Person of Interest 5x06

Das passiert in der Person of Interest-Folge A More Perfect Union:
Die Maschine macht Harold (Michael Emerson) und John (Jim Caviezel) auf eine neue Nummer aufmerksam. Dabei handelt es sich diesmal allerdings nicht um die Sozialversicherungsnummer einer einzelnen Person, sondern um eine Heiratslizenz. Die Tochter eines steinreichen Gestütsbesitzers will einen Pflichtverteidiger aus einfachen Verhältnissen heiraten. Versucht ihre Familie etwa, die Hochzeit durch Ermordung des Bräutigams zu verhindern?
Harold und John schleichen sich in die Hochzeitsgesellschaft ein, um sicherzustellen, dass Braut und Bräutigam nichts passiert. Harold mimt einen lange verschollenen Onkel aus Irland. John hat sich - ganz ohne sein Zutun - beim Junggesellinnen-Abschied eine Schwester der Braut geangelt, die ihn als ihr Date auf die Hochzeit mitnimmt.
Root (Amy Acker) hat keine Lust, sich allein mit Bear im U-Bahn-Versteck die Zeit zu vertreiben. Zwar schickt ihr die Maschine eine neue Nummer. Diese leitet sie jedoch an Fusco (Kevin Chapman) weiter. Root will auch auf die Hochzeit! Tatsächlich gelingt es ihr, sich ebenfalls einzuschleichen, und zwar als Caterer. Sie kommt gerade rechtzeitig, als es darum geht, der Hochzeitsfotografin (Purva Bedi) die Kamera zu entwenden, um einige bewaffnete Gestalten zu identifizieren, die bei der Hochzeit auftauchen, zunächst aber nichts unternehmen.
Fusco geht unterdessen dem Fall nach, den Root ihm übertragen hat. Die Person, um die es dabei geht, ist ein Mitarbeiter (Russell G. Jones) der Baubehörde. Im Park beobachtet Fusco, wie der Mann sich ausgerechnet mit Bruce (James LeGros) trifft, der rechten Hand von Elias. Fusco stellt Bruce zur Rede - und bekommt immerhin so viel heraus: besagter Beamter ist für Abrissgenehmigungen zuständig und hält dabei gerne die Hand auf. Nun ist eine neue Firma aufgetaucht, von der er dachte, dass sie ebenfalls der Mafia gehört - und etwas an ihn zahlen müsste. Das Problem ist nur: Bruce weiß gar nichts von der betreffenden Firma.
Mit seinem Handy hat Fusco das Gespräch zwischen Bruce und dem Beamten aufgezeichnet und erfährt dadurch, um welche Abrissgenehmigung es geht: ein alter Tunnel, den Fusco auf eigene Faust gemeinsam mit Bear untersucht. Dabei macht er eine ungeheuerliche Entdeckung: die Leichen all jener Menschen, die in jüngster Zeit vermisst gemeldet worden sind. Darunter die Chemikerin aus ShotSeeker. Auch Bruce und der Bauamtsmitarbeiter sind unter den Toten. Und sie sind möglicherweise nicht die Letzten, für die dieser Tunnel zum Grab wird.
Greer (John Nolan) hat derweil weiterhin Schwierigkeiten, Shaw (Sarah Shahi) zur Mitarbeit zu bewegen. Über 7.000 Simulationen sind bislang immer auf dieselbe Weise zu Ende gegangen, nämlich damit, dass sich Shaw (virtuell) eine Kugel in den Kopf jagt. Also greift Greer zu einer neuen Strategie: Er will Shaw begreiflich machen, dass sie bisher auf der falschen Seite gestanden hat. Samaritan sei der eigentliche Held in dieser Geschichte ...
Hauptsache Hochzeit
Zwar steht in A More Perfect Union durchaus ein Fall der Woche im Mittelpunkt. Gleichzeitig könnte die Geschichte, um die es dabei geht, kaum belangloser sein. Irgendwas mit Pferden und Doping. Die beteiligten Gastfiguren haben so dermaßen wenig Screen Time, dass sie fast unbeachtet am Publikum vorbeihuschen. Die ganze Story ist im Grunde nur eine Entschuldigung dafür, eine Hochzeit stattfinden zu lassen.
Diese wiederum ist perfekt dazu geeignet, unsere Hauptfiguren auf gänzlich ungewohntes Terrain zu führen, was vor allem die komödiantische Seite der Serie zum Vorschein bringt: Reese, der sich unversehens auf dem Junggesellinnen-Abschied wiederfindet und feststellen muss, dass der Streifenpolizist neben ihm gar kein Kollege, sondern ein Stripper ist. Allein Jim Caviezels Gesichtsausdruck in diesem Augenblick ist es bereits wert, die Folge anzuschauen.
Kein Hochzeitsmuffel!
Aber auch Harold gerät in eine unangenehme Situation: Nicht nur, dass er sich als der irische Onkel ausgeben (und mit einem entsprechenden Akzent sprechen) muss. Der Neffe erinnert sich außerdem daran, dass dem Onkel doch eine so schöne Singstimme nachgesagt wird, weshalb Harold, nachdem er sich etwas Mut angetrunken hat, auf der Hochzeit ein Lied zum Besten gibt. Auch hier ist der verblüffte Ausdruck in den Gesichtern von Root und Reese, als sie dem Gesang ihres Freundes lauschen, mit das Witzigste an der Szene: „How come Harry never sings for us?“
Root kämpft derweil gegen die Wahrnehmung ihrer Freunde an, dass sie mit Hochzeiten nichts am Hut hat. Nur weil sie eine Hackerin und Ex-Killerin ist, heißt das doch noch lange nicht, dass sie keinen Sinn für Romantik hat! Tatsächlich wird sie am Ende als die romantischste aller Heldenfiguren inszeniert: als „weißer Ritter“ beziehungsweise schwarz gekleidete Ritterin hoch zu Ross, die den in Not Geratenen zu Hilfe kommt.
