Person of Interest 5x12

Person of Interest 5x12

Person of Interest nähert sich mit .exe der Zielgeraden. Harold bricht auf, Samaritan zu zerstören. Reese und Shaw sind auf der Suche nach Harold, um ihm zu helfen. Und sogar Edward Snowden spielt eine kleine, aber bedeutsame Rolle im Kampf um die Zukunft der Menschheit.

Finch und Greer in „Person of Interest“ / (c) CBS
Finch und Greer in „Person of Interest“ / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge .exe:

Nachdem er den ICE-9-Virus an sich gebracht hat, besorgt sich Finch (Michael Emerson) bei einem kriminellen (und dadurch offenbar überaus finanzkräftigen) Hacker ein Tool, mit dem sich der Virus optimal verbreiten lässt. Der Hacker meint, dass Finch damit das Internet zum Zusammenbruch bringen könnte. Doch Finch verfolgt - gemeinsam mit der Maschine (Amy Acker) ein viel größeres Ziel.

Mit dem französischen NATO-Beauftragten (Jean Brassard) für Spionageabwehr auf dem Rücksitz gelingt es Finch, in das Hauptquartier der NSA einzudringen, von wo aus er den Virus aufs Internet loslassen - und Samaritan vernichten will. Während er sich auf dieser Mission befindet, lässt die Maschine Was-wäre-wenn-Simulationen ablaufen, um ihrem Schöpfer ein Bild davon zu vermitteln, wie eine Welt ausgesehen hätte, in der er sie niemals geschaffen hätte.

Reese (Jim Caviezel) und Shaw (Sarah Shahi) sind derweil auf der Suche nach Finch. Die Maschine ist dabei zunächst nur von begrenzter Hilfe: Sie gibt Reese und Shaw eine Nummer, die einer Tarnidentität von Greer (John Nolan) gehört. Dass von Greer Gefahr ausgeht, ist eigentlich klar. Oder will die Maschine ihnen sagen, dass Greer das Opfer ist? Dass Harold ihn töten wird? Der nächste Hinweis ist dagegen schon etwas klarer: Die Maschine dirigiert sie zum NSA-Hauptquartier.

Und das gerade noch rechtzeitig, denn Finch hat den Virus zwar auf die NSA-Server aufspielen können. Bevor er ihn jedoch auch aktivieren kann, läuft er in eine Falle von Samaritan. Greer unternimmt einen letzten großen Anlauf, Harold davon zu überzeugen, dass die Herrschaft von Samaritan über die Menschheit eine gute Sache - der nächste evolutionäre Schritt - ist. Doch Harold ist nicht vom Ideal einer freien, selbstbestimmten Menschheit abzubringen.

Nachdem sich Reese und Shaw ebenfalls Zugang zur NSA-Zentrale verschafft haben, nutzen sie die Hinweise, welche die Maschine ihnen gegeben hat, um die Verbindung der Maschine zu Harold, wiederherzustellen. Letztere ist nämlich aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen im Gebäude abgerissen. Auf diese Weise gelingt es der Maschine, Harold im letzten Moment aus höchster Gefahr zu befreien. Denn, nachdem Greer aus Harold herausgekitzelt hat, dass auch die Maschine den Aktivierungscode für den Virus nicht kennt, beschließt Samaritan, Harold endgültig den Garaus zu machen - und Greer gleich mit dazu.

Apropos den Garaus machen: Vor einem ähnlichen Problem steht Fusco (Kevin Chapman). Die Leichen der vermissten Personen, denen er auf der Spur war, bevor er die Wahrheit über die Maschine und Samaritan kannte, werden in dem eingestürzten Tunnel (aus A More Perfect Union) entdeckt. Das FBI schaltet sich in die Ermittlungen ein. Dabei kommt Agent LeRoux (David Aaron Baker) den heimlichen Nachforschungen auf die Spur, die Fusco angestellt hat. Mit fatalen Folgen...

Finale, Teil 1

Nach dem Durchhänger, den sich Person of Interest mit Synecdoche erlaubt hat, ist .exe genau die Art von Episode, die wir so kurz vor Schluss sehen wollen. In vielerlei Hinsicht kann man die Folge sogar als Teil eins des Serienfinales ansehen. Die Serie legt hier ein derartiges Tempo vor, dass sie für das eigentliche Serienfinale in der folgenden Woche dramaturgisch sogar kaum noch etwas übriglässt.

Greer stirbt. Harold aktiviert den Virus - und fügt Samaritan damit am Ende einen sichtbaren Schaden zu. Die Folge schließt, was für die vorletzte Folge einer Serie eher untypisch ist, mit der Aussicht, dass unsere Helden gewinnen. Was oberflächlich betrachtet, ein wenig die Spannung in Richtung Finale nimmt. Wenn man etwas näher darüber nachdenkt, dann stellt sich jedoch die Befürchtung ein, dass die Macher uns hier in einem falschen Gefühl der Sicherheit wiegen: Droht im Finale etwa doch noch eine Niederlage?

