der einzelnen Episoden einfach zu wechselhaft.

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 1. August 2017
Episode
Staffel 2, Episode 7
(Preacher 2x07)
Titel der Episode im Original
Pig
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 31. Juli 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 1. August 2017
Regisseur
Wayne Yip

Schauspieler in der Episode Preacher 2x07

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?