Person of Interest 5x11

Das passiert in der Person of Interest-Folge Synecdoche:
Das Team Machine ist von den Ereignissen in The Day the World Went Away schwer getroffen worden: Reese (Jim Caviezel) und Fusco (Kevin Chapman) sind die Einzigen, die an Roots Beerdigung teilnehmen. Damit Samaritan keine Rückschlüsse ziehen kann, wird sie nicht unter ihrem Namen, sondern nur unter einer Nummer beerdigt.
Shaw (Sarah Shahi) ist nicht mit dabei. Sie weiß überhaupt nicht, wie sie mit dem Verlust emotional umgehen soll. Sie zieht sich auf den Spielplatz zurück, der in ihren Gedanken immer der sichere Ort gewesen ist (6,741). Ein Teil von ihr hofft, dass das alles immer noch eine Simulation ist.
Reese bittet sie um Hilfe. Nur gemeinsam können sie Finch (Michael Emerson) aufspüren, um anschließend endlich etwas gegen Samaritan zu unternehmen. Doch vorerst hat die Maschine andere Pläne mit ihnen. Zuerst bekommt Shaw die rotierende Identität zugeschrieben, die Root vorher inne hatte. Und schließlich klingelt das Telefon mit einer neuen Nummer: HMX-1. Eine Codebezeichnung für den Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Die drei übrig gebliebenen Mitglieder des Team Machine fahren also nach Washington, wo es ihnen jedoch gar nicht so leicht fällt, überhaupt nur in die Nähe ihrer Zielperson zu kommen. Das Weiße Haus ist schließlich gut bewacht. Ein möglicher Gefahrenpunkt ist jedoch eine abendliche Spendenveranstaltung, an welcher der Präsident teilnehmen soll. Shaw gelangt über ihre neue Tarnidentität als angebliche Frau eines Kongressabgeordneten ohne größere Schwierigkeiten ins Gebäude.
Reese hat dagegen einige Schwierigkeiten, welche jedoch von unerwarteter Seite gelöst werden. Der Milliardär Logan Pierce (Jimmi Simpson), der die Nummer in One Percent gewesen ist, verschafft ihm kurzerhand Zugang zu dem Event. Tatsächlich entdeckt Reese bei dieser Gelegenheit eine eingeschmuggelte Bombe. Die Explosion selbst kann er zwar nicht verhindern; er sorgt jedoch dafür, dass niemand zu Schaden kommt.
Eine Gruppe, welche die US-Regierung zum Stopp der illegalen Massenüberwachung zwingen will, bekennt sich zum Attentat und droht mit einem weiteren Anschlag auf den Präsidenten.
Finch ist unterdessen mit dem Auto unterwegs nach Texas. Auf der Fahrt pflegen er und die Maschine (Amy Acker) einen intensiven Gedankenaustausch - über Root, die bisweilen fatalen Konsequenzen guter Absichten und das, was die Maschine alles für die Menschheit tun könnte. Sein Weg führt Harold auf das Gelände einer Air Force Base, wo das Militär Viren für den Cyberwar-Gebrauch lagert...
Enttäuschend
Die erste Reaktion, welche sich auf Synecdoche einstellt, kann eigentlich nur ein Gefühl der Enttäuschung sein. Die vorangegangene Episode The Day the World Went Away hat die Messlatte einfach viel zu hoch gelegt. Außerdem ist das Ende der Serie viel zu nah, als dass irgendein Fall der Woche jetzt noch das geringste Interesse wecken könnte. Selbst wenn es dabei um den US-Präsidenten geht.
Mehr als irgendwo sonst in dieser Staffel wirkt sich hier das Diktum von CBS negativ aus, unbedingt sogar noch kurz vor Schluss den Produzenten abgeschlossene Einzelfälle abzuverlangen „76268“. Die Terrorgruppe - so eine Art Vigilance für Arme - ist ein kompletter Witz. Der Plan, den Präsidenten erst mit einer Bombe zu erschrecken, um ihn dann mittels einer Drohne zu töten, erscheint ziemlich wirr. Und die filmische Umsetzung des Plots reichlich billig.
Man fühlt sich unwillkürlich an die Szene mit Fusco und Shaw im Hotelzimmer erinnert, als er ihr erläutert, dass er keine so große Brieftasche wie Finch hat - und deshalb kein besseres Zimmer besorgen konnte. So ähnlich kommt einem Synecdoche vor: Eingeklemmt zwischen Jubiläumsfolge und Serienfinale hat hier das Budget nicht mehr gereicht, um dem Sicherheitsapparat des Präsidenten die nötige Größe und der Washington-Szenerie ein glaubhaftes Ambiente zu verleihen.
