Preacher 2x01

© zenenfoto aus der âPreacherâ-Episode âOn the Roadâ / (c) AMC
Die Serie Preacher war in ihrer ersten Staffel oft ein wildes Mischmasch aus kontroversen, abgedrehten und grenzwertigen Momenten und Leerlauf, bei dem man sich manchmal fragte, was das ganze soll, sowie einer Vorbereitung auf den groĂen Knall, der im Staffelfinale dann auch im wortwörtlichen Sinn gekommen ist und die gesamte Stadt Annville und ihre Bewohner mitgenommen hat.
Mit der zweiten Staffel haben die Kreativen um Evan Goldberg, Seth Rogen und Sam Catlin nun die Chance auf einen frischen Start und die Möglichkeit den wilden Road-Trip, der im Herzen der Comicvorlage sitzt umzusetzen. Der Auftakt On the Road lĂ€sst es so aussehen, als wolle man genau das umsetzen, denn das Trio Jesse (Dominic Cooper), Tulip (Ruth Negga) und Cassidy (Joseph Gilgun) befindet sich auf StraĂe und der Suche nach einem Gott, der keine Lust mehr auf seinen Job hat.
Im Auto selbst finden dann Unterhaltungen oder merkwĂŒrdige Monologe zum Thema Beschneidung statt, wird ĂŒber die QualitĂ€t von Songs geredet, die schnell von schlecht zu gut werden können, wie im Fall von âCome on Eileenâ und auch das Geschwindigkeitslimit gilt eher als Richtlinie, denn als Gesetz, mit Jesse Gabe dem Genesis, kann man die meisten Menschen nach seiner Pfeife tanzen lassen, wie etwa die Polizisten, die es wagen die Verfolgung aufzunehmen.
A bloody mess

Fast hĂ€tte man vergessen können, was fĂŒr eine blutige Angelegenheit die Serie ist, wird aber dann doch sehr schnell daran erinnert als der Saint of Killers (Graham McTavish) die bleihaltige Verfolgung aufnimmt und die ganze lokale Polizei auseinandernimmt - und das wieder wortwörtlich. Zimperlich sind die Serienmacher und ihre Special-Effects-Crew nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht und so schlĂ€gt man nicht nur in Punkto Gewalt, sondern auch Ekel wieder ĂŒber alle StrĂ€nge, wenn etwa das Benzin ausgeht und die einzige Möglichkeit zum Abpumpen der Darm eines Toten ist. Respekt ist anders, aber genau diesen Ruf der Respektlosigkeit möchte sich Preacher auch im Fernsehen erarbeiten.
Galgenhumor wird jedenfalls groĂ geschrieben, auch wenn Cassidy sich unter Regenschirmen und Autos versteckt, um nicht in Flammen aufzugehen, sich wie ALF Katzen einverleibt, um wieder fit zu werden, ein Polizist sich die Hoden mit TrĂ€nengas einsprĂŒhen soll oder ein Yogurtdrink zum Heilmittel gegen Darmgeschmack im Mund wird.
Unausgewogen

Dennoch bleibt - zumindest im Auftakt - eine SchwĂ€che der ersten Staffel erhalten: Nach einer herrlich chaotischen Szene wie dem High-Way-Shootout, lĂ€sst sich die Energie nicht auf den Rest der Episode ĂŒbertragen. Ja, es gibt immer mal wieder ein paar abstruse Momente, etwa den Geistlichen Mike, der seine Klienten in einem KĂ€fig mit einer Decke hĂ€lt, um sie von ihren schlechten Angewohnheiten zu befreien, was im Fall von Ashley wohl ihre Handysucht ist oder Eddie der Hund, der so alt ist, dass er nicht mehr beiĂt. Es gibt immer wieder die weirden WTF-Momente oder die extremen Gewaltakte, etwa als der Saint of Killers dem Besitzer des Ladens fĂŒr sein durch Jesse verdonnertes Schweigen die Zunge herausreiĂt.

