Person of Interest 5x09

Person of Interest 5x09

In Sotto Voce gibt es für das Team Machine ein unangenehmes Wiederhören mit einem alten Gegner. Reese und Fusco müssen dabei feststellen, dass man nicht einmal mehr auf dem Polizeirevier sicher ist, was für das Verhältnis der beiden aber auch seine positiven Seiten hat.

Hat in „Sotto Voce“ allen Grund zum Strahlen: Root (Amy Acker). / (c) CBS
Hat in „Sotto Voce“ allen Grund zum Strahlen: Root (Amy Acker). / (c) CBS

Das passiert in der Person of Interest-Folge Sotto Voce:

Wenige Kilometer von der mexikanisch-amerikanischen Grenze entfernt: Zwei Schlepper wollen eine mexikanische Familie mitten in der Wüste aussetzen, statt sie verabredungsgemäß über die Grenze zu bringen. Was die beiden Verbrecher nicht ahnen: auf ihrem LKW fährt auch Shaw (Sarah Shahi) als blinder Passagier mit - und sorgt dafür, dass die Familie das Fahrzeug nehmen kann, während die beiden Schlepper zu Fuß gehen müssen.

In New York ist Reese (Jim Caviezel) unterdessen damit beschäftigt, eine neue Nummer zu überwachen: Terry Easton (Neal Huff, Show Me a Hero) arbeitet als Schlosser für einen Schlüsseldienst. Reese beobachtet, wie Easton in eine Investmentfirma einbricht, um dort eine Bombe zu platzieren. Davon kann Reese ihn jedoch abbringen. Beim Verhör auf dem Revier stellt sich heraus, dass Easton unter Druck gesetzt wird. Seine Frau ist entführt worden. Noch während er gemeinsam mit Reese im Verhörzimmer sitzt, ruft der Erpresser ihn erneut an: Reese und Finch (Michael Emerson) erkennen sofort, um wen es sich handelt: Die Stimme - jener unheimliche Erpresser, mit dem sie bereits in Last Call zu tun hatten.

Finch glaubt, den Standort herausgefunden zu haben, an dem Eastons Frau festgehalten wird. Reese bittet Fusco (Kevin Chapman) ein Auge auf den Ehemann zu haben. Doch Fusco hat selbst genug mit eigenen Fällen zu tun - und zeigt seinem ehemaligen Partner die eiskalte Schulter. Zusammen mit einem Sondereinsatzkommando versucht Reese, die Frau zu befreien. Das Ganze stellt sich jedoch als eine Falle heraus: Bei einer Bombenexplosion werden zwei Beamte getötet und mehrere weitere schwer verletzt. Die Stimme lässt Reese wissen, dass über die Stadt hinweg noch weitere Bomben verteilt sind.

Mit der Hilfe von Elias (Enrico Colantoni) kommt Finch dem Bombenbastler auf die Spur, welcher die Stimme mit den Sprengvorrichtungen beliefert. Dank Elias' „Überredungskunst“ erfahren sie die Standorte der Bomben. Alle liegen im Einzugsbereich des 8. Reviers, dessen Beamte zu einem Großeinsatz ausrücken. Im Revier selbst verbleibt nur eine minimale Restbesatzung, was, wie sich herausstellt, exakt der Plan der Stimme gewesen ist.

Nachdem Easton ein Päckchen mit einem Handy erhalten hat, das ihm in einem unbeobachteten Moment unter der Tür durchgeschoben wurde, hat er mit seinen Fähigkeiten als Schlosser eine Straßengang von Latinos aus dem Polizeigewahrsam befreit, welche gerade erst eingebuchtet worden war. Wie Reese und Fusco jedoch sehr schnell feststellen, geht es hier nicht einfach um einen Gefängnisausbruch. Denn die Gang versucht gar nicht zu fliehen. Im Gegenteil: sie verbarrikadieren sich im Revier. Sie wollen nämlich einen anderen Gefangenen umbringen: den vermeintlich harmlosen Taxifahrer Amar Siddiq (Rupak Ginn), den Fusco gerade erst des mehrfachen Mordes überführt hat.

Nahezu auf sich allein gestellt müssen sich Reese und Fusco der Gang in den Weg stellen.

Root (Amy Acker) ist in der Zwischenzeit einer anderen Nummer nachgegangen: einem Ingenieur für Radio-Sendemasten, der offenbar mit Samaritan unter einer Decke steckt. Root kann nicht verhindern, dass besagter Ingenieur erschossen wird - und zwar von einer unbekannten Angreiferin. Ein Samaritan-Agent begibt sich an die Verfolgung der Attentäterin - Root hinterher. Dabei treffen sie und die Unbekannte aufeinander, welche jedoch gar nicht so unbekannt ist...