Innig
Es schließt sich eine der vielleicht warmherzigsten Szenen an, die wir in Person of Interest je zu Gesicht bekommen haben: Root fordert auf dem Hochzeitsempfang Harold zum Tanz auf. Und während die beiden tanzen, führen sie ein Gespräch, welches geradezu beispielhaft dafür steht, wie innig und vertrauensvoll ihre Freundschaft mittlerweile geworden ist. Root versichert Harold - im Ton tiefster Aufrichtigkeit -, dass sie im Hinblick auf die Kapazitäten der Maschine nichts ohne seine Erlaubnis unternehmen würde. Er wiederum erkennt ihre Einsamkeit, die sie dazu gebracht hat, herzukommen. Die beiden sind sich, ohne dass die Stimmung dabei ins Romantische kippt, so nah wie noch nie zuvor.
Der Abschluss der Szene hat indes etwas Wehmütiges: Harold, John und Root sitzen zusammen am Tisch, trinken einen guten Whiskey miteinander - und beobachten mit einem Stich im Herzen die glücklich tanzenden Paare. Die Kamera schaut allen Dreien nacheinander ins Gesicht. Und es zeichnet sich darin buchstäblich der Gedanke, ja die Sehnsucht ab: Wenn ich doch jetzt mit Shaw/Jessica/Grace dort tanzen könnte... Ungemein stark ist vor allem das letzte Bild: die drei Freunde zusammen, aber doch auch jeder irgendwie für sich allein und einsam.

Auf der falschen Seite?
Während die Hochzeit dem einen Teil von Team Machine Gelegenheit zur Erforschung der eigenen Gefühle gibt, ist Greer damit beschäftigt, die negativen Gefühle, die Shaw gegenüber Samaritan hegt, in positive Gefühle umzumünzen. Er zeigt ihr bei einem Ausflug (der sich selbst wiederum später nur als Simulation herausstellt), all die Übel und Gefahren in der Welt, gegen die Samaritan etwas unternehmen könnte.
Shaw wird hier gewissermaßen mit der Umkehrung des Theodizee-Problems konfrontiert. Das Theodizee-Problem lautet: Warum unternimmt ein allmächtiger und allgütiger Gott nichts gegen die Übel in der Welt? Greer präsentiert Shaw nun einen Gott, der tatsächlich etwas gegen alle Übel auf der Welt unternehmen könnte. Warum also schließt sie sich ihm nicht an? In der Simulation trifft Shaw sogar auf Gabriel (Oakes Fegley), die menschliche Verkörperung von Samaritan. In ziemlich drastischen Bildern macht er ihr deutlich, dass sich die Menschheit ohne ihn, ohne Samaritan gegenseitig zerstören wird.
Alles hat seinen Preis
Das Erschreckende daran ist, dass Samaritan und Greer auf gewisse Weise sogar Recht haben. Wenn allein das Überleben der Maßstab ist, dann könnte eine Welt, die von Samaritan kontrolliert wird, vielleicht sogar tatsächlich eine bessere Welt sein. Eine Welt, die viele der Übel nicht kennen würde, die uns aktuell beschäftigen und empören. Gleichzeitig hätte eine heile Welt, die heimlich von einer künstlichen Super-Intelligenz gesteuert wird, jedoch einen gigantischen Preis, da alle Menschen, die nach Kalkulation des Computers nicht in diese perfekte Welt hineinpassen, in Gefahr schweben würden, in einem unterirdischen Tunnel zu verschwinden, wie jener den Fusco entdeckt. Es ist das Problem so ziemlich aller totalitären Systeme.
Zu Fusco und dem Tunnel kommen wir gleich noch zurück. Erstmal gilt es jedoch festzuhalten, dass Samaritan zwar Fortschritte bei seiner Überzeugungsarbeit zu machen scheint. Ob es jedoch tatsächlich gelingen wird, Shaw „umzudrehen“, muss immer noch als sehr zweifelhaft angesehen werden. Schließlich gilt ihre Loyalität nicht allein der Sache der Maschine, sondern vielmehr den Personen, die dahinter stehen, allen voran Root.
Nein
Was Fusco angeht, so versetzt die Explosion im Tunnel dem Publikum einen gehörigen Schrecken. Dass er dabei wirklich draufgegangen ist, erscheint aber trotzdem eher unwahrscheinlich. Auf diese Weise - ohne die Wahrheit zu kennen, allein auf sich gestellt in einem Nebenhandlungsstrang - würden die Autoren ihn doch nicht sterben lassen. Oder? (fragt der Rezensent mit einer Spur Restbesorgnis) Wenn Fusco schwerverletzt aus den Trümmern geborgen wird, nachdem er auf eigene Faust im Fall der verschwundenen Personen weiterermittelt hat, wird hingegen hoffentlich den anderen endlich klarwerden, dass sie ihn hinsichtlich der Maschine und Samaritan einweihen müssen.
Fazit
Eine in vielerlei Hinsicht unterhaltsame Folge, die jedoch wegen des äußerst schwachen Falls der Woche nicht ganz so stark abschneidet wie etwa ShotSeeker zuvor.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 24. Mai 2016(Person of Interest 5x06)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 5x06
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