Person of Interest 5x08

Das passiert in der Person of Interest-Folge Reassortment:
Reese (Jim Caviezel) folgt dem GeschĂ€ftsmann James Ko (James Chen) vom Flughafen zum Krankenhaus. Fast schon glaubt John, dass sich die Maschine geirrt haben muss: Ko lĂ€sst sich wegen grippeartiger Symptome in der Notaufnahme behandeln. DafĂŒr ist das Team Machine ja nun nicht gerade zustĂ€ndig. Die Dinge nehmen jedoch eine dramatische Wendung, als die diensthabende Ărztin Dr. Mason (Jenna Stern, Law & Order: Special Victims Unit) ihrem Patienten ein Antiviral-PrĂ€parat spritzt, dieser darauf jedoch ganz anders reagiert als erwartet. Ko bricht zusammen und stirbt innerhalb weniger Augenblicke.
Ăber die Notaufnahme des Krankenhauses wird eine QuarantĂ€ne verhĂ€ngt, bis feststeht, woran Ko gestorben ist. Reese hilft dem Wachmann (John Mondin) der Station bei der Abriegelung der Sektion - nicht ohne vorher noch Finch (Michael Emerson) einzuschmuggeln, der sich ungeachtet der Gefahr gemeinsam mit Bear ins Krankenhaus begeben hat.
Schnell steht fest, dass sich die schlimmsten BefĂŒrchtungen bewahrheitet haben: Ko, der gerade aus Hongkong angekommen war, hatte sich mit der Vogelgrippe infiziert. Die hat ihn jedoch nicht getötet. TatsĂ€chlich ist ihm oben drauf noch eine konzentrierte Dosis menschlicher Grippe-Erreger verabreicht worden. Beide Grippearten zusammen haben einen extrem gefĂ€hrlichen Supererreger entstehen lassen. WĂ€hrend Reese und der Wachmann damit beschĂ€ftigt sind, die aufkommende Panik unter den ĂŒbrigen Patienten unter Kontrolle zu bringen, geht Finch der Frage nach, wie Ko die zweite Grippeart verabreicht bekommen hat.
Mit Roots (Amy Acker) verfolgt er die Palette mit dem vermeintlichen Antiviralmittel zu einem zwielichtigen Labor zurĂŒck, welches offenbar statt des Medikaments den Erreger ausgeliefert hat. Doch wer steckt dahinter? Und welcher Zweck wird damit verfolgt?
Jeff Blackwell (Joshua Close) hat in der Zwischenzeit vergeblich versucht, seine Ex-Freundin zurĂŒckzugewinnen. So sehr sie auch davon beeindruckt ist, dass Jeff sein Leben nach dem Knast offenbar wieder in den Griff bekommen hat, will sie ihm keine erneute Chance geben. Sie fĂŒrchtet, dass er trotz seines neuen Jobs rĂŒckfĂ€llig werden könnte. In gewisser Weise teilt Jeff diese BefĂŒrchtung sogar. Er entwickelt jedenfalls zunehmend Zweifel, ob es bei seiner neuen Arbeitsstelle mit rechten Dingen zugeht. Er teilt diese Sorgen auch seiner Chefin Mona (LaChanze) mit, die ihn jedoch zu beruhigen versucht.
Sie verspricht ihm, dass er nur noch eine Aufgabe erledigen mĂŒsse. Danach könne er entscheiden, ob er weiter mitmachen oder aussteigen will. Besagte Aufgabe fĂŒhrt Jeff in eben jenes Krankenhaus, in dem der Virenausbruch wĂŒtet. Mona weist ihn an, Dr. Jason und der Krankenschwester Carroll (Sonnie Brown) jeweils eine Injektion mit dem Virus zu verabreichen. Jeff will den beiden Frauen nichts tun. Doch Mona erpresst ihn mit der Drohung dafĂŒr zu sorgen, dass er wieder im GefĂ€ngnis landet.
Was niemand ahnt: Inzwischen ist Fusco (Kevin Chapman) Blackwell auf die Spur gekommen. Ăber Elias (Enrico Colantoni) hat er einen Fuhrunternehmer ausfindig gemacht, dessen Lastwagen offenbar zum Transport des Sprengstoffs fĂŒr die unterirdischen Tunnel benutzt worden ist. Unter den Fahrern erkennt er Blackwell - und macht dessen Auto ausfindig.
Shaw (Sarah Shahi) hat unterdessen endgĂŒltig genug von ihrem Dasein als Gefangene von Samaritan. Ăber 7.000 Mal ist sie in der Simulation geflohen. Nun aber macht sie sich in der Wirklichkeit an ihren Ausbruch ...
