Ein amüsanter Aspekt ihres Werdegangs ist, dass Hunter Schafer ursprünglich keine Schauspielerin werden wollte, sondern Kleidung entwerfen und als Künstlerin arbeiten wollte. Eine weitere kuriose Vorbereitung für Cuckoo (2024) bestand darin, dass sie für ihre Rolle lernte, Bass zu spielen und mit einem Butterflymesser umzugehen. Diese Kombination aus bildender Kunst, Mode, Aktivismus und Schauspiel prägt ihr öffentliches Bild bis heute.
Hunter Schafer wuchs in Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina auf. Sie ist das älteste von vier Geschwistern und verbrachte ihre Jugend in einer Familie, die sie nach eigenen Angaben bei ihrer Transition unterstützte. Bereits als Schülerin beschäftigte sie sich intensiv mit Zeichnen, Malerei und visueller Gestaltung. Sie besuchte die University of North Carolina School of the Arts und studierte dort visuelle Kunst. Neben der Schule veröffentlichte sie zwischen 2015 und 2018 eigene Zeichnungen und Gemälde im Online-Magazin Rookie.
Parallel zu ihrem künstlerischen Interesse begann Schafer, sich als Model zu etablieren. Sie lief unter anderem für Helmut Lang, Miu Miu und Marc Jacobs und arbeitete mit international bekannten Modehäusern zusammen.
In Euphoria (2019-2026) verkörperte Schafer Jules Vaughn, eine transgeschlechtliche Teenagerin, die neu in eine Kleinstadt zieht und dort eine intensive, verletzliche Beziehung zur Hauptfigur Rue Bennett eingeht. Jules ist kreativ, modebewusst, romantisch und zugleich stark von Einsamkeit, Selbstzweifeln und dem Wunsch nach Anerkennung geprägt. Schafer zeigte die Figur nicht nur als Liebesinteresse, sondern als eigenständige junge Frau mit eigenen Konflikten und Wünschen. Im Verlauf der Serie entwickelt sich Jules von einer neu angekommenen Schülerin zu einer Figur, die ihre Beziehungen, ihre Sexualität und ihre Rolle im Freundeskreis neu bewertet. Besonders ihre Verbindung zu Rue, gespielt von Zendaya, steht im Mittelpunkt mehrerer Handlungsstränge. Die beiden jungen Frauen lieben einander, verletzen sich aber auch gegenseitig, weil beide mit Abhängigkeit, Angst und unterschiedlichen Erwartungen kämpfen. Diese Dynamik prägt die zweite Staffel der Serie erheblich. Schafer war in Euphoria (2019-2026) in 24 Episoden zu sehen und wirkte zudem als ausführende Produzentin mit.
Neben ihrer Arbeit für „Euphoria“ wagte Schafer den Schritt in den Film. 2021 sprach sie eine Rolle in der englischen Fassung des japanischen Animationsfilms „Belle“ von Mamoru Hosoda. Der Film erzählt die moderne Version des Märchens „Die Schöne und das Biest“ und spielt teilweise in einer virtuellen Welt.
Ihre erste größere Filmrolle folgte 2023 in „The Hunger Games: The Ballad of Songbirds & Snakes“ (2023). Schafer spielte Tigris Snow, die Cousine des späteren Diktators Coriolanus Snow. Tigris ist eine einfühlsame, stilbewusste und kluge junge Frau, die in Panem einen schweren sozialen Abstieg erlebt. Sie unterstützt ihren Verwandten zunächst, gerät jedoch zunehmend in einen moralischen Konflikt mit dessen rücksichtslosem Aufstieg. Die Handlung des Films spielt Jahrzehnte vor den Ereignissen der ursprünglichen Hunger-Games-Filme. Tigris hilft ihrer Familie nach dem Verlust ihres Vermögens und arbeitet in einer Schneiderwerkstatt, während Coriolanus als Mentor an den Hungerspielen teilnimmt. Schafer zeigte eine Figur, die zwischen familiärer Loyalität und wachsender Distanz steht.
Anno 2024 übernahm Schafer in dem Film „Cuckoo“ ihre erste Hauptrolle in einem Spielfilm. Der Psychothriller von Tilman Singer spielt in den bayerischen Alpen und zeigt die 17-jährigen Gretchen, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater, dessen neuer Frau und deren Kind in einen abgelegenen Ort zieht. Gretchen ist trauernd, wütend und isoliert, während sie in einem Hotel arbeitet und zunehmend unheimliche Vorfälle beobachtet. Gretchen entwickelt sich im Film von einer rebellischen Teenagerin zu einer entschlossenen Überlebenden. Sie untersucht die seltsamen Vorfälle, stellt Fragen und gerät dabei in Konflikt mit dem mysteriösen Herrn König, gespielt von Dan Stevens. Gretchen ist geprägt von Verlust, Wut und dem Gefühl, in einer Familie keinen sicheren Platz zu haben.
Ebenfalls 2024 war Schafer in „Kinds of Kindness“ von Giorgos Lanthimos zu sehen. Der Film besteht aus mehreren miteinander verbundenen Geschichten und versammelt ein Ensemble bekannter Schauspielerinnen und Schauspieler. Schafer übernahm eine kleinere Rolle innerhalb dieses ungewöhnlichen Erzählgefüges.
Anschließend übernahm sie eine Rolle in „Mother Mary“ (2026), einem Musikdrama von David Lowery. Der Film handelt von einer berühmten Sängerin und ihrer langjährigen Beziehung zu einer Modedesignerin. Schafer spielte an der Seite von Anne Hathaway und Michaela Coel.
Schafer wurde außerdem für die Miniserie Blade Runner 2099 in der Rolle der Cora besetzt, eine Fortsetzung des Science-Fiction-Universums von Blade Runner. Das Projekt verlagert die Handlung in eine Zukunftswelt, in der Menschen, Replikanten und technologische Machtverhältnisse im Mittelpunkt stehen.
Schafer wurde ab 2020 zur globalen Botschafterin für Make-up von „Shiseido“. Ihre erste große Kampagne für die Marke erschien 2021 und stellte Make-up als Form künstlerischer Selbstgestaltung dar. In dem Video bewegte sie sich tänzerisch durch eine helle, traumhafte Kulisse und präsentierte eine Foundation der Marke. Die Kampagne betonte Individualität, Leichtigkeit und kreative Freiheit statt eines starren Schönheitsideals.
Schafer ist transgeschlechtlich und sprach bereits in ihrer Jugend öffentlich über ihre Identität. Sie outete sich zunächst als homosexuell und erklärte später in der ersten Klasse der High School, dass sie trans sei. Ihre Familie unterstützte sie dabei, obwohl ihr Vater als Pastor arbeitete. Schafer wurde früh auch als Aktivistin für die Rechte transgeschlechtlicher Menschen bekannt und trat unter anderem in politischen und gesellschaftlichen Debatten in Erscheinung.
In ihrem Privatleben war Schafer nach eigenen Angaben 2019 für fünf Monate mit der Sängerin Rosalía liiert. Von 2022 bis 2023 hatte sie eine Beziehung mit ihrem „Euphoria“-Kollegen Dominic Fike, den sie bei den Dreharbeiten zur zweiten Staffel kennengelernt hatte. Die Beziehung endete 2023, und Schafer erklärte später, dass Untreue eine Rolle gespielt habe.