Overkill

Sotto Voce ist eine 5-Sterne-Folge, obwohl es sicherlich keine „perfekte“ Folge ist. Vor allem in der Handlungslogik tun sich Schwächen auf, die einem jedoch erst hinterher auffallen. Der Plan der Stimme erscheint, gelinde gesagt, etwas überkomplex. Da er doch schon einen Maulwurf im Revier hatte, nämlich den Polizisten Chen (Marcus Ho), hätte zum Ausschalten des unliebsamen Komplizen ein unauffällig mit Gift versetzter Kaffeebecher ausgereicht.

Stattdessen veranstaltet er diesen Riesen-Zinnober mit der Straßengang, die erst verhaftet werden muss, um dann im richtigen Moment wieder freigelassen zu werden, und irgendwelchen Bomben, welche möglichst viele Beamte aus dem Revier locken sollen. Zu allem Überfluss bringt er sich auch noch selbst in Gefahr, indem er sich als vermeintliches Erpressungsopfer inmitten des Geschehens platziert. Am Ende kommt man nicht um den Eindruck herum: Das hätte er alles auch viel einfacher (und risikoärmer) haben können.

Ungereimtheiten

Sotto Voce ist, um da überhaupt kein Missverständnis aufkommen zu lassen, eine sehr mitreißend geschriebene und inszenierte Folge! Während des Anschauens selbst kommen einem die diversen Wendungen mehr oder minder natürlich vor. Erst bei späterer Reflektion stellt sich ein gewisses Kopfschütteln ein (weshalb man über den Plan der Stimme vielleicht auch lieber nicht näher nachdenken sollte...).

Ungereimtheiten gibt es auch bei Shaws Rückkehr. Dass es jemand schafft, innerhalb von einer Woche auf verschlungenen Wegen von Südafrika zurück nach New York zu gelangen, geht ja vielleicht noch durch. Offen bleibt jedoch, wie sie so schnell - und ohne die Hilfe ihrer Kollegen vom Team Machine - die Identität irgendwelcher Samaritan-Leute in Erfahrung bringen konnte. Auch das gehört zu den Dingen, über die man lieber nicht so genau nachgrübelt.

Can't Live Without You

Das Wichtigste ist: Shaw ist zurück! Und die Szenen mit ihr und Root sind ganz großes Kino, jedenfalls in emotionaler Hinsicht. Shaw berichtet von den über 7.000 Simulationen, die sie durchlaufen hat - und von ihren (Selbst-) Zweifeln. Sie fürchtet, dass Samaritan etwas mit ihr angestellt hat, was sie zur Verräterin am Team werden lassen könnte. Es gibt da jedoch einen Menschen, den sie in den Simulationen niemals hat töten können. Ein Mensch, für den sie sich lieber selbst umbringen würde als ihm zu schaden. Ein Lächeln geht über Roots Gesicht. Vermutlich hätte selbst ein „Ich liebe Dich“ Shaws Gefühle für sie nicht eindeutiger zum Ausdruck bringen können.

Dann passiert jedoch etwas, was in den Simulationen niemals passiert ist, weil es sich Shaw offenbar selbst nicht vorstellen konnte. Gerade als sie sich die Waffe an den Kopf hält, tut es Root ihr gleich. Wenn Du Dich umbringst, dann bringe ich mich um. Root fängt sogar schon an, über das Leben nach dem Tod zu philosophieren - und ob es da möglicherweise doch etwas geben könnte. Sie zeigt damit, wie ernst es ihr ist. Die Liebe bis zur völligen Selbstaufgabe, sie ist beiden Frauen gemein. Man könnte fast meinen, ein Hauch von „Romeo & Julia“ weht in diesem Augenblick durch Person of Interest.

Romantik gehört sicherlich nicht zu den Dingen, die bei Person of Interest im Vordergrund stehen. Trotzdem ist Person of Interest im Kern eine zutiefst romantische Serie - und das nicht nur hinsichtlich des Heldentums, welches unsere Protagonisten angesichts überwältigend großer Gefahren demonstrieren, sondern auch und gerade im Hinblick auf die Liebesgeschichten, welche die Serien erzählt. Es ist eine überlebensgroße Form von Liebe; eine Liebe, welche in völliger Hingabe besteht. Das gilt für Root und Shaw, die sich für die jeweils andere Person umbringen würden. Es gilt für Harold, der um Graces (Carrie Preston) Sicherheit wegen die Trennung von der innig geliebten Frau hinnimmt.