Virenausbruch - nicht schon wieder!
A More Perfect Union und QSO waren beide vergleichsweise schwache Episoden, die nicht ganz die Spannung und Dramatik zu transportieren wussten, die sich eigentlich so kurz vor Schluss bei Person of Interest einstellen mĂŒsste. Sie hatten jeweils ihre unterhaltsamen Momente, waren aber sicherlich keine Highlights.
Und auch Reassortment lĂ€sst den Zuschauer in den ersten Minuten stirnrunzeln: Reese geht einer Nummer nach. Und das Ganze mĂŒndet in dem nur allzu bekannten Szenario des QuarantĂ€ne-Thrillers. Kaum eine US-Dramaserie kommt ohne mindestens eine Episode aus, in der die Hauptfiguren durch einen Virenausbruch in Gefahr geraten. Hat man schon gefĂŒhlt eine Million Mal gesehen. Langweilig.
Hochspannung
Das könnte man zumindest meinen. TatsĂ€chlich entwickelt Reassortment ungeachtet der bekannten Grundkonstellation ein bemerkenswert hohes MaĂ an Spannung. Ich wĂŒrde sogar so weit gehen, zu sagen, dass mein Herz seit dem Staffelauftakt B.S.O.D. nicht mehr so schnell und heftig geklopft hat wie in dieser Folge.
Zum einen ist dies natĂŒrlich dem Umstand geschuldet, dass, wie sehr schnell klar wird, Samaritan hinter dem Virenausbruch steckt. Zum anderen wird die Gefahr, in der die Figuren schweben, aber auch sehr gut konkretisiert und in Szene gesetzt. Das fĂ€ngt damit an, dass die Bedrohung nicht nur von einer, sondern gleich von zwei Seiten kommt.
Da ist einerseits der Krankenhausverwalter (Mark H. Dold), der restlos davon ĂŒberzeugt ist, fĂŒr eine gute Sache einzutreten. Er ist ein Agent Samaritans aus Ăberzeugung, der das Heil der Medizin in der völligen Automatisierung sieht - und deshalb bei Samaritans Plan mitmacht. Die Szene mit ihm im Lagerraum ist nicht zuletzt deshalb so spannend, weil Harold in dieser Situation auf sich allein gestellt ist (jedenfalls bis ihn Root und die Maschine an die vierbeinige Waffe an seiner Seite erinnern...).
Innerer Konflikt
Andererseits ist da Jeff, der von Samaritan zur Mitarbeit gedrĂ€ngt, ja gezwungen wird. AusgewĂ€hlt wurde er, wie spĂ€ter bekannt wird, wegen seiner besonderen genetischen Marker. Deshalb ist Jeff fĂŒr diese Mission so wichtig. Spannend sind die Szenen mit ihm vor allem deshalb, weil er in einem inneren Konflikt steht. Eigentlich will er das Richtige tun. Von krummen Dingern wollte er die Finger lassen. Wir sehen in Reassortment, wie viel er durch das GefĂ€ngnis verloren hat - und warum es ihm so wichtig ist, nie mehr hinter Gitter zu kommen.
Anders als die vielen anonymen Samaritan-Agenten, deren Kniescheiben Reese normalerweise zerschieĂt, hat Jeff ein Gesicht, eine Geschichte und sogar ein Gewissen. Er ringt mit sich, was dem Zuschauer in dieser Situation Gelegenheit gibt, mit ihm mitzufiebern - und darauf zu hoffen, dass er die richtige Entscheidung trifft. Umso hĂ€rter trifft es uns, als er dies nicht tut. Er gibt der Erpressung nach und startet den Angriff auf die Ărztin und die Krankenschwester.
Ein neuer âFilterâ
Auch das ist ein Aspekt, der fĂŒr eine zusĂ€tzliche EmotionalitĂ€t und Spannung in der Folge (und natĂŒrlich ganz besonders am dramatischen Klimax) sorgt: Jeder Angriff ist natĂŒrlich schrecklich, trotzdem stellt die Attacke auf medizinisches Personal immer noch ein ganz besonderes Tabu dar, das entsprechenden Widerwillen und Entsetzen weckt.