Unwahrscheinlichkeiten

.exe ist sicherlich nicht perfekt. Kritisieren mag man, dass sich die Entwicklungen in der Folge ziemlich überhastet vollziehen, was allerdings mindestens teilweise dem Mandat von CBS an die Produzenten geschuldet ist, auch in der Finalstaffel grundsätzlich an einer Fall-der-Woche-Struktur festzuhalten. Andernfalls hätten die Produzenten jenen ominösen Supervirus, der nun in der Lage sein soll, Samaritan (und die Maschine) zu Fall zu bringen, vielleicht schon etwas eher einführen beziehungsweise eleganter darauf hinleiten können.

Reese und Shaw in %26bdquo;Person of Interest%26ldquo; © CBS
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Darüber hinaus gibt es auch so manche extrem auffällige Unwahrscheinlichkeit zu bemängeln: Sei es, dass Harolds Handy glücklicherweise in Sichtweite der Glastür abgelegt wurde, um ihm die Flucht aus der Kammer zu ermöglichen. Sei es, dass eine fälschliche Bombendrohung ausreicht, um eine Räumung der NSA-Zentrale herbeizuführen und Samaritan seinem Gegner schutzlos auszuliefern. Das ist so unwahrscheinlich, dass die Maschine in ihren simulierten Gefechten mit Samaritan darauf bestimmt noch nicht einmal gekommen sein wird. Und deshalb in den Simulationen fortlaufend verloren hat. Wenn sie geahnt hätte, wie leicht Samaritan zu übertölpeln ist...!

Und dann der Tod von Greer, der von der Story her wirklich nur sehr begrenzt Sinn ergibt. Die Folge scheint uns nahelegen zu wollen, dass er sich für Samaritan opfert. Bedauerlicherweise kommt es jedoch als eine ziemlich leere Geste herüber, da durch dieses Opfer nichts erreicht wird. Greer hätte genauso gut auf der anderen Seite der Glastür stehen können. Der Effekt wäre der gleiche gewesen (beziehungsweise nicht: Auf der anderen Seite der Tür hätte er Harolds Flucht verhindern können).

Parforceritt

Bei aller berechtigten Kritik an diesen und möglicherweise noch weiteren Punkten (Bear, der eine Woche lang nicht Gassi gewesen ist!) darf jedoch nicht übersehen werden, welch ungeheueren Spaß (!) die Folge bereitet. .exe ist ein rasanter und mitreißender Parforceritt, der die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde in Atem hält, bewegt und zum Nachdenken anregt.

Im Mittelpunkt steht die anhaltende theologisch-philosophische Debatte zwischen Greer und Finch über nichts Geringeres als die Zukunft der Menschheit und unser Selbstverständnis in einer Welt, die von dem Überleben der Spezies bedrohenden Problemen einerseits und technologischen Heilsversprechen andererseits geprägt ist. Das ist das Niveau der intellektuellen Auseinandersetzung, die in Person of Interest stattfindet - und die, wie bei verschiedenen Gelegenheiten bereits angemerkt, locker ausreichend Stoff für das eine oder andere Proseminar an Universitäten böte.

Hat Greer Recht?

Dieser thematische Kern trägt auch zur enormen Spannung der Serie bei. Schaut man sich insbesondere manche Superheldenserien an, mit denen Person of Interest ja durchaus eine strukturelle Verwandtschaft aufweist, so fällt auf, dass die Antagonisten, also die Bösen, oft völlig idiotische und unglaubwürdige Ziele verfolgen, wodurch sie als Figuren an Statur und die jeweiligen Geschichten an Spannung verlieren. Nicht so in Person of Interest. Greer ist nicht nur ein Gegenspieler, der sich intellektuell absolut auf Augenhöhe mit Harold bewegt. Vor allem ist er jemand, dessen Motivation und Überzeugung vollkommen nachvollziehbar, ja rational erscheinen.

Warum sollten wir uns eigentlich nicht dem technologischen Gott anvertrauen? Wenn Samaritan unsere Probleme lösen kann, warum sollen wir uns nicht in seine Hand begeben?“ Ich werde sicherlich nicht der einzige Zuschauer sein, der sich bei diesem Gedanken ertappt hat. „Was, wenn Greer Recht hat? Wenn Samaritan der Weg zur Rettung der Menschheit ist?

Die Stärke des Antagonisten - und zwar nicht nur hinsichtlich der Bedrohung, die er verkörpert, sondern auch hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit der Ziele, die er verfolgt - macht zu einem guten Teil die Stärke von Person of Interest aus.

Badass

Natürlich machen auch die Protagonisten in .exe keine schlechte Figur. Im Gegenteil: Vor allem Harold muss man attestieren, dass er die Folge regelrecht rockt. Man kann es nicht anders sagen. Angefangen bei seinem Überfall auf den Hacker zu Beginn, über den Schuss mit der Betäubungspistole auf den NATO-Gesandten, bis hin zu seiner Rettungsaktion für Reese und Shaw: Harold ist in .exe so dermaßen badass, so entschlossen und souverän, wie wir ihn möglicherweise noch nie in der Serie gesehen haben. Mit seinem Eindringen in die Höhle des Löwen, die NSA-Zentrale, stellt er eine Chuzpe unter Beweis, die den Zuschauer begeistert vor dem Bildschirm aufspringen lässt.