Freundschaft

Ein anderes großes Gefühl, welches in Sotto Voce im Mittelpunkt steht, ist Freundschaft: allen voran die Freundschaft zwischen Reese und Fusco. Letztlich dreht sich die ganze Folge ja nur darum, die beiden voneinander entfremdeten Partner wieder zusammenzubringen. Auch darin liegt eine gewisse Art der (Western-) Romantik: Zwei Männer, die Seite an Seite kämpfen. Dem einen geht die Munition aus, der andere wirft ihm seine Waffe zu. Der eine wird fast erschossen, doch der andere wirft sich dazwischen und fängt die Kugel ab.

So spannend die Schießerei im Polizeirevier auch ist, so liegt in den Szenen auch etwas ungemein Warmherziges, einfach weil Reese und Fusco darin ihren Zusammenhalt, ihr gegenseitiges Sich-Aufeinander-Verlassen-Können unter Beweis stellen. Ähnlich wie bei Root und Shaw, wenn auch ohne die sexuelle Komponente, gilt hier: Der eine würde sich für den anderen töten lassen. Enger können Freunde kaum zusammenstehen.

Endlich

Entsprechend hält es Reese auch nicht länger aus, seinem Freund die Wahrheit zu verschweigen. Es gibt keinen Ort, an dem es eine absolute Sicherheit gäbe, nicht einmal ein Polizeirevier. Deshalb nimmt Reese Fusco aufs Dach mit. Nicht um ihm einen Antrag zu machen (wie Fusco zuerst scherzhaft meint), sondern um ihn endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich endlich ENDLICH in das Geheimnis der Maschine einzuweihen. Es war auch lange überfällig!

Lionel Fusco, welcome to Team Machine!

Der Gegner von gestern ist der Freund von heute

Um Freundschaft geht es auch im Handlungsstrang mit Harold und Elias. Mag Letzterer auch ein Stück weit aus Dankbarkeit handeln, so ist doch kaum zu bestreiten, dass sich - seit ihren gemeinsamen Schachpartien in der zweiten Staffel - so etwas wie eine Freundschaft zwischen dem Computer- und dem Verbrecher-Genie entsponnen hat.

Elias bezeichnet Harold in Sotto Voce sogar zwei Mal explizit als seinen Freund. Was im Vokabular des ehemaligen Cosa-Nostra-Bosses schon etwas bedeutet. Harold erwidert die Formulierung zwar nicht, er zeigt sich jedoch besorgt, dass Elias beim Verlassen des Verstecks in Gefahr geraten könnte. Und auch sonst: Allein die Tatsache, dass er die Mission gemeinsam mit Elias (als „Verstärkung“) antritt, demonstriert das Vorhandensein eines Vertrauensverhältnisses.

Kurios: Nach Root ist damit auch Elias nun endgültig zum Verbündeten von Team Machine geworden. Die beiden wichtigsten Gegenspieler aus der ersten Staffel von Person of Interest haben im Laufe der Jahre peu á peu die Seite gewechselt.

Fazit

Ich kann und will nicht verschweigen, dass ich am Ende von Sotto Voce Tränen in den Augen hatte. Und zwar Freudentränen. Diese sind auch der Grund dafür, warum letztlich kein Weg daran vorbeiführte, diese Folge mit 5 Sternen zu bewerten. Protagonisten, die bedingungslos füreinander einstehen. Elias als Verbündeter von Team Machine. Lionel endlich eingeweiht. Und Shaw wieder im Kreise ihrer Freunde. Schöner hätte Sotto Voce kaum zu Ende gehen können.

Die Folge schließt mit einem Bild, welches bereits kurz vor dem endgültigen Finale der Serie den Anfang mit dem Ende verbindet: Genau an der Brücke, an der Reese in der Pilotfolge von Finch rekrutiert worden ist, steht jetzt das gesamte Team zusammen.

Das Schlussbild aus einer etwas anderen Perspektive - auf Twitter gepostet von %26bdquo;Person of Interest%26ldquo;-Regisseur und Produzent Chris Fisher
Das Schlussbild aus einer etwas anderen Perspektive - auf Twitter gepostet von %26bdquo;Person of Interest%26ldquo;-Regisseur und Produzent Chris Fisher
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 31. Mai 2016
Episode
Staffel 5, Episode 9
(Person of Interest 5x09)
Titel der Episode im Original
Sotto Voce
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 30. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 26. September 2016
Regisseur
Margot Lulick

Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x09

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