Zwar kann am Ende das Schlimmste noch verhindert werden. Wie sich jedoch zeigt, hat Samaritan sein grundlegendes Ziel erreicht: Die Angst vor der Seuche fĂŒhrt zu umfangreichen Impfungen, begleitet von der Sammlung genetischer Daten, die das eigentliche Ziel von Samaritan waren. Die PlĂ€ne Samaritans gewinnen durch das, was Mona Jeff offenbart, weiter an MonstrositĂ€t: Samaritan will die Menschheit also nach genetischen Gesichtspunkten „neu sortieren“, was bereits per se ein erschreckendes, alles Menschliche - Persönlichkeit, IndividualitĂ€t und Freiheit - in Frage stellendes Konzept ist. Das Einzige daran, das noch schlimmer ist: Wie bereitwillig die Menschen daran mitwirken, wenn sie nur meinen, sich dadurch vor einer Gefahr schĂŒtzen zu können.
Person of Interest ist eine fiktionale Serie. Die EinschĂ€tzung, dass Menschen, die Angst haben, zu so ziemlich allem zu bewegen sind, dĂŒrfte jedoch hundertprozentig akkurat und realistisch sein.
Flucht
Auf einen Nebenhandlungsstrang ist die Flucht Shaws aus der Gefangenschaft Samaritans reduziert. Das mag den ein oder anderen Zuschauer enttĂ€uschen, ist aber letztlich gar nicht mal so unklug gemacht. StĂŒnde die Flucht Shaws im Vordergrund, wĂŒrde sich womöglich, Ă€hnlich wie bei 6,741, der Eindruck einstellen, dass ihr die Flucht doch viel zu einfach gelingt und dass die SicherheitsmaĂnahmen von Samaritan doch eigentlich viel ausgeklĂŒgelter sein mĂŒssten. Dadurch, dass die Flucht jedoch gar nicht so sehr in den Mittelpunkt gestellt wird, ist man als Zuschauer sehr viel eher bereit, kleinere Ungereimtheiten (etwa die geringe Anzahl der WĂ€rter in dem sĂŒdafrikanischen GefĂ€ngnis) zu ĂŒbersehen.
Die beiden denkwĂŒrdigsten Augenblicke von Shaws Flucht sind zum einen die Hilfe, die sie durch einen der GefĂ€ngnisinsassen (Antonio Lyons) erfĂ€hrt, was inmitten der unwirtlichen und unwirklichen Umgebung fĂŒr einen sehr menschlichen, warmherzigen Austausch sorgt.
Poetische Gerechtigkeit
Zum anderen bleibt einem aus dieser Folge natĂŒrlich das Ende von Lambert (Julian Ovenden) in Erinnerung, der Shaws Sinn fĂŒr Illusion und RealitĂ€t so weit verwirrt hat, dass sie in QSO aus Versehen die Wissenschaftlerin getötet hat. Doch in Reassortment kassiert er dafĂŒr die Quittung. Gerade als er meinte, dass ihm der Trick erneut gelungen ist -nur dass er diesmal Shaw unter Verweis auf die vermeintliche Illusion von ihrer Flucht abgebracht hat -, jagt sie ihm eine Kugel ins Herz. Und wĂ€hrend er daliegt und seinen letzten Atemzug tut, wird er von ihr auch noch verhöhnt: „Greer wird gleich einen Reboot starten...“
Es passiert nicht oft, dass ich in GelÀchter ausbreche, wenn eine Figur stirbt, selbst wenn es sich um einen der Bösen handelt. Diesmal konnte ich jedoch nicht an mich halten. Lambert auf diese Weise besiegt zu sehen, war einfach zu köstlich!
Fusco
Bleibt noch ein kurzes Wort zu Fusco zu sagen, der zielstrebig weiterermittelt - und sich das nicht von Finch oder Reese verbieten lĂ€sst, solange sie ihn im Dunkeln lassen. DafĂŒr muss sich Finch sogar - berechtigte - Kritik von Elias anhören. Reese wiederum muss sich nun einen neuen Partner suchen, weil Fusco ihn nicht lĂ€nger an seiner Seite haben will. Was man ihm, ehrlich gesagt, kaum verĂŒbeln kann.
Fazit
Reassortment beginnt durchschnittlich, entwickelt dann jedoch eine bemerkenswerte Spannung, die einen bis zum Schluss nicht mehr loslÀsst. Shaw lÀsst ihr GefÀngnis hinter sich. Fusco etabliert sich mehr und mehr als die eigentliche Helden- und Sympathiefigur von Person of Interest. Und die PlÀne von Samaritan werden finsterer und finsterer. Das Ergebnis: eine ganz starke Folge von Person of Interest.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 25. Mai 2016(Person of Interest 5x08)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?