Team Machine 2
Wenn es etwas gibt, das man dem Hauptplot von Synecdoche abgewinnen kann, dann ist es der Clou, den die Folge zum Ende hin findet: Neben Pierce tauchen aus der Vergangenheit der Serie noch zwei weitere Figuren auf, Harper Rose (Annie Ilonzeh) und Joey Durban (James Carpinello) - Letzterer aus der dritten Folge der ersten Staffel Mission Creep! Sehr viel weiter hätten die Produzenten gar nicht zurückgehen können.
Die Drei tauchen jedoch nicht nur zufällig in der Episode auf. Wie sich am Ende herausstellt, sind sie von der Maschine rekrutiert worden, um die Nummern in Washington zu bearbeiten. Oder eben in diesem Fall Reese und seinen Freunden Hilfestellung zu geben. Dass sich die Drei nicht schon vorher offenbaren, macht natürlich wenig Sinn und ist wohl dem dramaturgischen Wunsch geschuldet, sich eine letzte Enthüllung für den Schluss aufzuheben.
Egal: Das Wiedersehen macht so oder so Freude! Dass die Maschine ehemalige Nummern rekrutiert, um wiederum anderen Menschen zu helfen, ist ein sehr schöner Gedanke. Außerdem deutet die Serie hier augenzwinkernd die Möglichkeit eines Spin-Offs an: Wenn es tatsächlich mehrere Teams gibt, so könnte man den Erzählfaden des Person of Interest-Universums problemlos irgendwann wieder aufgreifen, völlig unabhängig von dem, was möglicherweise im Finale mit den Hauptfiguren geschieht. Die Produktion von Fanfiction dürfte es auf jeden Fall anregen...
Trauerarbeit
Lohnenswert an Synecdoche sind darüber hinaus natürlich die Reaktionen der Figuren auf den Tod von Root. Bei Fuscos „Rest in Peace, Coco Puffs“ sind mir noch mal ganz heftig die Tränen in die Augen geschossen. Den in diesem Zusammenhang vielleicht schwierigsten Part hat Sarah Shahi, der es als Shaw versagt ist, um ihre Freundin zu trauern - und die genau darüber mit sich selbst hadert. Man darf sehr gespannt sein, ob sie in Richtung Serienfinale vielleicht doch noch einen Weg für sich findet, den unter der Oberfläche schlummernden Gefühlen einen Ausdruck zu verleihen.
Der mit Abstand interessanteste Teil von Synecdoch ist derweil fraglos Finchs Konversation mit der Maschine, bei der deutlich wird, dass der Computer weitaus mehr als nur die Stimme von Root übernommen hat. Die Art, wie die Maschine mit Harold spricht, kommt der von Root ebenfalls sehr nahe. Was den Gesprächen, welche die beiden über Root und ihre jeweiligen Gefühle für sie führen, natürlich noch mal eine ganz besondere Färbung gibt.
Dabei kommt es zu einigen sehr bewegenden Momenten, welche den Zuschauer arg schlucken lassen: Etwa, als Harold gesteht, wie sehr er Roots Stimme vermisst. Oder als die Maschine ihm umgekehrt klar zu machen versucht, was der Verlust von Root für sie bedeutet - und dass sie sehr wohl einen Schmerz darüber empfindet. Die Art und Weise, wie Mensch und Maschine, Schöpfer und Geschöpf hier eine Beziehung zueinander aufbauen, ist das eigentlich Spannende und Interessante an der Episode, das es sogar verdient hätte, etwas ausführlicher als nur in einem Nebenstrang behandelt zu werden.
Finch 2.0
Wir sehen in Synecdoche einen Finch, der zwar das Reflektieren über das eigene Tun nicht abgelegt hat - sehr schön illustriert durch sein FCKW-Beispiel -, der aber gleichzeitig deutlich macht, dass er nunmehr bereit ist zu tun, was getan werden muss. Was sogar eine Erpressung mit einem kleinen, kranken Mädchen im Mittelpunkt einschließt. Der „alte“ Finch hätte derartige Taktiken als unmoralisch abgelehnt. Der „neue“ Finch tut das nicht mehr.
Fazit
Synecdoche hat einige sehr schöne Momente. Der Schwerpunkt, der auf einem wenig mitreißenden Fall der Woche liegt, sorgt jedoch dafür, dass die Folge im Vergleich zur vorangegangenen Jubiläumsepisode deutlich abfällt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 9. Juni 2016(Person of Interest 5x11)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x11
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