Doch dann gibt es im Gegenzug auch die teilweise unerklĂ€rliche Langatmigkeit an manchen Stellen. In dieser Folge fĂ€llt das zum GlĂŒck noch nicht so ins Gewicht, aber in Staffel eins fragte man sich manchmal, warum man Zeit mit gewissen Figuren verbringt, wenn man doch eigentlich hauptsĂ€chlich am Trio interessiert ist.
Gott liebt Jazz
Dem entgegengewirkt hat man durch die geringere Anzahl der Figuren. In Folge eins sind es jetzt vielleicht sechs Figuren, die eine Rolle spielen. Neben Jesse, Tulip, Cassidy und Mike sind das der stĂ€ndig im Verfolgermodus befindliche Saint sowie Stripclubbesitzerin Tammy, die offenbar Bekanntschaft mit Gott gemacht hat, aber lediglich von seiner Liebe fĂŒr Jazz erzĂ€hlen kann, ehe sie durch einen typischen Freakunfall stirbt, bei dem Cassidy nicht ganz unschuldig ist.
Friends with Benefits?

Unterschwellig werden in der Folge auch weitere Konfliktherde vorbereitet. Die Tatsache, dass Cassidy und Tulip etwas miteinander hatten, schwebt weiterhin im Raum. Der Vampir wĂŒrde es seinem Kumpel am liebsten beichten, wĂ€hrend Tulip ihn vor einigen Schattenseiten des Geistlichen warnt und deswegen abrĂ€t. Auf die Spitze getrieben wird das Liebesdreieck dadurch, dass man sich zu dritt eine Decke und ein Bett teilen muss und Cassidy fast schon unterwĂŒrfig anbieten, dass die beiden Sex haben können, weil er es aus seiner irischen Heimat gewohnt ist.
Damit gedulden sie sich aber, bis zu einer anderern Situation, in der Tulip Jesse in alten Erinnerungen schwelgen und ihn die BadezimmertĂŒr aufbrechen lĂ€sst, damit sie intim werden können, wĂ€hrend im Zimmer nebenan Cassidy doch als Zeuge dem SchĂ€ferstĂŒndchen beiwohnt.
Foreshadowing
Der Besuch bei Mike bringt Jesses Mutter ins Spiel, was Comickenner aufhorchen lÀsst, wobei die Reihenfolge einiger Ereignisse in der TV-Version nicht mehr so leicht zu bestimmen ist, weil Rogen, Goldberg und Co. ihr eigenes Tempo an den Tag legen. Wer weià also, ob diese Story in Staffel zwei thematisiert wird, aber warum erwÀhnen, wenn man nichts daraus macht?
Wie eine unaufhaltsame Lokomotive folgt derweil der Saint of Killer dem Trio ĂŒberall hin und das meist nur wenige Minuten nachdem sie irgendwo eingekehrt sind. Beim Rauchen in der Nacht bemerkt Jesse ihn jedenfalls und muss einsehen, dass es KrĂ€fte gibt, die selbst gegen Genesis immun sind.
Fazit

Im ersten Drittel der Preacher-Episode On the Road habe ich gemerkt, dass ich die Serie vermisst habe, in den beiden anderen Dritteln sind dann wieder einige alte SchwĂ€chen aus Staffel eins aufgetaucht, gegen die man aber noch etwas unternehmen könnte. Die Ausgewogenheit muss einfach stimmen zwischen Actionszenen, die brutal ĂŒberzogen und in ihrer Boshaftigkeit Grenzen sprengen, FreundschaftserzĂ€hlung und dem zentralen Road-Trip- und Gottfindungsmotiv der Serie.
Der VerhĂ€ltnis passt eben nicht immer und so wird eine tolle WiedereinfĂŒhrung durch eine bisweilen lahme Fortsetzung ausgeglichen.
Spannend ist, dass Jesse eventuell im Saint of Killer einen Meister gefunden hat, den er nicht so einfach per Genesis ĂŒberlisten kann, dennoch hoffe ich, dass der Gegner, den wir schon in Staffel eins zu GenĂŒge gesehen haben, einen GroĂteil der zweiten Staffel mitmischt. Dann doch lieber etwas mehr Abwechslung, die die Comicvorlage in dieser Angelegenheit auf jeden Fall anbietet.
Trailer zur Episode Mumbai Sky Tower der Serie Preacher (2x02):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 26. Juni 2017Preacher 2x01 Trailer
(Preacher 2x01)
Schauspieler in der Episode Preacher 2x01
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