Dass es dann innerhalb des Gebäudes ausgerechnet der WLAN-Router eines gewissen Edward Snowden ist, welcher die Rettung bringt, hat mich zumindest zu spontanem Szenenapplaus veranlasst. Welch eine schöne Verbeugung vor dem Mann, dessen Enthüllungen Person of Interest überhaupt erst jene Aktualität und Dringlichkeit verliehen haben!

Alternative Welt

Im Vorfeld war ich etwas besorgt, als ich gelesen hatte, .exe sei eine „alternative reality themed episode“. „Wie bitte? Dafür hat die Serie doch gar nicht mehr die Zeit!“ Aber die Folge hat meine Bedenken schnell zerstreut. Die Alternativszenarien sind punktuell sehr gut in die Narration integriert. Sie werfen - kurz vor dem Finale - ein Schlaglicht darauf, wie sich unsere Hauptfiguren unter dem Einfluss der Maschine und der Abenteuer, welche sie die letzten fünf Jahre erlebt haben, entwickelt haben.

Zugleich bescheren sie uns ein Wiedersehen mit einigen wichtigen Neben- und Gastfiguren aus der Vergangenheit der Serie: Nathan (Brett Cullen), Szymanski (Michael McGlone, Senator Garrison (John Doman), Cole (Ebon Moss-Bachrach) und sogar Henry Peck (Jacob Pitts) aus No Good Deed. Ein wenig enttäuscht mag man darüber sein, dass Taraji P. Henson alias Carter fehlt. Mehr als ein Cameoauftritt wäre allerdings ohnehin nicht drin gewesen. Dafür hätte sich der Aufwand, die Drehpläne mit Empire zu koordinieren, vermutlich nicht gelohnt.

Dafür bekommen wir immerhin noch mal Root (Amy Acker) on screen zu sehen. Als ihre alternative Version, die immer noch davon überzeugt ist, dass es sich bei Menschen um bad code handelt und deshalb bestens ins Team Samaritan passt. Diese letzte Simulation ist es schließlich auch, die Harold endgültig davon überzeugt, das zu tun, was getan werden muss, um Samaritan zu zerstören, selbst wenn dies auf Kosten von Harolds eigenem Geschöpf, der Maschine, geschieht.

Überleben?

Geht man natürlich an den Beginn der Staffel, zur Folge B.S.O.D., zurück, so muss man eigentlich schließen: Wenn es nicht Root gewesen ist, die den rückblickenden Eröffnungsmonolog gesprochen hat, dann kann es nur die Maschine gewesen sein. Was bedeuten würde, dass sie überlebt. Was das angeht, darüber darf man sich bei Person of Interest aber trotzdem nie allzu sicher sein...

Das Herz wäre mir fast stehen geblieben, als Fusco niedergeschossen wird. Angesichts der Verluste, die das Team Machine in der jüngsten Vergangenheit zu beklagen hatte, wäre es absolut glaubhaft gewesen, dass er hier stirbt. In diesem Fall funktioniert die Irreführung der Autoren jedoch in die andere Richtung. Fusco trägt - eine Reminiszenz an die Pilotfolge? - eine kugelsichere Weste. Und stellt sich die Frage, was er nun seinerseits mit LeRoux anstellen soll.

Regienovize

Ausdrücklich lobend erwähnen muss man Autor und Showrunner Greg Plageman, der mit .exe sein Regiedebüt gibt und sich dafür wahrlich nicht die leichteste Folge ausgesucht hat. Es gelingt ihm jedoch, geradezu mühelos zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen und Realitätsebenen zu manövrieren. Den Szenen, die in der alternativen Realität spielen, verleiht er beispielsweise deutlich kräftigere Farben - und setzt sie damit deutlich von den Gegenwartsszenen, aber auch vom Stil der meist entsättigt daherkommenden Rückblenden ab.

Fazit

Nicht perfekt, aber trotzdem ungemein fesselnd und unterhaltsam: So lautet das Fazit zu .exe. Bei allen Kritikpunkten, die man stellenweise anführen kann, liefern die Macher insgesamt betrachtet jedoch eine Qualität ab, auf die sie wahrlich stolz sein dürfen. Und die das Publikum erwartungsvoll dem Finale entgegenblicken lässt.

Und natürlich am Boden zerstört zurücklässt, weil die Serie dann vorbei ist. Aber das muss ja wohl kaum eigens erwähnt werden.

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 16. Juni 2016
Episode
Staffel 5, Episode 12
(Person of Interest 5x12)
Deutscher Titel der Episode
Ausführen
Titel der Episode im Original
.exe
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 14. Juni 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 17. Oktober 2016
Regisseur
Greg Plageman

Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x12

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