Pitch 1x10

Pitch 1x10

Die Baseballserie Pitch beendet ihre erste Staffel mit der Episode Don't Say It. Trotz des gelungenen Abschlusses konnten die von der Pilotepisode geweckten Erwartungen nicht immer erfüllt werden. Zu oft ruhte sich das Format mit dem Rückgriff auf bekannte Erzählmuster aus.

Zwischen Ginny (Kylie Bunbury) und Mike (Mark-Paul Gosselaar) ist längst nicht alles geklärt. / (c) FOX
Zwischen Ginny (Kylie Bunbury) und Mike (Mark-Paul Gosselaar) ist längst nicht alles geklärt. / (c) FOX
© wischen Ginny (Kylie Bunbury) und Mike (Mark-Paul Gosselaar) ist längst nicht alles geklärt. / (c) FOX

Vor zweieinhalb Monaten startete das Baseballdrama Pitch bei FOX äußerst vielversprechend. Dieses Niveau konnte die neue Serie im Verlauf der ersten Staffel nur gelegentlich halten, jedoch ist die Abschlussepisode Don't Say It ein Beweis dafür, dass das Kreativteam um die Serienschöpfer Dan Fogelman und Rick Singer, die auch das Drehbuch zum Finale beisteuerten, jederzeit zu alter Form auflaufen kann.

Frühes Ende

Die letzte Episode in einer für Networkverhältnisse äußerst kurzen Staffel schließt mit offenem Ende ab. Bisher ließ sich der Sender hinsichtlich einer möglichen Verlängerung nicht in die Karten schauen. Das ist besonders an einem Freitag bedauerlich, suchen sich die Networks doch oftmals diesen Tag kurz vor dem Wochenende aus, um unbequeme Nachrichten an ein möglichst kleines Publikum zu verbreiten. Überraschend wäre eine Absetzung angesichts der anhaltend schlechten Einschaltquoten jedenfalls nicht, bedauerlich dafür aber umso mehr.

Die Handlung knüpft in leicht verschachtelter Weise genau dort an, wo die letzte Episode aufgehört hatte. Ginny (Kylie Bunbury) wird von ihrer besten Freundin Evelyn (Meagan Holder) geweckt, die alles über die letzte Nacht wissen will, wobei sie noch keine Ahnung davon hat, was wirklich vorgefallen ist. Bekanntlich hatte Ginny ihr neues love interest, den Techmilliardär Noah (Tyler Hilton), sitzengelassen, um einen letzten Abend mit ihrem Teamkollegen und Mentor Mike Lawson (Mark-Paul Gosselaar) zu verbringen, bevor der sich zu den Chicago Cubs verabschieden würde.

Am Ende kam natürlich alles anders als gedacht, wobei sich ein äußerst intimer Moment zwischen Ginny und Mike ereignete, dessen Auswirkungen einen Teil der Finalepisode bestimmen. Nun war ich seit der Einführung des Handlungsbogens um Ginny und Mike als mögliches Liebespaar mit der ersten Andeutung in Unstoppable Forces & Immovable Objects alles andere als begeistert. Es ist eine TV-Trope, die bei mir mittlerweile keinerlei Spannung mehr hervorzurufen vermag. Die beiden Hauptfiguren aufeinander loszulassen, ist nur noch müdes storytelling.

Umso erleichterter war ich, den weiteren Verlauf dieses Erzählstrangs zu verfolgen. Ginny und Mike wissen am nächsten Tag nicht so genau, wie sie miteinander umgehen sollen. Erschwert wird das durch die Anwesenheit von Mikes Exehefrau Rachel (JoAnna Garcia Swisher) im Clubhaus. Sie ist dort, um Ginny zu interviewen, wobei es vor allem um deren Sichtweise ihrer eigenen bisherigen Errungenschaften geht. Sieht sie sich in einer Reihe mit solchen Vorreiterinnen wie Althea Gibson oder Babe Didrikson Zaharias?

A marshmallow center

Mit all ihrer Routine wehrt Ginny solche Vergleiche souverän ab, jedoch kommt es auf dem Platz bald darauf zu einer Situation, die ihr einen neuen Rekord einbringen könnte. Trotz der Warnungen von Zahlennerd Ross (Josh Peck) hinsichtlich einer möglichen Überlastung bekommt sie von Clubchef Charlie (Kevin Connolly) ein letztes Spiel zugestanden, bevor sie eine Pause von mehreren Spielen einlegen muss, um ihren Wurfarm zu schonen. Zu diesem Zeitpunkt weiß der geübte Zuschauer, dass ebenjenes letzte Spiel der Finalhöhepunkt sein wird.

Bevor es allerdings so weit kommt, sind für Ginny noch andere Brandherde zu löschen - beziehungsweise zu entflammen. Dank Evelyn erfährt ihre resolute Managerin Amelia (Ali Larter) vom Betrug ihres Bruders Will (B. J. Britt). Von Amelia vor die Wahl gestellt, entscheidet der sich erneut zur Lüge, bevor er von Ginny ertappt wird. Sie entsagt ihm die weitere Unterstützung für sein Restaurantprojekt, womit ein weiterer Handlungsbogen endet, der mir viel zu sehr nach TV-Konserve roch. Die Geschichte vom nichtsnutzigen Bruder, der die Hauptfigur mit seinen Kalamitäten belastet, ist nun wahrlich keine innovative.

Trotzdem kann Ginny die Einmischung ihrer Managerin nicht gutheißen. Zwischen den beiden kommt es zum Streit, was angesichts des Verlaufs der ersten Staffel keine Neuigkeit ist, in dieser Heftigkeit bisher aber nicht vorkam. Am Ende steht Amelia mit einer Klientin weniger da, was beide Beteiligten angesichts der Entwicklungen auf dem Spielfeld besonders schmerzen dürfte. Dort ist nämlich - auf dem Höhepunkt der Staffel - genau das eingetreten, wovor der gute Ross gewarnt hatte - Ginny hat sich überspielt. Dabei war sie doch gerade auf dem Weg zu einem No-Hitter.

Viel wichtiger als das Einheimsen dieses Rekords ist für Ginny jedoch der persönliche Reifeprozess, den sie bis dahin durchgemacht hat. Mike, mit dem sie immer noch nicht über die vergangene Nacht gesprochen hat, schwingt sich während ihrer Schwächephase schon zu einer seiner berühmten Reden auf, da unterbricht sie ihn harsch und beginnt ihre eigene Philippika: „I don't need a man to rescue me. I'm the one on the mount right now. Me. I throw the ball, I give the speeches and I decide if we're gonna talk about the other night. Not you.

Superstitious whimps

Genau diese Momente sind es, in denen sich Pitch zu absoluter Höchstform aufschwingt. Sie vereinen Pathos mit Emotion und werden vor allem von starken Frauenfiguren dominiert, was selbst in Zeiten von Peak TV bedauerlicherweise immer noch eine Seltenheit ist. Dies ist vielleicht das wichtigste Merkmal, das diese Serie auszeichnet. Sie verfügt nicht nur über eine interessante Frau - Ginny -, sondern auch über Amelia, Evelyn und Rachel. Und sie ist deshalb trotzdem keine „Frauenserie“, denn es gibt überdies Mike, Oscar (Mark Consuelos) und Blip (Mo McRae).

Wegen solcher dramatischer Augenblicke lässt sich allzu leicht vergessen, wie witzig die Serie ist. Alleine in dieser Episode gibt es mehrere Szenen, die mich laut auflachen ließen. Dazu gehört der Moment, als Mike seine Exehefrau sowie sein eventuelles love interest im Gespräch miteinander sieht und einfach stehenbleibt: „Just because you're not moving doesn't mean we can't see you.“ Oder diejenige, in der sich er und Trainer Al (Dan Lauria) über seinen geplatzten Wechsel nach Chicago unterhalten: „Besides, the Cubs'll never win it.“ (Zur Aufklärung: Die Cubs waren bis zum Ende dieser Saison das Team mit der längsten Meisterschaftsdurststrecke; ganze 108 Jahre holten sie keinen Titel.)

Neben den bisher kritisierten Elementen - bisweilen zu viel Melodram und zu wenig Baseball - lässt sich anführen, dass Ginny oftmals zu naiv dargestellt wurde für eine Profisportlerin, die seit früher Kindheit nichts anderes macht, als Baseball zu spielen. In dieser Episode ist das auch wieder der Fall, als sich Ginny darüber wundert, dass sich alle ihre Teamkollegen von ihr abwenden, um sie nicht von ihrem no-hitter abzulenken - diese Tradition müsste ihr hinlänglich bekannt sein. Des Weiteren haben die Rückblenden nur selten funktioniert, weshalb ich froh darüber war, dass sie zum Ende der ersten Staffel eingestellt wurden.

Das grandios gestartete Baseballdrama Pitch konnte nur selten an die Qualität der Auftaktepisode anknüpfen, war aber trotzdem eine Serie, auf die ich mich jede Woche freute. Darum wäre es schade, würde sie nach nur zehn Episoden abgesetzt werden. Unmengen weiterer interessanter Geschichten ließen sich mit dem hervorragenden Ensemble nämlich problemlos erzählen.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 9. Dezember 2016

Pitch 1x10 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 10
(Pitch 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Der letzte Start
Titel der Episode im Original
Don't Say It
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 8. Dezember 2016 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 24. Juli 2020
Regisseur
Paris Barclay

Schauspieler in der Episode Pitch 1x10

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